Wenn Bildmotive einen sehr hohen Kontrastumfang aufweisen, werden die Unterschiede zwischen dunklen und hellen Bildbereichen von digitalen Kameras häufig nicht korrekt erfasst. Kamerasensoren verarbeiten nur einen beschränkten Dynamikbereich und sind mit zu viel Licht und Schatten überfordert. Die Folge sind dann entweder überstrahlte Bildbereiche, wie beispielsweise flaue Himmel ohne Wolkenstrukturen, oder zu dunkle Bereiche, zum Beispiel Gebäude oder Pflanzen, die nur als Silhouette erscheinen. Um die Details, die im Schatten verborgen sind, hervorzuheben, können Sie zwar eine längere Verschlusszeit wählen, jedoch wird damit das komplette Bild heller. Bei Landschaftsaufnahmen mildern Sie diesen Effekt gegebenenfalls mit einem Grauverlaufsfilter ab, doch erreichen Sie auch damit nicht immer ein zufriedenstellendes Ergebnis.
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Bild: “Flarelove (dust & sunshine)” von José Manuel Ríos Valiente. Lizenz: CC BY ND 2.0


Idealerweise müssten Aufnahmen mit unterschiedlichen Belichtungseinstellungen miteinander kombiniert werden, um ein gut ausgeleuchtetes Bild zu erhalten. Eine Lösung für dieses Problem erhalten Sie mit der Möglichkeit, in Adobe Photoshop Hochkontrastbilder (HDRI – High Dynamic Range Image) durch die Kombination mehrerer Bilder einer Belichtungsreihe zu erstellen. Seit der Version CS2 bietet Photoshop ein geeignetes Werkzeug dafür. Alternativ hat Photoshop in den Korrekturwerkzeugen das Werkzeug „HDR-Tonung“ integriert, mit dem Sie den HDR-Effekt auch aus einem Einzelbild erstellen. Jedoch wird diese Methode nicht bei jedem Bild zum gewünschten Ergebnis führen.

Notwendige Vorbereitungen für HDR-Bilder aus Belichtungsreihen

Für das Erstellen von Belichtungsreihen sind einige Vorbereitungen notwendig, denn es sind drei bis sieben unterschiedlich belichtete Aufnahmen desselben Motivs erforderlich.

Sie benötigen eine Kamera, die manuelle Einstellungen erlaubt, und ein Stativ, damit die Bilder identisch werden und nicht verwackeln. Fotografieren Sie Ihr Motiv dann in unterschiedlichen Belichtungsstufen, indem Sie eine manuelle Verschlusszeit einstellen und diese für jedes einzelne Foto verlängern oder verkürzen. Viele Kameras haben bereits eine komfortable Funktion für automatische Belichtungsreihen, bei denen in der Regel je nach Auswahl drei bis fünf Bilder erstellt werden. In Ihrem Kamerahandbuch erfahren Sie mehr über die notwendigen Einstellungen.

Automatische Belichtungsreihe

So erstellen Sie mit Photoshop CC ein HDR-Bild aus einer Belichtungsreihe

Öffnen Sie Photoshop und klicken Sie im Hauptmenü auf „Datei“ -> „Automatisieren“ und „Zu HDR Pro zusammenfügen…”.

Zu HDR Pro zusammenfügen

Es klappt ein Dialogfenster auf, in dem Sie aufgefordert werden, zwei oder mehr Dateien aus einem Belichtungssatz auszuwählen. Dazu klicken Sie auf „Durchsuchen“ und wählen idealerweise drei bis sieben Bilder aus Ihrer vorbereiteten Belichtungsreihe. Markieren Sie die Checkbox vor „Quellbilder nach Möglichkeit automatisch ausrichten“, damit die Bilder exakt übereinandergelegt werden. Schließen Sie das Fenster dann mit Mausklick auf „OK“.

Dialog HDR zusammenfassen

Nach kurzer Verarbeitungszeit öffnet sich das Dialogfenster „Zu HDR Pro zusammenfügen“. Hier haben Sie verschiedene Möglichkeiten zur Bildoptimierung. Wenn Sie die Einstellungen nicht selbst vornehmen möchten, können Sie eine der Voreinstellungen nutzen, die Photoshop bereits integriert hat. Klicken Sie dafür auf das Textfeld hinter „Vorgabe“ und wählen Sie einen Bildstil aus der sich öffnenden Aufblendliste. Für eine sonnige Landschaft mit blauem Himmel eignen sich beispielsweise „Stärker gesättigt“ und „Fotorealistisch“. Eigene Einstellungen können Sie für weitere Verwendungen speichern, in dem Sie auf das Listensymbol hinter der Aufblendliste klicken und „Vorgabe speichern …“ wählen.

HDR Vorgaben

Es ist möglich, dass in Bildern Ihrer Belichtungsreihe Details durch die Bewegung von Objekten leicht abweichen. Beispielsweise bewegen sich Bäume oder Pflanzen im Wind. Um diese Abweichungen zu entfernen, aktivieren Sie die Checkbox vor „Geisterbilder entfernen“. Photoshop berechnet das Bildergebnis automatisch neu.

Geisterbilder entfernen

Danach legen Sie in der Aufblendliste neben „Modus“ die Bitrate fest, mit der das HDR-Bild gespeichert werden soll. Wählen Sie bevorzugt den 16-Bit-Modus, der die meisten Bildinformationen erhält. Der 32-Bit-Modus hat zwar einen sehr großen Helligkeitsumfang, der jedoch durch die meisten Ausgabegeräte nicht dargestellt werden kann. Wenn Sie weitere Einstellungen selbst vornehmen möchten, wählen Sie aus der Aufblendliste rechts neben den Bit-Einstellungen „Lokale Anpassung“. Die Option „Histogramm angleichen“ versucht automatisch die richtige Belichtung zu finden. Mit „Belichtung und Gamma“ können Sie nur die Belichtung und den Kontrast steuern und „Lichterkomprimierung“ halbiert die HDR-Helligkeitswerte ohne eigene Anpassungsmöglichkeiten.

Wenn Sie „Lokale Anpassung“ gewählt haben, können Sie das endgültige Bildergebnis selbst über verschiedene Schieberegler steuern. Mit dem Regler unter „Leuchtkonturen“ legen Sie beispielsweise fest, wie stark Konturen betont werden sollen. Den Umfang des Leuchtens regulieren Sie durch Verschieben des Reglers unter „Radius:“. Für die Erhöhung oder Verringerung des Konturenkontrastes bewegen Sie den Regler unter „Stärke:“.

Leuchtkontuen definieren

Über den Schieberegler „Gamma:“ unter „Farbton und Detail“ passen Sie den Bildkontrast an. Der Kontrast wird größer, je weiter Sie den Regler nach rechts verschieben. Die Bildschärfe verbessern Sie mit Hilfe des Reglers unter „Detail:“ und Belichtungskorrekturen nehmen Sie durch Verschieben des Reglers unter „Belichtung:“ vor.

Farbton und Details

Feinere Belichtungs- und Farbeinstellungen nehmen Sie mit den Reglern in der Registerkarte „Erweitert“ vor. Über „Tiefen:“ und „Lichter:“ passen Sie die Werte für die dunklen und die hellen Bildbereiche separat an. „Dynamik:“ und „Sättigung:“ helfen Ihnen bei der Farbanpassung.

Belichtungs- und Farbeinstellungen

Als versierter Photoshop-Anwender können Sie die Einstellungen für die Farben und die Bildhelligkeit auch in der Registerkarte „Gradationskurve“ durch Verschieben und Verformen der Kurve vor dem Histogramm einstellen. Änderungen der Kurve können Sie jederzeit mit Klick auf das runde Pfeilsymbol rechts unten im Dialog rückgängig machen.

Gradiationskurve

Wenn Sie mit Ihren Einstellungen zufrieden sind, beenden Sie den HDR-Dialog mit Mausklick auf „OK“. Dadurch konvertiert Photoshop Ihre Datei in die gewünschte Farbtiefe. Dieser Vorgang kann einige Sekunden dauern und durch das aufklappende Dialogfenster „Zu HDR zusammenfügen“ kontrolliert werden.

HDR zusammenfügen

Danach wird Ihr HDR-Bild automatisch auf der Arbeitsfläche von Photoshop geöffnet und Sie haben die Möglichkeit, das Bild weiterzubearbeiten oder die Arbeit durch Speichern zu beenden.

Resultat HDR Bild

So erstellen Sie ein unechtes HDR-Bild

Wenn Ihnen keine Belichtungsreihe zur Verfügung steht, haben Sie die Möglichkeit, ein Bild mit HDR-Wirkung mit Hilfe des Werkzeugs „HDR-Tonung“ aus einer einzigen Datei zu erstellen. Öffnen Sie dazu ein geeignetes Bild und klicken Sie anschließend auf „Bild“ -> „Korrekturen“ und „HDR-Tonung…“. Im sich öffnenden Dialogfenster „HDR-Tonung“ stehen Ihnen dieselben Funktionen zur Verfügung wie im „echten“ HDR-Werkzeug, jedoch werden Sie mit dieser Methode nicht ganz denselben Dynamikumfang erreichen.

Photoshop Dialog HDR Tonung

Sofern Ihre Kamera die Aufnahme von Bildern im RAW-Format zulässt, können Sie mit dem in Photoshop integrierten Konvertierungsprogramm „Camera Raw“ eine Pseudo-Belichtungsreihe erstellen, indem Sie ein Bild in drei bis fünf verschiedenen Belichtungsstufen, beispielsweise abgestuft von -3 bis +3,  mehrfach abspeichern.

Bild Belichtung ändern

Danach erstellen Sie aus Ihrer neuen Belichtungsreihe ein HDR-Bild mit Hilfe des Werkzeugs „Zu HDR zusammenfügen…“.

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