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Bild: “Veins in my Right Arm.” von Colin Davis. Lizenz: CC BY 2.0


Der übliche Verlauf des Blutes führt aus dem Herzen in die Arterien, über die Kapillaren, dann zu den Venen und wieder zurück zum Herzen. In einigen wenigen Fällen fließt es allerdings nicht sofort in den venösen Schenkel, sondern durchläuft ein zweites Kapillarbett. Man bezeichnet das als Portalgefäßsystem. Neben der Leber findet man ein solches auch im Hypophysenvorderlappen und im Pankreas.

Ein zweites Kapillarbett als Sicherheitssystem

Wenn das Blut den Gastrointestinaltrakt passiert, resorbiert es zahlreiche Substanzen aus der Nahrung. Darunter können lebensnotwendige Nährstoffe (außer Fette, die über die Lymphe ins Blut gelangen) sein, aber auch gefährliche sowie schädigende Partikel und Krankheitserreger.

Eine der wichtigen Aufgaben der Leber ist die Entgiftung des Organismus. Das Blut befördert also die vielen Stoffe aus dem Magendarmtrakt auf direktem Wege zur Leber und führt diese der Biotransformation zu.

So können schädliche Substanzen aus der Nahrung schnell eliminiert werden. In der Pharmakologie müssen diese Vorgänge beachtet werden, um eine ausreichende Dosierung von Medikamenten vorzunehmen. Ist sie zu gering, wird der Großteil in der Leber abgebaut und sie können nicht mehr wirken.

Das Blut aus der Milz muss ebenso von der Leber gefiltert werden, da dort bekanntlich die Erythrozyten abgebaut werden. Deren Bestandteile reichern sich im Blut an und müssen in der Leber vollends zerlegt oder recycelt werden.

Das Pfortadersystem der Leber

Neben Magen, Dünn- und Dickdarm fließt also auch das Blut aus Gallenblase, Pankreas und Milz über die Pfortader zur Leber, genauer über die Vena portae hepatis. Das entspricht dem Versorgungsgebiet der drei großen, unpaaren Äste der Aorta: Dem Truncus coeliacus, der A. mesenterica superior und A. mesenterica inferior.

Die Vena portae hepatis ist eine Vereinigung der Vena splenica und der Vena mesenterica superior. Zuvor drainierte die Vena mesenterica inferior in die Vena splenica. Der Großteil des Blutes aus dem Abdomen verläuft in diese drei großen Venen. Die folgenden Äste drainieren direkt in die Pfortader:

  • V. cystica
  • V. gastrica sinistra et dextra
  • V. pancreaticoduodenalis superior posterior
  • V. prepylorica
  • V. paraumbilicalis

Da das Blut dann mit Sauerstoff nur noch teilgesättigt ist, braucht die Leber Vasa privata, die sie zusätzlich versorgen. Das übernimmt die A. hepatica propria aus dem Truncus coeliacus. Die Portalvene ist somit das Vas publicum der Leber. Die V. portae hepatis und die A. hepatica propria bilden zusammen mit dem Ductus choledochus, dem Hauptausführungsgang der Galle, die Leberpforte.

Nachdem das Blut aufbereitet wurde, findet es seinen Weg in die Vena cava inferior über die Venae hepaticae. Deren Gefäßbaum verläuft entgegen den Aufzweigungen der Gefäße aus der Leberpforte.

Bei Lebererkrankungen ist mehr als nur die Entgiftung bedroht

Wenn die Leber jedoch geschädigt ist, beispielsweise im Sinne eines chronischen Alkoholabusus und der daraus resultierenden Leberzirrhose, kann sich das Gefäßbett im Leberparenchym reduzieren. Dadurch muss das gleiche Volumen im Blut mit konstanter Flussgeschwindigkeit aus der Pfortader durch weniger Gefäße gepresst werden. Der Druck in den verbliebenen steigt und es entwickelt sich eine sog. portale Hypertension.

Diese kann so groß werden, dass das Blut seine Strömungsrichtung umkehrt. Es fließt also nicht mehr in die Leber hinein, sondern von der Leber weg. Es sucht sich andere Wege zum Herzen zurück. Diese nennt man die porto-cavalen Anastomosen:

1. V. portae hepatis → Vv. gastricae → Vv. oesophageales → V. azygos/hemiazygos → V. cava superior

2. a) V. portae hepatis → V. umbilicalis → Vv. paraumbilicales → V. epigastica superior → V. thoracica interna → V. subclavia → V. cava superior

2. b) V. portae hepatis → V. umbilicalis → Vv. paraumbilicales → V. epigastrica inferior → V. iliaca externa → V. cava inferior

2. c) V. portae hepatis → V. umbilicalis → Vv. paraumbilicales → oberflächliche Bauchvenen: V. thoracoepigastrica, V. thoracia lateralis, V. epigastrica superficialis

3. V. portae hepatis → V. mesentercia superior et inferior → Vv. coliacae → Vv. lumbales ascendentes → direkt in V. cava inferior oder über V. azygos/hemiazygos → V. cava superior

4. V. portae hepatis → V. mesenterica inferior → V. rectalis superior → Vv. rectales media/inferior → V. iliaca interna → V. cava inferior

Meistens handelt es sich bei den genannten Umgehungskreisläufen um kleine Gefäße, die nicht für größere Mengen Blut angelegt sind oder gar obliterierte Gefäße. Durch den erhöhten Druck bauen sie sich aus und können sichtbar werden.

Die Anastomose über die Venen des Ösophagus können sich bis hin zu Ösophagusvarizen erweitern. Werden diese Krampfadern so groß, dass sie platzen, kommt es zu Blutspucken und Bluterbrechen. Chronische Blutungen bedingen eine Anämie, eine akute Situation kann lebensbedrohlich werden (siehe 1.).

Als Caput medusae bezeichnet man eine Erscheinung auf der Bauchhaut, die von hervortretenden Venen um den Bauchnabel herum gebildet werden. Sie entstehen durch den Umgehungskreislauf über die wiedereröffnete V. umbilicalis (siehe 2.).

Hämorrhoiden entstehen durch die Überfüllung der rektalen Venen. Auch diese können sich soweit ausdehnen, dass sie platzen (siehe 4.).






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