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Bild: “Insomnia” von Michael Cory. Lizenz: CC BY 2.0


Kaum etwas macht uns leistungsfähiger und ausgeglichener als ein erholsamer Nachtschlaf. Wer mal eine Nacht durchgemacht hat, weiß, wie sehr Konzentration, Belastbarkeit und Stimmung am nächsten Tag leiden. Für einige Menschen ist das fast täglich der Fall. Etwa jeder Vierte leidet unter Schlafstörungen, die vielfältige Ursachen haben können. Erfahren Sie hier spannende medizinische Fakten über den Schlaf und Schlafstörungen und wie Sie Ihren Schlaf aufwerten.

Im Schlaf bildet sich das Gedächtnis

Man sollte meinen, dass der Schlaf gut erforscht ist, immerhin verbringen wir gut ein Drittel unserer Lebenszeit schlafend. Doch obwohl der Schlaf ein spannendes Forschungsfeld für Biologen, Neurologen und Psychologen ist, bleibt die wichtigste Frage bis heute ungeklärt: Warum schlafen wir eigentlich?

Sicher ist, dass wir ohne Schlaf nicht überleben könnten. Ratten starben in einem Experiment nach einer Woche Schlafentzug. Die These, dass man beim Schlafen Energie spart, ist eher fragwürdig. Biologen haben herausgefunden, dass man in acht Stunden Schlaf nur etwa so viele Kalorien spart, wie eine Banane enthält. Außerdem erholt sich der Körper, das Immunsystem regeneriert sich, es werden Proteine auf- und schädigende freie Radikale abgebaut.

Die derzeit am stärksten vertretene These besagt, dass Schlaf hauptsächlich der Informationsverarbeitung und Gedächtnisbildung dient. Am Tag gemachte Erlebnisse werden zunächst im Hippocampus gespeichert, im Schlaf ins Großhirn übertragen und als Erinnerungen gefestigt. Fände dieser Vorgang tagsüber statt, würde man ständig halluzinieren. Gleichzeitig werden im Schlaf weniger relevante Erinnerungen und Gedächtnisinhalte gelöscht.

Wie viel Schlaf man braucht, ist ebenfalls nicht eindeutig und variiert stark von Person zu Person. Napoleon soll nur drei Stunden Schlaf gebraucht haben, andere sind erst nach zehn Stunden richtig ausgeruht. Das beste subjektive Maß ist, ob man sich nach einer bestimmten Schlafdauer leistungsfähig fühlt und es nicht zu Tagesmüdigkeit kommt.

Dabei haben die meisten ein chronisches Schlafdefizit. Der Forscher Jürgen Aschoff konnte vor 50 Jahren zeigen, dass der sogenannte zirkadiane Rhythmus, d. h. die sogenannte „innere Uhr“, bei den meisten Menschen länger als 24 Stunden beträgt, im Schnitt nämlich 25 Stunden.

Diese Schlafstörungen gibt es

Schlafstörungen kann man grob einteilen in:

  • Hypersomnien (vermehrte Schlafneigung),
  • Insomnien (Schlaflosigkeit),
  • Parasomnien (psychische oder motorische Auffälligkeiten im Schlaf,
  • und Schlafrhythmusstörungen (z. B. bei Schichtarbeit oder Jetlags).

Ursache für eine Hypersomnie ist beispielsweise das Schlafapnoesyndrom, bei dem die Patienten nachts durch Verlegung der Atemwege kurze Atemstillstände mit Sauerstoffmangel haben und so nicht in eine Tiefschlafphase kommen. Gewichtsreduktion, der Verzicht auf Alkohol und eine seitliche Schlaflage bringen oft schon Erfolge, evtl. wird eine nächtliche Überdruckbeatmung notwendig.

Auch neurologische Erkrankungen wie die Narkolepsie, bei der die Patienten schlagartig einschlafen, gehören zu den Hypersomnien.

Bei den Insomnien ist die Gesamtschlafdauer vermindert, entweder durch eine Einschlaf- oder Durchschlafstörung, oder durch frühzeitiges Erwachen. Die Ursache ist oft familiärer oder beruflicher Stress bzw. eine psychosomatische Reaktion. Aber auch psychiatrische Erkrankungen wie Depressionen, Psychosen und Manien können zu Schlaflosigkeit führen. Weitere Ursachen sind Alkohol- und Substanzmissbrauch, Schmerzsyndrome, und Fieber.

Zu den Parasomnien zählt u. a. das Schlafwandeln (Somnambulismus). Als Ursache dafür nimmt man einen gestörten Aufwachmechanismus an, auch eine familiäre Häufung ist zu beobachten. Die Betroffenen stehen oft auf und verrichten komplizierte Tätigkeiten, allerdings mit eingeschränkter Koordination. Später tritt eine Amnesie auf. Sie können sich an nichts erinnern.

Schlafhygiene – der Weg zu besserem Schlaf

Unter Schlafhygiene fasst man alle Maßnahmen zusammen, die den Schlaf verbessern sollen. Dazu gehört vor allem, einen gleichmäßigen Wach-Schlafrhythmus zu erreichen. Durch regelmäßige Zubettgehzeiten und gleichbleibende Schlafdauer stellt sich eine Routine ein und der zirkadiane Rhythmus des Körpers stabilisiert sich.

Tagschlaf sollte vermieden werden. Der Schlafraum sollte so gestaltet werden, das kein Licht oder Lärm stören können. Er sollte nicht überheizt sein. Weiterhin kann man mit Ausdauersport tagsüber und dem Verzicht auf Alkohol, Koffein und schweren Mahlzeiten vor dem Zubettgehen für besseren Schlaf sorgen.

Ist die Ursache für die Schlafstörung Stress und innere Anspannung, lohnt es sich Entspannungsverfahren zu lernen, wie autogenes Training oder progressive Muskelentspannung.

Schlafforscher raten, nicht zu lange liegen zu bleiben und sich im Bett zu wälzen, wenn das Einschlafen nicht klappt. Wenn man aufsteht und etwas Monotones macht, wie lesen oder aufräumen, kommt die Müdigkeit von alleine wieder und man kann einen erneuten Einschlafversuch starten.

Warum nachts alles schlimmer ist

Der Eindruck, dass bestimmte Probleme nachts viel schlimmer erscheinen als tagsüber, hat eine wissenschaftliche Grundlage. Das Hormon Melatonin steigt nachts an und erreicht gegen drei Uhr früh seinen höchsten Wert.

Melatonin drückt auf die Stimmung und fördert negative Gedanken und das Grübeln. Deswegen passieren zu dieser Tageszeit die meisten Unfälle und Selbstmorde, und die Telefonleitungen der Seelsorge sind am stärksten frequentiert.

Der gleiche Mechanismus führt auch zur sog. Winterdepression, da die Melatoninausschüttung tagsüber normalerweise vom Sonnenlicht unterdrückt wird. Fehlt das Sonnenlicht, ist der Melatoninspiegel auch tagsüber hoch. Melatonin wird im Alter weniger ausgeschüttet, weshalb ältere Menschen einen geringeren Schlafbedarf haben.

Schlafentzug als Therapie und Foltermethode

Während der Schlafentzug bei Schlafstörungen eher unfreiwillig ist, wird er teilweise gezielt eingesetzt zu gegensätzlichen Zwecken.

In der Psychatrie nutzt man Schlafentzug etwa als Therapiemethode bei Depressionen, um das für die Erkrankung typische Morgentief zu umgehen. Die Patienten werden in der zweiten Nachthälfte geweckt und bleiben bis zum nächsten Abend wach. Durch den Schlafentzug wird das Neurotransmittergleichgewicht im Gehirn positiv beeinflusst und die Stimmung bessert sich.

Gleichzeitig ist Schlafentzug eine beliebte Foltermethode, da er sich hauptsächlich auf die Psyche auswirkt und die Spuren schwer nachzuweisen sind (sog. Weiße Folter). Durch stark verkürzte Schlafzeiten oder Verlegung der Schlafzeiten auf den Tag und anschließende Befragung soll die Willenskraft des Gefolterten gebrochen werden. Der Schlafentzug war eine gängige Foltermethode in der DDR, der Sowjetunion, aber auch Guantanamo.

Es gibt Menschen, die sich freiwillig Qualen aussetzen, indem sie  so lange wie möglich auf Schlaf verzichten. Den Weltrekord im Schlafentzug hält der Brite Tony Wright, obwohl er diesen nicht anvisiert hatte. Er wollte zeigen, dass man mit seiner Ernährungsweise – Obst und Gemüse – länger wach bleiben kann und durch den Rekordversuch Aufmerksamkeit gewinnen. 266 Stunden am Stück blieb er schließlich in einem Pub im britischen Cornwall wach.









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