Viele belächeln sie und halten sie für faul. Und wenn sie doch etwas machen, sind es meist irgendwelche weltfremden Spinnereien: Studentische Hochschulgruppen sind nicht sonderlich beliebt bei der Masse der Studenten. Kaum einer möchte sich bei ihnen engagieren. Aber warum ist das so? Vor einigen Jahrzehnten war das nämlich noch ganz anders.

Diese Frage stellt sich auch Daniel Katzenmaier auf jetzt.de. Katzenmaier ist Vorsitzender des Asta an der Uni in Frankfurt am Main. Nach seinen Schätzungen sind von insgesamt 44.000 Frankfurter Studenten gerade mal noch 2000 in Fachschaften, Hochschulgruppen oder anderen Initiativen aktiv. Auch die Wahlbeteiligung bei der vergangenen Wahl für das Studierendenparlament fiel mau aus. Gerade einmal 14 Prozent der Studenten haben Interesse daran gezeigt, wer künftig ihre Meinungen vertreten soll.

In der Mitte der Masse

So viele Studenten die politisch aktiv sind, sind eher selten. Foto: Martin Knorr/jugendfotos.de

So viele Studenten die politisch aktiv sind, sind eher selten. Foto: Martin Knorr/jugendfotos.de

Katzenmaiers Erfahrungen decken sich mit den Ergebnissen einer Studie der Universität Konstanz, die schon 2009 veröffentlicht wurde. 8350 Studenten von 25 Hochschulen wurden damals zu ihrer politischen Einstellung befragt. Dabei gaben nur 37 Prozent an, sie würden sich für Politik interessieren. 1983 seien es noch 54 Prozent gewesen, heißt es im Tagesspiegel. Demnach ordnen sich auch immer weniger Studenten einem politischen Lager zu. Anstatt „links“ oder „rechts“, sagen immer mehr, sie seien in der „politischen Mitte“.

Dieses allgemeine Desinteresse zeichnet sich auch in den Zahlen des Konstanzer Studierendensurveys zur Mitarbeit in Hochschulgruppen ab. 54 Prozent gaben an, nicht an offiziellen Selbstverwaltungsorganen der Studentenschaft interessiert zu sein. Bei der studentischen Selbstverwaltung, zu der auch der Asta gezählt wird, sind es 35 Prozent, die kein Interesse zeigen. Die Umfrage hat zudem gezeigt, dass nur 26 Prozent aller Studenten den Boykott von Lehrveranstaltungen, und 21 Prozent die Besetzung von Räumen oder Gebäuden gutheißen.

Nur auf die Karriere fixiert

Aber warum ist das so? Tino Bargel, Soziologe an der Universität Konstanz und Co-Autor der Studie, findet im Deutschlandradio dafür gleich mehrere Gründe. Einerseits sei die Politik deutlich komplexer geworden und das Gefühl, nichts verändern zu können, habe zugenommen. Auf der anderen Seite ist aber auch der gestiegene Konsum Schuld an der Politikverdrossenheit. „Diese Konsumhaltung hat dazu geführt, abzuwarten, was die anderen machen“, so Bargel. Und das passe nicht zum politischen Engagement.

Als drittes Element spiele aber auch der Individualismus eine entscheidende Rolle. Moritz Heuberger vom Unabhängigen Studierendenausschuss der Uni Konstanz kann das bestätigen. „Die Studierenden heutzutage sind sehr, sehr stark karrierefixiert und denken an das eigene Wohl mehr als an das Allgemeinwohl. Und viele wollen eher für sich ihren Weg gehen, ihr Studium machen, ihren Erfolg erzielen und schauen wenig nach rechts und nach links.“

 

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