Im Medizinstudium wird neben der Histologie-Vorlesung auch ein Mikroskopierkurs angeboten, welcher es ermöglicht, das theoretische Wissen praktisch zu verfestigen. Nach Abschluss des Kurses sollte jeder Student fähig sein, Organe anhand ihres histologischen Schnitts erkennen zu können. Dieser Leitfaden hilft, das umfangreiche Fach der Histologie zu verstehen und mit Bravour zu meistern.
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Bild: “Medical Students.” von Ximehernandez1409. Lizenz: CC BY-SA 3.0


Definition: Was ist Histologie?

Die Histologie als Teil der mikroskopischen Anatomie

Die Histologie (griechisch: histos = Gewebe und griechisch: logos = Lehre) ist die Lehre der Gewebe und zählt zur mikroskopischen Anatomie. Sie befasst sich mit dem Aufbau und der Struktur von Zellen und deren Organisation als Zellverband in den verschiedenen Gewebetypen.

Die Histologie-Vorlesung und der Mikroskopierkurs finden im ersten und zweiten Semester der Vorklinik statt. Dabei ist vor allem letzterer auch für die Klinik relevant, da er die Fertigkeiten  für die spätere Diagnostik von Gewebeproben vermittelt.

Schnittpräparat für die Lichtmikroskopie

Bild: “Schnittpräparat für die Lichtmikroskopie. 1 Glasobjektträger (76 x 26 mm), 2 Deckglas, dazwischen 3 gefärbter Organschnitt” von Rollroboter. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Physikumsrelevanz der Histologie

Die Histologie gehört zur Anatomie, überschneidet sich jedoch auch mit Wissen aus der Biologie. Von den 320 schriftlichen multiple choice Fragen im ersten Staatsexamen werden 80 zur Anatomie gestellt. Davon sind meist zwischen 15 und 20 speziell auf die Histologie ausgerichtet.

Allgemeine Histologie

Der erste Schritt für das Erkennen des Präparates ist der direkte Blick auf den Schnitt, also ohne Mikroskop. Hierbei sollte man sich folgenden Fragen zuwenden: Wie viele Schnittränder sehe ich? Und: Hat der Schnitt ein Lumen?

Anschließend wird das Präparat unter der kleinsten Vergrößerung angeschaut, um sich einen groben Überblick zu verschaffen und eventuell schon eine erste Hypothese zu erstellen. Am besten ist es, sich so immer weiter in größere Vergrößerungen vorzuarbeiten, um die Details wahrzunehmen und mit Hilfe dieser die Hypothese zu festigen oder zu widerlegen.

Um sich nicht im Schnitt zu verlieren, ist es ratsam, immer wieder zur kleinsten Vergrößerung zurück zu kehren und von dort aus erneut in die gewünschten Stellen zu zoomen. Für den Erfolg im Histologie-Kurs, gilt es jedoch nicht nur das Präparat zu erkennen, sondern auch das theoretische Wissen dahinter parat zu haben.

Epithelgewebe

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Bild: „Classification of Epithelium.“ von BruceBlaus. Lizenz: CC BY 3.0

Wichtiger Hinweis zur Diagnose des Präparats ist das Vorhandensein eines Epithels. Die Art des Epithels hilft dann weiter, um eine grobe Vermutung bezüglich des Präparates aufzustellen.

Neben dem systematischen Aufbau ist es für jeden Mediziner wichtig, Verbreitung und Funktion aller Epithelarten zu kennen, um dieses Basiswissen auf die Pathologie übertragen zu können.

Gewebetypen

Weitere Gewebetypen wie Nervengewebe, Muskelgewebe, Fettgewebe und Bindegewebe helfen, sich im Präparat besser zurecht zu finden.

Knochen

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Auch Knochen stellen ein Gewebe dar und können im Präparat angeschnitten sein. Wie ist ein Knochen aufgebaut? Welche Zellen befinden sich darin? Und wie viele Knochen hat der Mensch eigentlich? Für Mediziner ist es in der Prüfung wichtig, den Aufbau und die Struktur eines Knochens zu verstehen.

Muskeln

Muskeln definieren maßgeblich den Körper, ihre Funktion ist extrem wichtig. Bewegung ist das Ergebnis abwechselnder Kontraktion und Relaxation (Entspannung) von Muskeln, die ca. 30 – 40 % des gesamten Körpergewichts ausmachen. Die Umwandlung von chemischer Energie in mechanische Energie ist die Primärfunktion des Muskels, um Arbeit zu verrichten.

Histologisch lassen sich die Muskeln des Körpers in 3 verschiedene Typen differenzieren:

glatte Muskulatur als Eingeweidemuskulatur (Muskeln innerer Hohlorgane)    Glatte Muskulatur
Herzmuskulatur oder Myokard Herzmuskulatur oder Myokard
quergestreifte oder Skelettmuskulatur als Bestandteil des aktiven Bewegungsapparates quergestreifte oder Skelettmuskulatur

Bild: Teilansichten von „Der Körper enthält drei Arten von Muskelgewebe: glatte Muskulatur, Herzmuskel und Skelettmuskel, (b) der glatten Muskulatur ist, und (c) Herzmuskel“ von Phil Schatz. Lizenz: (CC BY 4.0)

Eine kompakte Übersicht über die unterschiedlichen Muskeltypen, ihren Aufbau, wie man anhand Ursprung und Ansatz die Bewegung ableiten kann und welche Hilfseinrichtungen sie nutzen ist für jeden Mediziner unerlässlich.

Zellen

Die Zelle ist als Grundbaustein jeglichen Lebens nur wenige µm groß und leistet trotzdem als biologische Organisationseinheit unglaubliches. Im Studium stellt Sie mit ihren zahlreichen Organellen, dem Zytoskelett und den Zell-Zell-Kontakten ein beliebtes Prüfungsthema in der Biologie, Biochemie und Histologie dar.

das ist eine prototypische zelle

Bild: “Prototypical Human Cell” von philschatz. Lizenz: CC BY 4.0

Spezielle Histologie

Nun geht es ans Eingemachte: Welches Organ enthält welche Gewebetypen in welcher Zusammensetzung und wie funktionieren diese Zellverbände als Ganzes?

Blut

System der Blutbildung im Knochenmark

Bild: “Hematopoietic System of Bone Marrow” von Phil Schatz. Lizenz: CC BY 4.0

Das Blut (lateinisch: Sanguis, griechisch: Haima) ist eine Suspension unterschiedlicher Zellen in einer proteinhaltigen Salzlösung. Es macht 6-8 % des Körpergewichts aus und hat einen pH-Wert von 7,4. Das Blut übernimmt zahlreiche lebensnotwendige Funktionen und ist Dreh- und Angelpunkt des gesamten Organismus.

Blutbestandteile in % Subkomponenten des Blutes in % Typ in % (ggf.) Ort der Produktion Hauptaufgaben
Plasma 43-63 %  Wasser 92 % Flüssigkeit Durch Darmtrakt resorbiert oder bei Stoffwechsel produziert Transportmedium
Plasmaproteine     7 % Albumin 54-60 % Leber Hält die osmotische Konzentration aufrecht, transportiert Lipidmoleküle
Globuline 35-38 % Alpha-Globuline – Leber Transport, hält die osmotische Konzentration aufrecht
Beta-Globuline – Leber Transport, hält die osmotische Konzentration aufrecht
Gamma-Globuline (Immunoglobuline) – Plasmazellen Immunantwort
Fibrinogen 4-7 % Leber Blutgerinnung während der Blutstillung
Regulatorische Proteine <1 % Hormone und Enzyme Verschiedene Orte Reguliert verschiedene Körperfunktionen
Andere gelöste Stoffe 1 % Nährstoffe, Gase und Abfälle Durch Darmtrakt resorbiert, Austausch in die Atemwege oder von Zellen produziert Zahlreiche verschiedene Aufgaben
Formelemente 37-54 % Erythrozyten 99 % Erythrozyten Rotes Knochenmark Transportiert Gase, vorrangig Sauerstoff und einige Kohlenstoffdioxide
Leukozyten <1 %, Blutplättchen <1 % Granulare Leukozyten: Neutrophile, Eosinophile und Basophile Rotes Knochenmark Unspezifische Immunität
Agranulare Leukozyten: Lymphozyten, Monozyten Lymphozyten: Knochenmark und lymphatisches Gewebe Lymphocyten: Spezifische Immunität
Monozyten: rotes Knochenmark Monozyten: Unspezifische Immunität
 Blutplättchen <1 % Megakaryozyten: rotes Knochenmark Blutstillung

Blutgefäße: Der Wandaufbau von Arterien und Venen

Blutgefäße ziehen sich immer wieder durch das Präparat. Diese sollte man auch als solche erkennen und Arterien von Venen differenzieren können. Der wesentliche Unterschied liegt im Wandbau.

Schematische Darstellung zeigt den Vergleich zwischen Arterien und Venen

Bild: “Structure of Blood Vessels” von Phil Schatz. Lizenz: CC BY 4.0

Kreislaufsystem

Das Kreislaufsystem des Menschen dient dem konvektiven Transport von Atemgasen, Nährstoffen, Hormonen und Wärme. Als Vehikel fungiert hierbei das Blut, welches vom Herzen durch die Blutgefäße gepumpt wird und wieder zurück zum Herzen drainiert wird.

Blutkreislauf

Bild: “Cardiovascular Circulation” von philschatz. Lizenz: CC BY 4.0

Der Blutkreislauf ist ein rasch regulierbares System, das für die Aufrechterhaltung der Körperfunktionen unabdingbar ist. Bluthochdruck (arterielle Hypertonie) ist eine der häufigsten Krankheiten unserer Gesellschaft. Deshalb gilt es für den Mediziner, den Blutkreislauf zu kennen und zu verstehen.

Histologie der Organsysteme

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Atmungsorgane

Die Lunge des Menschen.

Bild:“ The Lung Pleurea“ von OpenStax College. Lizenz: (CC BY 3.0)

Neben dem Darm und der Haut ist die Lunge ein weiteres Organ mit direkter Kontaktfläche zur Außenwelt. Ihr Sinn und Zweck ist unsere Existenzgrundlage: der Gasaustausch durch Diffusion. Um diese Meisterleistung in jeder Sekunde erbringen zu können, benötigt sie ein Transportsystem für die Abgase und die Frischluft.

Genauso wichtig sind ein Raum, in dem die Wände dünn genug für die Gasdiffusion sind und ein Transportdienst für die Gase in chemisch gebundener Form. Histologen müssen genau hinsehen, wie diese Aufgabe von den einzelnen Strukturen bewältigt wird.

Haut

Structure of the skin

Bild: “Layers of Skin” von philschatz. Lizenz: CC BY 4.0

Die Haut schützt uns vor äußeren Einflüssen und hält uns als Menschen zusammen. Dafür muss sie dicht sein, so dass unsere Körperflüssigkeiten nicht einfach auslaufen. Die Haut ist das größte Organ und hat ein Gewicht von 3-10 kg. Bei einer Körpergröße von 170 cm nimmt ihre Oberfläche etwa 1,8 m² ein.

Niere und harnableitende Organe

Die Niere ist ein lebenswichtiges Ausscheidungsorgan und kontrolliert den Wasser- und Elektrolythaushalt unseres Körpers. Ihre genaue Wirkungsweise kann nur auf mikroskopischer Ebene verstanden werden.  Jedes Gewebe der Niere ist speziell für seine Aufgabe aufgebaut und in der Histologie zeigt sich die anspruchsvolle Funktion der Niere.

Endokrine Organe und Hormonsystem

Ohne unser Hormonsystem wäre unser Körper nicht als Ganzes funktionsfähig. Endokrine Organe sorgen für die Kommunikation der einzelnen spezialisierten Systeme miteinander. Nur so können alle aufeinander abgestimmt adäquat auf unsere Umwelt reagieren.

Die Steuerung der Körperfunktionen durch die Botenstoffe (Hormone) des endokrinen Systems ist Thema der Anatomie, Physiologie und Biochemie, und auch für den klinischen Alltag ist ein genaues Verständnis der Hormone und ihrer Funktionen unerlässlich. Zu den endokrinen Organen im engeren Sinne gehören Hypophyse, Schilddrüse, Nebenschilddrüse, Nebenniere und Epiphyse. Sie sind durch ihren charakteristischen Aufbau im histologischen Präparat nicht schwer zu erkennen, trotzdem gibt es einige Dinge, die man beachten sollte.

Lerntabelle: Endokrine Drüsen und ihre wichtigsten Hormone

Endokrine Drüse Entsprechende Hormone Chemische Bezeichnung Wirkung
Hypophyse(anterior) Wachstumshormone Protein Fördert das Wachstum von Körpergewebe
Prolactin Peptid Fördert die Milchproduktion
Thyreotropin (TSH) Glycoprotein Stimuliert Schilddrüsenhormonausschüttung
ACTH Peptide Stimuliert die Hormonausschüttung durch die Nebennierenrinde
Follikelstimulierendes Hormon (FSH) Glycoprotein Stimuliert die Gametenproduktion
Luteinisierungshormon (LH) Glycoprotein Stimuliert Androgenproduktion durch Gonaden
Hypophyse (posterior) ADH Peptid Stimuliert Wasserabsorption der Nieren
Oxytocin Peptid Stimuliert Uteruskontraktionen während der Geburt
Schilddrüse Thyroxin (T4); Triiodthyronin Amin Stimuliert basale Stoffwechselrate
Calcitonin Peptid Senkt Ca2+– Blutspiegel
Parat Parathormon Peptid Erhöht Ca2+– Blutspiegel
Nebennieren (cortex) Aldosteron Steroid Erhöht Na2+– Blutspiegel
Cortisol, Corticosteron, Cortison Steroid Erhöhen den Blutzuckerspiegel
Nebennieren (medulla) Adrenalin, Noradrenalin Amin Stimuliert Kampf- oder Fluchtreaktion
Pineal Melatonin Amin Steuert die Schlaf-Zyklen
Pankreas Insulin Protein Senkt den Blutzuckerspiegel
Glucagon Protein Erhöht den Blutzuckerspiegel
Hoden Testosteron Steroid Stimuliert die Entwicklung der männlichen sekundären Geschlechtsmerkmale und die Spermienproduktion
Eierstöcke Östrogen und Progesteron Steroid Stimulieren die Entwicklung der weiblichen sekundären Sexualeigenschaften und bereiten den Körper auf die Geburt vor

Tabelle: “Endocrine Glands and Their Major Hormones” von Phil Schatz. Lizenz:CC BY 4.0

Die Lymphorgane des Menschen

lymphatisches System und dessen Organe

Bild: “Anatomy of the Lymphatic System” von philschatz. Lizenz: CC BY 4.0

Die Lymphorgane mit Thymus, Milz (Lien), Lymphknoten und Tonsillen sind spannende Schwerpunkte und wichtige Bestandteile des Medizinstudiums. Das Lymphsystem ist an unzähligen Prozessen beteiligt und entfaltet seine Wirkung im gesamten Körper. Es dient der Abwehr und ist komplex. Das Verstehen dieses Systems ist unverzichtbar für die Diagnose vieler pathologischer Prozesse.

Nervensystem

das ist der aufbau des nervensystems

Bild: “Central and Peripheral Nervous System” von philschatz. Lizenz: CC BY 4.0

Das Nervensystem hat „nur“ ein Gewicht von 2 kg, was ca. 3% des gesamten Körpergewichts entspricht. Es ist ein kleines und komplexes Körpersystem des Menschen, denn es besteht aus einem komplizierten Netzwerk von Nervenzellen, den Neuronen und noch mehr Neuroglia. Für alle Mediziner ist es wichtig zu wissen, wie das Nervensystem funktioniert und aufgebaut ist.

Sinnessystem

Die Sinnesorgane ermöglichen es uns, mit unserer Umwelt zu interagieren und Dinge außerhalb unseres Körpers wahrzunehmen. So faszinierend ihre Funktion ist, so kompliziert und umfangreich erscheint das Thema im Studium.

Trotz der großen Vielfalt der Sinnesorgane folgen jedoch alle in ihrem Aufbau und ihrer Funktionsweise einigen grundlegenden Prinzipien. Ausgehend von den Grundlagen ist es nur noch ein kurzer Weg zu dem benötigten Detailwissen zu den unterschiedlichen Sinneswahrnehmungen.

Mundhöhle und Magen-Darm-Trakt

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Bild: “Digestive System with Liver” von Gordon Flynn. Lizenz: CC BY-SA 2.5

Das Verdauungssystem bereitet vielen Medizinern Kopfschmerzen. Hier gilt es sich die feinen Unterschiede der einzelnen Abschnitte klar zu machen.

Unter Verdauung wird die Zerkleinerung und Aufspaltung der Nährstoffe mit anschließender Zuführung zum Organismus verstanden. Mit dem Blutstrom werden die Nährstoffe anschließend in die einzelnen Körperzellen transportiert.

Das Pankreas

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Das Pankreas ist sowohl exokrines als auch endokrines Organ. Sie ist für die Verdauung und den Kohlenhydratstoffwechsel essentiell, weshalb ein Funktionsverlust zu schweren Krankheitsbildern führt.

Weibliche Geschlechtsorgane – Follikelreifung, Schleimhäute und Brustdrüsengewebe

Die weiblichen Geschlechtsorgane machen periodisch wiederkehrende Veränderungen der Struktur mit. Diese sollten erkannt und verstanden sein.

In den weiblichen Geschlechtsorganen laufen eine Vielzahl von Prozessen unter hormonellem Einfluss ab. Die Follikelbildung im Uterus, der Aufbau des Brustdrüsengewebes und die Laktation sind jene Prozesse, die zum Basiswissen von Medizinstudenten gehören.

Die männlichen Geschlechtsorgane

Die männlichen Geschlechtsorgane zu verstehen, erfordert eine Menge biologisches Wissen. Die männlichen Geschlechtsorgane mit Hoden und Samenleitern gliedern sich in verschiedene Abschnitte.

Färbungen histologischer Präparate

Um im Mikroskopierkurs besser mit zu kommen, lohnt es sich, sich einmal die verschiedenen histologischen Färbungen anzuschauen und sich darüber klar zu werden, welche Färbung welche Struktur wie anfärbt:

H.E.-Färbung

HE-Färbung von Pankreasgewebe mit Langerhansscher Insel (heller Bereich)

Bild: “HE-Färbung von Pankreasgewebe mit Langerhansscher Insel (heller Bereich)” von Polarlys. Lizenz: CC BY-SA 3.0

H.E. steht für die beiden verwendeten Farbstoffe: Hämatoxylin und Eosin. In dieser Färbung erscheint der Zellkern blau und das Zytoplasma blassrot. Kollagene Fasern werden stark rot gefärbt, ebenso Muskelgewebe und Knochen. Elastische Fasern bekommen ein helleres Rot. Erythrozyten wirken unter H.E.-Färbung orange bis rot. Hyaliner Knorpel wird blau angefärbt.

Azan-Färbung

Modifizierte Azanfärbung: Kollagenes Bindegewebe blau. Nebenhoden

Bild: “Modifizierte Azanfärbung: Kollagenes Bindegewebe blau. Nebenhoden” von Rollroboter. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Die Azan-Färbung bedient sich dreier Färbemittel: Azokarmin, Orange G und Anilinblau. Unter diesem Einfluss wird der Zellkern leuchtend rot und das Zytoplasma blass-rosarot. Kollagene Fasern erscheinen blau, ebenso Hyaliner Knorpel. Elastische Fasern, Muskelgewebe und Knochen werden alle rot angefärbt. Erythrozyten sind wie bei der H.E.-Färbung orange bis rot.

Elastika-Färbung

Elastische Fasern erscheinen in blau-violetter Farbe

Bild: “Elastische Fasern erscheinen in blau-violetter Farbe” von R.Denzer. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Hier werden mit Resorcin-Fuchsin oder Orcein selektiv die elastischen Fasern und Membranen dargestellt. Diese stellen sich im Präparat schwachviolett (Resorcin-Fuchsin) oder rotbraun (Orcein) dar.

Van-Gieson-Färbung

Bronchien des Vogelstraußes, nach Van Gieson gefärbt.

Bild: “Bronchien des Vogelstraußes, nach Van Gieson gefärbt.” von Lycaon.cl. Lizenz: GFDL

Die Van-Gieson-Färbung ist eine Mischung aus Eisenhämatoxylin, Pikrinsäure und Säurefuchsin. Sie färbt den Zellkern schwarzbraun und das Zytoplasma gelblich. Kollagene Fasern erscheinen rot. Elastische Fasern, Hyaliner Knorpel, Muskelgewebe, Knochen und Erythrozyten werden mit dieser Färbung alle gelblich.

Crossmon-Färbung

Die Crossmon-Färbung besteht aus Eisenhämatoxylin, Säurefuchsin-Orange und Lichtgrün. Der Zellkern wird damit ebenfalls schwarzbraun eingefärbt,während das Zytoplasma rötlich erscheint. Kollagene Fasern bekommen eine grüne Farbe. Elastische Fasern und Knochen werden hellrot. Erythrozyten werden mit Crossmon orange angefärbt.

Spezialfärbungen

Weiterhin gibt es eine Reihe von Spezialfärbungen, wobei hier die Gruppe der histochemischen Färbungen die größte Rolle spielen. Sie ermöglichen einen Einblick in das dynamische Zellgeschehen, indem sie z.B. kohlenhydrathaltige Komponenten wie Glykoproteine oder Glykogen (PAS-Reaktion), elektrisch negativ geladene Komponenten wie Glykosaminoglykane oder Hyaluronsäure (Alzianblau-Färbung) oder Lipide (Fettfärbungen wie z.B. Sudan III) am Ort ihres natürlichen Vorkommens innerhalb der Zellen und Gewebe darstellen.

Und schließlich nehmen auch die immunhistochemischen Methoden an Bedeutung zu. Hier können spezifische Proteine oder Peptide mit Hilfe einer Antigen-Antikörper-Reaktion nachgewiesen werden.

Möchte man spezifische DNA- oder RNA- Sequenzen darstellen, ist die In-situ-Hybridisierung das Verfahren der Wahl. Radioaktiv oder nicht-radioaktiv markierte Proben werden auf das histologische Schnittpräparat aufgetragen und können anschließend entsprechend lokalisiert werden.

Lerntabelle: Übliche Färbemittel

Färbemittel Allgemeine Anwendung Nukleus Zytoplasma Rote Blutkörperchen Kollagenfasern Besondere Färbungen
Haematoxylin Übliches Färbemittel, oft mit Eosin gepaart Orange, Zyan, Blau oder Grün Blau/Braun/Schwarz N/A N/A Nukleinsäuren: BlauER (Endoplasmatisches Retikulum): Blau
Eosin Übliches Färbemittel, oft mit Heamotoxylin gepaart N/A Pink Orange/Rot Pink Elastische Fasern: PinkKollagenfasern: PinkRetikulumfasern: Pink
Toluidinblau Übliches Färbemittel Blau Blau Blau Blau Mastzellengranulat: Lila
Masson´s Trichrom-Färbung Bindegewebe Schwarz Rot/Pink Rot Blau/Grün Knorpel: Blau/GrünMuskelfasern: Rot
Mallory´s Trichrom-Färbung Bindegewebe Rot Blassrot Orange Dunkelblau Keratin: OrangeKnorpel: BlauKnochenmatrix: DunkelblauMuskelfasern: Rot
Elastika-Färbung Elastische Fasern Blau/Schwarz N/A N/A N/A Elastische Fasern: Blau/Schwarz
Azan-Färbung Halten Zellen aus extrazellulären Komponenten auseinander Rot/Lila Pink Rot Blau Muskelfasern: RotKnorpel: BlauKnochenmatrix: Blau
Silberfärbung Retikuläre Fasern, Nervenfasern, Pilze N/A N/A N/A N/A Retikulumfasern: Braun/SchwarzNervenfasern: Braun/SchwarzPilze: Schwarz
Wright-Färbung Blutzellen Bläulich/Lila Bläulich/Lila Rot/Pink N/A Neutrophilen-Granulat: Lila/PinkEosinophilen Granulat: Leuchtend Rot/OrangeBasophilen Granulat: Dunkellila/ViolettThrombozyten-Granulat: Rot/Lila
Orcein-Färbung Elastische Fasern Dunkelblau N/A Hellrot Pink Elastische Fasern: DunkelbraunMastzellen-Granulat: LilaGlatte Muskulatur: Hellblau
PAS-Reaktion Basalmembran, Lokalisierung von Kohlenhydraten Blau N/A N/A Pink Glycogen und andere Kohlenhydrate: Magenta

Tabelle: “Common laboratory stains” von Wiipedia.

Tipps fürs Physikum

Die Histologie ist ein sehr umfangreiches Fach. Und es liegt nahe, sich zu fragen, ob der Aufwand sich für die 20 Fragen überhaupt lohnt. Hier sollte ein deutliches Ja die Antwort sein, da die Histologie ein zentrales Fach der Medizin ist und Gebiete der Anatomie, der Biologie, der Physiologie sogar bis hin zur Biochemie abdeckt. Ein grundlegendes Verständnis der Histologie erleichtert also auch das Lernen dieser anderen essentiellen Fächer und ermöglicht es, das Vorklinik-Wissen nicht nur in einzelnen Schubladen zu sehen, sondern miteinander zu verknüpfen und somit ein Gesamtbild zu bekommen.

Damit dies leichter fällt, hier noch ein paar Eselsbrücken zur Histologie:

Zieh immer am hellen Muskel [für die Streifen des Sarkomers: ZIAHM]

  • Titin klingt wie Titan, ist das größte Protein unseres Körpers
  • T-Zellen kommen aus dem Thymus
  • B-Zellen aus dem Bone (=Knochen)
  • Plexus submucosus (Meissner) ist für die Mucosa zuständig, liegt mittig
  • Plexus myentericus (Auerbach) innerviert die Muskulatur, liegt außen
  • Osteoklasten kauen Knochen ab
  • Osteoblasten bauen Knochen auf
  • C-Zellen bilden Calcitonin, welches Ca2+-Spiegel im Plasma reduziert
  • Parathormon stellt dem Körper Ca2+ (im Blut) parat

20 Beliebteste Fragen zur Histologie

Die Lösungen befinden sich unter den Linktipps.

1. Welche dieser Aussagen in Bezug auf das Epithelgewebe ist nicht korrekt?

  1. Das Epithelgewebe stammt embryologisch von allen drei Keimblättern ab.
  2. Das Epithelgewebe besitzt keine nennenswerte Interzellularsubstanz.
  3. Das Epithelgewebe befindet sich an der Hautoberfläche oder an der Innenseite von Hohlorganen.
  4. Das Epithelgewebe wird im Interzellularraum und durch Blutgefäße versorgt.
  5. Die Zellen des Epithelgewebes haben einen apikalen und einen basalen Pol.

2. Welcher der folgenden Bestandteile gehört nicht zur Basallamina der Basalmembran?

  1. Lamina rara externa
  2. Lamina densa
  3. Lamina propria
  4. Lamina fibroreticularis
  5. Lamina rara interna

3. Welche Zuordnung stimmt nicht zu?

  1. Osteoblasten bauen Knochen auf
  2. Osteocyten unterhalten das Gewebe
  3. Osteoklasten kauen Knochen ab
  4. Osteone sind kleine Baueinheit des Knochen
  5. Canaliculi sind schmale Zwischenräume

 4. Welche Aussage zur Ossifikation trifft zu?

  1. Den Prozess des Knochenabbaus nennt man Ossifikation
  2. Die chondrale Ossifikation ist ein Teil der desmalen Ossifikation
  3. Die perichondrale Ossifkation ist eine Phase der chondralen Ossifikation
  4. Bei der desmalen Ossifikation entsteht aus Knorpel Knochen
  5. Die chondralen Ossifikation wird als direkter Weg der Knochenbildung bezeichnet

5. Als Blutplasma bezeichnet man:

  1. Die nach der Gerinnung des Blutes übrigbleibende Flüssigkeit
  2. Die ionisierten Bestandteile des Blutes
  3. Eine zum Blut isotone Salzlösung
  4. Die nach der Zentrifugation des Blutes überstehende Flüssigkeit
  5. Den zellulären Anteil des Blutes

6. Eine Eisenmangelanämie wird am häufigsten Verursacht durch:

  1. Chronischen Blutverlust
  2. Vitamin-B12-Mangel
  3. Erhöhte Eisenausscheidung durch Niereninsuffizienz
  4. Erhöhten Alkoholkonsum
  5. Schädigung des blutbildenden Knochenmarks

7. Welche Aussag bezüglich des Aufbaus eines Blutgefäßes ist korrekt?

  1. Die Tunica interna besteht nur aus einschichtigem Plattenepithel.
  2. Bei Arterien des elastischen Typs ist das Stratum subendotheliale nur wenig bis gar nicht ausgebildet.
  3. Tight junctions sind in nicht fenestrierten Kapillaren zu finden.
  4. Über die Wandmuskulatur der Venolen lässt sich die Fließgeschwindigkeit des Blutes regulieren, weshalb sie auch als Widerstandsgefäße bezeichnet werden.

8. Welche Aussage über das kapillare Austauschsystem ist falsch?

  1. Die Fließgeschwindigkeit in Arterien ist 1000x höher, im Vergleich zu der der Kapillaren.
  2. Aufgrund des geringen Querschnitts der Kapillargefäße können Erythrozyten diese nur unter eigener Verformung passieren.
  3. Die Gefäßwand sämtlicher Kapillaren besteht neben einer Endothelschicht auch aus Perizyten und einer Basalmembran.
  4. Fenestrierte Kapillare sind an Orten mit großen Blutdurchfluss zu finden.

9. Welche Zuordnung ist richtig?

  1. Zona glomerulosa des Nebennierenmarks – Glucocorticoide
  2. Zona fasciculata – Aldosteron
  3. Zona reticularis – Testosteron
  4. C-Zellen der Schilddrüse – Parathormon
  5. Epiphyse – Melatonin

10. Die Hormone T3 und T4

  1. sind Cholesterinderivate
  2. senken den Grundumsatz
  3. werden in den C-Zellen der Schilddrüse gebildet
  4. werden extrazellulär gespeichert
  5. werden direkt ins Blut abgegeben

11. Die rote Pulpa …

  1. …speichert Lymphozyten.
  2. …produziert Lymphozyten.
  3. …baut Leukozyten ab.
  4. …gibt Blutplättchen ab.
  5. …liegt außerhalb der Milz.

12. Der Thymus …

  1. …ist in der Jugend und im Alter lebensnotwendig.
  2. …verdoppelt sein Gewicht durch Fetteinlagerungen.
  3. …muss sich bei Neugeborenen erst ausbilden.
  4. …behält das Drüsengewebe lebenslang.
  5. …ist bei Kindern für die Ausbildung des Immunsystems wichtig.

13. Welche Speicheldrüse dient der immunologischen Abwehr von Keimen in der Mundhöhle?

  1. Glandula parotideae (Ohrspeicheldrüse)
  2. Glandula submandibularis (Unterkieferspeicheldrüse)
  3. Glandula sublingualis (Unterzungenspeicheldrüse)
  4. Glandulae buccales in der Wangenschleimhaut
  5. Glandulae palatinae in der Schleimhaut des Gaumens

14. Welche drei Besonderheiten weist die Mucosa des Dünndarms zur Resorption von Nährstoffen auf?

  1. Villi’s, Mikrovillis und Brunner-Drüsen
  2. Mikrovillis, Brunner-Drüsen und Haustra Coli
  3. Kerckring-Falten, Villi’s und Mikrovillis
  4. Kerckring-Falten, Villi’s und Haustra Coli
  5. Adventitia, Brunner-Drüsen und Haustra Coli

15. Welche Aussage zum exokrinen Pankreas trifft zu?

  1. Das exokrine Pankreas ist eine seröse, tubuloalveoläre Drüse.
  2. Die sezernierenden Zellen stoßen ihr Sekret mit einem Teil der Zellmembran und des Zytoplasmas ab.
  3. Die Drüsenzellen haben höchstens einen Ausführungsgang, in den aber mehrere Endstücke münden.
  4. Ein baumartig verzweigtes Ausführungsgangsystem mit Streifen-und Schaltstücken ist ein typisches mikroskopisches Bild des exokrinen Pankreas.
  5. Das histologische Bild zeigt sogenannte zentroazinäre Zellen als Teile von Schaltstücken.

16. Welche Aussage zum Inselorgan trifft nicht zu?

  1. Das Inselorgan besteht aus ca. 1 Million Zellaggregaten, die inselartig zwischen den exokrinen Pankreasanteilen liegen.
  2. Die B-Zellen des Inselorgans sezernieren das Peptidhormon Insulin, welches den Blutzuckerspiegel senkt.
  3. Somatostatin, was in den D-Zellen des gesamten Intestinaltraktes vorkommt, hemmt die Sekretion von Bauchspeichelsekret.
  4. Ungefähr 70 % aller Inselzellen enthalten in ihren β-Granula das Peptidhormon Insulin.
  5. Glukagon aktiviert die Glykogenbiosynthese.

17. Welche Aussage trifft zu?

  1. Graaf-Follikel ist ein anderes Wort für Tertiärfollikel.
  2. Theca interna und externa sind zellulärer Abfall.
  3. FSH wird auch als Follitropin bezeichnet.
  4. Theca interna produziert keine Hormone.
  5. Tertiär-Follikel hat eine Größe von etwa 0,5 cm.

18. Welche Aussage trifft zu?

  1. Das Endometrium ist Drüsengewebe.
  2. Das Endometrium enthält die Uterusdrüsen.
  3. Das Endometrium besteht aus Bindegewebe.
  4. Das Endometrium ist konstant gleich aufgebaut.
  5. Das Endometrium enthält spiralige Muskeln.

19. Tubuluri seminiferi sind…

  1. …Ausführungsgänge der Hoden.
  2. …die Cowper-Drüsen.
  3. …ein anderes Wort für Leistenkanal.
  4. …Hodenkanälchen.
  5. …versorgende Gefäße des Keimepithels.

20. Ablauf in den Hoden:

  1. Das Arkosom bedeckt den Kopf des Spermiums teilweise.
  2. Die Cowper-Drüsen reinigen die Harnröhre vor dem Samenerguss.
  3. Testosteron wirkt nicht auf die Anhangdrüsen.
  4. Spermien gelangen aus den Nebenhoden in den Samenleiter.
  5. Androgen und wird in den Leydigschen Zwischenzellen hergestellt.

Buchtipps

  • Sobotta, Taschenlehrbuch, Welsch, taschenatlas & ulfig
  • Taschenatlas Histologie, Wolfgang Kühnel, Thieme-Verlag
  • Taschenlehrbuch Histologie, Renate Lüllmann-Rauch und Esther Asan, Thieme-Verlag
  • Endspurt Vorklinik: Histologie, Die Skripten fürs Physikum, Thieme-Verlag
  • Medilearn Skriptenreihe: Histologie, Medilearn

Linktipps

Lösungen: 1D, 2C,3B, 4C, 5D, 6A, 7C, 8D, 9E, 10D, 11D, 12E, 13A, 14C, 15E, 16E, 17C, 18B, 19D, 20C



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