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Subarachnoidalblutung (SAB)

Die Subarachnoidalblutung (SAB) ist eine Form der Hirnblutung, die aus einer intrakraniellen Blutung in den Subarachnoidalraum resultiert. Der Subarachnoidalraum wird definiert als Raum zwischen der Arachnoidea mater und Pia mater. Die meisten SABs entspringen von einem sakkulären Aneurysma im Circulus arteriosus Willisii, können aber auch als Folge von Traumata, unkontrollierter Hypertonie, Vaskulitis, Einnahme von Antikoagulantien oder Einnahme von Stimulanzien auftreten. Das klassischste Symptom ist ein plötzlich einsetzender Vernichtungskopfschmerz (vergleichbar mit einem Donnerschlag) zusammen mit Meningismus, Erbrechen, Bewusstseinsstörungen und Krampfanfällen. Wie bei jedem Schlaganfall liegen häufig fokale neurologische Defizite vor. Ohne sofortige Diagnostik und Intervention kann es zu einer schnellen neurologischen Verschlechterung kommen. Eine SAB sollte bei jeder Person vermutet werden, die sich mit Vernichtungskopfschmerzen und neurologischen Symptomen vorstellt. Die Diagnostik erfolgt primär durch bildgebende Verfahren und gegebenenfalls durch eine anschließende Lumbalpunktion. Die Therapie besteht in der Aufhebung der Antikoagulation, der Kontrolle des Blutdrucks und einem neurochirurgischen Eingriff, um die Blutung einzudämmen und/oder den erhöhten intrakraniellen Druck (Englisches Akronym: ICP) zu lindern. Selbst bei sofortiger neurochirurgischer Intervention weisen SABs eine hohe Mortalitätsrate auf.

Aktualisiert: Jan 10, 2023

Definition und Epidemiologie

Definition

  • Form der Hirnblutung, die aus einer intrakraniellen Blutung in den Subarachnoidalraum resultiert
  • Bezeichnung als Schlaganfall im Rahmen eines spontanen Eintretens der Blutung
  • Subarachnoidalraum: Bereich zwischen der Arachnoidea mater und der Pia mater
Subarachnoidalblutung

Meningen und deren Zwischenräume:
Das Bild zeigt die 3 Meningen (Dura mater, Arachnoidea mater, Pia mater), die das Gehirn und das Rückenmark umgeben. Die Hirnhäute dienen als mechanischer Schutz des ZNS. Sie stützen auch die zerebralen und spinalen Blutgefäße und ermöglichen die Passage des Liquors. Der Subarachnoidalraum ist mit Liquor gefüllt.

Bild von Lecturio.

Epidemiologie

  • Hämorrhagische Schlaganfälle:
    • 15–20 % der Schlaganfälle
    • Ursache von 50 % der hämorrhagischen Schlaganfälle: SABs
  • Sakkuläre Aneurysmen:
    • Bei Ruptur häufigste Ursache von SABs
    • 3–5 % der Bevölkerung: radiologische Anzeichen auf nicht-rupturierte sakkuläre Aneurysmen, die meist auch im Verlauf nicht rupturieren (Inzidenz: 3-25/100.000/Jahr)
  • 15–20 % der SABs: nicht-aneurysmatisch
  • Jährliche Inzidenz: 6-9/100.000 Personen
  • Personen mit dunkler Haut > Personen mit heller Haut
  • Frauen etwas häufiger betroffen als Männer
  • Altersgipfel: 40-60 Jahre

Ätiologie

Risikofaktoren

  • Genetik, erhöhte Inzidenz beobachtet bei:
    • Autosomal-dominanter polyzystischer Nierenerkrankung (Englisches Akronym: ADPKD)
    • Ehlers-Danlos-Syndrom (EDS)
    • Primärem Aldosteronismus (Morbus Conn)
  • Familienanamnese:
    • Bis zu fünffach erhöhtes Risiko bei Verwandten ersten Grades
    • Häufigere Rupturen familiärer zerebraler Aneurysmen als nicht-familiärer Aneurysmen
  • Arterielle Hypertonie
  • Gebrauch von Stimulanzien:
    • Kokain
    • Amphetamin/Methamphetamin
    • Sympathomimetika:
      • Erkältungsmittel
      • Anorektika (Appetithemmer)
  • Koagulopathien:
    • Genetische oder erworbene hämorrhagische Diathese (erhöhte Blutungsneigung)
    • Therapeutische oder supratherapeutische Antikoagulation
  • Nikotinabusus
    • Dosisabhängig
    • Sinkendes Risiko nach Beendigung des Rauchens
  • Alkoholabusus
  • Östrogenmangel (erhöhte Inzidenz bei Frauen > 50 Jahren beobachtet)
  • Erhöhte Inzidenz bei Multigravidae

Ursachen

  • Trauma
  • Rupturierte Aneurysmen
    • Sakkuläre Aneurysmen (beerenförmig, runde Form) als häufigste Ursache
    • Fusiforme Aneurysmen (Dilatation der gesamten Gefäßwand auf kurze Distanz)
    • Mykotische Aneurysmen (bakterielle, Pilz- oder Virusinfektion der Gefäßwand)
  • Arteriovenöse Malformation (AVM)
  • Arterielle Dissektionen
  • Vaskulitis
  • Vaskuläre Amyloidablagerung
  • Hypophysenapoplex
  • Illegaler Konsum von Stimulanzien

Pathophysiologie

Da das sakkuläre Aneurysma die häufigste Ätiologie der SAB ist, konzentriert sich dieser Abschnitt auf die Pathogenese der Ruptur sakkulärer Aneurysmen. Ereignisse stromabwärts der Ruptur sind bei anderen Ätiologien der SAB üblich.

Sakkuläres Aneurysma

  • Protrusion intrakranieller Arterien
    • Dünnwandig
    • Nicht-vorhandene oder dünne Tunica media
    • Membrana elastica interna häufig nicht vorhanden
  • Erworbene Läsionen häufiger als kongenitale Läsionen
  • Am häufigsten im Circulus arteriosus Willisii
    • Häufiger im anterioren als im posterioren Abschnitt lokalisiert
    • Bifurkationen am anfälligsten
  • Entwicklung innerhalb kurzer Zeit als Reaktion auf abnormale Scherkräfte:
    • Vermutlich kurzer Zeitraum (Stunden bis Tage)
    • Ruptur oder Verhärtung nach initialer Dilatation
  • Nicht alle sakkulären Aneurysmen rupturieren:
    • Stabilisierung möglich bei Verhärtung aufgrund von Kollagenablagerungen
    • Stabile sakkuläre Aneurysmen relativ häufig

Pathologische Merkmale rupturierter sakkulärer Aneurysmen

  • Anomalien in der Anordnung der glatten Muskulatur
  • Hypozellularität
  • Intimahyperplasie
  • Infiltration mit T-Zellen und Makrophagen
  • Dünner Thrombus enthalten
  • Vorhandensein der DNA odontogener Bakterien (mögliche Rolle einer odontogenen-/Parodontalinfektion)

Risikofaktoren für eine Ruptur

  • Aneurysmagröße (Durchmesser) > 7 mm:
    • Vermehrtes Wachstum bei größeren als bei kleineren Aneurysmen
    • Rupturrisiko proportional zum Durchmesser des Aneurysmas
  • Aneurysma-Wachstum:
    • Wachstum → Vergrößerung des Durchmessers
    • Schnelles Wachstum → kollagenvermittelte Stabilisierung unwahrscheinlich
  • Aneurysma-Lokalisation:
    • Rupturrisiko abhängig von Lokalisation des Aneurysmas
    • Posteriorer Abschnitt > anteriorer Abschnitt > Pars cavernosa der A. carotis interna

Faktoren, die eine Ruptur auslösen können

  • Trauma
  • Körperliche Anstrengung innerhalb von 2 Stunden nach der Ruptur
  • Valsalva-Manöver (verlängert oder Wiederholung)
  • Unkontrollierte Hypertonie
  • Ruptur auch bei körperlich nicht-anstrengenden Aktivitäten möglich

Klinische Folgen einer Ruptur

  • Blutaustritt in den Liquor:
    • Erhöhter ICP
    • Initiale Blutung (Warnblutung; ca. 25 % der Fälle) für Sekunden, aber mit einer hohen Inzidenz von Nachblutungen
  • Hydrozephalus/erhöhter ICP:
    • Blockade des Liquorflusses und/oder der Reabsorption durch Ansammlung von Blutprodukten und/oder Adhäsionen
    • Aggravation durch kontinuierliches Austreten von Blut in den Subarachnoidalraum
    • Endotheliale Dysfunktion an der Rupturstelle → lokale Hyperämie und Inflammation
  • Zerebraler Vasospasmus:
    • Freisetzung von Entzündungsmediatoren aus verletzten Gefäßen → lokale Vasokonstriktion
    • Vasospasmus → lokale Hypoperfusion → Verschlimmerung des ischämischen Schlaganfalls

Klinik

Anamnese

Das klassische Symptom der SAB ist ein Vernichtungskopfschmerz, der oft mit einem Donnerschlag gleichgesetzt wird. Es gibt auch weitere Symptome:

  • Vernichtungskopfschmerz
    • Plötzlicher Beginn (Maximum binnen Sekunden)
    • Beschreibung: „Die schlimmsten Kopfschmerzen meines Lebens“
    • Vorausgehen von weniger schweren Prodromal-Kopfschmerzen (“Sentinel-Kopfschmerz”) in 10-40 % der Fälle
    • Lokalisation/Beschreibung des Kopfschmerzes uneinheitlich
  • Meningismus
    • Korrelation mit der Ausbreitung von Blut in den Liquor → Reizung der Meningen
    • Eintreten oft erst Stunden nach dem Einsetzen der Kopfschmerzen
  • Veränderung des Bewusstseinszustands
    • Kurzer Bewusstseinsverlust
    • Veränderter mentaler Status/Verwirrung/Agitation
    • Koma eher selten
    • Plötzlicher Tod bei > 20 % der betroffenen Personen, bevor sie sich in ärztliche Behandlung begeben
  • Krampfanfälle
    • 10 % der Fälle
    • Im Allgemeinen in den ersten 24 Stunden
    • Assoziation mit schlechtem Outcome
  • Nausea/Erbrechen

Körperliche Untersuchung

  • Erhöhter Blutdruck
    • Oft schwere Hypertonie
    • Ggf. Auslöser für Ruptur des Aneurysmas
    • Ggf. als Reaktion auf intrazerebrale Ereignisse
  • Meningismus
    • Korrelation mit der Ausbreitung von Blut in den Liquor, was zu einer Reizung der Meningen führt
    • Kernig- und Brudzinski-Zeichen ggf. positiv
  • Präretinale Blutung
    • Assoziation mit erhöhtem ICP im Gegensatz zu einer echten Retinabeteiligung
    • Assoziation mit schlechtem Outcome
  • Okulomotoriusparese
    • Häufige Präsentation als unilateraler Pupillendefekt
    • Aufgrund einer Kompression durch ein Aneurysma der A. communicans posterior oder der A. cerebelli superior (Lokalisation in der Nähe der Austrittsstelle des Hirnnervs aus dem Truncus cerebri)
  • Fokales neurologisches Defizit
    • Vielzahl von neurologischen Befunden möglich
    • Abhängig von der Größe und Lokalisation der Blutung

Diagnostik

Eine SAB stellt einen medizinischen Notfall dar. Jeder Vernichtungskopfschmerz, der sich mit oder ohne neurologische Symptome oder einem veränderten Bewusstseinszustand zeigt, sollte dringend mit bildgebenden Verfahren untersucht werden. Eine Schnittbilddiagnostik mittels CT steht in den meisten Akutkrankenhäusern zur Verfügung und ist die Methode der ersten Wahl.

Ottawa-Regel

  • Klinisches Entscheidungsinstrument zur Beurteilung einer vermuteten SAB und einer Entscheidungsfindung bzgl. weiterführender Diagnostik
  • Evaluation bei neurologisch unauffälligen Personen mit Vernichtungskopfschmerz
  • Sensitivität: 100 %, Spezifität: 15 %
  • Vorhandensein eines der folgenden Merkmale → Indikation für Notfall-CT:
    • Nackenschmerzen oder Steifigkeit
    • Eingeschränkte Nackenbeweglichkeit bei der Untersuchung
    • Bezeugter Bewusstseinsverlust
    • Beginn der Kopfschmerzen bei körperlicher Anstrengung
    • Intensive Kopfschmerzen mit Erreichen des Maximums innerhalb kurzer Zeit
    • Alter ≥ 40 Jahre

Native kraniale Computertomographie (cCT)

  • Methode der Wahl bei SAB-Diagnostik
  • Sensitivität von bis zu 100 %:
    • Bei Durchführung innerhalb von 6 Stunden nach der Vorstellung (Abfall der Sensitivität nach 24 h)
    • Bei Überprüfung durch qualifizierte Neuroradiolog*innen
  • Schnitte durch die Hirnbasis essentiell
  • Blutungslokalisationen bei SAB:
    • Basale Zisterne(n): am häufigsten
    • Sulcus lateralis
    • Fissura longitudinalis cerebri
    • Fossa interpeduncularis
Subarachnoidalblutung im CT

Subarachnoidalblutung (SAB):
Die CT-Aufnahme zeigt intrakranielle Blutungen.

Bild: “CT of subarachnoid hemorrhage” von Shazia Mirza and Sankalp Gokhale. Lizenz: CC BY 4.0

Lumbalpunktion (LP)

Bei unauffälligem CT oder MRT sollte zeitnah eine LP durchgeführt werden. Hierbei dürfen aufgrund von Herniationsgefahr keine Hirndruckzeichen vorliegen. Die Durchführung sollte ca. 8-12 h nach Symptombeginn erfolgen, um eine Xanthochromie (Folge des Hämoglobinabbaus) von einer iatrogenen Blutung (frisches Blut als Folge der Punktion) differenzieren zu können. Folgende Parameter werden untersucht:

  • Liquoröffnungsdruck
  • Zellzahlen:
    • Erythrozyten
    • Leukozyten
    • Prüfung auf Xanthochromie durch visuelle Inspektion (gelbliches Aussehen aufgrund des Vorhandenseins von Bilirubin)
  • Befunde bei klassischer LP:
    • Erhöhter Liquoröffnungsdruck
    • Erhöhte Erythrozytenzahl
  • Falsch-positive LP-Befunde:
    • Akzidentielle Gefäßpunktion → fälschlicherweise erhöhte Erythrozytenzahl
    • Liquor-Drei-Gläser-Probe zur Differenzierung zwischen positiven und falsch-positiven Befunden hilfreich
      • Abnahme der Erythrozytenzahl mit aufeinanderfolgenden Proben
      • Allein nicht ausreichend, ergänzende Diagnostik: Zentrifugation, mikroskopische Zelldifferenzierung

Identifizierung der Blutungsquelle

  • Nach Beweis einer SAB: Angiographie, um die Blutungsquelle zu identifizieren:
    • Digitale Subtraktionsangiographie (DSA): bevorzugte Methode (simultane Diagnostik und Intervention möglich)
    • CT-Angiographie und MR-Angiographie: nicht-invasive Alternativen
  • Entscheidungsfindung über therapeutisches Vorgehen, sobald Blutungsquelle identifiziert ist

Beurteilung des Schweregrades

Es existieren mehrere Skalen zur Klassifikation des Schweregrades einer SAB. Das Bewertungssystem von Hunt und Hess (1986) gehört zu den am häufigsten verwendeten Systemen in der klinischen Medizin.

Tabelle: Klassifikation nach Hunt und Hess mit zugehöriger perioperativer Mortalität
Grad Neurologische Befunde Perioperative Mortalität (%)
1 Asymptomatisch oder leichte Nacken- und Kopfschmerzen 0-5
2 Mäßige bis starke Kopfschmerzen, Meningismus, kein neurologisches Defizit außer Hirnnervenlähmung 1-10
3 Schläfrigkeit, Verwirrtheit oder leichtes fokales neurologisches Defizit 10-15
4 Stupor, mäßige bis schwere Hemiparese, frühe Dezerebrationsstarre und vegetative Störungen 60-70
5 Koma, Dezerebrationsstarre, moribundes Aussehen 70-100

Therapie

Stabilisierung lebensbedrohlicher Zustände

  • Atemwegssicherung durch Intubation bei:
    • Koma
    • Hämodynamischer Instabilität
    • Starker Sedierung
    • Paralyse
    • Hypoxämie
    • Hypoventilation
    • Erhöhtem ICP
  • Therapie traumabedingter Zustände:
    • Blutungsanämie
    • Organschäden
  • Normalisierung kardiovaskulärer Anomalien:
    • Überprüfung kardialer Troponine bei Aufnahme
    • Arrhythmien
    • Stabilisation des Blutdrucks
  • Therapie von Krampfanfällen
  • Anstreben einer Euvolämie
  • Absetzen der Antikoagulantien:
    • Aufhebung der Antikoagulation:
      • Vitamin K im Falle von Warfarin-Einnahme
      • Spezifische Antidots für Faktor-X-Inhibitoren verfügbar (z.B. Andexanet alfa)
      • Gefrorenes Frischplasma, wenn bestimmte Mittel nicht verfügbar oder verzögert sind
  • Verlegung auf eine geeignete Station:
    • Neurologische Intensivstation
    • Verfügbarkeit von spezialisiertem Personal:
      • Neurochirurg*innen
      • Endovaskuläre Spezialist*innen

Neurochirurgische und endovaskuläre Intervention

Das Ziel besteht darin, die Blutung zu stoppen, Nachblutungen zu verhindern und den ICP zu therapieren, um eine sekundäre Ischämie zu verhindern. Mögliche Interventionen beinhalten:

  • Aneurysma-Clipping
  • Endovaskuläres Coiling
  • Ventrikulostomie
  • Dekompressive Hemikraniektomie:
    • Ggf. indiziert, um ICP im Falle einer intrazerebralen Blutung zu senken
    • Ggf. indiziert, um ICP bei schweren Hirnödemen zu senken

Monitoring

Das Monitoring sollte auf einer Intensivstation von speziell geschultem Personal durchgeführt werden.

  • Prävention von Vasospasmen:
    • Prävention einer verzögerten zerebralen Ischämie
    • Medikament der Wahl: Nimodipin
    • Dauer: 21 Tage
  • Blutdruckkontrolle:
    • Ziel des systolischen Blutdrucks: < 160 mmHg
    • Ziel des mittleren arteriellen Drucks: < 110 mmHg
    • Vermeiden zu schneller Blutdrucksenkungen
    • Vermeiden einer Hypotonie
    • Beispiele:
      • Labetalol
      • Enalapril
      • Clevidipin
  • Kontinuierliches Monitoring bei:
    • Hämodynamischer Instabilität:
      • Ggf. Zentralvenenkatheter, arterieller Zugang, intrakranielle Druckmessung erforderlich
      • Intravenöse Infusionen zur Aufrechterhaltung der Euvolämie
    • Neurologischer Verschlechterung:
      • Intensive neurologische Untersuchung alle 2 h von qualifiziertem Personal
      • Notfall-CT bei jeder akuten neurologischen Verschlechterung
    • Hypoxämie
    • Hyperthermie
    • Kardialen Arrhythmien
    • Erhöhtem ICP
    • Elektrolytstörungen:
      • Hyponatriämie (häufig)
      • Ggf. Anpassung der Infusion und der Infusionsgeschwindigkeit zur Beibehaltung einer Euvolämie
  • Ventrikulostomie:
    • Ableitung der Hirnventrikel in den Subarachnoidalraum
      • Liquordrainage zur Aufrechterhaltung des ICPs
    • Monitoring des ICPs
  • TVT (Tiefe Venenthrombose)/PE (Pulmonalembolie)-Prophylaxe:
    • Vermeidung von Antikoagulantien, bis eine endgültige Therapie der Blutungsquelle erzielt wurde
    • Einsatz mechanischer Mittel (z.B. Kompressionsstrümpfe)
  • Prophylaxe von Krampfanfällen:
    • Beispiel: Levetiracetam
    • Assoziation von Phenytoin mit schlechtem Outcome
    • Fortsetzung für mehrere Monate möglich

Komplikationen

  • Nachblutung
  • Verzögerte zerebrale Ischämie als Folge eines zerebrovaskulären Vasospasmus
  • Neurologische Verschlechterung
  • Hämodynamische Instabilität
  • Erhöhter ICP
  • Hydrozephalus
  • Hyponatriämie (aufgrund einer Verletzung des Hypothalamus)
  • Krampfanfälle
  • Anämie
  • Kardiopulmonale Ereignisse
  • Arrhythmien
  • Fieber (nicht-infektiös)
  • Fieber (infektiös)/Infektion/Sepsis

Prognose

  • 30-Tage-Letalität: 35 %
  • 1-Jahres-Mortalität: 20–25 %
  • Erhebliche Morbidität der Überlebenden:
    • Erhöhte Inzidenz kardiovaskulärer Ereignisse
    • Neurologische, kognitive und Gedächtnisdefizite
    • Schlafstörungen und affektive Störungen
    • Persistierende Krampfanfälle
    • Anosmie

Screening

Es ist sinnvoll, Angehörigen 1. Grades von Patient*innen mit SAB ein Screening (Bildgebung des zentralen Nervensystems) auf sakkuläre Aneurysmen anzubieten.

Differentialdiagnosen

  • Ischämischer Schlaganfall: ein ischämischer Infarkt des Hirnparenchyms, der durch einen Verschluss einer Hirnarterie durch atherosklerotische Läsionen oder kardiale Embolien verursacht wird. Ein ischämischer Schlaganfall präsentiert sich mit neurologischen Defiziten und/oder einem veränderten mentalen Status/Bewusstseinsniveau, das von der Größe und Lokalisation des Infarkts abhängt. Die Diagnostik erfolgt klinisch und wird durch bildgebende Verfahren bestätigt. Die Therapie umfasst eine anfängliche Stabilisierung, eine mögliche zerebrovaskuläre Intervention, die Therapie identifizierbarer zugrundeliegender Ursachen (schwere Hypertonie, Embolus) und die Therapie kardiovaskulärer Risikofaktoren.
  • Andere hämorrhagische Erkrankungen des Gehirns: Karotis-/Zerebralarteriendissektion, Epiduralblutung, intraparenchymale Blutung und Subduralblutung sind andere hämorrhagische Zustände der Hirngefäße, die mit neurologischen Defiziten und/oder verändertem mentalen Status/Bewusstseinszustand einhergehen können. Die Diagnostik erfolgt klinisch und wird durch bildgebende Verfahren bestätigt. Die Therapie hängt von der Ätiologie ab und umfasst eine anfängliche Stabilisierung, eine neurochirurgische/endovaskuläre Konsultation, eine Therapie des intrakraniellen Drucks und ein Monitoring auf einer neurologischen Intensivstation.
  • Hypertensive Enzephalopathie: neurologisches Defizit und/oder veränderter mentaler Status/Bewusstseinszustand im Rahmen einer schweren Hypertonie. Die Diagnostik basiert auf dem Vorhandensein einer Hypertonie und dem Vorhandensein von neurologischen Symptomen. Eine Bildgebung des zentralen Nervensystems ist nützlich, um einen ischämischen oder hämorrhagischen Schlaganfall auszuschließen. Im Zentrum der Therapie stehen eine sorgfältige akute Blutdrucksenkung und ein langfristiges Blutdruckmanagement.

Quellen

  1. Singer, R. (2021). Subarachnoid hemorrhage grading scales. UpToDate. https://www.uptodate.com/contents/subarachnoid-hemorrhage-grading-scales (Zugriff am 10. September 2021).
  2. Singer, R. (2021). Aneurysmal subarachnoid hemorrhage: Epidemiology, risk factors, and pathogenesis. UpToDate. https://www.uptodate.com/contents/aneurysmal-subarachnoid-hemorrhage-epidemiology-risk-factors-and-pathogenesis (Zugriff am 10. September 2021).
  3. Farhan, S. (2021). Perimesencephalic nonaneurysmal subarachnoid hemorrhage. UpToDate. https://www.uptodate.com/contents/perimesencephalic-nonaneurysmal-subarachnoid-hemorrhage (Zugriff am 10. September 2021).
  4. Frahan, S. (2021). Nonaneurysmal subarachnoid hemorrhage. UpToDate. https://www.uptodate.com/contents/nonaneurysmal-subarachnoid-hemorrhage (Zugriff am 10. September 2021).
  5. Singer, R. (2021). Aneurysmal subarachnoid hemorrhage: Treatment and prognosis. UpToDate. https://www.uptodate.com/contents/aneurysmal-subarachnoid-hemorrhage-treatment-and-prognosis (Zugriff am 10. September 2021).
  6. Singer, R. (2020). Aneurysmal subarachnoid hemorrhage: Clinical manifestations and diagnosis. UpToDate. https://www.uptodate.com/contents/aneurysmal-subarachnoid-hemorrhage-clinical-manifestations-and-diagnosis (Zugriff am 10. September 2021).
  7. Singer, R. (2020). Unruptured intracranial aneurysms. UpToDate. https://www.uptodate.com/contents/unruptured-intracranial-aneurysms (Zugriff am 10. September 2021).
  8. Majeed, H, & Ahmad, F. (2021). Mycotic aneurysm. StatPearls. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK560736/
  9. Hacein-Bey, L, & Provenzale, JM. (2011). Current imaging assessment and treatment of intracranial aneurysms. AJR. American journal of roentgenology, 196(1), 32–44. https://doi.org/10.2214/AJR.10.5329
  10. Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) – Ständige Kommission Leitlinien (2012). S1-Leitlinie. SAB-Blutung. AWMF-Registernummer 030/07. https://register.awmf.org/assets/guidelines/030-073l_S1_Subarachnoidalblutung_2012_abgelaufen.pdf (Zugriff am 25. November 2022).
  11. Leading Medicine Guide (2022). Subarachnoidalblutung: Informationen & Subarachnoidalblutung-Spezialisten. https://www.leading-medicine-guide.com/de/erkrankungen/kreislauf/subarachnoidalblutung (Zugriff am 25. November 2022).
  12. MSD Manual (2020). Subarachnoidalblutung (SAB). https://www.msdmanuals.com/de-de/heim/störungen-der-hirn-,-rückenmarks-und-nervenfunktion/schlaganfall-cva/subarachnoidalblutung-sab (Zugriff am 25. November 2022).
  13. MSD Manual (2020). Überblick über hämorrhagische Schlaganfälle. https://www.msdmanuals.com/de-de/heim/störungen-der-hirn-,-rückenmarks-und-nervenfunktion/schlaganfall-cva/überblick-über-hämorrhagische-schlaganfälle (Zugriff am 25. November 2022).
  14. Deximed (2020). Subarachnoidalblutung (SAB). https://deximed.de/zielseiten/krankheiten/subarachnoidalblutung (Zugriff am 25. November 2022).
  15. Ars Neurochirurgica. Hunt und Hess Klassifikation. https://www.ars-neurochirurgica.com/scores-und-klassifikationen/hunt-und-hess-klassifikation (Zugriff am 25. November 2022).

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Sobair Barak hat einen Masterabschluss in Wirtschaftsingenieurwesen absolviert und hat sich anschließend an der Harvard Business School weitergebildet. Heute ist er in einer Management-Position tätig und hat bereits diverse berufliche Auszeichnungen erhalten. Es ist seine persönliche Mission, in seinen Kursen besonders praxisrelevantes Wissen zu vermitteln, welches im täglichen Arbeits- und Geschäftsalltag von Nutzen ist.

eLearning Award 2019

Lecturio und die TÜV SÜD Akademie erhielten für den gemeinsam entwickelten Online-Kurs zur Vorbereitung auf den
Drohnenführerschein den eLearning Award 2019 in der Kategorie “Videotraining”.

Dr. Frank Stummer

Dr. Frank Stummer ist Gründer und CEO der Digital Forensics GmbH und seit vielen Jahren insbesondere im Bereich der forensischen Netzwerkverkehrsanalyse tätig. Er ist Mitgründer mehrerer Unternehmen im Hochtechnologiebereich, u.a. der ipoque GmbH und der Adyton Systems AG, die beide von einem Konzern akquiriert wurden, sowie der Rhebo GmbH, einem Unternehmen für IT-Sicherheit und Netzwerküberwachung im Bereich Industrie 4.0 und IoT. Zuvor arbeitete er als Unternehmensberater für internationale Großkonzerne. Frank Stummer studierte Betriebswirtschaft an der TU Bergakademie Freiberg und promovierte am Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung in Karlsruhe.

Simon Veiser

Simon Veiser beschäftigt sich seit 2010 nicht nur theoretisch mit IT Service Management und ITIL, sondern auch als leidenschaftlicher Berater und Trainer. In unterschiedlichsten Projekten definierte, implementierte und optimierte er erfolgreiche IT Service Management Systeme. Dabei unterstützte er das organisatorische Change Management als zentralen Erfolgsfaktor in IT-Projekten. Simon Veiser ist ausgebildeter Trainer (CompTIA CTT+) und absolvierte die Zertifizierungen zum ITIL v3 Expert und ITIL 4 Managing Professional.

B2B Award 2022

Für herausragende Kundenzufriedenheit wurde Lecturio von der Deutschen Gesellschaft für Verbraucherstudien (DtGV) mit dem deutschen B2B-Award 2022 ausgezeichnet.
In der Rubrik Kundenservice deutscher Online-Kurs-Plattformen belegt Lecturio zum zweiten Mal in Folge den 1. Platz.

B2B Award 2020/2021

Die Deutsche Gesellschaft für Verbraucherstudien (DtGV) hat Lecturio zum Branchen-Champion unter den deutschen Online-Kurs-Plattformen gekürt. Beim Kundenservice belegt Lecturio den 1. Platz, bei der Kundenzufriedenheit den 2. Platz.

Comenius-Award 2022

In der Kategorie “Lehr- und Lernmanagementsysteme” erhielt die Lecturio Learning Cloud die Comenius-EduMedia-Medaille. Verliehen wird der Preis von der Gesellschaft für Pädagogik, Information und Medien für pädagogisch, inhaltlich und gestalterisch herausragende Bildungsmedien.

IELA-Award 2022

Die International E-Learning Association, eine Gesellschaft für E-Learning Professionals und Begeisterte, verlieh der Lecturio Learning Cloud die Gold-Auszeichnung in der Kategorie “Learning Delivery Platform”.
Comenius-Award 2019

Comenius-Award 2019

Die Lecturio Business Flat erhielt 2019 das Comenius-EduMedia-Siegel, mit dem die Gesellschaft für Pädagogik, Information und Medien jährlich pädagogisch,  inhaltlich und gestalterisch
herausragende didaktische Multimediaprodukte auszeichnet.

Alexander Plath

Alexander Plath ist seit über 30 Jahren im Verkauf und Vertrieb aktiv und hat in dieser Zeit alle Stationen vom Verkäufer bis zum Direktor Vertrieb Ausland und Mediensprecher eines multinationalen Unternehmens durchlaufen. Seit mehr als 20 Jahren coacht er Führungskräfte und Verkäufer*innen und ist ein gefragter Trainer und Referent im In- und Ausland, der vor allem mit hoher Praxisnähe, Humor und Begeisterung überzeugt.

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