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Streptococcus

Streptococcus ist neben Staphylococcus eine der beiden medizinisch wichtigsten Spezies grampositiver Kokken. Streptokokken werden auf Blutagar anhand ihres hämolytischen Musters und ihrer Empfindlichkeit gegenüber Optochin und Bacitracin differenziert. Es gibt viele pathogene Arten von Streptokokken, darunter S. pyogenes, S. agalactiae, S. pneumoniae und die Viridans-Streptokokken (z. B. S. mutans, S. mitis und S. sanguinis). Streptokokken-Infektionen verursachen ein breites Spektrum an Erkrankungen, darunter Pharyngitis, Pneumonie, Haut- und Weichteilinfektionen, Endokarditis, Septikämie, Meningitis und das Streptokokken-Toxik-Shock-Syndrom. Sie sind auch für die postinfektiösen Syndrome des akuten rheumatischen Fiebers und der Poststreptokokken-Glomerulonephritis verantwortlich. Die meisten Streptokokken sind sensibel gegenüber Penicillin.

Aktualisiert: Oct 5, 2022

Allgemeine Merkmale

Merkmale aller Streptokokken

  • Grampositive Kokken
  • CAVE: Verlust der grampositiven Färbung bei Inkubation über Nacht oder bei fortgeschrittenem Alter der Kultur (Absterben der Bakterien) möglich
  • Wachstum in Paaren oder Ketten (klassische lange Ketten in flüssigen Medien am besten zu sehen)
  • Unbeweglich
  • Nicht sporenbildend
  • Fakultative Anaerobier (Sauerstoff-Toleranz)
  • Katalase-negativ:
    • Enzym: Wasserstoffperoxid → Wasser und Sauerstoff
    • Unterscheidungsmerkmal zu Staphylokokken (Katalase-positiv)
  • Vorkommen: Haut und Schleimhäute von Menschen und Tieren

Kapsel

  • Wichtiger Virulenzfaktor
  • Bekapselte Streptokokken:
    • Hyaluronsäure: Gruppe A (S. pyogenes)
    • Polysaccharid:
      • Gruppe B (S. agalactiae)
      • S. pneumoniae
      • Gruppe D (Enterokokken)
  • Nicht-bekapselte Streptokokken:
    • Viridans-Streptokokken
      • S. viridans ist keine einzelne Spezies, sondern mehr ein pseudotaxonomischen Begriff.
      • Steht für verschiedene Streptokokken-Spezies, darunter die S. bovis-Gruppe (z. B. S. gallolyticus), S. mitis, die S. mutans-Gruppe, S. sanguinis, die S. anginosus-Gruppe , S. constellatus, S. intermedius und die S. salivarius-Gruppe.
    • Nicht bekapselte S. pneumoniae:
      • Vorkommen einiger natürlicher, nicht-bekapselter Phänotypen, die Krankheiten verursachen
      • Verlust der Fähigkeit zur Kapselproduktion bei allen bekapselten Pneumokokken nach einigen Subkulturen auf Agar (erneute Kapsel-Produktion bei Injektion in Mäuse)

Biofilm

Streptokokken haben die Fähigkeit, Biofilme zu bilden:

  • Dicht gepackte Ansammlungen von Bakterien
  • Wachstum auf Oberflächen oder menschlichem Gewebe
  • Ausscheidung von und Umhüllung mit einer schleimigen Matrix (Polysaccharide bei Streptokokken)
  • Beispiele für Biofilme:
    • Zahnbelag
    • Bakterielle Besiedlung von chronischen Wunden

Bedeutung:

  • Höhere Widerstandsfähigkeit gegen Immunabwehr des Wirts
  • Resistenz gegen Antibiotika

Differenzierung der Streptokokken-Spezies

Mikrobiologie Flussdiagramm Gram-positive Bakterien Klassifizierung

Grampositive Bakterien:
Die meisten Bakterien können nach einem Laborverfahren namens Gram-Färbung klassifiziert werden.  
Bakterien mit Zellwänden, die eine dicke Peptidoglykanschicht aufweisen, halten die bei der Gram-Färbung verwendete Kristallviolettfärbung zurück, werden aber von der Safranin-Gegenfärbung nicht beeinträchtigt. Diese Bakterien erscheinen auf der Färbung violett-blau, was bedeutet, dass sie grampositiv sind. Die Bakterien lassen sich nach ihrer Morphologie (verzweigte Filamente, Stäbchen und Kokken in Clustern oder Ketten) und ihrer Fähigkeit, in Gegenwart von Sauerstoff zu wachsen (aerob bzw. anaerob), weiter einteilen. Die Gruppe der Kokken kann noch weiter differenziert werden: Staphylokokken zeichnen sich durch das Vorhandenseins des Enzyms Koagulase und ihrer Sensibilität gegenüber dem Antibiotikum Novobiocin aus. Streptokokken werden auf Blutagar gezüchtet und danach klassifiziert, welche Form der Hämolyse sie anwenden (α, β oder γ). Die weitere Differenzierung der Streptokokken-Spezies erfolgt auf Grundlage ihrer Verhaltens im Pyrrolidonyl-β-Naphthylamid-Test (PYR), ihrer Sensibilität gegenüber spezifischen antimikrobiellen Wirkstoffen (Optochin und Bacitracin) und ihrer Fähigkeit, auf Natriumchloridmedien (NaCl) zu wachsen.

Bild von Lecturio. Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0

Serologische Klassifikation (Lancefield)

  • Identifikation der Gruppen A-V auf Grundlage der Antigene in Zellwand/Pili/Kapsel
  • Eher historische Einteilung (inzwischen wurden noch mehr Spezies beschrieben)
  • Einige Streptokokkenarten werden noch immer traditionell nach ihren serologischen Typen (Gruppen A, B und D) unterteilt.
    • Gruppe A: S. pyogenes
    • Gruppe B: S. agalactiae
    • Gruppe C: S. equisimilis, S. equi, S. zooepidemicus
    • Gruppe D: Enterococcus faecalis, E. faecium, E. durans, S. bovis
    • Gruppen F, G und L: S. anginosus
    • Gruppe H: S. sanguis
    • Gruppe K: S. salivarius
    • Gruppe L: S. dysgalactiae
    • Gruppen M und O: S. mitis
    • Gruppe N: Lactococcus lactis
    • Gruppen R und S: S. suis

Hämolytische Klassifikation

Streptokokken wachsen gut auf Blutagar. Die verschiedenen Streptokokken-Spezies werden aufgrund ihres Hämolysemusters in drei Gruppen eingeteilt:

  • β-hämolytisch → vollständige Hämolyse (deutliche Hämolysezone):
    • S. pyogenes
    • S. agalactiae
  • α-hämolytisch → partielle Hämolyse (grüner Bereich der Hämolyse):
    • S. pneumoniae
    • Viridans-Streptokokken (variable Hämolyse-Muster bei einigen Arten)
  • γ-hämolytisch → keine Hämolyse:
    • S. gallolyticus (ein Mitglied der S. bovis-Gruppe)
    • S. faecalis und S. faecium wurden in die eigenständige Gattung Enterococcus als E. faecalis und E. faecium reklassifiziert.
Streptococcus pyogenes (Lancefield-Gruppe A) auf Columbia-Pferdeblut-Agar

Blutagarplatte mit β-hämolytischen Kolonien von S. pyogenes:
Vollständige (Beta-Typ) Hämolyse um jede Kolonie

Bild: “Lancefield Group A” von Nathan Reading. Lizenz: CC BY 2.0

Unterscheidungsmerkmale der pathogenen Streptokokken

Unterscheidungsmerkmale der pathogenen Streptokokken
Spezies Morphologie Vorkommen Unterscheidungsmerkmale
S. pyogenes (Streptokokken der Gruppe A) Auftreten in paarigen Ketten Rachen, Haut
  • Hyaluronsäure-Kapsel
  • β-hämolytisch
  • Inhibiertes Wachstum durch Bacitracin
  • PYR positiv
S. agalactiae (Streptokokken der Gruppe B) Auftreten paarweise oder in Ketten Vagina, unterer Gastrointestinaltrakt
  • Polysaccharidkapsel
  • β-hämolytisch
  • Hippurat-positiv
  • cAMP-Test positiv: Zunehmende Hämolysezone bei Ausplattierung mit S. aureus
  • Bacitracin-resistent
S. pneumoniae Lanzettenförmige Diplokokken Nasopharynx
  • Polysaccharidkapsel
  • α-hämolytisch
  • Optochin-sensibel
  • Galle-löslich: kein Wachstum in Galle
Viridans-Streptokokken: S. mutans, S. mitis, S. sanguinis Auftreten paarweise oder in Ketten Mundhöhle, Kolon (S. bovis)
  • Nicht bekapselt
  • α-hämolytisch
  • Optochin-resistent
  • Galle-resistent: Wachstum in Galle
Enterokokken (ehemals Streptokokken der Gruppe D, reklassifiziert als eigenständige Gattung Enterococcus): E. faecalis, E. faecium
S. gallolyticus (in Gruppe D und ein Mitglied der S. bovis-Gruppe )
Auftreten paarweise, in kurzen Ketten oder einzeln Darm, Mundhöhle und Vagina
  • Ɣ-hämolytisch (nicht hämolytisch)
  • Wachstum in 6,5% NaCl
PYR: Pyrrolidonyl-Arylamidase

Pathogenese

Jede pathogene Streptokokkenart hat wichtige Virulenzfaktoren, die mit ihrer Ausbreitung und ihren klinischen Manifestationen korrelieren. In den nachstehenden Tabellen sind Merkmale ausgewählter Spezies zusammengefasst:

Virulenzfaktoren und Funktionen von S. pyogenes (A-Streptokokken)
Virulenzfaktor Funktion
Kapsel Inhibition der Phagozytose
M-Protein (beteiligt an rheumatischem Fieber)
  • Antiphagozytär
  • Molekulare Mimikry (Typ-II-Überempfindlichkeitsreaktion) von Myosin in Herzklappen: Mitralklappe am häufigsten betroffen, seltener Aortenklappe
Streptolysin O Lyse von Erythrozyten
Streptokinase (Fibrinolysin) Umwandlung von Plasminogen in Plasmin und Auflösung von Blutgerinnsel, wodurch Bakterien aus dem Gerinnsel entweichen können
DNAse
  • Depolymerisation von DNA
  • Unterstützung der Ausbreitung durch Verflüssigung des Eiters, der seine Viskosität der DNA verdankt (meist von toten Neutrophilen)
Hyaluronidase Hilfe bei der Ausbreitung durch Spaltung von Hyaluronsäure (wichtiger Bestandteil der Grundsubstanz des Bindegewebes)
Lipoteichonsäure (bedeckt haarartige Pili, die durch die Kapsel ragen) Anhaftung an Epithelzellen
Drei Arten von erythrogenen Exotoxinen:
  • SpeA: beteiligt an Scharlach und dem Streptokokken-Toxic-Shock-Syndrom
  • SpeB: Protease, Poststreptokokken-Glomerulonephritis (postinfektiöse Glomerulonephritis)
  • SpeC: Scharlach und Streptokokken-Toxic-Shock-Syndrom
SpeA und SpeC sind Superantigene; Anregung der T-Zellen zur Produktion von Zytokinen durch Bindung an die V-beta-Region des T-Zell-Rezeptors
  • Scharlach: Weitung der Blutgefäße durch Veränderung des kutanen Zytokin-Milieus
  • Toxic-Shock-Syndrom: Schock durch immense Freisetzung entzündlicher Zytokine durch T-Zellen
  • Poststreptokokken-Glomerulonephritis: Bildung von Antigen-Antikörper-Komplexen auf der glomerulären Basalmembran (insbesondere SpeB und Nephritis-assoziierter Plasminrezeptor)
Zwei Arten von Hämolysinen:
  • Streptolysin O: Stimulation der Produktion von Antistreptolysin O-Antikörper (ASLO); Inaktivierung durch Sauerstoff
  • Streptolysin S: nicht antigenisch
Lyse von Erythrozyten und Schädigung der Membran anderer Zellen
Spe: Erythrogene Exotoxine von Streptokokken
Virulenzfaktoren und Funktionen von S. agalactiae (Streptokokken der Gruppe B)
Virulenzfaktor Funktion
Kapsel Inhibition der Phagozytose
Virulenzfaktoren und Funktionen von S. pneumoniae
Virulenzfaktor Funktion
Kapsel Inhibition der Phagozytose
IgA-Protease Invasion der Schleimhäute
Virulenzfaktoren und Funktionen von S. mutans
Virulenzfaktor Funktion
Dextrans Thrombozytenadhäsion
In-vivo-Biofilmproduktion Adhäsion

Krankheiten verursacht durch β-hämolytische Streptokokken

Streptococcus pyogenes

Streptococcus pyogenes ist der virulenteste Erreger aus der Familie der Streptokokken.

Pharyngitis:

  • Häufigste durch S. pyogenes verursachte Infektion
  • Bei Säuglingen und Kleinkindern: subakute Nasopharyngitis, Petechien am Gaumen, zervikale Lymphadenopathie; Komplikation: Otitis media
  • Bei älteren Kindern und Erwachsenen: ausgeprägte Nasopharyngitis, Tonsillitis, eitrige Exsudate, hohes Fieber, zervikale Lymphadenopathie
  • Asymptomatische Infektionen: 20 %
  • Viele andere Ätiologien der Pharyngitis: Adenovirus, infektiöse Mononukleose, Gonokokkeninfektion, Diphtherie
Streptokokken-Pharyngitis

Streptokokken-Pharyngitis:
Rötung und Ödem des Rachens und Petechien am Gaumen

Bild: “Streptococcal pharyngitis” von CDC/Dr. Heinz F. Eichenwald. Lizenz: Public Domain

Haut- und Weichteilinfektionen:

  • Impetigo contagiosa:
    • Honiggelbe Krusten
    • Betrifft vor allem Kinder im Alter von 2–5 Jahren
    • Hochgradig ansteckend (insbesondere in heißen, feuchten Klimazonen)
    • Kann sich zu einer Zellulitis weiterentwickeln
    • Kann auch durch Staphylococcus aureus verursacht werden
  • Erysipel:
    • Infektion der oberflächlichen Dermis und Lymphgefäße
    • Rötlicher, erhabener, sich schnell ausbreitender und gut abgegrenzter Infektionsrand (Abgrenzung zur Zellulitis)
  • Zellulitis:
    • Infektion der tiefen Dermis und des subkutanen Fettgewebes
    • Rötlicher, nicht erhabener und nicht gut abgegrenzter Infektionsrand (Abgrenzung zum Erysipel)
  • Abszess:
    • Lokalisierte Eiteransammlung in einem neu geschaffenen Hohlraum
    • S. pyogenes und Staphylococcus aureus (MRSA) sind die häufigsten Erreger bei Abszessen am Rumpf, an den Extremitäten, in der Axilla oder an Kopf und Hals.
  • Nekrotisierende Fasziitis („fleischfressende Bakterien” oder „Streptokokken-Gangrän”)
    • Nekrotisierende Weichteilinfektion (auch nekrotisierende Formen von Myositis und Zellulitis)
    • Fulminante Gewebedestruktion, systemische Toxizitätszeichen und hohe Sterblichkeit
    • In der Regel polymikrobiell, mit aeroben und anaeroben Bakterien
    • Die darüber liegende Haut scheint nur leicht warm zu sein, und es gibt keine eindeutige Eintrittspforte.
    • Prädisponierende Faktoren: Diabetes, Trauma, Immunsuppression
    • Pyrogene Exotoxine tragen höchstwahrscheinlich über Zytokine zum Schock bei.
    • Chirurgischer Notfall: Débridement und Antibiotika-Gabe
Impetigo im Gesicht eines Kindes

Impetigo bei einem Kind:
Das Bild zeigt charakteristische periorale honiggelbe Krusten.

Bild: “Microbio 21 02 Impetigo” von CNX OpenStax. Lizenz: CC BY 4.0

Puerperalfieber: Eindringen von S. pyogenes in den Uterus nach der Entbindung → Endometritis und Bakteriämie

Bakteriämie oder Sepsis verursacht durch:

  • Entzündete traumatische oder chirurgische Wunden
  • Hautinfektionen (z. B. Zellulitis)
  • Pharyngitis (selten)

Toxin-vermittelte Erkrankungen

Scharlach:

  • In der Regel assoziiert mit einer Pharyngitis
  • Vermittelt durch Toxine (Superantigen A oder C)
  • Scharlachexanthem: kleinfleckige Papeln; Aussparung der Handinnenflächen, Fußsohlen und des Gesichts
  • „Erdbeer- oder Himbeerzunge”
  • Periorale Blässe
Scharlachausschlag

Scharlachexanthem

Bild: “The rash of scarlet fever” von Alicia Williams. Lizenz: CC BY 2.5

Streptokokken-Toxic-Shock-Syndrom:

  • Früh einsetzender Schock, Bakteriämie, respiratorisches Versagen und Multiorganversagen
  • In 30 % der Fälle tödlich
  • Kleines Trauma mit lokalen Anzeichen einer Infektion kann vorausgehen
  • Vermittlung durch Superantigen-Toxine
  • Das toxische Schocksyndrom kann auch durch Staphylococcus aureus verursacht werden, der ebenfalls Superantigen-Toxine exprimieren kann.

Postinfektiöse Folgeerscheinungen

Rheumatisches Fieber:

  • 2–3 Wochen nach Pharyngitis
  • Frühzeitige antibiotische Behandlung der Pharyngitis senkt die Inzidenz
  • Assoziation mit Antikörpern gegen Streptolysin O, Hyaluronidase und Streptokinase
  • Jones-Kriterien:
    • Karditis (klinisch oder subklinisch mittels Echokardiographie)
    • Polyarthritis
    • Chorea minor
    • Erythema marginatum
    • Subkutane Knötchen

Poststreptokokken-Glomerulonephritis:

  • Ausgelöst durch nephritogene Stämme, die die zwei wichtigsten Antigene besitzen (SpeB und Nephritis-assoziierter Plasminrezeptor)
  • Auftreten ca. 2–3 Wochen nach Pharyngitis oder Impetigo
  • Ablagerung von Immunkomplexen in der glomerulären Basalmembran (Typ-III-Überempfindlichkeitsreaktion)
  • Fieber, Mikro-/Makrohämaturie, Proteinurie, Ödeme, Hypertonie
  • In der Regel (aber nicht immer) unkomplizierter Verlauf und selbstlimitierend

Streptococcus agalactiae: B-Streptokokken

  • Häufige vaginale (5–30 % der Frauen*) und gastrointestinale Besiedelung
  • Bei älteren Erwachsenen mit chronischen Erkrankungen:
    • Häufigste Infektion: Zellulitis
    • Sepsis
    • Seltener: Zystitis, Pyelonephritis, Pneumonie, septische Arthritis, Endokarditis, Meningitis
  • Bei schwangeren Frauen:
    • Harnwegsinfektion (oder asymptomatische Bakteriurie)
    • Triple I
    • Postpartale Endometritis
  • Bei Neugeborenen:
    • Erwerb in utero durch aufsteigende Infektion oder bei vaginaler Passage
    • „Early onset” (innerhalb von 6 Tagen) oder „late onset type” (bis zu 90 Tagen)
    • Symptome:
      • Bakteriämie (ohne Fokus)
      • Sepsis
      • Meningitis
      • Pneumonie
      • Atemnotsyndrom

Krankheiten verursacht durch α-hämolytische Streptokokken

Streptococcus pneumoniae

  • Häufigste bakterielle Ursache einer ambulant erworbenen Pneumonie
    • Hypoxie, Husten, Tachypnoe, Tachykardie, Fieber
    • Mensch-zu-Mensch-Übertragung durch Aerosole oder engen Kontakt
  • Häufige nasopharyngeale Kolonisierung (5–40 %)
  • Aspiration von Nasopharyngealsekreten kann Pneumonie auslösen; Vorraussetzungen:
    • Sehr großes bakterielles Inokulum
    • Beeinträchtigung der normalen Clearance-Mechanismen durch Nikotinkonsum, virale Infektionen, Alkohol- oder Drogenintoxikation, systemische Erkrankungen, Herzinsuffizienz
  • Ausbreitung → Bakteriämie → bakterielle Besiedlung anderer Organe:
    • ZNS: Meningitis, Otitis media
    • Herz: Endokarditis, Perikarditis
    • Rheumatisch: septische Arthritis, Osteomyelitis
Endokarditis-Ultraschall

Infektiöse Endokarditis:
Im Echokardiogramm ist eine bakterielle Vegetation (Pfeil) an der Trikuspidalklappe zu sehen.

Bild: “Endocarditis ultrasound” von Daisuke Koya et al. Lizenz: CC BY 2.0

Viridans-Streptokokken

  • Häufigste bakterielle Spezies des physiologischen Mikrobioms der oberen Luftwege
  • Wichtig für Integrität der Schleimhäute
  • Am häufigsten gelangen sie durch Verletzungen der Mundschleimhaut (z. B. bei zahnärztlichen Eingriffen) in die Blutbahn.
  • Assoziation mit:
    • Sinusitis bei Immunsuppression
    • S. mutans: Zahnkaries, Endokarditis
    • S. mitis: Endokarditis, Bakteriämie, Resistenz gegen Penicilline
    • S. bovis: Endokarditis, Gallenerkrankungen, häufiges Blutisolat bei Darmkrebs
    • S. anginosus-Gruppe: pyogene Infektionen in Gehirn, Leber, Lunge
    • S. salivarius Gruppe: Bakteriämie, Endokarditis, Meningitis

Enterokokken

  • Reklassifikation als eigene Gattung Enterococcus
  • Sehr ähnlich den Streptokokken in Aussehen und Eigenschaften
  • Kommensale Organismen im menschlichen Darm
  • Assoziation mit:
    • Harnwegsinfektionen
    • Divertikulitis
    • Spontan bakterielle Peritonitis
    • Endokarditis (häufig nach Manipulation des Gastrointestinaltrakts oder der Harnwege)
    • Meningitis (selten)

Identifikation und Prävention

Identifizierung und Prävention
Spezies Identifikation Prävention
S. pyogenes (A-Streptokokken)
  • Gram-Färbung (kann nicht von Viridans-Streptokokken unterschieden werden)
  • Streptokokken-Antigen-Schnelltest: hohe Spezifität, geringe Sensitivität
  • Kultur aus Rachenabstrich
  • Beta-Hämolyse auf Blutagar
  • ASLO-Titer, Anti-DNAse-Titer: bei Verdacht auf rheumatisches Fieber oder Poststreptokokken-Glomerulonephritis
Frühzeitige antibiotische Behandlung der Pharyngitis zur Abwendung von Folgeerkrankungen und Rezidiven
S. agalactiae (B-Streptokokken)
  • PCR-Test
  • Kultur aus Vaginalabstrich oder anderen Untersuchungsmaterialien: Beta-Hämolyse, biochemische Tests
Screening schwangerer Frauen in den letzten Wochen vor Entbindung, ggf. kurzzeitige Behandlung mit Ampicillin (Vermeidung einer Infektion des Neugeborenen)
S. pneumoniae
  • Sputum: Gram-Färbung und Kultur
  • Blutkultur: Alpha-Hämolyse, biochemische Tests, molekulare Tests, Massenspektrometrieverfahren
Impfung nach den Richtlinien des RKI
  • Pneumokokken-Konjugatimpfstoff (Prevenar 13)
  • Pneumokokken-Polysaccharid-Impfstoff (Pneumovax 23)
Viridans-Streptokokken: S. mutans, S. bovis, S. mitis Blutkulturen, biochemische Tests (oft unzuverlässig für Viridans-Streptokokken, sodass zunehmend molekulare Tests oder eine Massenspektrometrie-Methode verwendet werden) Prophylaktische Antibiotika-Gabe bei Hochrisiko-Patient*innen (z. B. prothetische Herzklappen, angeborene zyanotische Herzfehler), die sich einem zahnärztlichen Eingriff unterziehen müssen
Enterokokken Kulturen (Wachstum in 6,5 % NaCl), biochemische Tests, molekulare Tests oder Massenspektrometrieverfahren

Quellen

  1. Group A Streptococcal Disease (GAS). Centers for Disease Control and Prevention. (Zugriff am 27.12.2020)
  2. Haslam DB, St Gemelli JW (2018). Viridans Streptococci, Abiotrophia and Granulicatella Species, and Streptococcus bovis Group. https://www.sciencedirect.com/topics/medicine-and-dentistry/viridans-streptococci (Zugriff am 27.12.2020)
  3. Patterson MJ (1996). Streptococcus. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK7611/ (Zugriff am 26.12.2020)
  4. Puopolo KM, Baker CJ (2019). Group B streptococcal infection in neonates and young infants. https://www.uptodate.com/contents/group-b-streptococcal-infection-in-neonates-and-young-infants (Zugriff am 26.12.2020)
  5. Stevens DL (2020). Invasive group A streptococcal infection and toxic shock syndrome: Epidemiology, clinical manifestations, and diagnosis. https://www.uptodate.com/contents/invasive-group-a-streptococcal-infection-and-toxic-shock-syndrome-epidemiology-clinical-manifestations-and-diagnosis (Zugriff am 26.12.2020)
  6. Tuomanen EI (2019). Microbiology and pathogenesis of Streptococcus pneumoniae. 
    https://www.uptodate.com/contents/microbiology-and-pathogenesis-of-streptococcus-pneumoniae (Zugriff am 26.12.2020)
  7. Wald ER (2020). Group A streptococcal tonsillopharyngitis in children and adolescents: Clinical features and diagnosis. https://www.uptodate.com/contents/group-a-streptococcal-tonsillopharyngitis-in-children-and-adolescents-clinical-features-and-diagnosis (Zugriff am 26.12.2020)
  8. Martin CS, Bradshaw JL, Pipkins HR, McDaniel LS (2018). Pulmonary disease associated with nonencapsulated streptococcus pneumoniae. Open Forum Infectious Diseases. 2018;5(7). https://doi.org/10.1093/ofid/ofy135
  9. Riedel S, Hobden JA (2019). In Riedel, S, Morse, S.A., Mietzner, T., Miller, S. (Eds.), Jawetz, Melnick, & Adelberg’s Medical Microbiology (28th ed., pp. 215-233).
  10. Advisory Committee on Immunization Practices (ACIP). CDC. https://www.cdc.gov/vaccines/acip/index.html (Zugriff am 22.12.2020)
  11. Robert-Koch-Institut. RKI-Ratgeber. (2018). Streptococcus pyogenes-Infektionen. https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Streptococcus_pyogenes.html (Zugriff am 10.09.2022)
  12. Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) – Ständige Kommission Leitlinien. (S3) Leitlinie „Halsschmerzen“. AWMF-Registriernummer 053-010. https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/053-010l-S3_Halsschmerzen_2021-12.pdf (Zugriff am 10.09.2022)
  13. Hof H, Schlüter D et al.: Duale Reihe Medizinische Mikrobiologie. 8. Auflage. Thieme Verlag; 2022. doi:10.1055/b000000575 

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Drohnenführerschein den eLearning Award 2019 in der Kategorie “Videotraining”.

Dr. Frank Stummer

Dr. Frank Stummer ist Gründer und CEO der Digital Forensics GmbH und seit vielen Jahren insbesondere im Bereich der forensischen Netzwerkverkehrsanalyse tätig. Er ist Mitgründer mehrerer Unternehmen im Hochtechnologiebereich, u.a. der ipoque GmbH und der Adyton Systems AG, die beide von einem Konzern akquiriert wurden, sowie der Rhebo GmbH, einem Unternehmen für IT-Sicherheit und Netzwerküberwachung im Bereich Industrie 4.0 und IoT. Zuvor arbeitete er als Unternehmensberater für internationale Großkonzerne. Frank Stummer studierte Betriebswirtschaft an der TU Bergakademie Freiberg und promovierte am Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung in Karlsruhe.

Simon Veiser

Simon Veiser beschäftigt sich seit 2010 nicht nur theoretisch mit IT Service Management und ITIL, sondern auch als leidenschaftlicher Berater und Trainer. In unterschiedlichsten Projekten definierte, implementierte und optimierte er erfolgreiche IT Service Management Systeme. Dabei unterstützte er das organisatorische Change Management als zentralen Erfolgsfaktor in IT-Projekten. Simon Veiser ist ausgebildeter Trainer (CompTIA CTT+) und absolvierte die Zertifizierungen zum ITIL v3 Expert und ITIL 4 Managing Professional.

B2B Award 2022

Für herausragende Kundenzufriedenheit wurde Lecturio von der Deutschen Gesellschaft für Verbraucherstudien (DtGV) mit dem deutschen B2B-Award 2022 ausgezeichnet.
In der Rubrik Kundenservice deutscher Online-Kurs-Plattformen belegt Lecturio zum zweiten Mal in Folge den 1. Platz.

B2B Award 2020/2021

Die Deutsche Gesellschaft für Verbraucherstudien (DtGV) hat Lecturio zum Branchen-Champion unter den deutschen Online-Kurs-Plattformen gekürt. Beim Kundenservice belegt Lecturio den 1. Platz, bei der Kundenzufriedenheit den 2. Platz.

Comenius-Award 2022

In der Kategorie “Lehr- und Lernmanagementsysteme” erhielt die Lecturio Learning Cloud die Comenius-EduMedia-Medaille. Verliehen wird der Preis von der Gesellschaft für Pädagogik, Information und Medien für pädagogisch, inhaltlich und gestalterisch herausragende Bildungsmedien.

IELA-Award 2022

Die International E-Learning Association, eine Gesellschaft für E-Learning Professionals und Begeisterte, verlieh der Lecturio Learning Cloud die Gold-Auszeichnung in der Kategorie “Learning Delivery Platform”.
Comenius-Award 2019

Comenius-Award 2019

Die Lecturio Business Flat erhielt 2019 das Comenius-EduMedia-Siegel, mit dem die Gesellschaft für Pädagogik, Information und Medien jährlich pädagogisch,  inhaltlich und gestalterisch
herausragende didaktische Multimediaprodukte auszeichnet.

Alexander Plath

Alexander Plath ist seit über 30 Jahren im Verkauf und Vertrieb aktiv und hat in dieser Zeit alle Stationen vom Verkäufer bis zum Direktor Vertrieb Ausland und Mediensprecher eines multinationalen Unternehmens durchlaufen. Seit mehr als 20 Jahren coacht er Führungskräfte und Verkäufer*innen und ist ein gefragter Trainer und Referent im In- und Ausland, der vor allem mit hoher Praxisnähe, Humor und Begeisterung überzeugt.

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