Matthias Baumann hat vieles erreicht, wovon andere nur träumen. Stetig schafft er es sich neue Ziele zu setzen und Herausforderungen zu bezwingen. Doch im Mittelpunkt seiner Aktivitäten steht nicht bloß die Verwirklichung seiner Träume - vielmehr hilft er denen, die Unterstützung dringend nötig haben.
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das ist ein bild vom mount everest

Bild: “Kathmandu , Nepal,Himalayas,Everest” von ilkerender. Lizenz: CC BY 2.0


Ein Siegertyp mit Bodenhaftung

Er ist ausgebildeter Unfallchirurg, bekleidet in der BG-Klinik in Tübingen die Stelle eines Oberarztes, ist Teamarzt der deutschen Radnationalmannschaft und darüber hinaus Höhenmediziner und Notarzt im alpinen Rettungshubschrauber – die berufliche Vita des 1971 geborenen Dr. Matthias Baumann ist eindrucksvoll.

Seine sportlichen Erfolge sind ebenfalls beachtlich: Baden-Württembergischer Landesmeister im Ringen, Finisher des Ironman-Triathlon und die Teilnahme an verschiedenen Extremsportwettkämpfen kann er vorweisen, außerdem die Ausbildung zum Hochtourenführer des Deutschen Alpenvereins.

Baumann hat weltweit diverse 7000ern und 8000ern bestiegen. Zweimal war er schon am Mount Everest – beide Male, ohne den Gipfel zu erreichen. 2011 war seine zweite Sauerstoffflasche unbefüllt, so dass er umkehren musste.

2014 befand er sich im Basislager, als 16 Sherpas am frühen Morgen von einer Lawine in den Tod gerissen wurden. Baumann besuchte alle Familien, die gerade ihr Oberhaupt im ewigen Eis verloren hatten. Er gründete die Everest Sherpa Foundation, um den Hinterbliebenen zu helfen. Für sein humanitäres Engagement dankte ihm Bundespräsident Joachim Gauck persönlich.

Leidenschaft ist der Hauptmotor in Sachen Motivation

Er sei, so Baumann, schon immer ein aktiver Typ gewesen, vielleicht stecke das in seinen Genen. Für ihn ist Motivation etwas, das sich aus Leidenschaft und Begeisterung entwickelt. Und die entsteht aus positiven Erfahrungen. Was treibt einen wie Matthias Baumann an?

„Beim Bergsteigen ist es die Kombination aus unglaublichen Naturerlebnissen und die Kameradschaft, die ich dabei weltweit erlebe. Es ist außerdem spannend, ganz verschiedene Kulturen kennen zu lernen.“ Dass nicht jeder verstehen kann, warum er auf einen riesigen Steinhaufen nach dem anderen klettert und dafür Risiken in Kauf nimmt, kann der Tübinger aber trotzdem gut nachvollziehen.

Jeder bringt andere Voraussetzungen mit. Ich finde es sehr schön, wenn Menschen eine Leidenschaft für eine Sache entwickeln, egal ob sie Geige spielen, malen oder auf Berge steigen. Wenn man mit Emotion dabei ist, hat man eine intensive Wahrnehmung.

Das eigene Wachstum erleben

Seine sportliche Motivation entspringt aus dem Bewegungsdrang, den Baumann verspürt, der Ausgeglichenheit, die sich durch körperliche Aktivität bei ihm einstellt. „Ich hatte viele positive Momente im Sport, schon als Kind, das ist sicher prägend. Es reizt mich, immer besser zu werden, den eigenen Körper intensiv zu spüren.“

Beim Gedanken ans Älterwerden und die Grenzen körperlicher Leistungsfähigkeit, hält der Sportler es für wichtig, nicht aufzugeben.

Mit 70 auf dem körperlichen Niveau eines 50jährigen zu sein – das ist auch Weiterentwicklung!

Und beruflich? Die Arbeit in der Chirurgie sei eine motorische Fähigkeit, etwas, dass man trainieren kann und muss, um besser zu werden. „Ich will mich weiterentwickeln, immer etwas dazu lernen. Nicht für Andere, sondern für mich. Es bereitet mir einfach Freude, meinen Zuwachs an Fähigkeiten zu erleben.“

Der Schlüssel zum Erfolg heißt Durchhaltevermögen

Was man wirklich will, das findet man durch Ausprobieren und Neugierde heraus, meint der 43jährige. Da spielen die zufälligen Begegnungen im Laufe eines Lebens eine wichtige Rolle, insbesondere die Eltern, Lehrer und Freunde, wenn man noch jung und auf der Suche ist: Über sie kommt man mit Themen und Aktivitäten in Berührung, kann sich daran versuchen.

„Im Ausdauersport hat man es dann selbst in der Hand,“ erklärt Baumann, „körperliche Gesundheit vorausgesetzt. Man kann ganz allein entscheiden, wie gut man werden will, wieviel man investiert.“ Im Beruf, wo man von anderen abhängig ist, hat aber auch der Unfallchirurg schon Durststrecken erlebt. „Dann muss man sich an seine Begeisterung halten, dran bleiben! Das habe ich schon in meiner Kindheit und Jugend im Sport gelernt.“

Im Herzen sei er nach wie vor ein Ringer: „Kampfsportarten spiegeln das Leben – du wirst von irgendeinem aufs Kreuz gelegt, und dann heißt es aufstehen, weitermachen!“ Nicht alles gleich wieder hinschmeißen, rät Baumann: Wenn man dran bleibt, Hindernisse überwindet, dann lehrt einen die Erfahrung.

Mit dem Wissen, dass es weiter geht, ist die nächste Durststrecke nicht mehr so schlimm. Sollte es doch einmal gar nicht mehr voran gehen, dann muss man an anderer Stelle anpacken.

Jemand besonderes ist man nicht, das wird man

Das Lieblingszitat von Dr. Matthias Baumann stammt vom ersten Mann auf dem Gipfel des Mount Everest, Edmund Hillary:

Man muss kein fantastischer Held sein, um bestimmte Dinge zu erreichen. Man kann ein normaler Kerl sein, der ausreichend motiviert ist, um Herausforderungen zu meistern.

Aus eigener Erfahrung weiß der Mediziner, dass auch riesige Hindernisse überwindbar sind. „Ich finde nicht, dass man alles schaffen kann, was man will. Aber man kommt schon recht weit, wenn man sich durchbeißt. Der Geist will, fokussiert sich auf ein Ziel und der Körper folgt. Da ist schon viel Wahres dran – es bringt einem dem Ziel zumindest nahe, wenn man es manchmal auch nicht ganz erreicht.

Dass Hillary als Erstbezwinger des höchsten Berges der Welt nicht gerade das Paradebeispiel eines Durchschnittsmenschen ist – so wenig wie Matthias Baumann – will Letzterer gar nicht hören. „Man sollte nicht der Beste sein wollen, es gibt immer jemanden, der noch besser ist.“ Und außerdem:

„Wenn man jemanden auf dem Siegertreppchen stehen sieht, muss einem klar sein: Das sind keine Wundermenschen! Gut – im Hochleistungssport ist die Voraussetzung, mit den richtigen Genen ausgestattet auf die Welt gekommen zu sein. Trotzdem, auch der Olympiasieger musste dafür hart arbeiten. Er ist als ganz normaler Mensch gestartet, und durch das, was er getan hat, außergewöhnlich geworden.“

Für Baumann persönlich bedeutet Erfolg ohnehin nichts materiell Messbares. „Erfolg ist, auf sein Leben zurückschauen zu können und zufrieden sein. Man hat Karriere gemacht und war erfolgreich, wenn man sich darüber freut, dass man mit sich, mit dem was man getan hat und wie man mit seinen Mitmenschen umgeht, zufrieden sein kann.“

Angst ist dein Freund

Vor dem Leben hat der gebürtige Albstädter keine Angst. Er habe eine Menge anderer Kulturen gesehen, und das habe sehr dazu beigetragen, in dieser Hinsicht ruhiger zu werden. „Alles relativiert sich. Deutschland ist eines der besten Länder der Welt. Allein hier geboren zu sein ist schon ein Anlass, sich nicht allzu sehr zu fürchten, wenn man gesehen hat, wie andere Menschen teilweise leben.“

Das Reisen mache einen offener und gelassener gegenüber den alltäglichen Widrigkeiten des Lebens; Ängste blockieren, meint Baumann. Etwas Furcht aber ist wichtig: „Angst ist dein Freund. Sie lässt dich wacher werden, macht dich vorsichtiger. Und durch sie hat man ein intensiveres Erleben, Erinnerungen, die deutlicher und klarer sind.“

Deutlich vor Augen hat er aber auch nach wie vor die Verletzten und Toten, die vor einem Jahr in das größte Unglück in der Geschichte des Mount Everest verwickelt wurden: Am Khumba-Eisfall löste sich am 18. April 2014 ein riesiger Eisbrocken und riss 16 Sherpas mit in den Tod.

Einsatz für Andere

Im März diesen Jahres reiste der Tübinger in Begleitung des SWR nach Nepal, um die Familien zu treffen, denen er im vergangenen Jahr bereits begegnet war. Im Gepäck: 100.000 Euro Spendengelder.

Er hat aber nicht nur Bargeld an die Familien verteilt, sondern vor allem dafür gesorgt, dass alle Kinder die Schule besuchen können. Mit der Einrichtung von Patenschaften ist nun sichergestellt, dass die Jungen und Mädchen ihre schulische Ausbildung abschließen können.

Trotz allem überwiegt für den Bergsteiger das Positive seines liebsten Hobbys. Wird er den höchsten Gipfel der Welt noch einmal in Angriff nehmen?

Der Mount Everest bleibt der Mount Everest, er zieht einen an.

Der Traum bleibt. Die Stiftung auch. „Wir werden weiter Spenden sammeln, man kann gar nicht genug helfen. Das Schulgeld ist zwar bezahlt, aber die finanzielle Unterstützung zur Finanzierung des täglichen Lebens ist für die Familien weiter notwendig. Außerdem könnten wir mit mehr Geld den Kindern eine bessere Bildung zukommen lassen.“

Baumann, der über seine Erlebnisse am Mount Everest auch Vorträge hält, hat außerdem mit den Sherpas vereinbart, die Hilfe auszuweiten: Den Familien, die in diesem oder den kommenden Jahren ihren Ernährer durch ein Unglück am Everest verlieren, möchte er Unterstützung anbieten.

Es wäre so unfair, nur denen zu helfen, die bei diesem großen Unglück ihre Männer und Väter verloren haben. Da war das öffentliche Interesse natürlich groß – aber nach wie vor sterben jedes Jahr Sherpas am Mount Everest.

Aktuell ist Dr. Matthias Baumann nach Nepal gereist, um nach dem verheerenden Erdbeben als Unfallchirurg vor Ort zu helfen. Ein neues Hilfsprojekt hat er ebenfalls eingerichtet. Weitere Informationen zu seinen Reisen und Unterstützung der Sherpas finden Sie auf seiner Webseite. Für die Unterstützung der getöteten Sherpas wurden zwei Spendenkontos eingerichtet. Ersteres dient den Opfern des Erdbebens, das Zweite deren Angehörigen:

Himalayan Project e.V.
Kreissparkasse Biberach
IBAN DE82 6545 0070 0007 8203 31
BIC SBCRDE66
Kennwort: „Erdbeben Opfer“
Himalayan Project e.V.
Kreissparkasse Biberach
IBAN DE45 6545 0070 0007 0581 89
BIC SBCRDE66
Kennwort: „Sherpa Lawinenopfer“


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5 Gedanken zu „Dr. Matthias Baumann – Hilfe für die Sherpas

  • Silke Im Wolde

    Lieber Matthias,

    wahnsinn ich habe gerade auf swr Fernsehen deinen Bericht gesehen. Ich bin hin und weg. Was du da alles geschaffen hast ist unglaublich. Dass du diesen menschen hilfst in ihrer Not unglaublich was du für eine Kraft hast. Es macht mich stolz und glücklich dass es solche Menschen gibt. Danke für diese Glückseligkeit die du mir heute Abend durch dein Tun geschenkt hast.
    Ich bin ein absoluter Fan. Zumal ich erst kürzlich das Buch das größere Wunder gelesen habe.

    Ich möchte dir einfach nur danken. Viele grüße Silke im Wolde aus Leinfelden

  • Matouschek Ellen

    wollte fragen wieviel € benötigt ein Kind als Patenschaft? Danke für die Auskunft Gruß Ellen

  • Elmar Schick

    Bitte teilen Sie mir die Adresse und das Spendenkonto von
    Dr. Matthias Baumann mit.

    Danke

    1. Maria Jaehne

      Hallo Herr Schick,

      die Spendenkonten sind diese hier:

      Himalayan Project e.V.
      Kreissparkasse Biberach
      IBAN DE82 6545 0070 0007 8203 31
      BIC SBCRDE66
      Kennwort: „Erdbeben Opfer“

      und

      Himalayan Project e.V.
      Kreissparkasse Biberach
      IBAN DE45 6545 0070 0007 0581 89
      BIC SBCRDE66
      Kennwort: “Sherpa Lawinenopfer”

      Viele Grüße,
      Maria Jähne von Lecturio.