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Serotonin-Wiederaufnahmeinhibitoren (SSRI) und ähnliche Antidepressiva

Antidepressiva umfassen mehrere Wirkstoffklassen und werden zur Behandlung von Personen mit Depressionen, Angststörung und weiteren psychiatrischen Erkrankungen sowie von Personen mit chronischen Schmerzen eingesetzt. Zu den Antidepressiva gehören selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs), Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRIs) und weitere Medikamente mit eigener Wirkstoffklasse. Antidepressiva sind als Erstlinientherapie bei Angststörungen und Major Depressive Disorder (MDD) indiziert und bei aktueller oder neuer Anwendung von Monoaminoxidase-Hemmern (MAOs) kontraindiziert. Das therapeutische Ansprechen auf Antidepressiva dauert 2–4 Wochen und die vollständige Wirkung wird erst nach 8 Wochen erzielt, was auf zellulären Strukturveränderungen der synaptischen Neuronen zurückzuführen ist. Dadurch erst entfaltet sich die stimmungsaufhellende Wirkung. Im Allgemeinen werden serotoninbeeinflussende Antidepressiva gut vertragen, jedoch ist bei der Verschreibung in Kombination mit anderen Arzneimitteln, die dieselben hepatischen Cytochrom-P450-Enzyme hemmen oder induzieren, Vorsicht geboten, um einen erhöhten Spiegel der Arzneimittel zu verhindern. Eine Überdosierung kann lebensbedrohlich sein. Es ist wichtig, die Anzeichen und Symptome einer SSRI/SNRI-Überdosierung zu erkennen, um eine sofortige Behandlung im Notfall zu ermöglichen.

Aktualisiert: Aug 3, 2022

Chemische Struktur und Pharmakodynamik

Wirkmechanismen

  • Selektive Serotonin-Reuptake-Inhibitoren (SSRIs)/Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer:
    • Unterscheiden sich erheblich in ihren chemischen Strukturen (Citalopram, Escitalopram und Fluoxetin, Fluvoxamin, Paroxetin)
    • Alle führen zu einem erhöhten Spiegel an Serotonin im synaptischen Spalt (auch bekannt als 5-Hydroxytryptamin (5-HT))
  • Serotonin-Noradrenalin-Reuptake-Inhibitoren (SNRIs)/Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer haben einen ähnlichen Wirkmechanismus wie SSRIs:
    • Die chemischen Strukturen von Duloxetin, Milnacipran und Venlafaxin sind unterschiedlich.
    • Desvenlafaxin und Venlafaxin sind bizyklische Phenylethylamine mit ähnlicher Struktur.
    • Duloxetin ist ein Naphthalin-Derivat.
  • Serotonin-Antagonisten und Reuptake-Inhibitoren (SARIs)/Serotonin-Antagonisten und Wiederaufnahmehemmer: Trazodon und Nefazodon
    • Hemmen die Wiederaufnahme von Serotonin durch Blockieren des 5-HT2A-Rezeptors (Antagonist)
    • Induzieren signifikante Veränderungen der präsynaptischen 5-HT-Rezeptoren
    • Blockieren Histamin-(H₁) und α-1-adrenerge Rezeptoren
  • 5-HT1A-Rezeptor-Partialagonist: Vilazodon
    • Hemmt die Serotoninaufnahme in Neuronen des ZNS
    • Keine signifikante Wirkung auf die Wiederaufnahme von Noradrenalin (NE) oder Dopamin (D)
Mechanismen Antidepressiva

Wirkungmechanismus von Antidepressiva:
Die grundlegenden Wirkmechanismen häufig verschriebener Antidepressiva sind aufgeführt. Zu diesen Medikamenten gehören Monoaminoxidase (MAO)-Hemmer, der α-2-Antagonist Mirtazapin, der selektive Serotonin-Reuptake-Inhibitor Fluoxetin, der Serotonin-Antagonist und Reuptake-Inhibitor Trazodon, das trizyklische Antidepressivum Desipramin und das tetrazyklische Medikament Maprotilin.

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Pharmakodynamik

  • SSRIs:
    • „Selektiv“: Affinität zum Serotoninrezeptor und sehr geringe Affinität zu anderen Rezeptoren
    • Verschiedene Arten von prä- und postsynaptischen Serotoninrezeptoren (z.B. 5-HT2A und 5-HT2C)
    • SSRIs verringern die Wirkung der präsynaptischen Serotonin-Wiederaufnahme um 60%–80% → erhöhte 5-HT-Spiegel im synaptischen Spalt
    • Erhöhte Serotoninspiegel reichen nicht aus, um eine Depression zu behandeln. Der positive Effekt auf die Stimmung stellt sich erst nach mehreren Wochen ein und tritt auf durch:
      • Erhöhte Produktion von neuroprotektiven Proteinen
      • Veränderung der serotonergen Rezeptoren durch die wochenlange Behandlung mit SSRIs
  • SNRIs:
    • Variieren in ihrer Affinität zu den Serotonin- und NE-Wiederaufnahmepumpen → ↑ NE- und 5-HT-Spiegel im synaptischen Spalt
    • Der Grad der Hemmung der 5-HT- und NE-Wiederaufnahme hängt von der Dosis und dem Medikament ab.
  • SARIs:
    • Wirkung relativ gezielt auf 5-HT2A- und 5-HT2C-Rezeptoren
    • 5-HT2A und 5-HT2C sind G-Protein-gekoppelte Rezeptoren im Neocortex → antidepressive Wirkung
    • Blockieren auch H₁-Rezeptoren
  • Physiologische Auswirkungen:
    • Körperliche Symptome können sich in den ersten 1–2 Wochen verbessern (Energie, Schlaf, Appetit).
    • Affektive Symptome bessern sich nach körperlichen Symptomen (Stimmung, Konzentration, Selbstwertgefühl).

Pharmakokinetik

Selektive Serotonin-Reuptake-Inhibitoren (SSRIs)

  • Absorption:
    • Gut resorbiert im GI-Trakt, nicht durch Nahrung beeinflusst
    • Erreichen den maximalen Wirkspiegel im Plasma in wenigen Stunden
  • Distribution:
    • Lipophil
    • Weit verteilt im ganzen Körper (einschließlich des Gehirns)
  • Metabolismus:
    • Über Cytochrom P450 (CYP)2D6, CYP3A4 und CYP2C19 Signalwege: wichtig für Arzneimittelinteraktionen
    • Die Halbwertszeiten variieren zwischen 21 Stunden (Paroxetin) und 5 Tagen (Fluoxetin nach Langzeitanwendung).
    • Fluoxetin kann aufgrund seiner sehr langen Halbwertszeit jeden zweiten Tag eingenommen werden.
    • Alle SSRIs außer Fluvoxamin produzieren pharmakologisch aktive Metaboliten.
    • Fluoxetin ist das einzige Medikament mit einem aktiven Metaboliten, das antidepressive Wirkung hat.
  • Ausgeschieden im Urin und Kot

Serotonin-Noradrenalin-Reuptake-Inhibitoren (SNRIs)

  • Absorption:
    • Nahrung verringert die Rate, aber nicht den Absorptionsgrad.
    • Einnahme zu den Mahlzeiten kann Übelkeit reduzieren, was im Allgemeinen die häufigste Nebenwirkung von SNRIs ist.
  • Distribution:
    • Duloxetin ist stark proteingebunden und unterliegt hauptsächlich der hepatischen Clearance.
    • Andere SNRIs sind nicht so stark proteingebunden wie Duloxetin. Die renale Ausscheidung spielt eine bedeutende Rolle bei ihrer Clearance.
  • Metabolismus:
    • Bedeutende interindividuelle Unterschiede in der Clearance von SNRIs
    • Dosierungen variieren von Person zu Person erheblich.
  • Ausscheidung:
    • Teilweise über die Nieren metabolisiert und mit dem Urin ausgeschieden
    • Bei Patient*innen mit CKD (“Chronic Kidney Disease”) können Dosisanpassungen erforderlich sein.

Serotonin-Antagonisten und Reuptake-Inhibitoren (SARIs) wie Trazodon, Nefazodon

  • Kurzwirksame Medikamente mit einer Halbwertszeit von 7 Stunden
  • Metabolisiert über CYP3A4
  • Über den Urin ausgeschieden

5-HT1A-Rezeptor-Partialagonisten wie Vilazodon

  • Proteinbindung ca. 96%–99%
  • Metabolismus: weitgehend hepatisch über CYP3A4 (Hauptmetabolismus) und CYP2C19 und CYP2D6 (Nebenmetabolismen)
  • Eliminationshalbwertszeit: ca. 25 Stunden

Antidepressiva: Klassen und Indikationen

Antidepressiva, die den Serotoninspiegel im Gehirn beeinflussen, um Depressionen, Angststörungen und andere Erkrankungen zu behandeln, werden in mehrere Klassen eingeteilt. Die am häufigsten verschriebenen Antidepressiva sind SSRIs. Andere wichtige Klassen von Antidepressiva sind Monoaminoxidase-Hemmer (MAOIs), trizyklische Antidepressiva (TCAs) und der NE-Dopamin-Wiederaufnahmehemmer (NDRI) Bupropion.

Klassifikation/Liste der Antidepressiva

Die Markennamen häufig verwendeter Medikamente sind zum besseren Verständnis in Klammern aufgeführt.

  • SSRIs:
    • Citalopram (Celexa)
    • Escitalopram (Lexapro)
    • Fluoxetin (Prozac)
    • Fluvoxamin (Luvox)
    • Paroxetin (Paxil)
    • Sertralin (Zoloft)
  • SNRIs:
    • Duloxetin (Cymbalta)
    • Venlafaxin (Effexor)
    • Desvenlafaxin (Pristiq)
    • Milnacipran (Savella)
  • SARIs:
    • Trazodon (generisch)
    • Nefazodon (generisch)

Indikationen

Antidepressiva werden zur Behandlung verschiedener psychiatrischer Erkrankungen eingesetzt, und SSRIs/SNRIs/SARIs werden am häufigsten zur Behandlung einer Major Depressive Disorder (Englisches Akronym: “MDD”) wie unipolarer Depression und Angststörungen sowie zur Behandlung chronischer Schmerzen eingesetzt.

Allgemeine Indikationen für Antidepressiva:

  • MDD:
    • SSRIs sind normalerweise die bevorzugten Mittel der ersten Wahl (außer Fluvoxamin).
    • Eine gleichzeitige Therapie mit einer psychosozialen/Verhaltenstherapie sollte erfolgen.
  • Angststörungen:
    • Generalisierte Angststörung
    • Soziale Phobie
    • Panikstörung
  • Zwangsstörung: SSRIs und SNRIs sind wirksam.
  • Chronische Schmerzen:
    • Neuropathische Schmerzen
    • Chronische Schmerzen des Bewegungsapparates
    • Fibromyalgie: Duloxetin und Milnacipran
  • Besondere Wirkung für einige Medikamente, die dadurch anderen ähnlichen Medikamenten vorgezogen werden können:
    • Vorzeitige Ejakulation: Sertralin
    • Vasomotorische Symptome der Menopause: Paroxetin, Venlafaxin, Escitalopram
    • Vulvodynie kann auf SNRIs ansprechen.
    • Migräneprophylaxe bei Personen ohne Depression: Escitalopram, Venlafaxin
    • PTSD: Venlafaxin, Paroxetin
    • Bulimie nervosa: Fluoxetin
    • Prämenstruelle dysphorische Störung (PMDS): Fluoxetin, Sertralin
    • Schlaflosigkeit: Trazodon wird eher als Schlafmittel denn zur Behandlung von Depressionen verwendet.
    • Atomoxetin (Strattera) wird bei ADHS und Narkolepsie verwendet:
      • Der genaue Wirkmechanismus ist unbekannt; hemmt jedoch selektiv die NE-Wiederaufnahme.
      • Nicht bei Depressionen angewendet

Nebenwirkungen und Kontraindikationen

Keiner der SSRIs beeinflusst erheblich die α-adrenergen, histaminischen oder cholinergen Rezeptoren, mit Ausnahme von Paroxetin, das eine schwache antagonistische Wirkung auf die cholinergen Rezeptoren hat. Die Nebenwirkungen aller SSRIs sind auf ihre Wirkung auf die Serotoninrezeptoren zurückzuführen.

Nebenwirkungen

SSRIs:

  • GI:
    • Brechreiz
    • Durchfall (am häufigsten bei Sertralin)
    • Xerostomie (trockener Mund)
  • Schwitzen
  • Sexuelle Funktionsstörung:
    • Anorgasmie bei Frauen oder verzögerter Orgasmus bei Männern (Sertralin kann zur Behandlung vorzeitiger Ejakulation verwendet werden)
    • Verminderte Libido
    • Erektile Dysfunktion
  • Gewichtsveränderungen: können auch auf Depressionen selbst zurückzuführen sein
    • Paroxetin: Gewichtszunahme
    • Fluoxetin: Gewichtsverlust
  • Neurologisch:
    • Schwindel
    • Kopfschmerzen
    • ZNS-dämpfend
  • Schlaflosigkeit
  • Erhöhtes Blutungsrisiko aufgrund der Hemmung der Thrombozyten-Serotonin-Aufnahme (und Arzneimittelwechselwirkung mit Clopidogrel)
  • Hypoglykämische Wirkung (und Arzneimittelwechselwirkungen mit Sulfonylharnstoffen)
  • Hyponatriämie
  • Herz-Kreislauf: Citalopram kann eine QT-Verlängerung verursachen.

SNRIs und Vilazodon:

  • Ähnliche Nebenwirkungen wie SSRIs
  • SNRIs können einen leichten Blutdruckanstieg verursachen.

Trazodon (SARI):

  • GI:
    • Verstopfung
    • Brechreiz
  • Xerostomie (trockener Mund)
  • Neurologisch:
    • Schwindel
    • Kopfschmerzen
    • ZNS-dämpfend
  • Verschwommene Sicht

Antidepressivum-Abbruchsyndrom:

  • Tritt häufiger bei Personen mit höherer Dosis auf
  • Häufiger bei Arzneimitteln mit kürzerer Halbwertszeit
  • Geringstes Risiko mit Fluoxetin
  • Höchstes Risiko mit Paroxetin und Venlafaxin
  • Das Risiko kann durch langsames Ausschleichen über mehrere Wochen reduziert werden.
  • Abruptes Absetzen von SSRIs oder SNRIs kann Folgendes verursachen:
    • Schwindel
    • Fatigue
    • Kopfschmerzen
    • Brechreiz
    • Schlaflosigkeit
    • Reizbarkeit
    • Parästhesien: Gefühl von „elektrischen“ Schocks

Serotonin-Syndrom (eine potenziell lebensbedrohliche Nebenwirkung):

  • Normalerweise verursacht durch > 1 Medikament, die den Serotoninrezeptor beeinflussen
  • Zuerst als Reaktion zwischen SSRIs und MAOIs beschrieben
  • Arzneimittelkombinationen mit SSRIs/SNRIs/anderen serotonergen Antidepressiva:
    • Zur Behandlung von Migräne: Triptane und Ergotamine
    • Antidepressiva: TCAs, MAOIs, Antipsychotika
    • Antikonvulsiva: Carbamazepin, Valproinsäure
    • Anxiolytika: Buspiron
    • Opioid-Analgetika: Tramadol, Methadon, Codein
    • Freiverkäufliches Hustenmittel: Dextromethorphan
    • Pflanzliche Nahrungsergänzungsmittel bei Depressionen: Johanniskraut, 5-HTP
    • Antibiotikum: Linezolid
    • Muskelrelaxans: Cyclobenzaprin
    • Drogen: Kokain, Methamphetamin
  • Zu den Symptomen gehören ZNS-Stimulation, Herz-Kreislauf-Stimulation und GI-Stimulation:
    • Schwere Muskelrigidität
    • Mydriasis
    • Myoklonus
    • Hyperreflexie
    • Hyperthermie
    • Krampfanfälle
    • Tachykardie
    • Instabiler Blutdruck
    • Durchfall

Eselsbrücke der Manifestationen des Serotonin-Syndroms: “Madam’s Tips”

  • M = Veränderungen des mentalen Status
  • A = Agitation
  • D = Durchfall
  • A = Ataxie
  • M = Myoklonus
  • S = “Shivering”/Zittern
  • T = Tachykardie
  • I = gesteigerte/”inreased” Reflexe
  • P = Pyrexie/Fieber
  • S = Schwitzen

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

  • Sowohl Arzneimittelfaktoren als auch Personenfaktoren können bei einigen Personen zur Toxizität von SSRIs/SNRIs beitragen.
    • Arzneimittelfaktoren: Einige SSRIs und SNRIs sind mäßige bis starke Inhibitoren des hepatischen Cytochrom P450 → Arzneimittelwechselwirkungen durch Veränderung der Blutspiegel anderer Medikamente, deren Clearance oder Aktivierung von diesen Enzymen abhängt
    • Personenfaktoren: Enzyme können bei Personen mit Variationen im CYP2D6-Gen unterschiedlich aktiv sein.
      • “Slow metabolizers”
      • “Fast metabolizers”
  • CYPs sind Leberenzyme, die mehrere Medikamente metabolisieren:
    • Aktivieren oder deaktivieren Medikamente
    • Kombinationen von Arzneimitteln, die denselben Stoffwechselweg verwenden, können schwerwiegende Nebenwirkungen verursachen.
    • Beispiele für die CYP450-Proteinfamilien, die von Antidepressiva beeinflusst werden:
      • CYP2D6
      • CYP3A4
      • CYP2C9
      • CYP1A2
  • Wechselwirkungen von SSRIs mit anderen Arzneimitteln, die durch CYP450-Enzyme metabolisiert werden:
    • Citalopram und Escitalopram hemmen Leberenzyme viel weniger als andere SSRIs.
    • Fluoxetin und Paroxetin sind starke CYP2D6-Inhibitoren, die ↑ CYP2D6-Substratspiegel verursachen.
    • Andere CYP2D6-Inhibitoren, die mit SSRIs interagieren können und mit Vorsicht angewendet werden sollten:
      • Antiarrhythmika: Amiodaron, Chinidin
      • H₂-Histamin-Rezeptor-Antagonist: Ranitidin
      • Bupropion (ein Antidepressivum mit eigener Wirkklasse)
      • Cinacalcet (zur Behandlung von Hyperparathyreoidismus)
    • Andere CYP2D6-Substrate (SSRIs können mit anderen Arzneimitteln interagieren und zu erhöhten Arzneimittelspiegeln und Nebenwirkungen führen):
      • β-Blocker:
        • Bei Bluthochdruck oder Herzerkrankungen: Propranolol, Metoprolol, Atenolol, Bisoprolol
        • Die Kombination mit SSRIs kann ↑ Arzneimittelspiegel und Hypotonie verursachen.
      • Tamoxifen: zur Behandlung von Brustkrebs
      • Medikamente gegen Übelkeit: Ondansetron, Metoclopramid
      • Andere Antidepressiva:
        • Trizyklisch (Amitriptylin, Imipramin, Nortriptylin)
      • Antipsychotika:
        • Aripiprazol, Haloperidol, Olanzapin, Quetiapin, Risperidon
        • Die Kombination mit SSRIs kann den Wirkstoffspiegel erhöhen und zu einem Serotonin-Syndrom führen.
      • Antihistaminika/H₁-Rezeptor-Antagonisten der 1. Generation: Chlorpheniramin, Diphenhydramin
      • Muskelrelaxantien: Cyclobenzaprin
      • Schmerzmittel/Opioidanalgetika: Codein oder Tramadol
  • CYP3A4-Substrate: SSRIs können interagieren mit:
    • Einigen Calciumkanalblockern
    • Statine
    • Benzodiazepine
    • Hypnotika: Zopiclon und Zolpidem
    • Makrolid-Antibiotika: Clarithromycin und Azithromycin
    • Psychiatrische Medikamente: Haloperidol, Mirtazapin
    • Antivirale Mittel zur Behandlung von HIV
  • CYP3A4-Inhibitoren und -Induktoren: SSRIs können auch interagieren mit
    • Antimykotika: Ketoconazol
    • Calciumkanalblocker: insbesondere Diltiazem und Verapamil
    • Grapefruitsaft
    • Antivirale Mittel zur Behandlung von HIV
    • Antikonvulsiva: Carbamazepin, Phenytoin, Barbiturate
    • Rifampin
    • Johanniskraut
  • CYP2C9-Signalweg: Fluoxetin kann interagieren mit
    • Antimykotika: Voriconazol
    • Einigen TCAs
    • Benzodiazepine
    • Protonenpumpenhemmer: Omeprazol
    • Sulfonylharnstoffe: Glipizid oder Glimepirid
  • Fluvoxamin ist ein starker CYP2C9-Inhibitor:
    • ↑ Spiegel der Antipsychotika Clozapin, Thioridazin und Olanzapin
    • Kontraindiziert mit dem Hypnotikum Ramelteon (Rozerem), Melatonin und dem Muskelrelaxans Tizanidin (Zanaflex) aufgrund des Risikos, erhöhte Arzneimittelspiegel und ZNS-Dämpfung zu verursachen
  • SNRIs: Arzneimittelwechselwirkungen
    • Duloxetin ist ein mäßig starker CYP2D6-Inhibitor und kann mit anderen Arzneimitteln interagieren:
      • ↑ Metoprolol-Spiegel
      • ↑ Thioridazinspiegel (Antipsychotika) und Risiko einer QT-Verlängerung
    • Andere SNRIs (Venlafaxin, Desvenlafaxin und Milnacipran) haben keine signifikanten Auswirkungen auf die CYP-Enzyme.
  • SARI (Trazodon): Arzneimittelwechselwirkungen
    • Einige Sedativa oder ZNS-Depressiva können eine verstärkte Sedierung verursachen:
      • Opioide
      • Benzodiazepine
      • Barbiturate
      • Ethanol
    • Starke CYP2D6-Inhibitoren (Paroxetin, Tamsulosin): ↑ Trazodonspiegel
  • 5-HT1A-Rezeptor-Partialagonist (Vilazodon): Arzneimittelwechselwirkungen
    • Ähnliche Nebenwirkungen und Kontraindikationen wie bei SSRIs
    • Arzneimittelwechselwirkungen: starke CYP3A4-Inhibitoren ↑ Vilazodon-Spiegel
      • Antibiotika: Clarithromycin, Azithromycin
      • Antimykotika: Itraconazol, Ketoconazol
      • Antivirale Mittel: Indinavir, Nelfinavir, Ritonavir, Saquinavir zur Behandlung einer HIV-Infektion
      • Nicht alle Medikamente innerhalb einer Medikamentenklasse hemmen CYP3A4.

Kontraindikationen

  • Alle SSRIs sind bei Personen kontraindiziert, die gleichzeitig MAO-Hemmer einnehmen.
    • Die Kombination kann das Risiko eines Serotoninsyndroms erhöhen.
    • Additive Wirkung auf ZNS-Dämpfung und psychomotorischer Beeinträchtigung
  • SSRIs/SNRIs/SARIs werden für Personen mit bipolarer Depression nicht empfohlen, da diese Medikamente eine Manie auslösen können (außer Fluoxetin).
  • SNRIs:
    • Kontraindiziert mit MAOIs
    • Duloxetin ist bei Personen mit Engwinkelglaukom kontraindiziert.

Überdosis

Im Allgemeinen kann eine Überdosierung von SSRIs/SNRIs/SARIs Anzeichen und Symptome einer neuromuskulären Erregung und vegetativen Stimulation verursachen.

  • Anzeichen:
    • Klonus
    • Agitation
    • Schwitzen
    • Zittern
    • Hyperreflexie
    • Hyperthermie
  • Behandlung:
    • Supportiv:
      • Serotonerge Therapie abbrechen
      • Bei starker Erregung möglicherweise Benzodiazepine
      • Bei Bedenken hinsichtlich des gesicherten Atemwegs Intubation erwägen.
    • Kühlung bei Personen mit Hyperthermie
    • Personen mit refraktären Symptomen können mit Cyproheptadin behandelt werden.

Quellen

  1. O’Donnell, J.M., Bies, R.R., Shelton, R.C. (2018). Drug Therapy of Depression and Anxiety Disorders. In: Brunton LL, Hilal-Dandan R, Knollmann BC.(Eds.) Goodman & Gilman’s: The Pharmacological Basis of Therapeutics [Internet], 13th ed. New York, NY: McGraw-Hill. 
  2. Schatzberg, A.F., Nemeroff, C.B. (Eds.) (2017). The American Psychiatric Association Publishing Textbook of Psychopharmacology [Internet], 5e. Arlington, VA: American Psychiatric Association Publishing. https://doi.org/10.1176/appi.books.9781615371624 
  3. Stahl, S.M. (2013). Stahl’s Essential Psychopharmacology: Neuroscientific Basis and Practical Applications [Internet], 4th de. Cambridge University Press.
  4. Neurotransmitters and Neuromodulators. (2019). In: Nelson, L.S., et al. Goldfrank’s Toxicologic Emergencies [Internet], 11th ed. New York, NY: McGraw-Hill.
  5. Smink, F.R., van Hoeken, D., Hoek, H.W. (2013). Epidemiology, course, and outcome of eating disorders. Curr Opin Psychiatry. 26(6):543-8. https://doi.org/10.1097/yco.0b013e328365a24f
  6. American Geriatrics Society. (2019). 2019 Updated AGS Beers Criteria® for potentially inappropriate medication use in older adults. J Am Geriatr Soc. https://doi.org/10.1111/jgs.15767
  7. Hirsch, M., Birnbaum, R.J. (2021). Selective serotonin reuptake inhibitors: Pharmacology, administration, and side effects. UpToDate. Retrieved August 11, 2021, from https://www.uptodate.com/contents/selective-serotonin-reuptake-inhibitors-pharmacology-Administration-and-side-effects
  8. Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) – Ständige Kommission Leitlinien. (S3) Leitlinie “Funktionelle Körperbeschwerden”, AWMF-Registriernummer 051-001. https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/051-001l_S3_Funktionelle_Koerperbeschwerden_2018-11.pdf

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Yasmin Kardi ist zertifizierter Scrum Master, Product Owner und Agile Coach und berät neben ihrer Rolle als Product Owner Teams und das höhere Management zu den Themen agile Methoden, Design Thinking, OKR, Scrum, hybrides Projektmanagement und Change Management.. Zu ihrer Kernkompetenz gehört es u.a. internationale Projekte auszusteuern, die sich vor allem auf Produkt-, Business Model Innovation und dem Aufbau von Sales-Strategien fokussieren.

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Frank Eilers ist Keynote Speaker zu den Zukunftsthemen Digitale Transformation, Künstliche Intelligenz und die Zukunft der Arbeit. Er betreibt seit mehreren Jahren den Podcast „Arbeitsphilosophen“ und übersetzt komplexe Zukunftsthemen für ein breites Publikum. Als ehemaliger Stand-up Comedian bringt Eilers eine ordentliche Portion Humor und Lockerheit mit. 2017 wurde er für seine Arbeit mit dem Coaching Award ausgezeichnet.

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Sobair Barak hat einen Masterabschluss in Wirtschaftsingenieurwesen absolviert und hat sich anschließend an der Harvard Business School weitergebildet. Heute ist er in einer Management-Position tätig und hat bereits diverse berufliche Auszeichnungen erhalten. Es ist seine persönliche Mission, in seinen Kursen besonders praxisrelevantes Wissen zu vermitteln, welches im täglichen Arbeits- und Geschäftsalltag von Nutzen ist.

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Wolfgang A. Erharter ist Managementtrainer, Organisationsberater, Musiker und Buchautor. Er begleitet seit über 15 Jahren Unternehmen, Führungskräfte und Start-ups. Daneben hält er Vorträge auf Kongressen und Vorlesungen in MBA-Programmen. 2012 ist sein Buch „Kreativität gibt es nicht“ erschienen, in dem er mit gängigen Mythen aufräumt und seine „Logik des Schaffens“ darlegt. Seine Vorträge gestaltet er musikalisch mit seiner Geige.

Comenius-Award 2019

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Dr. Frank Stummer

Dr. Frank Stummer ist Gründer und CEO der Digital Forensics GmbH und seit vielen Jahren insbesondere im Bereich der forensischen Netzwerkverkehrsanalyse tätig. Er ist Mitgründer mehrerer Unternehmen im Hochtechnologiebereich, u.a. der ipoque GmbH und der Adyton Systems AG, die beide von einem Konzern akquiriert wurden, sowie der Rhebo GmbH, einem Unternehmen für IT-Sicherheit und Netzwerküberwachung im Bereich Industrie 4.0 und IoT. Zuvor arbeitete er als Unternehmensberater für internationale Großkonzerne. Frank Stummer studierte Betriebswirtschaft an der TU Bergakademie Freiberg und promovierte am Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung in Karlsruhe.

Simon Veiser

Simon Veiser beschäftigt sich seit 2010 nicht nur theoretisch mit IT Service Management und ITIL, sondern auch als leidenschaftlicher Berater und Trainer. In unterschiedlichsten Projekten definierte, implementierte und optimierte er erfolgreiche IT Service Management Systeme. Dabei unterstützte er das organisatorische Change Management als zentralen Erfolgsfaktor in IT-Projekten. Simon Veiser ist ausgebildeter Trainer (CompTIA CTT+) und absolvierte die Zertifizierungen zum ITIL v3 Expert und ITIL 4 Managing Professional.

B2B Award 2022

Für herausragende Kundenzufriedenheit wurde Lecturio von der Deutschen Gesellschaft für Verbraucherstudien (DtGV) mit dem deutschen B2B-Award 2022 ausgezeichnet.
In der Rubrik Kundenservice deutscher Online-Kurs-Plattformen belegt Lecturio zum zweiten Mal in Folge den 1. Platz.

B2B Award 2020/2021

Die Deutsche Gesellschaft für Verbraucherstudien (DtGV) hat Lecturio zum Branchen-Champion unter den deutschen Online-Kurs-Plattformen gekürt. Beim Kundenservice belegt Lecturio den 1. Platz, bei der Kundenzufriedenheit den 2. Platz.

Comenius-Award 2022

In der Kategorie “Lehr- und Lernmanagementsysteme” erhielt die Lecturio Learning Cloud die Comenius-EduMedia-Medaille. Verliehen wird der Preis von der Gesellschaft für Pädagogik, Information und Medien für pädagogisch, inhaltlich und gestalterisch herausragende Bildungsmedien.

IELA-Award 2022

Die International E-Learning Association, eine Gesellschaft für E-Learning Professionals und Begeisterte, verlieh der Lecturio Learning Cloud die Gold-Auszeichnung in der Kategorie “Learning Delivery Platform”.

Alexander Plath

Alexander Plath ist seit über 30 Jahren im Verkauf und Vertrieb aktiv und hat in dieser Zeit alle Stationen vom Verkäufer bis zum Direktor Vertrieb Ausland und Mediensprecher eines multinationalen Unternehmens durchlaufen. Seit mehr als 20 Jahren coacht er Führungskräfte und Verkäufer*innen und ist ein gefragter Trainer und Referent im In- und Ausland, der vor allem mit hoher Praxisnähe, Humor und Begeisterung überzeugt.

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