Wer nach dem Studium eine Führungspersönlichkeit werden möchte, sollte sich frühzeitig über den Verlauf des Werdegangs Gedanken machen. Dabei müssen Sie einige Fragen für sich beantworten: Ist es besser, die Fachhochschule der Universität vorzuziehen? Bringt der Master im Anschluss an den Bachelor wirklich den gewünschten Erfolg? Sollten Sie nach dem Studium eine Dissertation anstreben? Im folgenden Artikel erhalten Sie einen kleinen Überblick damit Sie sich im Labyrinth der Bildungswege zurechtfinden.
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Bild: “Kabul Province Mountain” von DVIDSHUB. Lizenz: CC BY 2.0

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1. Fachhochschule oder Universität?

Die erste Entscheidung steht bereits vor dem Studium an. Denn es geht darum, zwischen Fachhochschule oder Universität zu wählen. Die Vorbehalte, dass die Lehre an den Universitäten weniger praxisorientiert ist oder man nach einem Hochschulstudium mehr verdient, sind längst entkräftet. Für welche Institution sollten Sie sich also entscheiden, wenn Sie eine Führungsposition anstreben?

Gehaltsunterschiede zwischen Universitäts- und FH-Absolventen

Gehaltsunterschiede zwischen Universitäts- und FH-Absolventen

Eine Befragung des HIS-Institutes für Hochschulforschung in Hannover aus dem Jahr 2013 brachte hervor, dass knapp jeder vierte Hochschulabsolvent und jeder dritte Fachhochschulabsolvent fünf Jahre nach dem Studium in einer Führungsposition beschäftigt war. Im Schnitt kamen 29 Prozent der Führungskräfte von der Universität und 37 Prozent von der Fachhochschule. Die Wirtschaftswissenschaftler lagen dabei weit vorn, während die Informationstechniker vor allem auf der zweiten Führungsebene Platz fanden. Negativ fiel jedoch auf, dass Frauen noch immer schlechtere Chancen auf einen Leitungsposten hatten als Männer.

2. Manager ohne Hochschulabschluss?

Wenn Manager aus dem mittleren Segment annehmen, Ihre Karrierechancen würden sich durch eine höhere Qualifikation vergrößern, könnten Sie auf dem Holzweg sein. Bei einer Untersuchung von 500 Lebensläufen stieß die Frankfurter Personalvermittlungsfirma HiTec im Zusammenhang mit dieser Berufsgruppe auf ein erstaunliches Ergebnis:

  • 35% der Manager hat einen Hochschulabschluss.
  • 20 % haben sogar Hochschulabschluss und Ausbildung.
  • 41%  haben eine Ausbildung und keinen Hochschulabschluss.

HiTec-Geschäftsführer Lutz Busch kommt zu dem Schluss: „Lebensläufe insofern, dass sie unbedingt einen bestimmten Abschluss enthalten müssen, gehören der Vergangenheit an.“

Vielmehr käme es auf den Erfolg bei der Kundschaft an, der vor allem durch die Persönlichkeit des Kandidaten beeinflusst würde. Auch die Leistungen bei vorangegangenen Arbeitgebern seien ausschlaggebend für den weiteren Berufsweg, wenn die Kandidaten aus dem mittleren Management einen Wechsel planen. Busch betonte jedoch, dass er nicht von Berufseinsteigern, sondern von Arbeitnehmern ausginge, die bereits feste Anstellungen hatten. Deren Wunsch zu wechseln, sollte dabei nachvollziehbar sein.

In den Riegen der Topmanager sind die Kandidaten ohne Hochschulabschluss allerdings eine Seltenheit und sie werden immer weniger, meint Eliteforscher Michael Hartmann. In einer Studie untersuchte er die Karrierewege der Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzenden anhand der 220 größten Unternehmen Deutschlands.

Von den Top-Managern, die vor 1969 geboren wurden, hatte jeder zehnte keinen Hochschulabschluss. Bei der jüngeren Generation war es nur noch jeder zwanzigste. „Diese Ausnahme-Karrieren findet man vor allem noch in der alten Garde“, so Hartmann. Dass die Voraussetzung für Trainee-Stellen heute bereits ein Hochschulabschluss ist, könnte unter anderem der Grund für diese Entwicklung sein.

3. Was bringt der Master-Abschluss?

Im Jahre 2011 wurde eine forsa-Studie im Auftrag der Europäischen Fernhochschule Hamburg unter Personalern in Deutschland durchgeführt:

  • 5% hielten den Masterabschluss für unnötig.
  • 48%  sprachen sich dafür aus, dass der Master erst nach einigen Jahren Berufstätigkeit angeschlossen werden sollte.
  • 40% hingegen hielten es für angebrachter, den Master gleich nach dem Bachelor aufzunehmen.

Die Süddeutsche Zeitung war bereits ein Jahr später anderer Meinung. Viele Bachelor-Absolventen entschieden sich zusätzlich für den Master, weil sie sich nicht auf den Arbeitsmarkt trauten. Grund dafür war, dass sie sich unzureichend vorbereitet fühlten. Kein Wunder! Nach einem Bachelor-Studium im Schnellverfahren blieb den Wenigsten Zeit, sich über das Danach klar zu werden.

Einer Befragung des Hochschul-Informations-Systems (HIS) nach zu urteilen, hatten außerdem zwei von drei Studierenden geringes Vertrauen in die Berufschancen mit einem Bachelor. Des Weiteren fand die HIS-Studie heraus, dass diese Befürchtung unbegründet war.

Für die 1500 befragten Unternehmen spielten die Abschlüsse meistens eine untergeordnete Rolle. Besonderen Wert legte man stattdessen auf fachliche und soziale Kompetenzen. Die Vorteile der Bachelorabsolventen sahen 4 von 5 Unternehmen darin, dass diese sich gut in neue Themenfelder einarbeiten und ihr Wissen entsprechend anwenden konnten, um Problem zu erkennen und zu beheben.

Auch für eine Führungsposition war ein Masterabschluss nicht unbedingt vonnöten. Die Umfrage bestätigte, dass Bachelorabsolventen in 85 % der Unternehmen jede Karriereposition erreichen konnten, auf die sie hingearbeitet hatten. Zwei Drittel der Arbeitgeber zahlten Ihnen dafür sogar das gleiche Gehalt wie den Arbeitnehmern mit Masterabschluss.

Wenn Sie ein Thema vertiefen, später in der Forschung tätig sein oder promovieren wollen, mag ein Masterstudiengang natürlich sinnvoll sein.

4. Pro und Contra des Doktortitels

Ob Sie sich die Arbeit machen sollten, eine Dissertation zu verfassen, hängt ganz vom jeweiligen Fachgebiet ab. Ihr Fleiß kann Sie später in eine neue Gehaltsklasse katapultieren oder kaum eine Rolle spielen.

4.1 Ein klares Ja zur Promotion

Vor allem für die Berufseinsteiger der Wirtschaftswissenschaften kann sich eine Promotion später auszahlen. Es lockt ein Gehalt, dass ungefähr 10 000 Euro höher angesetzt ist als das der Kollegen ohne Doktortitel. Besonders große Unternehmen befürworten promovierte Mitarbeiter.

Junge Arbeitnehmer ohne Doktortitel erhalten sogar häufig die Möglichkeit, sich für ihre Arbeit an der Dissertation freistellen zu lassen. Neben der Promotion haben Praxiserfahrungen, Auslandsaufenthalte und Mathematikkenntnisse ebenso einen hohen Stellenwert.

  • Rund 40% der Naturwissenschaftler und Mathematiker waren der Meinung, dass ihr Doktortitel für ihre derzeitige Stelle zwingend erforderlich war. Im Vergleich zu anderen Fachrichtungen nahmen sie damit den höchsten Anteil ein.
  • Bei den Chemiestudenten waren es sogar 90 % der Absolventen, die sich für eine Promotion entschieden.
  • Die Biologen folgten mit zwei Drittel der Absolventen und steigender Tendenz. Durchschlagendes Argument war dabei die finanzielle Entlohnung, die bei Doktoren zu Beginn ihrer beruflichen Laufbahn beinahe 15% höher war als bei den Kollegen, die ihre Ausbildung nach dem Masterabschluss beendet hatten.

Im Tätigkeitsbereich der Forschung sollten Sie sich zusätzlich durch Postdoc-, Forschungs- und Auslandsaufenthalte qualifizieren.

4.2 Promotion nicht zwingend erforderlich

Am Einstiegsgehalt der Kultur- und Sprachwissenschaftler änderte ein Doktortitel nichts. Trotzdem gaben 38% an, dass er für die Aufnahme ihrer derzeitigen Anstellung vorausgesetzt wurde. Auf jeden Fall sollten Absolventen, die nach ihrem Studium in die Lehre und Forschung gehen, promovieren.

Ganz anders verhielt es sich bei den Rechtswissenschaftlern. Zwar setzten die wenigsten Stellen einen Doktortitel voraus, aber Absolventen, die ihn vorweisen konnten, gehörten schon nach dem Berufseinstieg zu den Topverdienern. Sie konnten mit 20% mehr Gehalt rechnen als vor der Promotion. Der Titel zeigte zudem, dass sich der Kandidat auf ein juristisches Thema spezialisiert hatte.

Gehaltsunterschiede mit oder ohne Promotion

Gehaltsunterschiede mit oder ohne Promotion

Im Bereich der Ingenieurwissenschaften war der Doktortitel keine Norm und wurde daher nur von 10-20 % der Berufseinsteiger absolviert. Führungspositionen waren in diesem Berufsfeld auch ohne Promotion möglich. Falls Ingenieure allerdings planen, in der Forschung und Entwicklung tätig zu werden, sollten sie eine Dissertation anstreben.

Für Sozialwissenschaftler wurde die Promotion auch nur in bestimmten Fällen zum Karrierebeschleuniger. Interessant war diese Variante nur für Führungspersönlichkeiten, die nicht auf klassischen Berufsbildern aufbauten. Ein Sozialwissenschaftler zum Beispiel, der in einer Kommunikationsabteilung eines Technologiekonzerns beschäftigt war, konnte durch seinen Doktortitel mitunter ausgleichen, dass er kein ingenieurwissenschaftliches Studium abgeschlossen hatte. Im Gegensatz dazu war ein akademischer Abschluss in der Werbung weniger bedeutsam als einschlägige Berufserfahrungen.

 

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