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Oberschenkel

Der Oberschenkel ist der Bereich der unteren Extremität zwischen Hüfte und Kniegelenk. Im Oberschenkel befindet sich ein einzelner Knochen, der Femur genannt wird. Er ist von großen Muskeln umgeben ist, die in 3 Faszienkompartimente untertielt werden: das Strecker-, Beuger- und Adduktorenkompartiment. Der Oberschenkel wird hauptsächlich von der A. femoralis und ihren Ästen versorgt. Der venöse Abfluss erfolgt durch ein tiefes und oberflächliches Venennetz. Die Innervation erfolgt durch Äste des lumbalen und sakralen Plexus.

Aktualisiert: May 22, 2023

Oberschenkelknochen: Femur

  • Der längste und stärkste Knochen des menschlichen Körpers
  • Der einzige Knochen im Oberschenkel
  • Artikulationen des Oberschenkelknochens:
    • Mit der Hüftpfanne des Hüftknochens proximal: Bildung des Hüftgelenks
    • Mit der Tibia distal: Bildung des medialen und lateralen tibiofemoralen Gelenks
    • Mit der Patella distal: Bildung des patellofemoralen Gelenks
Segment Wichtige Orientierungspunkte
Proximales Ende
  • Kopf:
    • Sphärisch
    • Artikulation mit Acetabulum, Bildung des Hüftgelenks
    • Fovea für Ansatz des Lig. capitis femoris auf hinterer unterer Fläche
  • Hals:
    • Ungefähr 5 cm lang
    • Unterteilt in 3 Regionen: die basiszervikale, die mittlere zervikale und die subkapitale Region
    • Frakturen können hier zu einer avaskulären Nekrose führen.
  • Trochanter major und minor:
    • Befestigungsstellen für Hüft-, Becken- und Oberschenkelmuskulatur
    • Verbunden durch die Linea intertrochanterica (anterior) und die Crista intertrochanterica (posterior)
Schaft
  • Zylindrisch
  • Vorne konvex und hinten konkav
  • Linea aspera: eine Längswulst auf der Rückseite, die aus einer medialen und einer lateralen Lippe besteht
Distales Ende
  • Facies patellaris femoris:
    • Patellagleitlager
    • Bietet eine Gleitfläche auf der Vorderseite für die Patella (Kniescheibe)
  • Condylus medialis und lateralis: Artikulation mit der Tibia, Bildung des Kniegelenks mit Patella und Tibia
  • Fossa intercondylaris:
    • Trennt die beiden Condyli des distalen Femurs nach posterior
    • Ansatz für Bänder zur Stabilisierung des Knies

Faszienfächer des Oberschenkels

Der Tractus iliotibialis oder das Iliotibialband ist eine Verdickung der Fascia lata, die sich an der Seitenfläche des Oberschenkels befindet. Der Tractus iliotibialis ist ein Stabilisator der Hüfte und des Knies.

  • Proximal:
    • Teilt sich in eine oberflächliche und tiefe Schicht auf und umschließt den M. tensor fascia latae
    • Wird proximal am Beckenkamm des Beckens befestigt
  • Distal:
    • Verschmilzt mit der Aponeurose des Musculus vastus lateralis
    • Ansatz am Tuberculum Gerdy am lateralen Tibiakondylus
Seitenansicht des Oberschenkels

Seitenansicht des Oberschenkels mit Darstellung des Tractus iliotibialis und des M. tensor fasciae latae

Bild von BioDigital, bearbeitet von Lecturio.

Die 3 intermuskulären Septen entspringen der Fascia lata und heften an der Linea aspera des Femurs. Das laterale, mediale und posteriore intermuskuläre Septum unterteilen den Oberschenkel in:

  1. Das vordere oder Streckerkompartiment:
    • M. quadriceps femoris (M. rectus femoris, M. vastus lateralis, M. vastus intermedius und M. vastus medialis)
    • M. sartorius
  2. Das hintere oder Beugekompartiment:
    • M. biceps femoris
    • M. semitendinosus
    • M. semimembranosus
  3. Das mediale oder Adduktorenkompartiment:
    • M. adductor magnus
    • M. adductor longus
    • M. adductor brevis
    • M. gracilis
    • M. pectineus
Oberschenkelquerschnitt an der Schaftmitte

Oberschenkelquerschnitt an der Schaftmitte

Bild von Lecturio.

Vorderes Kompartiment des Oberschenkels

  • Das vordere Kompartiment des Oberschenkels enthält die folgenden Muskeln:
    • M. quadriceps femoris: M. rectus femoris, M. vastus lateralis, M. vastus intermedius und M. vastus medialis
    • M. sartorius
    • Manchmal wird der Iliopsoas als Teil des vorderen Kompartiments angesehen; andernfalls wird er als Muskel des Hüftgelenks/Beckens betrachtet.
  • Die Hauptfunktion der Muskeln des vorderen Kompartiments des Oberschenkels ist die Kniestreckung.
  • Die Innervation erfolgt für all diese Muskeln über den N. femoralis
Muskel Ursprung Ansatz Innervation Funktion
M. rectus femoris Spina iliaca anterior inferior Tuberositas tibiae über gemeinsame Quadrizeps- und Patellarsehne N. femoralis (L2-4)
  • Extension im Kniegelenk
  • Unterstützung des M. iliopsoas bei der Hüftbeugung
M. vastus lateralis Trochanter major und Labium laterale der Linea aspera
M. vastus intermedius Vordererseite des Femurschafts
Vastus medialis Linea intertrochanterica und Labium mediale der Linea aspera
M. sartorius Spina iliaca anterior superior Mediale Oberfläche der proximalen Tibia am Pes anserinus superficialis N. femoralis (L2-4)
  • Flexion, Abduktion und Außenrotation der Hüfte
  • Flexion im Kniegelenk

Hinteres Kompartiment des Oberschenkels

  • Das hintere Kompartiment des Oberschenkels enthält die Oberschenkelmuskulatur:
    • M. biceps femoris
    • M. semitendinosus
    • M. semimembranosus
  • Die Muskeln des hinteren Kompartiments haben die Hauptfunktion der Kniebeugung und Hüftstreckung.
  • Diese Muskeln werden von Ästen des N. ischiadicus innerviert.
Muskel Ursprung Ansatz Innervation Funktion
M. biceps femoris
  • Caput longum: Tuber ischiadicum
  • Caput breve: Labium laterale der Linea aspera
Caput fibulae
  • Caput longum: N. tibialis (L5-S2)
  • Caput breve: N. fibularis communis (L5-S2)
  • Flexion und Außenrotation im Kniegelenk
  • Adduktion und Extension im Hüftgelenk
M. semitendinosus Tuber ischiadicum Mediale Oberfläche der proximalen Tibia am Pes anserinus profundus N. tibialis (L5-S2) Flexion und Innenroation im Kniegelenk ; Adduktion und Extension im Hüftgelenk
M. semimembranosus Medial der Tuberositas tibiae am Pes anserinus superficialis

Mediales Kompartiment des Oberschenkels

  • Das mediale Kompartiment des Oberschenkels enthält folgende Muskeln:
    • M. adductor magnus, longus und brevis
    • M. gracilis
    • M. pectineus
    • Der M. obturator externus ist manchmal eingeschlossen, obwohl er in erster Linie ein Außenrotator und sekundär ein Adduktor ist.
  • Die Hauptfunktion der Muskulatur des medialen Kompartiments ist die Hüftadduktion.
  • Diese Muskeln werden hauptsächlich vom N. obturatorius innerviert, mit Ausnahme des M. pectineus (N. femoralis).
Muskel Ursprung Ansatz Innervation Funktion
M. adductor magnus
  • Adduktorenanteil: Ramus inferior des Os pubis, R. ossis ischii
  • Hamstring-Anteil: Tuber ischiadicum
  • Addduktorenanteil: Labium mediale der Linea aspera
  • Hamstring-Anteil: Epicondylus medialis des Femurs
  • Adduktorenanteil: N. obturatorius (L3, L4)
  • Hamstring-Anteil: N. tibialis (L4)
  • Adduktorenanteil: Adduktion im Hüftgelenk
  • Hamstring-Anteil: Extension im Hüftgelenk
M. adductor longus R. superior des Os pubis Linea pectinea und proximale Linea aspera N. obturatorius (L3) Adduktion im Hüftgelenk
M. adductor brevis R. inferior des Os pubis Linea pectinea und proximale Linea aspera
M. gracilis Mediale Oberfläche der proximalen Tibia im Pes anserinus superficialis N. obturatorius (L2)
  • Adduktion im Hüftgelenk
  • Flexion im kniegelenk
M. pectineus Pecten ossis pubis Linea pectinea und proximale Linea aspera N. femoralis (L2) Adduktion, Flexion, Innenrotation im Hüftgelenk

Pes anserinus

Das distale Ende der medialen Region des Oberschenkels ist der Ort des Pes anserinus superficialis oder “Gänsefuß”, der die verbundenen Sehnen des Sartorius-, Gracilis- und Semitendinosus-Muskels umfasst, die an der Tibia ansetzen.

Blutversorgung

Arterielle Blutversorgung

Einige größere Arterien verlassen das Becken für die Versorgung des Oberschenkels: die Oberschenkelarterie (A. femoralis), die Obturatorarterie (A. obturatoria) und die unteren Gesäßarterien (Aa. gluteae inferiores). Die A. femoralis und die A. obturatorius verlaufen in Richtung des Oberschenkels, während die Aa. gluteae inferiores den Glutealbereich versorge und dort enden.

  • A. femoralis:
    • Versorgung des Großteils der unteren Extremität
    • Eine direkte Fortsetzung der A. iliaca externa
    • Bezeichnung nach Durchtritt unter dem Leistenband als A. femoralis
    • Verlauf durch das Oberschenkeldreieck, wo sie ertastet werden kann
    • Eintritt im Oberschenkel distal in den Adduktorenkanal, Ende am Hiatus adductorius, Übergang in A. poplitea
    • Abfolge der Abgänge:
      • A. epigastrica superficialis
      • A. circumflexa ilium superficialis
      • A. pudenda externa superficialis
      • A. pudenda externa profunda
      • A. profunda femoris (tiefe Arterie des Oberschenkels): der Hauptast des Oberschenkelknochens; Versorgung der meisten Strukturen im Oberschenkel und Abgabe von Aa. perforantes und der A. circumflexa femoris medialis und lateralis an das Hüftgelenk
      • A. descendens genu
  • A. obturatoria:
    • Ast der A. iliaca interna
    • Verlauf durch das Foramen obturatorium zu den Muskeln des medialen Kompartiments
    • Abgabe wichtiger Äste außerhalb des Beckens:
      • Vorderer Ast: Versorgung des M. obturator externus, der Mm. adductores und der Haut über dem medialen Oberschenkel
      • Hinterer Ast: Versorgung der Muskeln, die am Tuber isciadicum befestigt sind
      • A. ligamentum capitis femoris: Versorgung des Femurkopfes

Venöser Abfluss

  • Tiefes Venensystem:
    • Übergang der V. poplitea zur V. femoralis ab Canalis adductorius
    • Die Vena femoralis begleitet die Arteria femoralis auf ihrem Weg und nimmt die tiefe Oberschenkelvene (V. profunda femoris) im proximalen Oberschenkel auf.
    • Übergang der V. femoralis zur V. iliaca externa bei Durchtritt unter dem Leistenband
  • Oberflächliches Venensystem:
    • Ursprung der V. saphena magna am dorsalen Venenbogen des Fußes
    • Aufstieg an der medialen Seite des Beins und Verlauf posterior zum Epicondylus medialis am Knie
    • Abfluss in die Oberschenkelvene im Oberschenkeldreieck

Innervation

Der Oberschenkel wird von Ästen des lumbalen und sakralen Plexus innerviert.

Nerv Ursprung Motorische Versorgung Sensorische Versorgung
N. cutaneus femoris lateralis Plexus lumbalis (L2-3) Haut des anterolateralen Oberschenkels
N. cutaneus femoris posterior Plexus sacralis (S2-3) Haut der Glutealregion, des hinteren Perineums und des hinteren Oberschenkels
N. femoralis
  • Größter Ast des Plexus lumbalis
  • Dorsale Äste der Rami anteriores der Spinalnerven T12-L4
  • Muskeln des vorderen Kompartiments
  • M. iliacus
  • M. pectineus
  • Haut des vorderen Oberschenkels
N. saphenus Ast des N. femoralis Haut des medialen Oberschenkels, des medialen Unterschenkels und des Fußes
N. obturatorius
  • Plexus lumbalis
  • Ventrale Äste von Rami anteriores der Spinalnerven L2-4
Muskeln des medialen Kompartiments Haut des medialen Oberschenkels und des Kniegelenks
N. ischiadicus (dickster Nerv im menschlichen Körper; 2 Anteile: N. fibularis communis und N. tibialis)
  • Plexus sacralis (L4–S3)
  • Eintritt in den hinteren Oberschenkel durch das Foramen infrapiriforme (Teil des Foramen ischiadicum majus
N. tibialis: Muskeln des hinteren Kompartiments Keine im Oberschenkel
Nerven der unteren Gliedmaßen

Innervation der unteren Gliedmaßen

Bild von Lecturio.

Klinische Relevanz

Die folgenden Bedingungen sind für den Oberschenkel klinisch relevant:

  • Femurschaftfraktur: eine Fraktur irgendwo entlang des Schafts oder der Diaphyse des Femurs. Femurschaftfrakturen treten im Allgemeinen bei jungen Erwachsenen aufgrund von schweren Verletzungen auf. Bei älteren Menschen sind diese Frakturen normalerweise auf Stürze mit geringer Aufprallbelastung zurückzuführen, sogar auf einen Sturz aus dem Stehen (also geringer Höhe), und stehen im Zusammenhang mit Osteoporose. Die Patient*innen weisen typischerweise einen schmerzhaft geschwollenen, angespannten Oberschenkel mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit auf. Gefäßkompromittierung infolge von Blutverlust und Fettembolisation sind mögliche Komplikationen.
  • Proximale Femurfrakturen: treten am häufigsten bei älteren Menschen auf und stehen im Zusammenhang mit Osteoporose. Im Allgemeinen werden proximale Femurfrakturen in intrakapsuläre und extrakapsuläre Frakturen unterteilt; intrakapsuläre Frakturen können zu einer avaskulären Nekrose des Hüftkopfes führen.
  • Femoralhernie/Schenkelhernie: Eine seltene Form der Leistenhernie, bei der intraabdominaler Inhalt unter das Leistenband und in den Canalis femoralis einbricht. Bei Erwachsenen treten Femurhernien häufiger als bei Kindern auf. Eine Schwellung, die sich beim Husten oder Pressen verschlimmert und in das Oberschenkeldreieck hineinragt (unterhalb des Leistenbandes und medial der Oberschenkelvene), ist ein typisches Anzeichen für das Vorliegen einer Femoralhernie.

Quellen

  1. Drake, R.L., Vogl, A.W., & Mitchell, A.W.M. (2014). Gray’s Anatomy for Students (3rd ed.). Philadelphia, PA: Churchill Livingstone.
  2. Bordoni, B., & Varacallo, M. Anatomy, Bony Pelvis and Lower Limb, Thigh Quadriceps Muscle. [Updated 2020 Jul 27]. In: StatPearls [Internet]. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; 2020 Jan. Retrieved from: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK513334/
  3. Khan, A., & Arain, A. Anatomy, Bony Pelvis and Lower Limb, Anterior Thigh Muscles. [Updated 2020 Aug 15]. In: StatPearls [Internet]. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; 2020 Jan. Retrieved from: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK538425/
  4. Schünke M, Schulte E, Schumacher U et al.: Prometheus Allgemeine Anatomie und Bewegungssystem. Untere Extremität – Topografie der Leitungsbahnen; Systematik der Muskulatur; Topografie der Muskulatur” 3. überarbeitete und erweiterte Auflage. Georg Thieme Verlag; 2011.

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Alexander Plath ist seit über 30 Jahren im Verkauf und Vertrieb aktiv und hat in dieser Zeit alle Stationen vom Verkäufer bis zum Direktor Vertrieb Ausland und Mediensprecher eines multinationalen Unternehmens durchlaufen. Seit mehr als 20 Jahren coacht er Führungskräfte und Verkäufer*innen und ist ein gefragter Trainer und Referent im In- und Ausland, der vor allem mit hoher Praxisnähe, Humor und Begeisterung überzeugt.

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