Unbezahlte Überstunden, hohe Verantwortung bei vergleichsweise geringer Bezahlung, ein ständig steigender Dokumentationsaufwand und die hierarchische Organisationsstruktur des Klinikalltags. Die Liste der Gründe, warum immer mehr Mediziner ihren Kittel an den Nagel hängen, ist lang. Welche Möglichkeiten der beruflichen Karriere außerhalb von OP-Trakt und Klinikfluren auf Sie warten, erfahren Sie hier.
Tipp: Keine Lust zu lesen? Dann starten Sie doch einfach kostenlos unseren Physikum Online-Repetitorium.

jobalernativen-fuer-mediziner

Bild: Hospital von Jorge Gobbi. Lizenz: CC BY 2.0


1. Medizinischer Redakteur, Medizinjournalist

Sie haben ein gutes Gespür für Sprache und beschäftigen sich gerne mit dem Schreiben und Lektorieren medizinischer (Fach)texte? Sie besitzen darüber hinaus ein hohes Organisationstalent und gute Softwarekenntnisse? Dann könnte der Beruf des Medizinredakteurs oder des Medizinjournalisten zu Ihnen passen. Als solcher arbeiten Sie im medizinischen Verlagswesen, bei (Fach-)Zeitschriften, Rundfunk, Fernsehen oder bei online- Healthcareportalen.

Voraussetzungen: Der Zugang zum Beruf des Medizinjournalisten/Medizinredakteurs ist nicht einheitlich geregelt. Entsprechend vielfältig sind die Einstiegsmöglichkeiten. Klassisch ist ein Volontariat bei einem Verlag/einer (Fach-)Zeitschrift. Alternativ kommen aber auch der Besuch einer Journalistenschule oder die Aufnahme eines Journalistik- Studiums in Frage. Oder aber Sie versuchen es auf eigene Faust ohne Zusatzqualifikation.

Vorteile: Als angestellter Medizinjournalist/Medizinredakteur haben Sie geregelte Arbeitszeiten. Im Gegensatz zum Krankenhausalltag finden sich in den meisten Redaktionen/Verlagen flache Hierachien und ein kollegiales Arbeitsklima. Durch Ihre Recherchetätigkeiten befinden Sie sich immer dicht am Puls des medizinischen Fortschrittes.

Nachteile: Der Markt ist stark umkämpft und das Jobangebot medizinischer Fachverlage sehr begrenzt. Aus diesem Grunde bieten viele Medizinjournalisten ihre Dienste als Freiberufler an. Die Bezahlung fällt dabei meist eher spärlich aus und das Risiko der Auftragslosigkeit schwingt immer mit.

2. Mediziner als Unternehmensberater

Viele Unternehmensberatungen schätzen den analytischen Sachverstand von Medizinern und bieten ihnen die Möglichkeit des Quereinstiegs in die Berater- Tätigkeit. Sofern Sie ein ausgeprägtes Interesse an wirtschaftlichen Zusammenhängen haben, kommunikationsstark und teamorientiert sind, könnte eine Tätigkeit in einer Beratungsfirma das Richtige für Sie sein.

Voraussetzungen: Für eine Tätigkeit in einer Unternehmensberatung sollten Sie einen guten bis sehr guten Studienabschluss, sowie Auslands- und erste Praxiserfahrungen mitbringen. Über ihre Aufnahme entscheidet in den meisten Fällen ein Auswahlverfahren, in dem Sie sich gegen andere Mitbewerber durchsetzen müssen. Betriebswirtschaftliche Kenntnisse sind hingegen keine Grundvoraussetzungen. Diese erwerben Sie zu Beginn Ihrer Berater- Tätigkeit durch unternehmensinterne Schulungen.

Vorteile: In der Unternehmensberatung winken in der Regel hohe Einstiegsgehälter bei einem Arbeitsumfeld, das durch flache Hierarchien und Teamarbeit gekennzeichnet ist.

Nachteile: Als Berater sind Sie bei den Unternehmen vor Ort tätig. Dies erfordert ein hohes Maß an Flexibilität und Arbeitsbereitschaft. Unternehmensberater ist ein Fulltime-Job. Wer auf eine geregelte 40h- Woche hofft, der sollte sich lieber in einem anderen Bereich umsehen.

 3. Als Mediziner in der Verwaltung

Die zunehmende Ökonomisierung des Gesundheitswesens erfordert einen wachsenden Bedarf an medizinischem Sachverstand in den Führungsebenen der Kliniken und deren Betreiberkonzerne.

Voraussetzungen: Für einen Wechsel in die Verwaltung eines Krankenhauses sollten Sie idealerweise einschlägige Berufserfahrungen und fundierte wirtschaftswissenschaftliche Kenntnisse mitbringen. Für interessierte Mediziner gibt es spezielle MBA-Programme privater und öffentlicher Hochschulen, die auf eine zukünftige Tätigkeit im Healthcare- Sektor zugeschnitten sind.

Vorteile: Neben geregelten Arbeitszeiten locken ansehnliche Gehälter, die meist jedoch unter den Chefarztgehältern angesiedelt sind.

Nachteile: Die Voraussetzung für die meisten MBA- Studienprogramme für Mediziner ist eine mindestens dreijährige Berufserfahrung. Die Ausbildungskosten sind in der Regel sehr hoch und privat zu finanzieren.

 4. Medizintechnik und Medizinische Informatik

Quereinsteiger aus der Medizin sind auch innerhalb der Medizintechnik und Medizininformatik sehr gefragt. Während sich Medizintechniker mit der Entwicklung und Wartung diagnostischer und therapeutischer Geräte beschäftigen, programmieren Medizininformatiker Datenbanken zur Sammlung und Systematisierung von Patientendaten für Kliniken und Praxen, Software zur Darstellung bildgebender Befunde und Datenbanken zur schnellen Bereitstellung medizinischen Fachwissens. Häufig arbeiten beide Berufsgruppen eng vernetzt zusammen.

Voraussetzung: Neben einem ausgeprägten technisch-mathematischen Verständnis, sind Programmier-Kenntnisse zumindest in der Medizininformatik von Vorteil. Zugang zu den Fachgebieten bieten entsprechende (Aufbau-)Studiengänge. Zudem besteht die Möglichkeit des Erwerbs der ärztlichen Zusatzweiterbildung „Medizinische Informatik“, die eine 2 -jährige klinische Tätigkeit und eine 12- monatige Weiterbildung in einer anerkannten Weiterbildungsstätte vorsieht.

Vorteile: Der ständig wachsende Markt der Medizintechnik einschließlich der Telemedizin eröffnen vielfältige Möglichkeiten für Medizintechniker und –informatiker.

Nachteile: Nicht jedem Mediziner fällt es leicht, nach dem Studium nochmals die Hörsaalbank zu drücken. Wen dies nicht abschreckt, der hat nach Abschluss seiner Zusatzausbildung gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

5. Pharmaindustrie

Auch die Pharmaindustrie bietet sich ein vielfältiges Betätigungsfeld für Ärzte. Neben der Betreuung, Planung und Durchführung klinischer Studien übernehmen Mediziner Aufgaben im Marketing, Controlling und in der Medizinischen Fachinformation über die angebotenen Arzneimittel. Um einen Einblick in das Unternehmen zu gewinnen, bieten verschiedene Firmen spezielle Trainee- Stellen für Mediziner an.

Voraussetzung: Wenn Sie sich für klinische Studien, einschließlich statistischer und betriebswirtschaftlicher Zusammenhänge interessieren, könnte die Pharmabranche das Richtige für Sie sein. Eine gewisse Berufserfahrung im Krankenhaus ist von Vorteil, jedoch nicht unbedingt Voraussetzung. Fundierte betriebswirtschaftliche Kenntnisse sind ebenfalls nicht erforderlich.

Vorteile: Neben geregelten Arbeitszeiten lassen sich je nach Unternehmen und beruflicher Position ansehnliche Einstiegsgehälter erzielen, die über dem Gehalt eines klinisch tätigen Assistenzarztes liegen.

Nachteile: Insbesondere im Außenbereich ist eine hohe Flexibilität gefragt. Wer Außentermine nicht scheut und prinzipiell reisebereit ist, der ist in der Pharmabranche gut aufgehoben.

Fazit

Medizinern bieten sich vielfältige berufliche Entfaltungsmöglichkeiten neben der klassischen Arztkarriere. Wer bereits während des Studiums mit dem Gedanken spielt im nicht kurativen Bereich zu arbeiten, sollte die Möglichkeit von Praktika nutzen, um in die entsprechenden Bereiche hineinzuschnuppern.

Eine weitere Möglichkeit über den Tellerrand hinauszuschauen bieten Karrieremessen. Hier erhalten Sie umfangreiche Informationen über potentielle Arbeitgeber, die berufliche Tätigkeit und deren Zugangsvoraussetzungen.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *