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Bild: “Somebody PLEASE Pick Up That Phone!” von Pete. Lizenz: CC BY 2.0

Schweißnasse Hände und das Gefühl, vor Angst gleich die Nerven zu verlieren – vor Publikum zu reden, ist nicht einfach. Die Neugier wecken, die Spannung aufrecht erhalten und Fakten sachkundig vermitteln: Selbst Profis haben immer wieder Lampenfieber. Aber auch andere Gesprächssituationen können ein Problem sein. Um sich durchzusetzen und seinen Standpunkt deutlich zu machen, benötigt man oft Hilfe von außen. Christine Naber-Blaess, Expertin für stressfreies Reden und Business Talk, gibt rhetorische Nachhilfe.

Frau Naber-Blaess, Sie betreiben einen Rhetorik-Blog und sind Kommunikationstrainerin. Können Sie vielleicht kurz Ihren beruflichen Werdegang erläutern? Was fasziniert Sie an den Themen Rhetorik und Kommunikation?

Nachdem ich als Bankkauffrau in der Kundenberatung von Privat- und Geschäftskunden gearbeitet habe, sowie die Bilanzen von Unternehmen analysiert habe, merkte ich, dass meine Stärke im Umgang mit Kunden und im einfachen Erklären komplexer Sachverhalte liegt.

Schon während des Studiums faszinierten mich die Hintergründe der Kommunikation und des sozialen Miteinanders: Meine Magisterarbeit schrieb ich über Redeängste.

Mit meiner selbständigen Tätigkeit begann ich zunächst nebenberuflich, bis ich dann 2007 den vollständigen Schritt in die Selbständigkeit wagte.

Als Trainerin für Business Talk bringen Sie Anderen bei, sich auszudrücken und zu präsentieren. Was sind die größten Schwächen bei Anfängern, die Sie immer wieder beobachten? Wie helfen Sie dann denjenigen, diese Schwächen abzulegen?

Die Schwachpunkte, die ich bei Business-Gesprächen und Präsentationen erlebe, sind so vielfältig wie die Menschen, die daran beteiligt sind. Meist werden verschiedene Aspekte der Vorbereitung oder der Rede-Situation nicht ausreichend berücksichtigt – das führt dann zu Unzufriedenheit über das Resultat.

Nehmen wir als Beispiel eine Selbständige, die nach Ihrem Honorarsatz gefragt wird: Sie will Ihre Arbeit nicht zu günstig verkaufen und dementsprechend einen hohen Honorarsatz veranschlagen, ist aber zu unsicher. Im Inneren tauchen dann die „Eigentlich“-Gründe auf, mit denen sie sich selbst boykottiert. Solche Selbstgespräche laufen dann ungefähr so ab:

„Eigentlich ist es von mir unverschämt diesen Preis zu verlangen, obwohl andere nur für einen Bruchteil davon arbeiten. Eigentlich kann ich noch nicht genug und bräuchte noch die x-te Weiterbildung.“

Solange sie nicht mit sich und ihrem Honorarsatz im Reinen ist, so lange wird sie überhaupt kein Honorar überzeugend vertreten, egal wie hoch oder niedrig dieses ist.

Weitere Aspekte, die sich gravierend auf die Qualität eines Gesprächs oder einer Präsentation auswirken, sind die fehlende konkrete Zielsetzung, das unzureichende Hineinversetzen in den Gesprächspartner bzw. das Publikum oder mangelnde Selbstsicherheit, die sich verheerend im Business auswirken können.

Meine Trainings und Beratungen basieren auf der Kommunikations- und Sozialpsychologie. Eine konkrete Redesituation aufzuarbeiten hilft zu verstehen, warum diese schiefgelaufen ist. Dieses Verständnis für die psychologischen Zusammenhänge in Gesprächen oder zwischen Vortragendem und Publikum helfen bereits ungemein.

Wenn eine Frau zum Beispiel versteht, dass sie bei ihrem Fachvortrag nicht als Expertin akzeptiert wurde, weil sie in „Kleinmädchen-Haltung“ dastand, hilft ihr das weiter, weil sie nun die Baustelle kennt, an der sie weiterarbeiten kann.

Bei Ihnen geht es häufig um Bewerbungsgespräche. Sie als Expertin müssen es wissen: Was ist der ultimative Ratschlag für ein Vorstellungsgespräch?

Es gibt leider nicht den ultimativen Tipp, mit dem ich allen Menschen helfen kann, ganz einfach, weil jeder Bewerber einen anderen Hintergrund und dementsprechend eine andere Schwachstelle in der Vorbereitung und seinem Auftreten hat.

Als Generalprobe vor dem Vorstellungsgespräch empfehle ich oft, die Sichtweise zu wechseln. Nämlich zu schauen, ob ich in der Rolle des Personalverantwortlichen von mir als Bewerber begeistert wäre:

  • Was ist ihm wichtig? (Persönliche, fachliche und soziale Kompetenzen des Bewerbers)
  • Welches Image muss der neue Arbeitnehmer in dieser Firma verkörpern?
  • Welche Argumente hat er dann in der Hand?

Haben Sie einen Tipp für unsere Leser? Was hat es zum Beispiel mit dem Lampenfieber auf sich?

Der wichtigste Tipp für Ihre Leser: Beschäftigen Sie sich rechtzeitig, d.h. am besten bereits Wochen vorher mit Ihrem Lampenfieber! Lampenfieber kommt selten aus heiterem Himmel angeflogen. Meistens wissen wir genau, dass wir zum Beispiel Präsentationen fürchten.

Wenn es uns dann doch erwischt und wir eine Präsentation halten müssen, dann verschieben wir diese Vorbereitung bis auf den letzten Drücker und der Text wird nur 1-2 Mal geübt. Um unser Lampenfieber kümmern wir uns gar nicht oder wir stellen es vorübergehend mit Selbstlügen ruhig wie „Wird schon nicht so schlimm werden!“. Natürlich wird es dann doch schlimm, weil wir uns nämlich nicht ausreichend mit uns, unserer Einstellung und unseren Gedanken beschäftigt haben.

Lampenfieber hat für uns alle zwar sehr unangenehme Symptome, aber letztendlich will uns unser Lampenfieber helfen und uns etwas sagen. Diese Aussagen können wir wunderbar nutzen, um uns adäquat vorzubereiten. Das braucht aber etwas Zeit. Der richtige Umgang mit dem Lampenfieber ist keine 5-Minuten-Terrine…

C_Naber-Blaess_Expertin fuer stressfreies RedenChristine Naber-Blaess ist Expertin für Kommunikation und bietet Seminare zu den Themen stressfrei Reden, Lampenfieber und Business Talk. Sie ist außerdem Autorin und betreibt die Blogs stressfrei-reden und redeangst. Ihr neues Buch „Souverän und sicher bei Akquise und Verkauf. Ein Trainingsbuch für Solo-Selbständige und Existenzgründer“ ist soeben erschienen.

Wenn Sie noch mehr über die Themen Rhetorik und Lampenfieber wissen möchten, lesen Sie auch das Interview mit Rüdiger Vogel: „Damit das Publikum nicht einschläft: Präsentationstechniken und warum Lampenfieber willkommen ist“

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