Dass Insassen im Gefängnis ihr Abitur nachholen oder eine Lehre absolvieren, hört man immer wieder. Doch es gibt auch Leute, die hinter den meterhohen Mauern studieren. Möglich wird das durch Fernuniversitäten. Doch im Vergleich zu einer richtigen Uni, gestaltet sich das Studentenleben im Gefängnis etwas anders.
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Gefängnis


„Was ein Studium ausmacht, ist doch in der Regel Kommunikation. Aber unsere Leute sitzen isoliert in der Zelle, acht Quadratmeter, kein Professor, kein Tutorium, kein Internet“, sagt der Schwalmstädter Gefängnispädagoge Frank-Helmut Welz-Detroy, in einem Artikel auf FAZ.net. Und tatsächlich: Während Studenten in Vorlesungen gehen oder sich am Wochenende mit der Lerngruppe treffen, sind die Gefängnisinsassen auf sich alleine gestellt.

Prüfung per Webcam

Studium im Gefängnis

Das Studium kann ein Weg in ein neues Leben sein. Foto: strawberry.julia/jugendfotos.de

Besonders das Fehlen eines Internetzugangs macht sich bei den Gefängnisstudenten im Alltag bemerkbar – auch, weil in einem Fernstudium viel über das Internet läuft. Als Vorreiter hat sich die JVA Freiburg erwiesen. Doch auch hier gibt es das Internet nur unter strengen Auflagen. Jede E-Mail die vom Studenten geschickt oder empfangen wird, geht beispielsweise auch an einen Administrator, der den Schriftverkehr überwacht, berichtet das Freiburger Magazin fudder.

Auch die Prüfungen gestalten sich beim Fernstudium im Gefängnis nicht so einfach. Anstatt wie sonst bei einem Fernstudium für Leistungskontrollen in ein Prüfungszentrum zu fahren, bleiben die Häftlinge hinter den Gefängnismauer, geprüft wird per Computer und Webcam.

85 Euro fürs Studium

Viele Insassen sehen ihr Studium als Vorbereitung auf die Zeit nach dem Gefängnis. Sie wollen nochmal von vorne anfangen. Ein geregelter Job gehört für sie dazu. Doch dass das mit einer Vorstrafe nicht einfach ist, wissen sie auch. Deswegen studieren viele Häftlinge Fächer, von denen sie sich die besten Chancen auf dem Arbeitsmarkt versprechen. „Mehr noch als ,draußen‘ wird hier wohl das studiert, was eine berufliche Perspektive geben kann“, heißt es auf fudder.de.

Während in den meisten JVAs die Studenten noch nebenbei der ganz normalen Gefängnisarbeit nachgehen müssen, werden sie in Freiburg dafür extra freigestellt. Sie bekommen im Durchschnitt sogar 85 Euro. Dennoch ist das Studentenleben alles andere als lau. Wenn die Mitinsassen mit der Arbeit anfangen, beginnen die Gefängnisstudenten mit dem Lernen. Beim Freiburger Insassen Ahmet sind es sogar 70 bis 80 Prozent seiner Zeit, die er für sein Informatikstudium aufwendet.

Geringe Erfolgsquote

Wirklich erfolgsversprechend ist ein Studium im Gefängnis allerdings nicht, die Statistik ist recht ernüchternd. FAZ.net stellt fest, dass es 2009 nur etwa 216 Inhaftierte gab, die ein Fernstudium absolvierten. Dem steht die Gesamtzahl von etwa 60.000 Insassen gegenüber. Und selbst in der Vorbild-Anstalt Freiburg haben es zwischen 1999 und 2009 lediglich sieben Insassen geschafft, erfolgreich einen Abschluss zu machen.

 

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Ein Gedanke zu „Uni hinter Gittern: Studieren im Gefängnis

  • V.

    Die Erfolgsquote kann täuschen – es gibt Leute, deren Haftzeit kuerzer ist als die Studiendauer, und die das Studium in Freiheit abschließen und später beruflich sehr erfolgreich sind.
    Ich bin eine davon und bin der FernUni Hagen heute noch sehr dankbar, dass ich von dieser Möglichkeit bereits in den 90ern Gebrauch machen konnte. Auch wenn ich damals sehr allein vor großen Stapeln Papier saß. Es hat die Weichen für mein späteres Leben gestellt.