Sie sind gut aufgeklärt über Drogen, Alkohol und Abhängigkeit, und doch hält das viele junge Mediziner nicht davon ab, selbst davon Gebrauch zu machen. Im anstrengenden Studium wird der Grundstein für eine Abhängigkeitsspirale gelegt, die sich später weiter zudreht. Die Prävalenz für Alkohol- und Substanzmissbrauch ist bei Ärzten signifikant höher als bei anderen Berufsgruppen. Wie es dazu kommt, dass schon Medizinstudenten Substanzmissbrauch betreiben und welche aktuellen Zahlen es dazu gibt, erfahren Sie hier. Außerdem klären wir Sie über die wirksamsten Vorbeugungsmaßnahmen auf.
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Drogen im Medizinstudium

Bild: “Es ist vorbei! 168/365” von Dennis Skley. Lizenz: CC BY-ND 2.0


Als uns im ersten Semester in einer Vorlesung Fragebögen vorgelegt wurden, die deutlich auf unsere psychische Gesundheit und unseren Drogen- und Alkoholkonsum abzielten, konnten wir nur lachen. Warum sollte man sich ausgerechnet für unseren gesundheitlichen Zustand interessieren? Stellte das Medizinstudium wirklich so eine Bedrohung für die Psyche dar, wie man gerüchteweise gehört hatte?

Heute, 5 Jahre später und kurz vor Abschluss des Studiums, ist das Thema viel ernster und nicht mehr ganz so fern. Immer wieder dringt aus dem Umfeld durch, das aus dem Joint zur Entspannung am Wochenende eine handfeste Abhängigkeit geworden ist, dass sich Kommilitonen Amphetamine besorgen, um die Nacht vor einem Drittversuch durchzulernen, oder dass der abendliche Wein längst Gewohnheitssache ist. Von „harmloseren“ Sachen wie Koffein- und Schlaftabletten um den Schlaf-Wach-Rhythmus selbst in der Hand zu haben, ganz zu schweigen. Dieser subjektive Eindruck ist leider gut begründet.

Erschreckende Zahlen

Alkohol ist mit fast 90% die mit Abstand am häufigsten konsumierte Substanz. Von den Drogen im engeren Sinne wird Marihuana am meisten konsumiert, gefolgt von Kokain und Tranquilizern. Am wenigsten werden Psychopharmaka missbraucht.

Schon 1996 brachte eine im „The Lancet“ veröffentlichte Studie an englischen Studenten aufrüttelnde Zahlen hervor. Hiernach konsumierten über 20% mehr als einmal die Woche Cannabis, und über die Hälfte hatten es zumindest schonmal probiert. Nur ein Zehntel gab an, nie zu trinken. Von denen, die Alkohol konsumierten, zeigten über die Hälfte ein gefährliches Trinkverhalten oder sogenanntes „Binge-Trinken“.

Eine andere Studie aus den USA zeigte, dass der Alkoholmissbrauch bei US-amerikanischen Medizinstudenten bei erschreckenden 17% lag. Als Hauptmotivation gaben die Betroffenen die Suche nach Glücksgefühlen an.

Enormer Leistungsdruck und verminderte Lebensqualität

Nicht ohne Grund zählt Medizin zu den anspruchsvollsten Studiengängen. Während es sicher Fächer gibt, die intellektuell deutlich mehr fordern, muss man hier eine Fülle an Stoff in sehr knapper Zeit bewältigen. Man schreibt zudem ständig Klausuren und muss Nachmittage in Laboren verbringen, zumindest in den ersten Semestern. In höheren Semestern kommt dann evtl. noch eine Doktorarbeit dazu, die nebenher gemeistert werden muss, und wichtige Entscheidungen fürs spätere Berufsleben stehen an.

Das Studium lässt wenig Raum für anderes: wer zusätzlich noch arbeiten muss, schon eine Familie hat oder anderen regelmäßigen Verpflichtungen nachgehen muss, kommt dauerhaft an die eigenen Grenzen.

In seiner Dissertation beschäftigte sich der Mediziner Sebastian Klier mit der Lebensqualität von Medizinstudenten. Er fand einen Zusammenhang zwischen der vergleichsweise hohen Arbeitsbelastung im Medizinstudium und einer verminderten Lebensqualität. Dabei zeigten sich starke Geschlechtsunterschiede, männliche Medizinstudenten bewerteten sowohl Lebensqualität als auch Studienzufriedenheit deutlich besser als ihre weiblichen Kommilitonen. Außerdem berichteten schon Studenten in den unteren Semestern von einer verminderten subjektiven Gesundheit.

Psychisch angeknackst

Dass sich die Umstände des Studiums auf die Psyche auswirken, zeigen mittlerweile auch Studien. Die Leipziger Psychologen Kerstin Seliger und Elmar Brähler veröffentlichten 2007 in „Psychotherapeut“ eine Studie zur „psychischen Gesundheit von Studierenden der Medizin“. Sie untersuchten den psychischen Zustand von 390 Leipziger Studenten mit einem Fragebogen, der die häufigsten psychischen Erkrankungen abdeckte.

Ihre Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass Medizinstudenten unter einer fast zweifachen Stressbelastung im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung leiden. Außerdem haben sie eine höhere Symptombelastung in nahezu allen erfragten Erkrankungen, besonders bei den depressiven und Angsterkrankungen.

Beziehungen schützen

Die Gefährdung für Substanzmissbrauch ist umso höher, je stärker man sozial isoliert ist. Als sogenannte protektive, also schützende Faktoren, wurden hingegen intakte und stabile soziale Netzwerke und eine hohe Partnerschaftszufriedenheit gefunden. Weitere suchtprotektive Faktoren sind eine realistische Selbsteinschätzung, Konfliktfähigkeit und Selbstachtung.

Hier findet sich auch eine weitere Erklärung, warum Medizinstudenten besonders gefährdet sind. Der hohe Zeitaufwand fürs Studium macht es schwierig, soziale Kontakte ausreichend zu pflegen und eine Beziehung zu führen.

Auch wenn Sie nicht alle der genannten Faktoren als Prävention beeinflussen können, sollten sie also unbedingt soziale Kontakte weiterführen und die Abstriche lieber woanders machen. Konflikte offen und konstruktiv auszutragen und eine gute Stresstoleranz zu entwickeln, sind ebenfalls wirksame Präventionsmaßnahmen.

Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist

Wenn Sie sich jetzt fragen, ob Sie oder eine Person in Ihrem Umfeld gefährdet oder betroffen ist, gibt es mehrere Möglichkeiten. Zum Einen bieten viele Universitäten psychologische Beratungsstellen speziell für Studenten an, für die man kurzfristig Termine bekommt. Hier können Sie sich fachkompetenten Rat holen, ohne gleich als psychisch krank abgestempelt zu werden oder eine Diagnose zu bekommen.

Weiterhin bietet jede Stadt verschiedene Stellen zur Suchtberatung an, die Sie aufsuchen können. Im Zweifelsfall sollten Sie lieber nicht zögern, da es in der Regel schwerer ist eine Abhängigkeit hinter sich zu lassen, wenn sie schon zur Gewohnheit geworden ist.



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