Sie gelten als gesundheitsschädliche Genussmittel und werden gesellschaftlich eher verachtet als geschätzt – Drogen. Die berauschenden Substanzen haben in der Medizin wenig zu suchen, so denkt man. Dabei spielen sie eine viel größere Rolle, als man zunächst annimmt, sowohl in der Geschichte, als auch jetzt. Warum Freud seinen Patienten gerne mal Kokain verabreichte, und wofür Heroin eigentlich gedacht war, das erfahren Sie hier.
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Bild: “Heroin Bottles” von Karen Neoh. Lizenz: CC BY 2.0


Heroin als Hustensaft

Kaum vorstellbar, dass die harte Droge Heroin mal frei verkäuflich war. Doch das Opiat wurde ursprünglich als Husten- und Schmerzmittel von der Firma Bayer entwickelt. Als der Chemiker Felix Hoffman im Jahr 1897 die Substanz Diacetylmorphin synthetisierte, ahnte er wohl noch nichts von den weitreichenden Konsequenzen. Bis heute ist Heroin in Europa das am meisten konsumierte Rauschmittel unter Drogensüchtigen mit einem enormen Abhängigkeitspotenzial.

Damals wurde es in einer riesigen Werbekampagne angepriesen und vermarktet, sollte als Hoffnungsträger neben Husten und Schmerzen auch bei 40 weiteren Indikationen eingesetzt werden. Die Euphorie spiegelte sich auch im Namen wieder, „Heroin“ ist ein altgriechisches Kunstwort und bedeutet so viel wie „Held“ oder „heldenhaft“. Erst als immer mehr Fälle von Missbrauch und Abhängigkeit bekannt wurde, nahm Bayer das Medikament 1931 vom Markt. Heute unterliegt es in Deutschland dem Betäubungsmittelgesetz.

Cannabis als Alleskönner

Ein bekannterer Gebrauch von Drogen als Arznei ist wohl der von Cannabis. Es hat eine lange Tradition in der Medizingeschichte, von den Ägyptern bis zum chinesischen Kaiser und der Äbtissin Hildegard von Bingen findet es Erwähnung. Nachdem der Gebrauch zunächst durch Betäubungsmittelgesetze eingeschränkt wurde, lebt er heute wissenschaftlich begründet wieder auf.

Vor allem die antispastische und Ataxie mindernde also Bewegungsabläufe koordinierende Wirkung wird bei der Multiplen Sklerose, dem Tourette-Syndrom und spastischen Lähmungen genutzt. Auch kann es bei Krebskranken die Übelkeit von Chemotherapien mindern und den Appetit steigern. Die Forschung zu Cannabis als Arzneimittel läuft derzeit auf Hochtouren, so wird unter anderem die Wirkung auf Krebs, Depressionen, Schmerzen und Autoimmunerkrankungen untersucht. In Deutschland sind cannabishaltige Fertigarzneimittel seit 2011 verschreibungsfähig.

LSD zum Perspektivwechsel

Das halluzinogene LSD (Lysergsäurediethylamid) wurde schon in den 50er Jahren erfolgreich zur Behandlung von Alkoholikern eingesetzt, die Erfolgsrate betrug erstaunliche 50%. Nach Kritik an der Studie wurde es wieder eingestellt, obwohl neuere Metaanalysen die Wirksamkeit bestätigen. Auch zur Behandlung von Psychosen wurde es benutzt.

Dabei sollte eine sogenannte „Modellpsychose“, also eine willentlich herbeigeführte Psychose, der man sich auch bewusst ist, durch einen Perspektivwechsel zu positiven Effekten führen. Zu einer Etablierung von LSD in der Psychatrie ist es bisher aber nicht gekommen. Derzeit laufen Studien zum Einsatz von LSD bei Krebspatienten im Endstadium.

Der Entdecker von LSD, der Schweizer Chemiker Albert Hofman, setzte sich zeitlebens für den Gebrauch von LSD in der medizinischen Forschung ein. Laut Hofman öffne LSD die Tore der Wahrnehmung und man sehe mehr von der Wahrheit. Er wurde 102 Jahre alt.

Koks zur Stärkung

Der Psychoanalytiker Freud war von Kokain angetan und verschrieb es seinen Patienten, seiner Verlobten und auch großzügig sich selbst, bis hin zur Abhängigkeit. Er versprach sich davon Kräftigung und eine Verbesserung der Stimmungslage. Mit 28 machte er sogar eine wissenschaftliche Veröffentlichung zu Kokain, „Über Coca“, und sprach darin eine Empfehlung für Kokain aus. Es sollte gegen Hysterie, Hypochondrie und Depressionen helfen und sich als Ersatzmittel für Morphiumabhängige bewähren.

Erst als ein Freund von ihm an den Folgen von Kokainsucht starb, zu dessen Konsum er ihm geraten hatte, kam Freud zu einem Umdenken, und seine Euphorie für die Droge ebbte ab. Ob er selbst an den Folgen seiner Abhängigkeit starb oder an seinem Mundhöhlenkrebs, ist ein Streitpunkt. Klar ist jedoch, dass er schließlich unter starken Schmerzen litt und in seinen letzten Tagen hohe Dosen in Morphium verlangte.

Ecstasy gegen Kriegstraumata

Ein Ausblick in die Zukunft ist der Gebrauch von Ecstasy bei Posttraumatischer Belastungsstörung, einer psychischen Erkrankung, die nach einem traumatischen Ereignis wie Krieg oder einer Vergewaltigung auftritt und mit schweren psychischen und psychosomatischen Symptomen einhergeht. Die bunten Pillen, genauer deren Bestandteil MDMA  ein zur Gruppe der Amphetamine gehörender Stoff  fanden schon früher erfolgreich Anwendung bei Psychotherapien, bevor sie verboten wurden.

Eine 2012 an der University of South Carolina veröffentlichte Studie an US-Soldaten, die unter posttraumatischer Belastungsstörung litten, zeigte großen Erfolg, 15 von 21 Probanden zeigten nach einer Kombination aus Psychotherapie und MDMA-Einnahme wenige bis keine Symptome mehr. Nach dem Erfolg der Studie wurden weitere, umfangreichere Studien gestartet, sodass man in den nächsten Jahren sicher mehr davon hören wird.








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Ein Gedanke zu „Heroin als Hustensaft? 5 erstaunliche Fakten über Drogen in der Medizin

  • Ansgar

    der größte Schwachsinn den ich seit langem gelesen habe … seit wann bitteschön ist Heroin dass am meisten konsumierte rauschmittel bei drogenabhängigen in Europa ? ähm cannabis , ähm alkohol? …
    auch der rest ist von einem sehr ahnungslosen Menschen mehr schlecht als recht recherchiert….vl sollte sichd er autor als drogenbeauftragter der Bundesregierung bewerben