Während es in der Fotografie häufig darauf ankommt, Motive möglichst bis ins letzte Detail scharf abzubilden, kann auch ein gegenteiliger Effekt gewünscht sein, um einzelne Bildteile zu betonen. Mit vielen Kameras lässt sich ein so genannter Unschärfeeffekt bereits während der Aufnahme realisieren, welcher besonders gern in der Porträt-, Natur- oder Produktfotografie angewandt wird, um den Fokus auf das Hauptmotiv zu lenken und den Hintergrund unscharf abzubilden. Dazu wird in der Regel eine möglichst große Blende gewählt und nah an das Motiv herangezoomt. Je weiter dabei der Hintergrund vom Motiv entfernt ist, umso unschärfer erscheint er.
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Bild: “
tilt shift” von  Tạ Lê Hùng. Lizenz: CC BY ND 2.0

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tilt shift” von Tạ Lê Hùng. Lizenz: CC BY ND 2.0


Wenn Sie den Unschärfeeffekt mit Ihrer Kamera nicht erzeugen können oder Bilder haben, die Sie nachträglich mit diesem Effekt versehen möchten, bietet Adobe Photoshop Ihnen dazu verschiedene Werkzeuge und Filter.

Einen Unschärfeeffekt mit dem Iris-Weichzeichnungsfilter erzeugen

Öffnen Sie Ihr Bild in Photoshop über „Datei“ und „Öffnen…“.

Photo in Photoshop öffnen

Erstellen Sie vor der Bearbeitung des Bildes eine Kopie der Hintergrundebene als Arbeitsebene. Das hat den Vorteil, dass Sie diese löschen können, falls Sie mit dem Ergebnis nicht zufrieden sind und anschließend mit einer neuen Kopie weiterarbeiten können. Um die Hintergrundebene zu kopieren, ziehen Sie diese mit gedrückter linker Maustaste auf das Duplikatssymbol in der Fußleiste der Ebenenpalette. Alternativ können Sie auch mit der rechten Maustaste auf die Ebene klicken und in der aufklappenden Liste „Ebene duplizieren…“ auswählen.

Ebene dublizieren

Klicken Sie danach in der Hauptmenüleiste auf „Filter“ -> „Weichzeichnungsfilter“ -> „Iris-Weichzeichnung…“.

Weichzeichnungsfilter

Photoshop öffnet direkt neben der Bildfläche eine Palette mit den Weichzeichner-Werkzeugen, welche in der die Checkbox neben „Iris-Weichzeichnung“ markiert sind. Über das Bild hat Photoshop ein kreisförmiges Kontrollelement gelegt, das Sie mit der Maus verschieben und verkleinern können, bis es genau auf das Objekt passt, das hervorgehoben werden soll.

Iris Weichzeichnungsdialog

Um die Größe zu ändern, verschieben Sie die runden Bearbeitungspunkte am äußeren Kreisrand. Durch Ziehen an dem rautenförmigen Bearbeitungspunkt erzeugen Sie eine rechteckige Auswahl mit runden Ecken.

Wenn Sie die größeren Bearbeitungspunkte im inneren Kreis verschieben, verfeinern Sie den Abstand zwischen dem scharfgezeichneten Innenbereich und dem weichgezeichneten Außenbereich. Verschieben Sie die inneren Bearbeitungspunkte nicht zu weit nach außen, damit die Kante zum Hintergrund nicht zu stark wird.

Bearbeitungspunkte erklärt

Anschließend stellen Sie mit dem Schieberegler auf der rechten Seite unter „Weichzeichnen:“ die Stärke des Weichzeichnungsfilters ein oder geben einen entsprechenden Wert in das Textfeld daneben ein. Alternativ können Sie den Weichzeichnungseffekt auch durch Schieben mit der Maus direkt im inneren Kreis des Kontrollkreises anpassen.

Ergebnis des Filters

Je nach Motiv fügen Sie Ihrem Hintergrund optional Überstrahlungseffekte hinzu, wie beispielsweise Lichtpunkte, die durch Äste dringen. Dieser Effekt wird in der Fotografie Bokeh genannt. Dieser Begriff leitet sich vom japanischen Wort „boke“ ab und bedeutet „unscharf, verschwommen“. Sie finden dazu in der Palette auf der rechten Seite entsprechende Einstellungsmöglichkeiten unter der Option „Weichzeichnungseffekte“. Durch Klicken auf die Checkbox hinter „Bokeh“ können Sie die Effekte aktivieren oder deaktivieren.

Bokeh Effekte nutzen

Durch Verschieben des Reglers unter „Bokeh-Lichter:“ oder Eingabe eines Zahlenwertes in das Textfeld daneben legen Sie fest, wie hell die Lichter in hellen, weichgezeichneten Bereichen strahlen sollen. Über den Schieberegler unter „Bokeh-Farbe:“ ahmen Sie die Lichtbrechung am Objektiv nach und versehen die Bokeh-Lichter mit farbigen Rändern. Mit den Reglern unter „Helligkeitsbereich:“ beschränken Sie den Effekt auf die hellsten oder dunkelsten Bildbereiche. Um die eingestellten Effekte anzuwenden, klicken Sie in der Optionsleiste oberhalb des Bildes auf „OK“ und kehren damit zur allgemeinen Arbeitsfläche von Photoshop zurück, um Ihr Bild weiterzubearbeiten oder zu speichern.

Bokeh im Hintergrund

Die partielle Weichzeichnung eines Motivs mittels des Tilt-Shift-Filters

Häufig sind inzwischen im Internet oder in Zeitschriften Bilder zu sehen, die wirken, als wären sie in einer Miniaturwelt fotografiert worden. Dieser Effekt wird dadurch erzeugt, dass nur bestimmte Bildbereiche scharf sind und deutlich vor stark weichgezeichneten Bereichen hervortreten. Für einige digitale Kameras gibt es spezielle Objektive oder auch Motivprogramme, mit denen Sie diesen Effekt erzielen. Doch auch mit Hilfe des Tilt-Shift-Filters in Photoshop können Sie diesen Eindruck auf Ihren Bildern erzeugen.

Wählen Sie ein geeignetes Bild aus und öffnen Sie es in Photoshop. Erstellen Sie anschließend eine Arbeitsebene durch Duplizieren der Hintergrundebene.

Bild auswählen

Klicken Sie dann auf „Filter“ -> „Weichzeichnungsfilter“ und „Tilt-Shift…“. Auf der rechten Seite der Programmoberfläche öffnet sich die Palette mit den Weichzeichner-Werkzeugen und den Weichzeichnungseffekten. Ihr Bild wurde von Photoshop mit Kontrolllinien versehen.

Tilt Shift Optionen in Photoshop

Wenn Sie den Bereich, der scharf bleiben soll, vergrößern oder verkleinern möchten, klicken Sie mit der Maus auf eine der gestrichelten Linien und ziehen diese nach oben oder nach unten. Um den Bereich zu drehen, klicken Sie auf die Anfasserpunkte auf den durchgezogenen Linien und drehen dann die Linien, bis der richtige Winkel erreicht ist. Durch Ziehen oder Schieben können Sie zudem die Größe dieses inneren Bereiches anpassen. Wenn Sie den Fokus direkt auf ein Objekt legen möchten, klicken Sie auf den Mittelpunkt des inneren Kreises und ziehen diese an die richtige Stelle. Durch Verschieben des Reglers unter „Weichzeichnen:“, Eingabe eines Zahlenwerts in das Textfeld oder Ziehen um den äußeren Kreis, legen Sie die Stärke des Weichzeichnungseffektes fest. Dieser sollte nicht zu hoch sein, weil das Ergebnis sonst  unnatürlich wirken kann. Mit dem Schieberegler unter „Verzerrung:“ erreichen Sie einen leichten Zoomeffekt. Nach Abschluss der Einstellungen klicken Sie in der Optionsleiste auf „OK“, um den Tilt-Shift-Filter anzuwenden und Ihr Bild nach Bedarf weiter zu optimieren.

Tilt Shift angewendet

Bildobjekte detailliert vor dem Hintergrund hervorheben

Wenn Sie Objekte möglichst genau vom Hintergrund oder Bildteilen abgrenzen möchten, sollten Sie diese in Photoshop freistellen und den Hintergrund separat bearbeiten. Dazu wählen Sie das Objekt mit einem der Auswahlwerkzeuge, die Photoshop bietet, aus und klicken in der Optionsleiste auf „Kante verbessern“. Im sich öffnenden Dialogfenster „Kante verbessern“ wählen Sie in der Aufblendliste hinter „Ausgabe an:“ die Option „Neue Ebene“ und schließen das Fenster dann mit Mausklick auf „OK“. Sie erhalten eine neue Ebene, die nur das Objekt erhält.

Kante verbessern

Anschließend aktivieren Sie in der Ebenenpalette wieder die Hintergrundebene und klicken in der Hauptmenüleiste auf „Auswahl“ -> „Erneut auswählen“ und danach auf „Auswahl“ -> „Auswahl umkehren“. Dann öffnen Sie den Dialog „Kante verbessern“, wählen wieder die Ausgabe an „Neue Ebene“ und klicken auf „OK“. Das Ergebnis ist eine Ebene, die nur den Hintergrund enthält.

Photoshop Ebenenpalette

Diese Hintergrundebene können Sie nun beispielsweise mit Hilfe des Weichzeichnerfilters „Gaußscher Weichzeichner“ oder dem Weichzeichner-Werkzeug bearbeiten, ohne dass das Hauptmotiv verändert wird.

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