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Endokarditis

Die Endokarditis ist eine entzündliche Erkrankung der innersten Schicht (Endokard) des Herzens, die am häufigsten die Herzklappen betrifft. Sowohl infektiöse als auch nicht infektiöse Ätiologien können zu Vegetationen auf den Herzklappen führen. Patient*innen können sich mit unspezifischen Symptomen wie Fieber und Müdigkeit vorstellen. Wichtige klinische Untersuchungsbefunde sind ein neues oder verändertes Herzgeräusch und häufige extrakardiale Symptome wie Osler-Knoten, Janeway-Läsionen, Splitterblutungen unter den Nägeln und Roth-Flecken. Die Diagnose basiert auf klinischen Befunden, Blutkulturen und bildgebenden Verfahren, wie der Echokardiografie, dem kardialem MRT oder CT, die Klappenvegetationen zeigen. Die Therapie umfasst intravenöse Antibiotika bei infektiösen Endokarditiden, die Behandlung der zugrunde liegenden Ursache bei nicht infektiösen Endokarditiden und bei Bedarf eine chirurgische Therapie.

Aktualisiert: Oct 13, 2022

Überblick

Definition

  • Infektiöse Endokarditis (IE) wird durch eine Infektion oder Entzündung der innersten Schicht der Herzwand (Endokard) verursacht, die am häufigsten die Herzklappen betrifft.
  • Die nicht-infektiöse Endokarditis (NIE) resultiert aus der Bildung von sterilen Thrombozyten- und Fibrinthromben an vorgeschädigten Herzklappen und am Endokard.

Epidemiologie

Infektiösen Endokarditis:

  • Häufigste Form der Endokarditis
  • Inzidenz: 3–10 Fälle pro 100.000 Personen pro Jahr
  • Zunehmend eher ältere Personen betroffen
  • M:W 2:1 (Gründe sind ungeklärt)

Nicht-infektiöse Endokarditis:

  • Selten
  • Rheumatische Endokarditis:
    • Altersgipfel: 3–15 Jahren
    • Treten seltener auf (frühzeitige Therapie bei beta-hämolysierenden Streptokokken)
    • 0,1–3 Prozent der Kinder mit rheumatischer Endokarditis entwickeln rheumatisches Fieber und bleibende Schäden

Ätiologie der infektiösen Endokarditis

Infektiöse Endokarditis kann durch zahlreiche Organismen verursacht werden; die folgende Liste zeigt die häufigsten Erreger aber nicht alle möglichen.

  • Staphylokokken:
    • Staphylococcus aureus (am häufigsten)
    • S. epidermidis
  • Streptokokken:
    • Streptococcus viridans (häufig nach zahnärztlichen Eingriffen)
    • S. pneumoniae
    • S. bovis (assoziiert mit Dickdarmkrebs)
  • HACEK-Gruppe:
    • Haemophilus
    • Actinobacillus
    • Cardiobakterium hominis
    • Eikenella
    • Kingella
  • Andere bakterielle Ursachen:
    • Enterokokken
    • Coxellia burnetii
    • Brucella
    • Bartonella
  • Pilze:
    • Candida albicans
    • Aspergillus

Ätiologien der nichtinfektiösen Endokarditis

  • Libman-Sacks-Endokarditis:
    • Durch zirkulierende Immunkomplexe
    • Verbunden mit:
      • Systemischer Lupus erythematodes
      • Antiphospholipid-Syndrom
    • Betrifft Mitral > Aortenklappe
  • Thrombotische (marantische) Endokarditis:
    • Maligne Neoplasie (aufgrund von Metastasen, die die Herzklappen besiedeln)
    • Hyperkoagulierbare Zustände
    • Chronische Infektionen (z. B. Tuberkulose)
  • Rheumatische Endokarditis:
    • Aufgrund einer Antigen-Antikörper-Reaktion nach einer Pharyngitis mit Streptokokken der Gruppe A
    • Betrifft Mitral > Aortenklappe
  • Löffler-Endokarditis:
    • Assoziiert mit hypereosinophilem Syndrom
    • Durch eosinophile Infiltration und Gewebeschädigung
  • Iatrogenes Trauma der Herzklappen
  • Andere Autoimmunerkrankungen (selten):
    • Morbus Behcet
    • Rheumatoide Arthritis
    • Systemische Sklerodermie
    • Vaskulitis

Risikofaktoren und Pathophysiologie

Risikofaktoren

Die folgenden sind Risikofaktoren für eine IE:

  • Herzkrankheiten:
    • Rheumatische Herzerkrankungen
    • Klappenanomalien
    • Angeborene Fehlbildungen
    • Vorhandensein einer prothetischen Klappe
  • Alter > 60 Jahre
  • I.v. Drogenkonsum (betrifft am häufigsten die Trikuspidalklappe)
  • Schlechter Zahnstatus
  • Implantierte Geräte oder Katheter
  • Immunsuppression
  • Endokarditis in der Vorgeschichte

Infektiösen Endokarditis

  • Prädisponierende Faktoren:
    • Endokardiale Anomalien oder Verletzungen
    • Bakteriämie
  • Geschädigtes Endothel → Thrombozyten- und Fibrinablagerung → Anhaftung durch Mikroorganismen
  • Proliferation und Invasion von Organismen → Entzündung → Vegetationsentwicklung → Klappenzerstörung
  • Freisetzung septischer Embolien → embolische Komplikationen und/oder metastasierende Infektion
Pathologische Proben der chronischen bovinen fibrösen kalzifizierten Endokarditis

Pathologische Proben eines Patienten mit chronischer fibröser kalzifizierter Endokarditis:
a: Makroskopisches Präparat mit ausgedehnter Fibrose und Verdickung des Stromas (*) und ausgedehnter oberflächlicher Verkalkung (Pfeile)
b: Mikroskopisches Präparat der Läsion mit ausgedehnter Fibrose (*) und Verkalkung (Pfeile)

Bild: „Presence of Coxiella burnetti DNA in inflamed bovine cardiac valves” von BMC Veterinary Research. Lizenz: CC BY 4.0

Nicht-infektiöse Endokarditis

  • Endotheliale Verletzung der Klappen durch:
    • Traumata
    • Zirkulierende Immunkomplexe
    • Zytokine
    • Antigen-Antikörper-Reaktionen
  • Thrombozytenaktivierung und -ablagerung treten auf (oft während eines hyperkoagulierbaren Zustands).
  • Thrombus aus:
    • Fibrin
    • Immunkomplexen
    • Mononukleäre Zellen
  • Vegetationen werden leicht abgelöst → embolische Komplikationen

Klassifikation

Die infektiöse Endokarditis kann anhand des klinischen Verlaufs, der Art der Klappe und der Lokalisation weiter klassifiziert werden.

Nach klinischem Verlauf

Akute infektiöse Endokarditis:

  • Plötzliches Auftreten von Symptomen
  • Schnelles Fortschreiten
  • Größere Vegetationen
  • Betrifft häufig gesunde Herzklappen
  • Kann ohne Behandlung letal enden
  • Häufigste Ursache ist S. aureus

Subakute infektiöse Endokarditis (Endokarditis lenta):

  • Langsamerer Beginn der Symptome
  • Läuft langsames Fortschreiten (Wochen bis Monate)
  • Kleinere Vegetationen
  • Betrifft häufiger fehlgebildete oder vorgeschädigte Klappen
  • Patient*innen können monatelang unbehandelt überleben
  • Häufigste Ursache ist S. viridans

Nach Klappentyp

Nativklappen-Endokarditis:

  • Macht 78 % der Fälle aus
  • Weiter unterteilt in:
    • Ambulant erworben (am häufigsten)
    • Nosokomial erworben
    • I.v. Drogenkonsum
  • Am häufigsten assoziiert mit:
    • Staphylokokken
    • Streptokokken
    • HACEK-Erregern

Endokarditis bei prothetischer Klappe:

  • Weiter unterteilt in:
    • Früh:
      • < 60 Tage nach Klappenersatz
      • Oft durch Kontamination während der Operation
      • Gefahr durch multiresistente Erreger
    • Intermediär: 60–365 Tage nach Klappenersatz
    • Spät:
      • > 1 Jahr nach Klappenersatz
      • Häufig durch ähnliche Erreger wie bei der nativen Klappenendokarditis
  • Verbunden mit einem höheren Komplikations- und Mortalitätsrisiko

Nach Lokalisation

Linksseitige Endokarditis:

  • Mitralklappe
  • Aortenklappe

Rechtsseitige Endokarditis (am häufigsten bei intravenösem Drogenkonsum):

  • Trikuspidalklappe
  • Pulmonalklappe

Klinik

Präsentation und Verlauf hängen von der Ätiologie, der Lokalisation der Vegetation und dem Schweregrad ab.

Allgemeine Anzeichen und Symptome

Folgendes wird bei IE häufiger als bei NIE beobachtet:

  • Fieber (bei Patient*innen mit Fieber unbekannter Ursache sollte der Verdacht auf eine Endokarditis bestehen)
  • Nachtschweiß
  • Müdigkeit
  • Appetitverlust
  • Gewichtsverlust
  • Myalgien und Arthralgien

Kardiale Befunde

  • Neues oder verändertes Herzgeräusch:
    • Mitralinsuffizienz
    • Trikuspidalinsuffizienz
    • Aortenklappeninsuffizienz
  • Tachykardie
  • Arrhythmie:
    • Möglicherweise aufgrund der Ausbreitung der Infektion und der Bildung von Myokardabszessen
    • Führt zu einer Störung des atrioventrikulären Reizleitungssystems → Leitungsverzögerung oder Blockbild

Extrakardiale Befunde

Vor allem bei einer IE:

  • Splitterblutungen:
    • Kleine rote Verfärbungen unter den Nägeln
    • Durch Mikroembolien in Kapillaren
  • Osler-Knoten:
    • Schmerzhafte rote Knötchen an den Finger- und Zehenballen
    • Aufgrund von Immunkomplexablagerungen und Entzündungen
  • Janeway-Läsionen:
    • Kleine, schmerzlose, erythematöse Läsionen an den Handflächen oder Fußsohlen
    • Aufgrund septischer Embolien und Mikroabszesse
  • Roth-Spots:
    • Rote Flecken mit blassen Zentren bei der fundoskopischen Untersuchung
    • Aufgrund von Netzhautblutungen
  • Petechien
  • Konjunktivale Einblutungen

Eselsbrücke

Symptome einer IE können mit der Eselsbrücke „FROM JANE“ gelernt werden:

  • Fieber
  • Roth-Spots
  • Osler-Knoten
  • Müdigkeit
  • Janeway-Läsionen
  • Anämie
  • Nagelbetteinblutungen (Splitterblutungen)
  • Embolien

Systemische Embolie

Sowohl bei einer IE als auch bei einer NIE kann eine Embolie auftreten. Oft ist ein embolisches Ereignis der erste Hinweis auf eine NIE.

  • Transitorisch ischämische Attacke (TIA) oder Schlaganfall: neues fokales neurologisches Defizit
  • Lungenembolie:
    • Dyspnoe
    • Pleuritische Brustschmerzen
    • Husten
    • Hämoptyse
  • Niereninfarkt:
    • Flankenschmerz
    • Hämaturie
  • Milzembolie: Schmerzen im linken unteren Quadranten

Andere Komplikationen

  • Herz:
    • Perivalvulärer Abszess
    • Klappeninsuffizienz
    • Klappenruptur
    • Herzinsuffizienz
    • Perikarditis → Herzbeuteltamponade
  • Nieren:
    • Glomerulonephritis
    • Antibiotika-induzierte Nephrotoxizität
  • Metastasierte Infektion:
    • Milzabszess
    • Mykotisches Aneurysma → Hirnblutung
    • Hirnabszess oder Meningitis
    • Septische Arthritis
    • Osteomyelitis
    • Nierenabszess
    • Lungenentzündung oder Lungenabszess
  • Tod: Mortalität bis zu 40 %

Diagnostik

Die Diagnose Endokarditis wird aus der Kombination aus klinischem Erscheinungsbild, bildgebenden Verfahren und der Mikrobiologie gestellt.

Echokardiografie

  • Transthorakales Echo (TTE):
    • Erstes diagnostisches Mittel
    • Ein negativer Befund schließt eine Endokarditis nicht aus
  • Transösophageales Echo (TEE):
    • Empfindlicher, aber invasiver
    • Sollte durchgeführt werden, wenn die TTE negativ ist und der Verdacht auf eine Endokarditis hoch ist
  • Befunde:
    • Vegetation
    • Abszess
    • Dehiszenz einer Klappenprothese
  • Kann die Ursache der Vegetationen nicht bestimmen (IE vs. NIE)

Zusätzliche Diagnostik

Labordiagnostik:

  • Die folgenden Befunde sind unspezifisch, können aber Hinweise auf eine IE geben:
    • Blutkulturen:
      • Verdacht auf IE: 2x Blutkulturen
      • Vor Beginn der Antibiotikagabe
      • Negative Blutkulturen schließen IE nicht aus.
    • Serologie:
      • Bei negativen Blutkulturen
      • Bei fehlendem Erregernachweis nach Massenspektrometrie
    • Blutbild:
      • Leukozytose mit Linksverschiebung
      • Normozytäre Anämie
    • Entzündungsparameter:
      • ↑ BSG
      • ↑ CRP
  • Folgendes kann bei einer NIE nützlich sein:
    • Antinukleäre Antikörper
    • Lupus Diagnostik
    • Antiphospholipid-Antikörper

Bildgebende Verfahren:

  • Röntgenaufnahme des Thorax:
    • Kann andere Ursachen von Symptomen ausschließen
    • Mögliche Befunde bei Endokarditis:
      • Septische Embolie in die Lunge
      • Lungenödem und Kardiomegalie
  • CT und MRT:
    • Nach neuen Leitlinien sollen auch andere Bildgebungsverfahrens neben der Echokardiografie einbezogen werden
    • Besonders bei unklaren Fällen geeignet
  • Ggf. Bildgebung auf embolische Ereignisse:
    • Zerebrales MRT
    • Ganzkörper-CT
    • PET/CT
  • EKG:
    • Typischerweis unauffällig
    • Mögliche Befunde: Blockbild oder atrioventrikuläre Dissoziation
Elektrokardiogramm mit atrioventrikulärer Dissoziation

Ein EKG mit atrioventrikulärer Dissoziation bei einem Patienten mit S. viridans- Endokarditis

Bild: „Timing for pacing after acquired conduction disease in the setting of endocarditis” von Brancheau D, Degheim G, Machado C. Lizenz: CC BY 3.0

Duke-Diagnosekriterien

Die diagnostischen Duke-Kriterien sind eine Reihe klinischer Kriterien, die bei der Diagnose einer IE helfen können.

  • Zu erfüllende Bedingungen:
    • 2 Hauptkriterien oder
    • 1 Hauptkriterium plus 3 Nebenkriterien oder
    • 5 Nebenkriterien
  • Hauptkriterien:
    • Positive Blutkulturen (1 der folgenden):
      • Typischer Organismus für IE in 2 getrennten Blutkulturen
      • Anhaltend positive Kulturen
      • Positive Einzelkultur für Coxiella burnetii
    • Nachweis einer endokardialen Beteiligung in (1 der folgenden):
      • Echokardiografie
      • Schnittbildgebung
  • Zusätzliche Hauptkriterien nach ESC 2015:
    • Nachweis von paravalvulären Läsionen im Herz-CT
    • Nachweis einer abnormen Aktivität in der Umgebung eines Klappenersatzes in der PET/CT
  • Nebenkriterien:
    • Fieber > 38 °C
    • Risikofaktoren:
      • I.v. Drogenkonsum
      • Prädisponierende Herzerkrankung
    • Gefäßbefund:
      • Schwere arterielle Embolie
      • Janeway-Läsionen
      • Konjunktivale Blutungen
      • Septische Infarkte
      • Mykotisches Aneurysma
    • Immunologische Befunde:
      • Osler-Knoten
      • Rother Spots
      • Glomerulonephritis
    • Mikrobiologische Befunde in Kulturen, die die Hauptkriterien nicht erfüllen

Therapie

  • Möglichst eine Therapie durch ein „Endokarditis-Team“ anstreben:
    • Interdisziplinärer Ansatz konnte in Studien die Mortalität senken
    • Leitlinienempfehlung
    • Behandlung in einem Referenzzentrum
  • Verlauf und Prognose abhängig von Startzeitpunkt der Therapie

IE

Bei akuter Erkrankung ist eine sofortige Einleitung einer i.v.-Antibiotikagabe erforderlich.

  • Initiale kalkulierte Antibiotika Therapie:
    • i.v. Therapie
    • Nativklappen (ambulant erworben) + Klappenprothesen >12 Monate nach OP:
      • Ampicillin + Flucloxacillin + Gentamicin
      • Oder (bei z. B. Penicillin Unverträglichkeit): Vancomycin und Gentamicin
    • Nosokomiale Infektion + Klappenprothese <12 Monate nach OP:
      • Vancomycin + Gentamicin + Rifampicin
  • Therapie nach Erreger anpassen:
    • Streptokokken:
      • Nativklappen und Klappenprothesen: Penicillin G/Ampicillin/Cefriaxon + Gentamicin
    • Staphylokokken:
      • Nativklappen:
        • MSSA: Flucloxacillin
        • MRSA oder Penicillin Unverträglichkeit: Vancomycin
        • Oder: Daptomycin
      • Klappenprothesen:
        • MSSA: Flucloxacillin + Rifampicin + Gentamicin
        • MRSA oder Penicillin Unverträglichkeit: Vancomycin + Rifampicin + Gentamicin
    • Enterokokken:
      • Nativklappen und Klappenprothesen: Ampicillin + Gentamicin
  • Behandlungslänge: Nativklappen: 2–6 Wochen, Klappenprothesen: mind. 6 Wochen

NIE

  • Behandlung der Grunderkrankung
  • Ggf. Antikoagulation

Chirurgische Therapie

  • Operationsindikationen:
    • Herzinsuffizienz
    • Anhaltende Infektion
    • Infektion durch Pilze oder multiresistente Erreger
    • Embolische Ereignisse
    • Prothetische Klappendehiszenz
    • Neurologische Komplikationen: septische Embolien im MRT
  • Die Entfernung implantierter Geräte (z. B. Herzschrittmacher) ist indiziert, wenn:
    • Eindeutige Infektion des Gerätes
    • Sepsis
    • Tascheninfektion
    • Persistierende Bakteriämie
    • Staphylokokken -Bakteriämie
  • Entfernung des infektiösen Materials + Klappenersatz
Intraoperativer Vegetationsbefund an der Aortenklappe

Intraoperativer Vegetationsbefund an der Aortenklappe bei einem Patienten mit Endokarditis

Bild: „A rare case of Candida parapsilosis endocarditis in a young healthy woman“ von Pelemiš, M., et al. Lizenz: CC BY 2.0

Prophylaxe

  • Antibiotika vor der Behandlung:
    • Hochrisiko-Verfahren:
      • Zahnärztliche Eingriffe mit Manipulation der Gingiva oder Schleimhaut
      • Verfahren an den Atemwegen mit Biopsie oder Manipulation der Schleimhaut
      • Risiko-Nutzen-Abwägung!
    • Prophylaxe für Hochrisikogruppen indiziert:
      • Prothetische Klappen
      • Unbehandelter zyanotische angeborene Herzkrankheit
      • Operierter Herzfehler mit Verwendung von prothetischem Material in den ersten 6 Monaten nach OP
      • Vorherige Episode einer Endokarditis
    • Antibiotika:
      • Amoxicillin oder Ampicillin
      • Bei Penicillin Unverträglichkeit: Clindamycin
  • Gute Mundhygiene wirkt prophylaktisch

Differenzialdiagnosen

  • Kardiales Myxom: ein gutartiger Tumor und der häufigste Primärtumor des erwachsenen Herzens. Patient*innen können Anzeichen und Symptome einer Klappenobstruktion, Thromboembolie und Arrhythmien entwickeln. Die Diagnose wird durch Echokardiografie, kardiales MRT oder kardiales CT gestellt. Wegen des erheblichen Risikos von Embolien und kardiovaskulären Komplikationen, einschließlich plötzlichem Tod, ist eine vollständige chirurgische Exzision erforderlich.
  • Prothetische Klappenthrombose: Eine unzureichende Antikoagulation nach Implantation einer Klappenprothese kann zu einer Thrombose der Klappe führen, die Patient*innen dem Risiko einer Thromboembolie und Klappenstenose oder Regurgitation mit der Folge einer Herzinsuffizienz aussetzt. Die Diagnose wird anhand der Anamnese und Echokardiografie gestellt. Die Behandlung variiert, kann jedoch eine thrombolytische Therapie, eine geeignete Antikoagulation und eine mögliche Herzoperation umfassen.
  • Lungenembolie: Obstruktion der Lungenarterien, meistens aufgrund einer Thrombusmigration aus dem tiefen Venensystem. Anzeichen und Symptome sind pleuritische Brustschmerzen, Dyspnoe, Tachypnoe und Tachykardie. Schwere Fälle können zu hämodynamischer Instabilität oder Herz-Kreislauf-Stillstand führen. Ein Thorax-CT mit Angiografie ist die primäre Methode der Diagnose. Die Therapie umfasst Oxygenierung, Antikoagulation und thrombolytische Therapie bei instabilen Patient*innen.
  • Myokarditis: Entzündung des Herzmuskels, die ätiologisch infektiös oder nicht infektiös sein kann. Die Präsentation variiert, kann jedoch Anzeichen und Symptome einer Herzinsuffizienz und eines kardiogenem Schock umfassen. Eine Echokardiografie kann eine globale systolische Dysfunktion zeigen, ein kardiales MRT zeigt Ödeme und eine Endomyokardbiopsie kann eine definitive Diagnose liefern. Die Behandlung konzentriert sich auf die Behandlung der Herzinsuffizienz und der zugrunde liegenden Ursache.
  • Perikarditis: Entzündung des Herzbeutels infolge einer Infektion, einer Autoimmunerkrankung, einer Bestrahlung, einer Operation oder eines Myokardinfarkts. Klinisch zeigt sich eine Perikarditis mit Fieber, pleuritischen Brustschmerzen, die bei Rückenlage zunehmen, und einem Perikardreiben bei der Auskultation. Ein EKG mit diffuser ST-Strecken-Hebung und ein Echo, das einen Perikarderguss zeigt, können die Diagnose bestätigen.

Quellen

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Yasmin Kardi ist zertifizierter Scrum Master, Product Owner und Agile Coach und berät neben ihrer Rolle als Product Owner Teams und das höhere Management zu den Themen agile Methoden, Design Thinking, OKR, Scrum, hybrides Projektmanagement und Change Management.. Zu ihrer Kernkompetenz gehört es u.a. internationale Projekte auszusteuern, die sich vor allem auf Produkt-, Business Model Innovation und dem Aufbau von Sales-Strategien fokussieren.

Frank Eilers

Frank Eilers ist Keynote Speaker zu den Zukunftsthemen Digitale Transformation, Künstliche Intelligenz und die Zukunft der Arbeit. Er betreibt seit mehreren Jahren den Podcast „Arbeitsphilosophen“ und übersetzt komplexe Zukunftsthemen für ein breites Publikum. Als ehemaliger Stand-up Comedian bringt Eilers eine ordentliche Portion Humor und Lockerheit mit. 2017 wurde er für seine Arbeit mit dem Coaching Award ausgezeichnet.

Holger Wöltje

Holger Wöltje ist Diplom-Ingenieur (BA) für Informationstechnik und mehrfacher Bestseller-Autor. Seit 1996 hat er über 15.800 Anwendern in Seminaren und Work-shops geholfen, die moderne Technik produktiver einzusetzen. Seit 2001 ist Holger Wöltje selbstständiger Berater und Vortragsredner. Er unterstützt die Mitarbeiter von mittelständischen Firmen und Fortune-Global-500- sowie DAX-30-Unternehmen dabei, ihren Arbeitsstil zu optimieren und zeigt Outlook-, OneNote- und SharePoint-Nutzern, wie sie ihre Termine, Aufgaben und E-Mails in den Griff bekommen, alle wichtigen Infos immer elektronisch parat haben, im Team effektiv zusammenarbeiten, mit moderner Technik produktiver arbeiten und mehr Zeit für das Wesentliche gewinnen.

Sobair Barak

Sobair Barak hat einen Masterabschluss in Wirtschaftsingenieurwesen absolviert und hat sich anschließend an der Harvard Business School weitergebildet. Heute ist er in einer Management-Position tätig und hat bereits diverse berufliche Auszeichnungen erhalten. Es ist seine persönliche Mission, in seinen Kursen besonders praxisrelevantes Wissen zu vermitteln, welches im täglichen Arbeits- und Geschäftsalltag von Nutzen ist.

eLearning Award 2019

Lecturio und die TÜV SÜD Akademie erhielten für den gemeinsam entwickelten Online-Kurs zur Vorbereitung auf den
Drohnenführerschein den eLearning Award 2019 in der Kategorie “Videotraining”.

Dr. Frank Stummer

Dr. Frank Stummer ist Gründer und CEO der Digital Forensics GmbH und seit vielen Jahren insbesondere im Bereich der forensischen Netzwerkverkehrsanalyse tätig. Er ist Mitgründer mehrerer Unternehmen im Hochtechnologiebereich, u.a. der ipoque GmbH und der Adyton Systems AG, die beide von einem Konzern akquiriert wurden, sowie der Rhebo GmbH, einem Unternehmen für IT-Sicherheit und Netzwerküberwachung im Bereich Industrie 4.0 und IoT. Zuvor arbeitete er als Unternehmensberater für internationale Großkonzerne. Frank Stummer studierte Betriebswirtschaft an der TU Bergakademie Freiberg und promovierte am Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung in Karlsruhe.

Simon Veiser

Simon Veiser beschäftigt sich seit 2010 nicht nur theoretisch mit IT Service Management und ITIL, sondern auch als leidenschaftlicher Berater und Trainer. In unterschiedlichsten Projekten definierte, implementierte und optimierte er erfolgreiche IT Service Management Systeme. Dabei unterstützte er das organisatorische Change Management als zentralen Erfolgsfaktor in IT-Projekten. Simon Veiser ist ausgebildeter Trainer (CompTIA CTT+) und absolvierte die Zertifizierungen zum ITIL v3 Expert und ITIL 4 Managing Professional.

B2B Award 2022

Für herausragende Kundenzufriedenheit wurde Lecturio von der Deutschen Gesellschaft für Verbraucherstudien (DtGV) mit dem deutschen B2B-Award 2022 ausgezeichnet.
In der Rubrik Kundenservice deutscher Online-Kurs-Plattformen belegt Lecturio zum zweiten Mal in Folge den 1. Platz.

B2B Award 2020/2021

Die Deutsche Gesellschaft für Verbraucherstudien (DtGV) hat Lecturio zum Branchen-Champion unter den deutschen Online-Kurs-Plattformen gekürt. Beim Kundenservice belegt Lecturio den 1. Platz, bei der Kundenzufriedenheit den 2. Platz.

Comenius-Award 2022

In der Kategorie “Lehr- und Lernmanagementsysteme” erhielt die Lecturio Learning Cloud die Comenius-EduMedia-Medaille. Verliehen wird der Preis von der Gesellschaft für Pädagogik, Information und Medien für pädagogisch, inhaltlich und gestalterisch herausragende Bildungsmedien.

IELA-Award 2022

Die International E-Learning Association, eine Gesellschaft für E-Learning Professionals und Begeisterte, verlieh der Lecturio Learning Cloud die Gold-Auszeichnung in der Kategorie “Learning Delivery Platform”.
Comenius-Award 2019

Comenius-Award 2019

Die Lecturio Business Flat erhielt 2019 das Comenius-EduMedia-Siegel, mit dem die Gesellschaft für Pädagogik, Information und Medien jährlich pädagogisch,  inhaltlich und gestalterisch
herausragende didaktische Multimediaprodukte auszeichnet.

Alexander Plath

Alexander Plath ist seit über 30 Jahren im Verkauf und Vertrieb aktiv und hat in dieser Zeit alle Stationen vom Verkäufer bis zum Direktor Vertrieb Ausland und Mediensprecher eines multinationalen Unternehmens durchlaufen. Seit mehr als 20 Jahren coacht er Führungskräfte und Verkäufer*innen und ist ein gefragter Trainer und Referent im In- und Ausland, der vor allem mit hoher Praxisnähe, Humor und Begeisterung überzeugt.

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