Viele Unternehmen versuchen die Effizienz der Mitarbeiter dadurch zu erhöhen, dass sie entsprechenden Druck ausüben - der positive Ansporn beschränkt sich dann nicht selten auf eine ausgiebige Weihnachtsfeier. Soziologen hegen allerdings keinen Zweifel daran, dass diese Methode zumindest langfristig mehr schadet als nützt (zur Studie). Von einem Betrieb, in dem die meisten Mitarbeiter bereits "innerlich gekündigt" haben, sind keine Höchstleistungen zu erwarten. Glücklicherweise gibt es überraschend günstige Wege, positive Anreize zu schaffen. Gastautor Rüdiger Hartmann führt Sie tiefer in das Thema hinein.
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Arbeitsalltag entscheidet über Mitarbeitermotivation

Selbst bei scheinbar banalen Tätigkeiten ist in den meisten Unternehmen nicht jene Transparenz möglich, die der Arbeitgeber möglicherweise vermutet. Denn nicht in jedem Fall lassen sich für die erbrachten Leistungen Kennzahlen erfassen. Unfreundliches Personal im Service beispielsweise dürfte sich auch dauerhaft negativ auf den Umsatz auswirken. Und selbst an anderen Stellen ist es durchaus möglich, dass Mitarbeiter ihre Aufgaben schnell erledigen und in der übrigen Zeit Däumchen drehen.

Zu höherer Leistung lassen sich auch jene Zeitgenossen nicht motivieren. Der Vorgesetzte kann aber ein Umfeld schaffen, in dem die Mitarbeiter gerne Leistung zeigen. Die Wirkung einmaliger Maßnahmen verpufft in der Regel genauso schnell, wie sie aufgetreten ist. Wird der Mitarbeiter durch eine Sonderzahlung oder ein Geschenk überrascht, mag er dies als einmalige Wertschätzung durchaus anerkennen, langfristig wird der Alltag sich aber in den gewohnten Bahnen bewegen.

Lohnerhöhung nutzt vor allem dem Staatshaushalt

Die Verknüpfung von Lohnniveau und Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter ist eine Binsenweisheit; Angestellte, die ihre Bezahlung als zu gering empfinden, werden sich auch kaum über das geforderte und kontrollierbare Mindestmaß für das Unternehmen einsetzen.

Aufgrund des progressiven Steuersatzes in Deutschland ist es im Regelfall aber so, dass von jedem gezahlten Euro Lohnerhöhung etwa die Hälfte durch den Fiskus oder die Sozialversicherungen abgeschöpft wird. Davon hat der Mitarbeiter selbst, abgesehen von einem etwas höheren Anspruch der gesetzlichen Rente und des Arbeitslosengeldes, nichts.

Finanzierung von Kaffee ist steuerfrei

Interessanter sind hingegen die Alternativen: Materielle Zuwendungen sind unter Umständen steuerlich begünstigt oder gar befreit. Dazu gehört es beispielsweise auch, den Mitarbeitern Mineralwasser und Kaffee zur Verfügung zu stellen – hier erkennt der Gesetzgeber das betriebliche Interesse. Insbesondere das Heißgetränk ist nicht nur bei fast allen Menschen sehr beliebt, sondern bekanntermaßen auch ein echter Muntermacher. Für die Arbeit ist dieser Effekt besonders am Morgen äußerst willkommen.

Der Kauf einer Kaffeemaschine sowie den dazu nötigen Verbrauchsmaterialien lässt sich allerdings vermeiden: Tchibo Coffee Service hat das Business-Klientel bereits für sich entdeckt und bietet entsprechende Lösungen zur Vermietung an (zur Website).

Darüber hinaus dürfen die Mitarbeiter auch kleine Aufmerksamkeiten erhalten, sofern diese die Freigrenze von 44 Euro monatlich nicht übersteigen. Wird diese Freigrenze allerdings überschritten, fällt für die gesamte Summe die volle Lohnsteuer an. Ebenso darf das Unternehmen die Gesundheitsprävention fördern: Ein jährlicher Freibetrag von 500 Euro ist steuerfrei und kann beispielsweise für Kurse zu Stressprävention eingesetzt werden.

Selbst die Unterbringung der Kinder der Mitarbeiter kann vollkommen steuerfrei durch das Unternehmen finanziert werden (Quelle). Dabei ist es unerheblich, ob der Nachwuchs in einem Betriebs- oder öffentlichen Kindergarten untergebracht wird. Ebenso ist die private Nutzung von Diensttelefonen kein wirtschaftlicher Vorteil, der vom Fiskus berücksichtigt wird. In Handwerksbetrieben wirkt die kostenlose Bereitstellung von Berufskleidung und Werkzeugen dem Angestellten gegenüber wertschätzend.

Interesse für die Arbeit zeigen

Einen weiteren wichtigen Aspekt bei der Motivation von Mitarbeitern ist das Verhalten, welches die Vorgesetzten zeigen. Dabei helfen gespielte Freundlichkeit und ein aufgesetztes Lächeln nicht weiter. Vielmehr sollten echtes Interesse für die Arbeit gezeigt werden.

Auch wenn es sich um scheinbar wenig komplexe Tätigkeiten handelt: Die Mitarbeiter haben sich in ihrer Tätigkeit im Laufe der Zeit eine praktische Expertise erarbeitet, die für den Unternehmer einen unschätzbaren Wert darstellt. Wer sich bei den Angestellten nach einer persönlichen Einschätzung und möglichen Verbesserungspotenzialen erkundigt, erreicht mindestens zwei positive Effekte: Der Mitarbeiter fühlt sich in seiner Tätigkeit wertgeschätzt und wird so motiviert, gleichzeitig lässt sich auch ein wirtschaftlicher Nutzen aus den Informationen ziehen.

Wichtig dabei: Es sollte in jedem Fall vermieden werden, den Eindruck zu erwecken, den Angestellten kontrollieren zu wollen. Ebenso sollte sich der Vorgesetzte nicht verstellen, denn wer bisher eher distanziert aufgetreten ist, erweckt ein natürliches Misstrauen, wenn er dies innerhalb eines Gesprächs schlagartig zu ändern versucht.

Genauso lassen sich aber auch an die Leistung des Mitarbeiters klare Forderungen stellen. Diese müssen aber erreichbar und transparent formuliert sein. Auch Lob ist angebracht, sofern es gerechtfertigt erscheint. Ein inflationärer Gebrauch verfehlt die Wirkung gänzlich.

Motivierte Mitarbeiter erbringen höhere Leistung

Mit einer Reihe kleiner Maßnahmen, die nicht zum gegebenen Anlass, sondern jederzeit Wertschöpfung ausdrücken, lassen sich die Mitarbeiter nachhaltig motivieren. Die Aufwendungen lohnen sich in jeder Hinsicht: Hat der Vorgesetzte die Angestellten auf seine Seite gezogen, sodass sie für das Unternehmen gerne Leistung erbringen wollen, darf sich der Geschäftsbetrieb schon bald über Kostenreduktionen und Effizienzsteigerungen freuen.

Viele Mitarbeiter erkennen durchaus Sparpotenziale, ein schlechtes Betriebsklima raubt aber jedes Interesse daran, diese auch offen zu kommunizieren. Schlimmer noch: Nicht selten führt eine gewisse Missgunst dazu, dass es absichtlich nicht dazu kommt – eine vermeidbare Verschwendung.

Rüdiger Hartmann ist als freier Autor für TCS in den Bereichen Prozessoptimierung und Contenterstellung tätig. In der Vergangenheit studierte er Kommunikations- und Medienwissenschaften an der Uni Bremen.

 

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