Früher oder später steht sie im Raum, die Frage nach der Weiterbildung. Die Gründe, um noch einmal die Schulbank zu drücken, sind so unterschiedlich wie die Menschen selbst: neue Technik im Büro, beruflicher Aufstieg, Internationalisierung des Arbeitsmarktes, Umorientierung oder private Interessen und Neigungen — die Liste ist noch viel länger. Kürzlich hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) eine Studie zum Weiterbildungsverhalten der Deutschen herausgegeben. Wir stellen Ihnen heute die wichtigsten Ergebnisse vor.
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betriebliche weiterbildung

Bild: “Photo ID 92161” vonluxuz::. . Lizenz: CC BY 2.0


Der Adult Education Survey durchleuchtet die deutschen Weiterbildungsgewohnheiten

Der Adult Education Survey (AES) ist ein Projekt, das das Bundesministerium für Bildung und Forschung als Fortsetzung des jahrzehntealten Berichtssystems Weiterbildung initiiert hat. Seit 2007 wird der AES im Abstand von zwei bis drei Jahren in Deutschland durchgeführt und gibt Aufschluss über das Weiterbildungsverhalten der erwachsenen Bevölkerung.

Für die aktuelle Studie 2014 wurden 3.100 Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren mithilfe von CAPI-Interviews zu Ihrem Weiterbildungsverhalten der letzten 12 Monate befragt. Bei der Ergebnisdarstellung wird besonderer Wert auf Trends gelegt, um Entwicklungen der vergangenen Jahre aufzeigen zu können.

Allgemein unterscheidet die Studie drei Weiterbildungssegmente: die betriebliche, die individuell berufsbezogene und die nicht-berufsbezogene Weiterbildung. Im Fokus der Untersuchungen liegt jedoch die betriebliche Weiterbildung.

„Man lernt nie aus“ gewinnt an Bedeutung

Weiterbildung wird immer wichtiger  so könnte die Quintessenz der Studienergebnisse lauten. 51% der erwerbstätigen Deutschen haben an mindestens einer Weiterbildungsmaßnahme teilgenommen. Das ist der bisher höchste Wert im Vergleich zu den letzten Befragungen.

Davon nennen 46% eine Aktivität, ein reichliches Viertel zwei, ein weiteres drei bis vier Maßnahmen und 5% sogar mehr als fünf. Im Schnitt kommt das BMBF auf zwei Weiterbildungen pro Teilnehmer und Jahr — ein so hoher Wert wie nie zuvor. Zu 81% erfolgt dies, wie auch in den vorangegangenen Studien, aus beruflichen Gründen; der Rest hat private Interessen an der Weiterbildung.

Weiterbildung meint oft betriebliche Weiterbildung

Für diesen allgemeinen Anstieg der Weiterbildungsaktivitäten in Deutschland sind vor allem betriebliche Maßnahmen verantwortlich. Sie machen über zwei Drittel aller Weiterbildungen aus und erzielen mit 58% die höchste Beteiligung bei den Erwerbstätigen.

Ohnehin spielt der Erwerbsstatus eine entscheidende Rolle auf dem Weiterbildungsmarkt, da er den Zugang zu entsprechenden Maßnahmen bestimmt. Es ist nicht verwunderlich, dass Erwerbstätige (58%) und Personen in Ausbildung (54%) häufiger Weiterbildungen wahrnehmen als Arbeitslose (32%) oder sonstige nicht-erwerbstätige Personen (25%), weil sie keinen Zugang zu den betrieblichen Weiterbildungen haben.

Dieselbe Begründung gilt für das Studienergebnis, demzufolge sich Vollzeitarbeiter allgemein häufiger an Weiterbildungen beteiligen als Personen in Teilzeit (59% vs. 54%), weil sie öfters im Betrieb fortgebildet werden.

Auch die Betriebsgröße hat Einfluss auf das Weiterbildungsverhalten, und das nicht nur im Sinne betrieblicher Maßnahmen, sondern auch insgesamt, wie die folgende Grafik zeigt:

Hier wird deutlich: Je größer das Unternehmen, desto höher sind die Teilnahmequoten der abhängig Beschäftigten sowohl an betrieblichen Weiterbildungen als auch an allgemeinen. Darüber hinaus sind nahezu alle Werte seit 2010 angestiegen.

Demografische Aspekte bei der Weiterbildung

Keinen Unterschied gibt es übrigens bei der geschlechtsspezifischen Verteilung. Männer und Frauen nehmen insgesamt etwa gleich häufig an Weiterbildungen teil. Bei betrieblichen Maßnahmen haben die Herren die Nase vorn (40% vs. 34%), bei nicht-berufsbezogenen Berufen die Damen (15% vs. 10%).

Das beste Alter für Weiterbildungen hat man laut Studie zwischen 25 und 34 Jahren. In diesem Segment waren 58% der Befragten aktiv. Hier zeigt sich der größte Beteiligungszuwachs im Vergleich zu den Vorjahren. Sind die Generationen X und Y etwa zu Strebern herangewachsen? Vermutlich dient es vor allem dem Kickstart ins Berufsleben oder einem schnellen Aufstieg, solange das Familienleben es noch zulässt.

Die 35- bis 54-Jährigen kommen noch auf 53%, die Ältesten auf 39%. Die Altersgruppe der 18-24-Jährigen beteiligt sich zur Hälfte an Weiterbildungen.

Was wird wie lang gelernt?

Auch darauf hat der AES eine Antwort. Hier kommt es darauf an, welchem Zweck die Weiterbildungen dienen. Berufliche Weiterbildungen haben zu zwei Dritteln eine Dauer von mehreren Tagen, gefolgt von einigen Stunden (30)%, oder einem Tag (26%). Ein längerer Zeitraum ist hier selten. Im Gegensatz dazu dauern individuell berufsbezogene und nicht-berufsbezogene Weiterbildungen oft mehrere Monate (33%/38%). Der Durchschnitt liegt bei 36 Stunden.

Wenn es um Themen der Weiterbildungen geht, stehen „Wirtschaft, Arbeit, Recht“ (34%) und „Natur, Technik, Computer“ (23%) hoch im Kurs, gefolgt von gesundheitlichen und sportlichen Aktivitäten, „Sprachen, Kultur und Politik“ sowie „Pädagogik und Sozialkompetenz“.

Der Weg zur Weiterbildung: Fremdbestimmt, undurchsichtig, aber am Ende alles super

Bei den Erwerbstätigen unter den Befragten sind betriebliche Weiterbildungen im Übrigen zu 61% vom Chef verordnet – keine Überraschung, aber mit steigendem Wert im Vergleich zur letzten Befragung 2012 (53%). Demgegenüber ist die Selbstinitiative von 28% auf 23% zurückgegangen und der Vorschlag des Vorgesetzten zählt auch nicht mehr so viel (20% zu 26%).

Wenn die Entscheidung für eine Weiterbildung gefallen ist, folgt die Suche nach Informationen. Die beste Quelle ist das Internet (74%), mit Abstand folgt der Arbeitgeber (29%), dann Fachzeitschriften, persönliche Kontakte, externe Berater und die Medien. 61% der Befragten finden, sie haben einen guten Überblick über Weiterbildungsmöglichkeiten, 28% wünschen sich mehr Beratung, aber nur 8% haben auch eine solche wahrgenommen.

Und was hat’s gebracht? Sehr oder recht viel!, sagen ganze 89% der Befragten. Nur 10% meinen, sie können die erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten eher wenig nutzen, ein Prozent ist noch enttäuschter und meint: das war für die Katz‘.

Hier noch einmal die Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse:

So finden Sie die richtige Weiterbildung

Zeigen Sie mehr Selbstinitiative und überlegen Sie genau, welche Kenntnisse und Fähigkeiten Sie sich noch aneignen oder intensivieren wollen, und wie Sie eine Weiterbildung in Ihren Alltag integrieren können. Weiterbildung ist eine individuelle Sache, die sich nach Ihren Bedürfnissen richten soll und nicht umgekehrt. Wer eine passgenaue Weiterbildung macht, wird am Ende zufriedener mit den Lernerfolgen sein. Im beruflichen Umfeld kann man dadurch Engagement und Eigeninitiative beweisen.

Sich einen Überblick über Weiterbildungsmöglichkeiten zu schaffen, ist bei dem riesigen Weiterbildungsangebot gar nicht so einfach  gut, wenn da schon jemand vorsortiert, zum Beispiel die Stiftung Warentest. Auf Initiative des BMBF werden Angebote zur beruflichen Weiterbildung nach strengen Kriterien analysiert mit dem Ziel, den Weiterbildungsmarkt transparenter und qualitativ hochwertiger zu gestalten.

Und welche Weiterbildung soll es dann sein? Gehören Sie nicht zu den 92%, die keine Beratung wahrnehmen. Holen Sie sich Unterstützung! Seit Anfang diesen Jahres bietet das BMBF einen Telefonservice zur Weiterbildungsberatung an. Auch die Industrie- und Handelskammern sowie einige Stadtverwaltungen beschäftigen Berater, die Ihnen zur richtigen Weiterbildung verhelfen.

Diese Experten beraten Sie außerdem, wenn es um die Finanzierung der Weiterbildung geht, denn sicher kennen Sie nicht alle Möglichkeiten der Unterstützung für Ihre Weiterbildung. Vielleicht ist unter dem Meister-BAFÖG, der Bildungsprämie, Weiterbildungsstipendien, Bildungskrediten etc. das Richtige dabei, wenn Sie die Weiterbildung sonst selbst finanzieren müssten. Darüber hinaus sollten Sie sich über die Regelungen zum Bildungsurlaub in Ihrem Bundesland informieren, denn das unterscheidet sich von Ort zu Ort.

Quellen

Bundesministerium für Bildung und Forschung: Weiterbildungsverhalten in Deutschland 2014. AES 2014 Trendbericht. via BMBF

 

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Ein Gedanke zu „Betriebliche Weiterbildung: Nicht nur für Streber

  • Nadine Simon

    Wie steht betriebliche Weiterbildung wirklich da?

    Um genau diese Frage zu klären, haben sich bereits über 100 Unternehmen an der Studie „Stand der betrieblichen Weiterbildung“ beteiligt. Ziel ist es, die Qualität und Effektivität der betrieblichen Weiterbildung zu untersuchen. Anhand ausgewählter Fragen zu den Bereichen Bedarfsanalyse, Konzeption, Durchführung, Evaluation und Transfer werden die Maßnahmen herausgestellt, die die Qualität von betrieblicher Weiterbildung darstellen und zukünftig fördern.
    Durch die Ergebnisse der Studie wird es Ihnen ermöglicht Weiterbildungsmaßnahmen in Ihrem Unternehmen zielgerichteter zu selektieren, zu verbessern und somit unnötige Ausgaben zu vermeiden. Dies kann allerdings nur gewährleistet werden, wenn sich möglichst viele Personen, die für die betriebliche Weiterbildung in Unternehmen verantwortlich sind, an der Studie beteiligen. Wir möchten Sie daher einladen, an einer kurzen Befragung teilzunehmen.
    Sie erreichen die Studie über folgenden Link:

    http://evalea.de/quest/index.php/536951

    Sie erhalten am Ende der Befragung die Möglichkeit, Ihre Emailadresse zu hinterlassen, damit wir Ihnen die Ergebnisse und die daraus abgeleiteten Handlungsempfehlungen für Ihr Unternehmen zusenden können.
    Wir bedanken uns bereits jetzt für Ihre Unterstützung und Ihren Beitrag.

    Herzliche Grüße,

    Nadine Simon