Arbeitsmedizin: Noch ein Fach, das trocken und auch noch mit vielen Paragraphen daherkommt? Tatsächlich ist die Arbeitsmedizin Bestandteil für das tägliche Leben aller Menschen. Zum Beispiel steht bald der Besuch beim Betriebsarzt vor dem Praktischen Jahr bei Ihnen an. Die Arbeitsmedizin regelt z.B. die Verpflichtungen der Arbeitgeber, befasst sich mit dem Schutz der Arbeitnehmer und wird in Versicherungsfällen konsultiert. In diesem Artikel bieten wir Ihnen die wichtigsten Grundlagen und Gesetze der Arbeitsmedizin mit besonderem Fokus auf IMPP-Dauerbrennern.

 

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Stethoskop

Bild: “2008.11.25 – The physician” von Adrian Clark. Lizenz: CC BY-ND 2.0


Allgemeines zur Arbeitsmedizin

Definition Arbeitsmedizin

Die Arbeitsmedizin befasst sich mit den Wechselwirkungen zwischen Arbeit und Gesundheit. Der Fokus der Arbeitsmedizin liegt hierbei auf arbeitsbedingten Gesundheitsschäden wie Berufserkrankungen, Unfallverhütung, Begutachtungen für Versicherungen. Arbeitsmediziner sind meist als Betriebsärzte oder Gewerbeärzte tätig.

Ziele der Arbeitsmedizin

Die Ziele der Arbeitsmedizin bestehen in der…

  • Förderung
  • Erhaltung
  • Mitwirkung bei der Wiederherstellung

… von Gesundheit sowie der Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit des Menschen.

Facharzt für Arbeitsmedizin

Der Facharzt für Arbeitsmedizin in Deutschland dauert 5 Jahre (24 Monate Innere Medizin/Allgemeinmedizin und 36 Monate Arbeitsmedizin).

Begriffe der Sozialgesetze

Die gesetzliche Sozialversicherung besteht in Deutschland aus fünf Pfeilern. Sie ist im gesetzlichen Sozialgesetzbuch geregelt (SGB).

  • Krankenversicherung
  • Rentenversicherung
  • Unfallversicherung
  • Arbeitslosenversicherung
  • Pflegeversicherung

In den folgenden Absätzen werden auf die Krankenversicherung, Rentenversicherung, Unfallversicherung und Pflegeversicherung eingegangen und wichtige Begriffe erklärt, da diese vorrangig in der Arbeitsmedizin von Belang sind. Außerdem stellen wir SGB IX (Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen vor.

SGB V (Krankenversicherung)

Krankheit (GKV, SGB V)

Krankheit ist ein regelwidriger Körper- oder Geisteszustand, der eine Heilbehandlung erfordert oder Arbeitsunfähigkeit zur Folge hat.

Arbeitsunfähigkeit (SGB V)

Der Versicherte kann nicht oder nur unter Gefahr, seinen Zustand zu verschlechtern, die bisherige Erwerbstätigkeit ausüben.

SGB VI: Rentenversicherung

Volle Erwerbsminderung

Voll erwerbsgemindert sind Versicherte, die wegen Krankheit oder Behinderung auf nicht absehbare Zeit nicht im Stande sind, unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes mindestens drei Stunden täglich erwerbstätig zu sein.

Teilweise Erwerbsminderung

Teilweise erwerbsgemindert sind Versicherte, die wegen Krankheit oder Behinderung auf nicht absehbare Zeit nicht im Stande sind, unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes mindestens 6 Stunden erwerbstätig zu sein.

SGB VII: Unfallversicherung

Arbeitsunfall (SGB VII § 8 (1))

Ein Unfall, der ursächlich (direkt oder indirekt) mit der versicherten Tätigkeit verknüpft und zeitlich auf maximal eine Arbeitsschicht begrenzt ist; er ereignet sich in engerem Sinne bei der Ausübung der Erwerbstätigkeit.

Wegeunfall (SGB VII § 8 (2))

Ein sich auf dem direkten Weg zwischen der Arbeitsstelle und der Wohnung des Versicherten ereignender Unfall. Es besteht für den Unternehmer und die Schulbehörde (Schüler und Studenten sind ebenso wie Arbeitnehmer unfallversichert) Meldepflicht.

Merke: Der Wegeunfall ist ein IMPP-Klassiker: Häufig werden Fragen gestellt, was noch als Wegeunfall angesehen wird und was nicht. Als Arbeitsunfall gilt auch der Wegeunfall zum oder vom Arbeitsplatz. Der Versicherungsschutz gilt auch, wenn auf dem unmittelbaren Weg zwischen Wohnung und Arbeitsort ein Umweg gemacht wird, um z.B. das Kind in den Kindergarten zu bringen oder die Person eine Fahrgemeinschaft nutzt.

Berufskrankheit (SBG VII § 9)

Berufskrankheiten werden durch besondere Einwirkungen verursacht, denen bestimmte Personengruppen durch ihre Arbeit in erheblich höherem Grade als die übrige Bevölkerung ausgesetzt sind. Sie sind in der Liste der Berufskrankheiten in der Anlage der Berufskrankheitenverordnung (BKV) ausgewiesen.

SGB IX (Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen)

Zuständig für Feststellung von Behinderung sind

  • Integrationsämter
  • Versorgungsämter
  • Ämter für Versorgung und Familienförderung

Grad der Behinderung

Der Grad der Behinderung ist eine Maßeinheit für den Grad der Beeinträchtigung durch eine Behinderung. Er wird in Zehnergraden abgestuft festgestellt.

Schwerbehinderung

Ist eine Person 50 % oder mehr behindert, spricht man von Schwerbehinderung.

SGB XI: Pflegeversicherung

Pflegebedürftig werden Menschen, die wegen einer körperlichen, seelischen oder geistigen Krankheit oder Behinderung den Verrichtungen des täglichen Lebens nicht mehr nachkommen können. Sie müssen für voraussichtlich 6 Monate oder länger pflegebedürftig sein. Es existieren 3 Pflegestufen.

Institutionen für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: Ein duales System

In Deutschland agieren sowohl staatliche Einrichtungen als auch die Träger der gesetzlichen Unfallversicherung. Die folgenden Institutionen stehen dem behandelnden Arzt zur Seite, wenn die Frage nach einer Wechselwirkung zwischen Arbeit und Erkrankung beim Patienten besteht. Die folgende Übersicht zeigt Ihnen die beteiligten Institutionen.

Staatlicher Bereich Selbtsverwaltender Bereich
Bund Länder Träger der gesetzlichen Unfallversicherung
Bundesministerium für Arbeit und Soziales Ministerien und Behörden für Arbeit
Arbeitsschutzgesetz etc. Sozialgesetzbuch SGB VII
  ↳ Gewerbe-Aufsichtsämter ↳ Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung
↳ Ämter für Arbeitsschutz ↳ Gewerbliche Berufsgenossenschaften
↳ Staatliche Gewerbegesetz ↳ Unfallversicherungsträger der öffentlichen Hand
↳ Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaften

 

Wichtige Begriffe

  • Unfallversicherungsträger (UVT) sind Körperschaften des Öffentlichen Rechts und ermächtigt, rechtlich bindende Vorschriften zu erlassen. UVT im gewerblichen und landwirtschaftlichen Bereich sind Berufsgenossenschaften. Im öffentlichen Dienst sind z.B. die Bundesausführungsbehörde für Unfallversicherung oder die Gemeindeunfallversicherung verantwortlich.
  • Berufsgenossenschaften werden rein durch Unternehmer finanziert, alle Unternehmen sind zur Mitgliedschaft verpflichtet.

Arbeitsschutz soll präventiv wirksam sein. Man unterscheidet hierbei Primärprävention, Sekundärprävention und Tertiärprävention. Alles zu den Präventionsformen lesen Sie im Artikel „Medizinische Psychologie und Soziologie: Gesundheitsförderung und Gesundheitserhaltung„.

Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG)

Das Arbeitsschutzgesetzt ist an den Arbeitgeber gerichtet. Er ist dafür zuständig, dass Sicherheit und Gesundheitsschutz für seine Beschäftigten gewährleistet wird.

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die Unfall- und Gesundheitsgefährdungen am Arbeitsplatz durch entsprechende Maßnahmen so gering wie möglich zu halten. Jeder Arbeitsnehmer, der am Arbeitsplatz einer gesundheitlichen Gefährdung ausgesetzt ist, hat Anspruch auf eine arbeitsmedizinische Untersuchung.

Gefährdungsbeurteilung

Gefahrensymbol Kennbuchstabe Bedeutung
 Explosionsgefährlich E Explosionsgefährlich
 Hochentzündlich FF+ LeichtentzündlichHochentzündlich
 Brandfördernd  O Brandfördernd
 Sehr giftig TT+ GiftigSehr giftig
 Gesundheitsschädlich XnXi GesundheitsschädlichReizend
 Ätzend C Ätzend
Umweltschädlich N Umweltgefährlich

 

Die Gefährdungsbeurteilung stellt das zentrale Instrument des betrieblichen Arbeitsschutzes dar. Die folgenden 8 Schritte werden auf dem Prozess der Gefährdungsbeurteilung abgearbeitet:

1. Festlegen von Arbeitsbereichen und Tätigkeiten

2. Ermitteln der Gefährdungen

3. Beurteilen der Risikohöhe: Risiko = Eintrittswahrscheinlichkeit x Schadensausmaß

4. Festlegen konkreter Arbeitsschutzmaßnahmen

Hierarchie der Arbeitsschutzmaßnahmen
T technische Durchführung der Maßnahmen
O organisatorische Durchführung der Maßnahmen
P persönliche Durchführung der Maßnahmen

 

6. Überprüfen der Wirksamkeit der Maßnahmen

7. Fortschreiben der Gefährdungsbeurteilung

8. Dokumentation

Gefahrenstoffverordnung

Durch die Gefahrenstoffverordnung sollen Mensch und Umwelt vor den schädlichen Einwirkungen gefährlicher Stoffe geschützt werden. Vorgeschrieben werden detailliert, wie die Form, Anmeldung, Einstufung der Gefährlichkeit, Verpackung und Kennzeichnung gefährlicher Stoffe auszusehen hat. Die Gefahrstoffverordnung beinhaltet alle chemischen Stoffe, Zubereitungen und Erzeugnisse. Die Tätigkeiten (werden je nach Bewertung der Gefahrstoffe) in 4 Schutzstufen eingeteilt.

Schutzstufe Gefahrstoffe Maßnahmen
Schutzstufe 1 reizende, gesundheitsschädliche und ätzende Gefahrstoffe bei niedriger Exposition Exposition minimieren
Schutzstufe 2 gleich Gefahrstoffe wie bei Stufe 1 bei höherer Exposition Substitution des Gefahrstoffs, sonst Verfahren optimieren, Absaugungen, Messungen, persönliche Schutzausrüstung
Schutzstufe 3 sehr giftige und giftige Gefahrstoffe Substitution des Gefahrstoffs, geschlossene Systeme, Absaugungen, Messungen, persönliche Schutzausrüstung
Schutzstufe 4 krebserzeugende, erbgutverändernde und fruchtbarkeitsschädigende Gefahrstoffe Substitution des Gefahrstoffs, geschlossene Systeme, Absaugungen ohne Luftrückführung, Messungen, persönliche Schutzausrüstung

Biostoffverordnung (BioStoffV)

In der Biostoffverordnung ist der Schutz der Beschäftigten vor biologischen Arbeitsstoffen wie Mikroorganismen, Zellkulturen, humanpathogene Endoparasiten festgelegt.

Infektionsschutzgesetz

Das Infektionsschutzgesetz regelt vor allem Infektionsprävention im Krankenhaus, in Kindergärten und Gastronomiebetrieben. Je nach Gefährdungsbeurteilung können daraus Voraussetzungen für Impfindikationen entstehen.

Arbeitsmedizinische Vorsorgeverordnung (ArbMedVV)

Die arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung legt fest, wann Pflichtuntersuchungen vorzunehmen sind. Sie unterscheidet

  • zwischen Tätigkeiten mit Gefahrstoffen und
  • physikalischen Einwirkungen und
  • biologischen Arbeitsstoffen

Weitere Arbeitsschutzverordnungen sind

Arbeitssicherheitsgesetz (ASiG)

Das Arbeitssicherheitsgesetz bestimmt die Rolle und die Aufgabe des Betriebsarztes und der Fachkraft für Arbeitssicherheit. Der Arbeitgeber muss für die Arbeitssicherheit sorgen, indem er Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit bestellt. Der Betriebsarzt und die Fachkräfte unterstehen zwar dem Leiter des Betriebs, bleiben aber in ihrer Anwendung weisungsfrei.

Aufgaben des Betriebsarztes (§ 3 ASiG)

Das Aufgabenfeld des Betriebsarztes findet sich vorwiegend im Bereich Prävention. Er arbeitet eng mit vielen anderen Berufsgruppen im Betrieb zusammen.

Betriebsärzte sind für folgende spezielle Aufgaben zuständig:

  • Planung, Ausführung und Unterhaltung von Betriebsanlagen und von sozialen und sanitären Einrichtungen
  • Beschaffung technischer Hilfsmittel und Einführung von Arbeitsverfahren und Arbeitsstoffen
  • arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen mit Erhebung der Arbeitsanamnese, klinischer Anamnese und Statuserhebung bei speziellen Einwirkungen
  • Einstellungsuntersuchungen: Steht die gesundheitliche Leistungsfähigkeit eines Bewerbers mit dem Anforderungsprofil der vorgesehenen Tätigkeit in Einklang?
  • Eignungs- und Tauglichkeitsuntersuchung: Ohne die ärztliche Untersuchung kann der Arbeitnehmer nicht von der Tauglichkeit des Arbeitnehmers ausgehen (z.B. vor Auslandsaufenthalt, Fahrtätigkeiten, …)
  • Analysen im biologischen Material (Biomonitoring)
  • Tests: LUFU, Spiroergometrie, Allergieteste, Sehtest, Hörtest, radiologische Untersuchungen
  • Schadstoffmessung in der Arbeitsplatzatmosphäre
  • Betriebsbegehung mit Sicherheitsfachkräften mit Analyse von Belastungsfaktoren und Beanspruchungsfolgen
  • Organisation der Ersten Hilfe im Betrieb
  • Fragen des Arbeitsplatzwechsels sowie der Eingliederung und Wiedereingliederung Behinderter in den Arbeitsprozess
CAVE: Der Betriebsarzt darf Krankmeldungen nicht auf ihre Richtigkeit hin überprüfen!

Sozialer Arbeitsschutz

Mutterschutzgesetz (MuSchG)

Fast ein Drittel aller Frauen in Deutschland verzichten aus beruflichen Gründen bewusst auf Nachwuchs.

Das Mutterschutzgesetz schützen Arbeitnehmerinnen während der Schwangerschaft und in den Monaten nach der Geburt vor gesundheitlichen Gefährdungen am Arbeitsplatz. Außerdem soll die werdende Mutter vor Einkommensverlusten und Kündigung geschützt werden.

Das Mutterschutzgesetz gilt für Frauen, die in einem Arbeitsverhältnis stehen. Es gilt NICHT für Hausfrauen, Selbständige, Schülerinnen und Studentinnen.

Pflichten der Arbeitgeber zum Mutterschutz

Die Arbeitgeberseite ist verpflichtet, der zuständigen Aufsichtsbehörde (staatliche Arbeitsschutz- oder Gewerbeaufsichtsämter) die Schwangerschaft mitzuteilen.

  • Der Arbeitgeber muss eine werdende oder stillende Mutter während der Schwangerschaft und nach der Entbindung so beschäftigen und ihren Arbeitsplatz einschließlich der Maschinen, Werkzeuge und Geräte so einrichten, dass sie vor Gefahren für Leben und Gesundheit ausreichend geschützt ist.
  • Beschäftigt der Arbeitgeber Frauen, die im gebärfähigen Alter sind, können DOs und DONTs am besten in Form einer Positivliste beurteilt werden.
Beispiel: Ein Beispiel einer Positivliste für Ärztinnen, die in der Intensivmedizin tätig sind, finden Sie hier.

Die Aufsichtsbehörde klärt im Zweifelsfall, ob der konkrete Arbeitsplatz und die konkreten Arbeitsbedingungen zu einer Gefährdung der werdenden und stillenden Mutter führen können. Frauen und Arbeitgeber können sich bei Unklarheiten und Fragen an die Aufsichtsbehörde wenden.

Mutterschutzfristen

Werdende Mütter dürfen nicht mehr beschäftigt werden

  • in den letzten 6 Wochen vor der Entbindung
  • bis zum Ablauf von 8 Wochen
  • bei Früh- und Mehrlingsgeburten bis zum Ablauf von 12 Wochen nach der Entbindung.

Beschäftigungseinschränkungen und Beschäftigungsverbote außerhalb der allgemeinen Schutzfristen

Beschäftigungseinschränkungen nach MuSchG Beschäftigungsverbote nach MuSchG
Mehrarbeit (über 8,5h pro Tag) Beschäftigung mit krebserregenden, fruchtschädigenden oder erbgutverändernden Gefahrstoffen
Steharbeiten von mehr als 4h pro Tag ab dem 6. Schwangerschaftsmonat Beschäftigung mit sehr giftigen, giftigen oder gesundheitsschädlichen Stoffen bei Überschreiten des Grenzwerts
Nachtdienst zwischen 20:00 und 6:00 schweres Heben und Tragen
Notfalltätigkeiten (Rettungsdienst, Notaufnahme) Einwirkung von Strahlung, Gasen, Dämpfen, Hitze, Kälte, Erschütterungen oder Lärm
Tätigkeiten mit erhöhter Infektionsgefahr

Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG)

Jugendliche müssen vor dem Beschäftigungsverhältnis ärztlich untersucht werden. Leider werden oftmals Atteste „auf die Schnelle“ bescheinigt, die weder die gesundheitlichen Besonderheiten des Jugendlichen noch die speziellen Anforderungen des Berufs miteinbeziehen und kritisch beleuchten (z.B. Neurodermitis und Ausbildung zum Friseur).

Vorschriften, die für die Beschäftigung von unter 18-Jährigen gelten

  • nicht mehr als 8h/Tag und 40h/Woche
  • nur zwischen 7 und 20 Uhr (Ausnahme: Gastgewerbe, Bäckerei, Landwirtschaft)
  • Keine Tätigkeiten, die einhergehen mit: besonderen Gefahren, Hitze- /Kältebelastung, Einwirkung schädigender Noxen, Untertagearbeit, Akkordarbeit, Arbeit mit sittlicher Gefährdung

Arbeitszeitgesetz (ArbZG)

Das Arbeitszeitgesetz soll Sicherheit und Gesundheit der Arbeitnehmer bei der Arbeitszeitgestaltung gewährleisten und den Sonntag sowieso staatliche anerkannte Feiertage als Tage der Arbeitsruhe schützen.

Der Arbeitgeber muss den Nachtarbeitsplatz einen Arbeitnehmers auf dessen Verlangen in einen Tagarbeitsplatz umwandeln, wenn

  • eine Gefährdung für dessen Gesundheit besteht
  • der Arbeitnehmer ein Kind im Haushalt unter 12 Jahren hat, dass nicht von einer anderen Person im Haushalt betreut werden kann
  • ein Schwerpflegebedürftiger von Angehörigen im Haushalt versorgt werden soll, der nicht von einer anderen Person im Haushalt versorgt werden kann

Der Betriebsrat kann Vorschläge für die Umsetzung in einen Tagarbeitsplatz unterbreiten.

Merke: Grundsatzurteil des Europäischen Gerichtshofs von 2000: Bereitschaftsdienste sind Arbeitszeit!

Nacht- und Schichtarbeit

Ca. 15% aller Berufstätigen arbeiten in Deutschland in Nacht- und Schichtarbeit.

Schichtarbeit existiert aus wirtschaftlichen, technologischen und Versorgungsgründen. Es ist bekannt, dass das Risiko für Arbeitsunfälle im Nachtdienst signifikant erhöht ist im Vergleich zum Frühdienst. Nach 12 Jahren scheiden 50% der Beschäftigten aus dem Schichtdienst aus.

Nacht- und Schichtarbeiter haben häufiger Schlafstörungen und Appetitstörungen durch die Störung des zirkadianen Rhythmus (lesen Sie hier weiter). Außerdem treten häufiger Magen-Darm-Beschwerden und Ulcuserkrankungen auf. Verschiedene Studien zeigten außerdem erhöhte Häufigkeiten für koronare Herzerkrankungen.

Arbeitswissenschaftliche Empfehlungen zur Schichtplangestaltung

  • nicht mehr als 3 Nachtschichten hintereinander
  • nicht mehr als drei Frühschichten und drei Spätschichten hintereinander
  • Frühschicht nicht zu früh starten
  • Vorwärtswechsel der Frühschichten
  • ungünstige Schichtfolge vermeiden
  • geblockte Wochenendfreizeit
  • mindestens ein freier Abend pro Woche von Montag bis Freitag

Beliebte Prüfungsfragen in der Arbeitsmedizin

Die Lösungen sind unterhalb der Quellen angegeben.

1. Welche Aussage trifft nicht zu? Zu den Aufgaben des Betriebsarztes gehört nach dem Arbeitssicherheitsgesetz die

  1. Beratung des Unternehmens in allen Fragen des Gesundheitsschutzes
  2. Überprüfung von Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen
  3. Auswertung arbeitsmedizinischer Vorsorgeuntersuchungen
  4. Überprüfung der Verwendung vorgeschriebener Körperschutzmittel
  5. Durchführung von Arbeitsplatzbegehungen

2. Welcher Sozialleistungsträger ist bei Arbeitsunfähigkeit im rechtlichen Sinne leistungspflichtig?

  1. Arbeitslosenversicherung
  2. Rentenversicherung
  3. Krankenversicherung
  4. Unfallversicherung
  5. Pflegeversicherung

3. Wer ist für die Arbeitssicherheit im Betrieb verantwortlich?

  1. Sicherheitsfachkräfte
  2. Betriebsarzt
  3. Gewerbeaufsichtsamt
  4. Gesetzlicher Unfallversicherungsträger
  5. Arbeitgeber

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Quellen

Nowak: Arbeitsmedizin und klinische Umweltmedizin. Elsevier Verlag 2010.

Baur: Arbeitsmedizin. Springer Verlag 2013.

Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz

Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Lösungen zu den Prüfungsfragen: 1B, 2C, 3E



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