Krankheit und Syndrom: Diese Begriffe sind für jeden Mediziner Teil der täglichen Arbeit. Schließlich können die Anzeichen so eindeutig für eine Erkrankung sprechen, dass die Unterscheidung den Untersuchenden vor eine große Herausforderung stellt. In diesem Beitrag geht es um Kriterien für die Unterscheidung von Krankheiten und Syndromen sowie um das Verhalten des Mediziners nach der jeweiligen Diagnose. Im Anschluss können Sie Ihr Wissen anhand von Prüfungsfragen kontrollieren.
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Bild: “stethoscope” von Dr.Farouk. Lizenz: CC BY 2.0


Definition Krankheit und Syndrom

Krankheit und Syndrom sind Begriffe, die in der Medizin und vor allem bei der Erstellung von Diagnosen wichtig sind. Nachfolgend werden zunächst die Begriffe Krankheit und Syndrom erläutert.

Schon hier zeigt sich, dass eine Unterscheidung schwierig sein kann, aber dennoch nicht vernachlässigt werden darf.

Was ist eine Krankheit?

Krankheit (Morbus) ist die Störung des körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens. Sie ist von der Gesundheit abzugrenzen. Allein die Auflistung der beteiligten Faktoren zur Definition zeigt aber, dass eine scharfe Abgrenzung nicht möglich ist. Ein gesunder Patient kann sich krank fühlen und ein kranker Mensch ahnt vielleicht nichts von seinem tatsächlichen Zustand.

Darüber hinaus kann jemand, der augenscheinlich gesund ist, allein durch eine eingebildete Krankheit tatsächlich krank werden. Und schließlich bleibt die Gefahr, dass ein Patient eine Krankheit vermutet, diese sich aber aus verschiedenen Gründen nicht diagnostizieren lässt.

Die Abgrenzung zwischen krank und gesund ist daher ausgesprochen problematisch. Für den Arzt bedeutet dies, dass er nicht nur aufgrund der Tatsache, dass es keine Diagnose gibt, den Patienten für gesund erklären darf.

Auch bei dem Verdacht, dass es sich um eine eingebildete Erkrankung handelt, ist der Patient krank. In diesem Fall liegt zwar nicht die vermutete Erkrankung vor, dafür aber eine psychische Auffälligkeit, die bei großem Leidensdruck behandlungsbedürftig ist.

Immer muss jedoch der Gedanke zulässig sein, dass bei der Erstellung der Diagnose ein Fehler unterlaufen ist und der Patient doch körperlich krank ist.

Was ist ein Syndrom? Was sind Symptome?

Symptome werden unterschieden in seelische Symptome, körperliche Symptome und krankhafte Verhaltensweisen. Seelische Erkrankungen können Wahrnehmungsstörungen sein, aber auch die Unfähigkeit, ein bestimmtes Erlebnis zu verarbeiten. Es kann sich aber auch um Störungen innerhalb von sozialen Beziehungen handeln oder Probleme mit dem Umgang von Körperfunktionen aller Art.

Ein Symptom ist keine Krankheit, sondern lediglich ein Hinweis oder auch eine Begleiterscheinung. Das Wort Syndrom kommt aus der griechischen Sprache und bedeutet in der Übersetzung „zusammen laufen“. Bei einem Syndrom treten gleichzeitig verschiedene Symptome auf. Es kann sein, dass es sich bei diesen Symptomen um Hinweise auf eine bestimmte Erkrankung handelt.

Ein Beispiel ist das Sjörgen-Syndrom, eine chronisch und entzündliche Autoimmunerkrankung. Zunächst handelt es sich aber um einen Symptomenkomplex mit einer Ursache, die unbekannt ist. Ein Syndrom sagt auch nichts über die Erkrankung selbst aus. Das zeigt sich ebenfalls deutlich beim Down-Syndrom, das kaum als Erkrankung im eigentlichen Sinn eingestuft werden kann. Das liegt auch daran, dass es sich um einen Gendefekt handelt, der schon bei der Geburt vorliegt und für den es keine Behandlungsmöglichkeit gibt.

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Bild: “Down-Syndrom” von BruceBlaus. Lizenz: CC BY 3.0

Körperliche und psychische Erkrankungen

Erkrankungen können körperlich und psychisch sein. Ebenso kann eine Verbindung zwischen beiden bestehen. Langwierige und sehr schmerzhafte Erkrankungen nehmen immer auch Einfluss auf die geistige Verfassung. Das gilt ganz besonders für Krankheiten, die das Leben verkürzen oder die Lebensqualität dauerhaft einschränken.

Bei der Behandlung genügt es daher nicht, sich auf die Therapie der körperlichen Symptome zu beschränken. Vor allem vorausschauend ist zu berücksichtigen, ob der Patient in der Lage ist, den Verlauf der Erkrankung zu bewältigen und welche unterstützenden Maßnahmen möglicherweise schon frühzeitig eingeleitet werden müssen. Das ist insbesondere wichtig, wenn diese therapeutischen Ansätze nicht kurzfristig umgesetzt werden können, sondern eine gewisse Vorbereitung erfordern. Zumeist handelt es sich dabei um Anträge und Gespräche mit der zuständigen Krankenkasse.

Demenz als Syndrom

Bei Demenz handelt es sich ebenfalls um ein Syndrom. Auch hier treten Symptomenkomplexe auf, die zwar der Demenz zugeordnet werden, die aber die Erkrankung selbst noch nicht benennen. Demenz entsteht vor allem bei älteren Personen und kann z.B.  die Folge von Ablagerungen sein, die das Gehirn bei seiner Arbeit behindern und zunehmend einschränken.

Alzheimer ist dafür nur ein Beispiel, das zeigt, dass Demenz ein Syndrom ist, hinter dem sich viele Erkrankungen verstecken können. Die Demenz kann auch die Folge einer Hirnverletzung sein, wie sie z.B. bei einem Unfall verursacht werden kann. Aber auch Hirninfarkte kommen als mögliche Auslöser infrage.

Treten also die Symptome einer Demenz auf, wie Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit und vielleicht sogar Phasen von Desorientierung, ist solange von einer Demenz die Rede, bis der Auslöser identifiziert ist.  Es muss sich bei einem Syndrom auch nicht um eine körperliche Erkrankung handeln.

Das Stockholm-Syndrom

Möglich sind auch psychologische Effekte, wie das Stockholm-Syndrom. Beim Stockholm-Syndrom baut das Opfer einer Entführung oder Geiselnahme positive Gefühle für den oder die Täter auf, was sich bis zu tiefen Empfindungen steigern kann. Auch andere „Trauma-Bindungen“ fallen darunter.

Vom Stockholmer-Syndrom sind aber auch Menschen betroffen, die sich aus für sie ungesunden Beziehungen nicht lösen können. Der Erklärungsansatz ist, dass sie jede kleine Zuwendung des Täters als Gnadenakt empfinden. Es wird ihnen fast unmöglich, sich zu befreien. Im schlimmsten Fall unterstützen sie den Täter auch dabei, anderen Menschen zu schaden.  Es ist auch möglich, dass sie sein Verhalten decken, um ihn zu schützen. Der Patient ist hier Opfer und befindet sich in einer psychischen Abhängigkeit. Ein rationales Urteilen ist nicht mehr möglich (Trauma-Bonding). Klassisches Beispiel sind Frauen in Beziehungen mit narzisstischen Persönlichkeiten.

Sicheres Entscheiden für oder gegen eine Behandlung

Im Prinzip kann es auch bei harmlosen Erkrankungen zu Komplikationen kommen, die irgendwann einen bedrohlichen Verlauf nehmen. Auch bei mittelschweren Erkrankungen drohen Verschlimmerungen, wenn der Zeitpunkt verpasst wird, an dem eine Behandlung eine Heilung herbeiführen kann.

Mediziner ohne ausreichende Erfahrung sind eher gefährdet, Fehler zu begehen. Das Wissen um die eigenen Fähigkeiten und deren Grenzen zu erkennen, liegt in der Verantwortung des Mediziners. Dazu gehört auch, rechtzeitig Experten oder erfahrene Kollegen hinzuzuziehen. Die Angst vor Fehlern darf nicht zu Unsicherheiten führen.

Stellt sich der Arzt zu sehr infrage, behindert ihn das in täglichen durchaus anspruchsvollen Entscheidungsprozessen. Zu viel Vertrauen in das eigene Können kann aber das Leben des Patienten in Gefahr bringen. Ganz sicher stößt der Mediziner im Laufe seines Lebens und nicht nur zum Anfang seiner Karriere auf Situationen, in denen die Entscheidung für oder gegen eine bestimmte oder grundsätzliche Behandlung schwierig ist.

Entscheidung über Handeln oder Abwarten

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Pixabay

Vor allem in der Krebstherapie stellt sich die Frage zwischen Abwarten und Handeln häufig. Es hat sich gezeigt, dass nicht in allen Fällen ein sofortiges Eingreifen zwingend erforderlich ist.

Als Beispiel dient das Non-Hodgkin-Lymphom. Während früher die Einschätzung vorherrschte, dass die Erkrankung nicht heilbar ist und in jedem Fall zum Tod führt, hat sich diese Haltung mittlerweile geändert. Das liegt vor allem an neuen Wirkstoffen, die bei Lymphomen hochwirksam sind und in Kombination mit der Chemotherapie oder allein zum Einsatz kommen. Bei älteren Patienten hat sich gezeigt, dass die Lebensqualität deutlich gesteigert werden kann und die Lebenserwartung nicht mehr als verkürzt betrachtet werden muss. Ein früher Beginn der Therapie ist vor allem bei den Patienten sinnvoll, bei denen sich abzeichnet, dass die Erkrankung schnell voranschreitet.

Vorteile von abwartendem Verhalten

Nach der Diagnose einer Erkrankung und der Erkenntnis, dass es sich um einen gefährlichen Verlauf handelt, kann der Mediziner dennoch ein abwartendes Verhalten rechtfertigen. Das ist bei Erkrankungen der Fall, bei denen zwar der Verlauf gefährlich ist, aber kein sofortiges Eingreifen zwingend notwendig wird.

Ein Beispiel dafür sind einige Krebserkrankungen, wie das Prostata-Ca. Ist der Tumor noch sehr klein, ist offensichtlich, dass er langsam wächst und ist er beschränkt auf die Prostata, kann ein abwartendes Verhalten gerechtfertigt sein. Der Patient bekommt die Möglichkeit, sich in Ruhe mit den zur Verfügung stehenden Behandlungsverfahren zu befassen und sich mit der Familie zu beraten.

Die Voraussetzung für ein abwartendes Verhalten ist aber eine engmaschige Kontrolle. Abzuwarten kann auch angeraten sein, wenn der Patient schon im hohen Lebensalter ist und die Gefahr besteht, dass die Behandlung zu anstrengend wird. In diesem Fall ist abzuwägen welche Maßnahmen erforderlich sind, um die Lebensqualität möglichst lange zu erhalten. Der Einsatz von Schmerzmitteln ist dabei besonders wichtig.

Abzuwarten kann auch bei Schilddrüsenknoten sinnvoll sein, die selten Probleme verursachen, aber tastbar und im Ultraschall sichtbar sind. Erst wenn die Knoten zu groß werden, kommt es zu einer Beeinträchtigung. In der Wissenschaft ist in diesem Zusammenhang von „watchful waiting“ (ww), dem beobachtenden Abwarten, die Rede. Dabei handelt es sich um eine Behandlungsstrategie, die keine tatsächliche Therapie oder Behandlung ist. Sie ist abzugrenzen von der Behandlungsbedürftigkeit.

Es versteht sich von selbst, dass Abwarten oder Behandeln keine grundsätzliche Entscheidung sein darf, sondern nur die Folge gründlichen Abwägens im Einzelfall.

Berücksichtigung der persönlichen Einschätzung des Patienten

In der medizinischen Psychologie nimmt der Umgang mit behandlungsunwilligen Patienten viel Raum ein und auch die Philosophie befasst sich mit diesem Thema. Der Patient darf nicht auf sein Leiden reduziert werden. Ebenso kann nicht der Sinn der ärztlichen Behandlung sein, ausschließlich das Leiden zu beseitigen. Stattdessen ist die Überwindung der Krankheit das Ziel.

Das soll auch dann gelten, wenn der Kampf aussichtslos ist oder aussichtslos erscheint. Dabei wird der Arzt begleitend tätig und berät den Patienten so, dass dieser selbst seine Situation umfassend einschätzen kann. In diesem Zusammenhang muss der Arzt auch die Entscheidung des Patienten akzeptieren, wenn dieser eine Behandlung ablehnt. Die Voraussetzung ist, dass der Patient im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte ist und die Lage realistisch einschätzen kann.

Beliebte Prüfungsfragen zu Krankheit und Syndrom

Die Lösungen befinden sich unterhalb der Quellenangaben.

Was trifft zu?

1. Ein Syndrom ist…

  1. …eine chronische Erkrankung.
  2. …eine angeboren Erkrankung.
  3. …ein Symptomenkomplex.
  4. …eine nicht behandelbare Erkrankung.
  5. …eine Tumorerkrankung.

2. Demenz ist…

  1. …die medizinische Bezeichnung für Alzheimer.
  2. …immer die Folge einer Hirnverletzung.
  3. …kein Syndrom.
  4. …ein Syndrom.
  5. …eine kaum erforschte Krankheit.

3. Abwarten statt behandeln…

  1. …ist nur bei leichten Krankheiten erlaubt.
  2. …ist bei Krebserkrankungen verboten.
  3. …darf nur bei älteren Patienten eine Entscheidung sein.
  4. …ist nur bei akuten Erkrankungen sinnvoll.
  5. …ist bei einigen Krebserkrankungen sinnvoll.

Quellen

Krankheit, Symptom, Syndrom, Aufgabe der Heilkunde via Internet Publikation für Allgemeine und Integrative Psychotherapie

Sektion Schilddrüse via Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie

Lösungen zu den Fragen: 1C, 2D, 3E



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