Begriffe wie Burnout und Stress werden immer wieder in aktuellen Debatten um betriebliches Gesundheitsmanagement diskutiert und auch auffällig häufig unhinterfragt in den Raum gestellt. Dabei sind Folgen psychischer Erkrankungen im Berufsalltag und vor allem die Gründe für Burnout gesellschaftlich oft ein weiterhin tabuisiertes Thema. Die Bertelsmann Stiftung hat in Zusammenarbeit mit der sciencetransfer GmbH Switzerland eine Studie durchgeführt, die gerade mit diesem Tabu bricht und fragt, inwiefern das soziale Umfeld der Arbeit und das Handeln der Führungskräfte zur Prävention eines Burnouts der Mitarbeiter beitragen kann und sollte.
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Mann sitzt allein mit Laptop auf Stuhl und stützt Kopf auf

Bild: “Berlin Buzzwords 2015 – Tag 2” von newthinking communications. Lizenz: CC BY-SA 2.0


Die Zahl psychischer Erkrankungen steigt.

Allein in den vergangenen 7 Jahren ist die Anzahl der Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen um mehr als 97 % angestiegen, so die Angaben der Infoseite für psychische Gesundheit in der Arbeitswelt (psyGA). Psychische Erkrankungen sind zudem in relativer Hinsicht immer eher Verursacher für Arbeitsunfähigkeit und sind am häufigsten verantwortlich für Frühverrentungen.

Burnout – paradoxer Begriff und neuzeitliches Phänomen?

Burnout beschreibt im Wörtlichen ein Gefühl des „Ausgebranntseins“. Die Gesellschaft für Betriebliche Gesundheitsförderung BGB definiert Burnout als „psychovegetativer Erschöpfungszustand infolge eines chronischen meist beruflichen Ungleichgewichts zwischen Belastungen und Gesundheitspotenzialen wie z.B. Anerkennung.“

Bereits hier wird ersichtlich, dass dauerhafte Überbelastung im Beruf bei gleichzeitiger mangelnder sozialer Anerkennung und Unterstützung zu körperlicher und psychischer Einschränkung führen kann. Benutzt wurde der Begriff des Burnouts erstmals 1973 vom Psychoanalytiker Herbert Freudenberger. Gründe für Gereiztheit, Erschöpfung und körperliche Beeinträchtigung und dadurch resultierende Krankschreibungen, Arbeitsunfähigkeit und Frührenten erkannte der Wissenschaftler bereits damals in der hohen Arbeitsbelastung.

Auch heute noch sehen Experten einen Hauptgrund des hohen Aufkommens psychischer Krankheiten in der gewachsenen Stressbelastung; aber auch in der höheren Sensibilität für psychische Symptome. In Fällen, in denen heutzutage bereits die psychosoziale Belastung eines Patienten als Krankheitsbild beschrieben wird, wurden vormals allein die körperlichen Spätfolgen diagnostiziert.

Aufschluss über persönliche, arbeitsbezogene oder klientelbezogene Burnouts

Durch die Analyse von Gesundheitsscreenings in einem Pharmaunternehmen erhoffte sich die sciencetransfer GmbH Switzerland Rückschlüsse zu sozialen Gründen für Burnout und zu möglichen Strategien, mit denen Führungskräfte Burnouts verhindern könnten. Seit 2006 wurden in vier aufeinanderfolgenden Jahren in etwa 500 Online-Befragungen durchgeführt. Teilgenommen haben Führungskräfte, die auch selbst geführt werden, wobei sich die 250 Fragen über mehr als 20 gesundheitliche Themenfelder erstreckten.

Das Besondere an der Studie: gemessen wurde nach dem Copenhagen Burnout Inventory (CBI), der neben dem persönlichen Burnout auch Aufschluss über arbeitsbezogene oder klientelbezogene Burnouts geben kann. Letztere werden über Kontakte zum Beispiel zu Vorgesetzten, Kollegen, Partner, Familie und Freunden definiert.

Für diese Studie ist insbesondere die soziale Unterstützung durch den Vorgesetzten im Zusammenhang mit Faktoren des arbeitsbezogenen Burnouts relevant.

Die soziale Unterstützung durch einen Vorgesetzten kann in dreierlei Hinsicht erfolgen:

  1. Instrumentelle Hilfe (z.B. Informationen angemessen weitergegeben, materielle Unterstützung)
  2. soziale Unterstützung (Entgegenbringen von Anerkennung, Vermitteln eines Zugehörigkeits- oder auch Sicherheitsgefühl)
  3. Präsenz und Erreichbarkeit des Vorgesetzten (effektiv zur Verfügung und auf Abruf bereit stehen)

Das arbeitsbezogene Burnout wurde anhand verschiedener Items analysiert. Erfragt wurde beispielsweise die Erschöpfung und Frustration nach der Arbeit oder auch das Ermüdungsgefühl, das sich bereits vor dem Arbeitstag einstellt.

Aus beiden Merkmalen, arbeitsbezogenem Burnout und klientelorientiertem Burnout ergab sich ein Index, der einmal auf kurze Frist, einmal auf lange Frist hin ermittelt und somit die Burnout-Gefährdung analysiert wurde.

Ergebnis in einem Befragungszeitraum war, dass „Manager, die einen 20 % höheren Vorgesetzten-Support als eine Vergleichsperson bekommen, haben 10 % niedrigere Burnout-Werte als die Vergleichsperson mit schlechterem Support.“ Langfristige Auswirkungen jedoch, nämlich dass eine Unterstützung durch den Vorgesetzten zum Zeitpunkt 1 noch eine Auswirkung auf die Verhinderung eines Burnouts in späteren Jahren hat, wurden nicht festgestellt.

Soziale Unterstützung im Unternehmen

Folglich erscheint umso wichtiger, dass soziale Unterstützung sowohl in emotionalem als auch instrumentellem Rahmen immer und regelmäßig zur Verfügung gestellt wird und Führungskräfte die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter kennen und auch erfüllen. Nur so kann immer wieder aufs Neue die Gesundheit der Mitarbeiter gesichert werden.

Literatur

psyGA – ein Angebot der Initiative Neue Qualität der Arbeit: Psychische Gesundheit via psygo.info

sciencetransfer & Bertelsmann Stiftung: Der soziale Aspekt von Burnout via dg-pg.de

BGF Gesellschaft für betriebliche Gesundheitsförderung: Dokumentation Erschöpfung – Burnout. via bgf-berlin.de

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