Wer langweilige Aufgaben erledigen muss, schweift hin und wieder mit den Gedanken ab und ist unkonzentriert. Forscher haben aber herausgefunden, dass das nicht unbedingt schlecht sein muss. Im Gegenteil: Langeweile im Job fördert die Kreativität, heißt es in einer Mitteilung der British Psychological Society (BPS).
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Langweile bei der Arbeit lässt uns tagträumen – und das fördert die Kreativität. Foto: Andreas Grimm/jugendfotos.de

Langweile bei der Arbeit lässt uns tagträumen – und das fördert die Kreativität. Foto: Andreas Grimm/jugendfotos.de


Getestet haben die Forscher so: 40 Versuchspersonen mussten 15 Minuten lang Telefonnummern aus einem Telefonbuch kopieren und anschließend Fragen beantworten, die einen gewissen Grad an Kreativität abverlangten, beispielsweise Verwendungszwecke für einen Plastikbecher. Die Untersuchung der Uni Lancashire zeigt: Die Antworten der Telefonnummern-Kopierer waren um einiges kreativer als die der Kontrollgruppe, die direkt nach Verwendungsmöglichkeiten gefragt wurde.

Stumpf ist Trumpf

Um den Zusammenhang mit Langeweile wirklich herauszufinden, haben die Forscher noch ein weiteres Experiment durchgeführt, in dem eine Gruppe wie zuvor Nummern kopieren musste. Einer zweiten Gruppe wurde eine noch langweiligere Aufgabe zugeteilt. Sie sollten die Namen im Telefonbuch lesen. Und siehe da: Diese Gruppe hatte die kreativsten Antworten in der anschließenden Fragerunde.

Der Grund liegt für die Wissenschaftler auf der Hand. Durch stumpfe Tätigkeiten haben Menschen mehr Zeit zum Tagträumen. Wer sich nicht großartig auf seine Arbeit konzentrieren muss, der hat genug Zeit, mit seinen Gedanken in fremde Welten zu schweifen und auf ganz andere Ideen zu kommen. Dr. Sandi Mann, eine der verantwortlichen Wissenschaftlerinnen, sagt dazu: „Langeweile bei der Arbeit wurde lange als etwas angesehen, dass abgeschafft gehört. Aber vielleicht sollten wir die Möglichkeit nutzen, um unsere Kreativität zu fördern.“

Als nächstes wollen die Forscher herausfinden, was ihr Ergebnis für die Praxis heißt. „Werden gelangweilte Leute bei der Arbeit in ihrem Aufgabengebiet kreativer – oder gehen sie etwa nach Hause und schreiben Romane?“, so Mann.

Boreout also nur eine Ausrede?

Diese Ergebnisse lassen das Phänomen des Boreouts, also Stress durch Unterforderung, in einem ganz anderen Licht erscheinen. Was in den letzten Jahren als das genaue Gegenteil zum Burnout bekannt geworden ist, äußert sich vor allem durch Symptome wie Unterforderung, Langeweile und Desinteresse. Wenn dieser Zustand dauerhaft besteht, kann es zu Symptomen kommen, die typisch für zu viel Stress sind: Schlafstörungen, Depressionen, psychosomatische Erkrankungen, Gereiztheit, Müdigkeit und Lustlosigkeit, heißt es bei Zeit Online.

Trotz einiger Studien, die von der Unterforderung von Arbeitnehmer sprechen, sind sich Experten uneinig. Bei Karrierebibel.de heißt es beispielsweise: „Boreout ist der Entschuldigungsversuch von Faulenzern und Jammerlappen. Sie empfinden sich als überqualifiziert und unterschätzt, bedauern die verschwendete Zeit im falschen Job und konservieren eine vor Selbstmitleid triefende Alles-Scheiße-außer-ich-Perspektive.“ So einem Vorwurf widerspricht Buchautor Peter Werder auf welt.de: „Absoluter Blödsinn. Wer Boreout hat, will ja arbeiten und leidet darunter, dass er es nicht kann.“

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