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Dennis Voltz, der für den Blog hauptsache-bildung.de schreibt, hat einen Gastbeitrag für Blogturio verfasst:

Immer mehr freie Online-Kurse, immer mehr E-Learning Angebote, immer mehr Webinare, immer größere MOOCs – all das sind Entwicklungen, die zeigen, dass das Internet die Bildungslandschaft verändert. Aber das ist erst der Anfang. Es sind vor allem drei Gründe, warum sich nicht nur Bildung, sondern das Lernen an sich fundamental verändern wird.

… weil sich die Gesellschaft „digitalisiert“

Die sogenannten „digital natives“ wachsen in einer sich stetig weiter vernetzenden Welt auf. Neben den Möglichkeiten, die die mobilen Technologien zum Lernen bieten, wird insbesondere die Vernetzung der Endgeräte ein immer wichtigerer Faktor für den eigenen Lernprozess (Quelle: Studie der TU Graz). Man kann nicht nur an jedem beliebigen Ort lernen, sondern gemeinsam mit anderen. Ein Vorzeigebeispiel ist die OpenSource-Community. Viele Entwickler arbeiten nach Feierabend an diesen Projekten und lernen dabei als Autodidakt. Aber sie teilen ihr Wissen über Foren und Plattformen und erzeugen so einen gigantischen Pool an Know-How in diesem Bereich. Damit entwickeln sie z.Bsp. komplexe Software wie Betriebssysteme, Browser und Apps.

Allgemein kann man zwischen sozialem und klassischem Lernen unterscheiden. Soziales Lernen ist ständiges, selbstorganisiertes Lernen. Es benötigt keinen formellen Rahmen wie Unterrichtsräume oder Lehrpersonal und geschieht entweder aus beruflichem oder privatem Interesse. Wer etwa eine Fremdsprache lernt, weil er diese Sprache im Urlaub benötigt, tut dies aus eigenem Antrieb. Darüber hinaus gibt es das klassische Lernen, wie wir es aus unserer eigenen Schulzeit kennen. Das Lernen folgt einem konkreten Lehrplan, der Stoff wird von einer Lehrkraft vermittelt und die Fragen werden vorgegeben. Jedes dieser beiden Lernformate hat seine Vorzüge und bei beiden kommen vermehrt digitale Technologien zum Einsatz (Quelle: Uni Paderborn).

… weil das Lernen individueller und angewandter wird

Das klassische Lernen, also das schulische Lernen, bleibt auch die nächsten Jahre weiter bestehen – kein Zweifel. Verfolgt man Bildungsdebatten zu diesem Thema, wird aber bereits deutlich, dass der Frontalunterricht und das reine Bücherstudium Erben vorangegangener Generationen sind und derzeit sehr kritisch hinterfragt werden. Eine begrüßenswerte moderne Erkenntnis ist, dass Unterrichtsmaterial und Lehrmittel auf die unterschiedlichen Voraussetzungen der Lernenden eingehen müssen (Quelle: Uni Düsseldorf). Sie müssen individuell angepasst werden und zugleich eine bestimmte Methodenvielfalt zulassen. Besonders sticht hierbei das Konzept des „flipped classrooms“ heraus. Demzufolge sollen Lehrer nicht länger als Experten, Quelle des Wissens oder Vermittler dienen, sondern als Begleiter des Lernenden. Das dieses Konzept auch an der Hochschule funktionieren kann, zeigen die didaktischen Experimente von Prof. Dr. Christian Spannagel (Quelle: Blog).

Auch im Beruf wird vielen Menschen eine große Flexibilität in Bezug auf neues Wissen abverlangt. Einige müssen sich autodidaktisch in neue Bereiche einarbeiten, andere bekommen Unterstützung durch ein Team, und wieder andere besuchen regelmäßig Weiterbildungen. Fakt ist: Wir müssen(!) ständig lernen und uns weiter entwickeln, um nicht den Anschluss zu verlieren. Das klingt stressiger als es tatsächlich ist. Denn viele wollen sich freiwillig weiterentwickeln, beruflich erfolgreich sein, Wissen aufbauen und eine gewisse Expertise gewinnen.

 … weil es bald viel mehr Lernformate geben wird

Wie viele Generationen haben ausschließlich mittels Büchern gelernt? Dieses Lernmedium ist so erfolgreich, dass es kaum mehr hinterfragt wird. Doch Bücher sind für bestimmte Lernanforderungen nicht flexibel genug. Wissen muss stetig überprüft, ergänzt und erneuert werden. Texte auf Bildschirmen sind leicht veränderbar, können von mehreren Autoren gleichzeitig bearbeitet und von Lernenden geteilt und verfügbar gemacht werden.

Die Potenziale des Internets und die Angebote an digitalen Lernmedien sind noch lange nicht ausgeschöpft. Bisher entwickelt sich der Markt jedoch zögerlich, weil wirtschaftlich attraktive Geschäftsmodelle fehlen (Sprachplattformen sind bereits sehr erfolgreich in diesem Bereich). Aber es ist deutlich erkennbar, dass digitale Lernmedien durchaus mit den klassischen Schulbüchern mithalten können. Ja, sie sogar übertreffen. Denn während im Schulbuch nur Text und Bild möglich ist, können digitale Lernmedien mit Videos, Animationen, Simulationen und Live-Chats ein viel umfassenderes Repertoire an Unterrichtsmaterial bieten.

Leider ist das Wissen über die Möglichkeiten neuer Technologien im Unterrichtsbereich noch nicht sehr verbreitet (Quelle: klarkreativ.de). Prof. Dr. Gerd Mannhaupt von der Uni Erfurt hat gezeigt, wie man die neuen Medien behutsam im Vorschulbereich einsetzen kann. Das Lernangebot ist hierbei eng an die Lernentwicklung des Kindes angepasst (Quelle: Uni Erfurt)

Fazit

Es sind vor allem drei Dinge, die das Lernen in Zukunft weiter prägen werden: (1) Die „digitalisierte“ Gesellschaft und eine Generation von jungen Menschen, die in einer vernetzten Welt aufwachsen, werden Wissen in einem solchen Maße zur Verfügung haben, wie keine Gesellschaft vor ihr. (2) Die Pädagogik wandelt sich vom Massenunterricht zum spezialisierten Bildungsangebot. Individuelle Lernpläne, Micro-Learning und sofort anwendbares Wissen werden eine immer größere Rolle spielen. (3) Lernen wird nicht länger auf ein Medium beschränkt bleiben. Es entstehen derzeit so viele Technologien, die sich auch im Bildungsbereich sinnvoll einsetzen lassen.

 

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