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das ist ein Rollstuhlfahrer

Foto: Anne Retter


Stefan Rimmele, der ‚Eventroller‘, will mit Vorträgen Menschen motivieren, selbstbewusst Ihren Weg zu gehen. Er berichtet über seine Lebensgeschichte, die durch einen Unfall einen ganz anderen Verlauf nahm, als gedacht. Aber Rimmele ließ sich nicht unterkriegen  – wie schwer die Welt es ihm auch machte.

Der Weg in ein anderes Leben

Es war der erste Tag der Sommerferien, Stefan Rimmele hatte gerade die siebte Klasse hinter sich gebracht. Der Dreizehnjährige stieg aufs Fahrrad, er wollte gemeinsam mit seinem Cousin ins Freibad fahren. Auf dem Weg erfasste ihn ein betrunkener Autofahrer, der Junge zog sich schwerste Verletzungen zu: Schädel-Hirn-Trauma, Hirn-Quetschung und Schädel-Infarkt lautete die Diagnose.

Das Kind lag lange Zeit im Koma. Etwas drang aber zu ihm durch: Pläne für ein Bett im Pflegeheim, wo er in Zukunft ‚leben‘ sollte. Das wollte Rimmele um keinen Preis. Er bot alles an Kräften auf, was er konnte, um die Hand der Mutter zu ergreifen. Sie verstand das Zeichen. Statt um ein Pflegebett kümmerten sich die Eltern um eine Reha-Behandlung für ihn.

Erst nach acht Wochen kam Rimmele wieder zu sich – und wollte leben. Und nicht nur irgendwie, sondern nach seinen Vorstellungen. Was dem Koma folgte, waren zwölf Monate Reha-Behandlung: Rimmele lernte das Sprechen neu, seine Muskeln zu bewegen, die Hände zu gebrauchen. Gehen konnte er nur ganz schlecht wieder, ein Arm blieb nur sehr eingeschränkt nutzbar.

Sich auf seine eigenen Stärken besinnen

Eine ganz normale Jugend? Undenkbar. Das Leben des Allgäuers bestand aus Schule und Therapie. Trotz oder vielleicht auch gerade wegen dieses dramatischen Einschnitts in seiner Lebensgeschichte ist der gebürtige Argenbühler heute jemand, der selbstbestimmt mitten im Leben steht und sich nicht unterkriegen lässt.

Er holte den Hauptschulabschluss nach, absolvierte dann die Wirtschaftsschule und machte eine Ausbildung zum Bürokaufmann. Zwei Jahre später erkämpfte er sich die Umschulung zum Veranstaltungskaufmann. Dieser Weg war mit vielen Rückschlägen und zahllosen Absagen verbunden, aber Rimmele wusste, was er wollte. „Ich habe es satt, dass mir die Leute immer sagen, was ich alles nicht kann!“, sagte er sich trotzig.

Ich schaffe das, was ich will. Weil die Ziele, die ich mir setze, realistisch sind. Natürlich gehört dazu eine gehörige Portion Disziplin und das ‚Sitzfleisch‘, um für sich selbst den passenden (Um-)weg zu finden!

Der 33jährige ist davon überzeugt, dass jeder seinen Weg gehen kann, wenn er sich auf seine Stärken besinnt, und sich nicht von den Widrigkeiten aufhalten lässt.

Man muss dem Problem in die Augen schauen und sagen: Ich mache Dich fertig!

„Amerika war für mich das Land, in dem Milch und Honig fließen!“

Der Erfolg gibt ihm Recht: Seit sechs Jahren lebt er allein, arbeitet in Vollzeit und hat 2011 eine Reise durch die USA gemacht. Von New York aus fuhr er mit einem Leihwagen innerhalb von vier Wochen satte 20.000 Kilometer – er hat Washington besucht, die komplette Route 66 nach San Francisco befahren und von Grand Canyon bis Las Vegas alles mitgenommen, was sich ihm bot. „Amerika war für mich das Land, in dem Milch und Honig fließen!“

Die Menschen begegnen einem ohne jegliches Vorurteil. Es gibt keinen Ort, an den man mit dem Rollstuhl nicht gelangen kann, alles ist komplett barrierefrei.

Ein großer Unterschied zu Deutschland. Beim Wort „Inklusion“ bekommt Rimmele auch prompt einen roten Kopf: Gut und schön, so als Idee, aber in der Realität viel zu kompliziert für die Betroffenen, findet er.

„Deutschland hat Menschen mit Behinderung jahrelang in eine Bittstellerhaltung gepresst.“

dies ist ein Rollstuhlfahrer

Foto: Anne Retter

„Deutschland hat Menschen mit Behinderung jahrelang in eine Bittstellerhaltung gepresst. Die Folge davon ist, dass sich viele mit dem Minimum zufrieden geben. Viele Menschen mit Behinderung haben viel zu wenig Teilhabe an der Gesellschaft, stellen aber auch an ihre Umwelt zu geringe Ansprüche.“

Mit so einer Haltung werden die Fördertöpfe sicherlich nicht ausgeschöpft, befürchtet der ‚Eventroller‘, man werde die Mittel bald zusammenstreichen. „Das muss alles einfacher werden, und die Behinderten müssen lernen, etwas für sich in Anspruch zu nehmen, es einzufordern.“ Dass die dafür nötigen Nerven nicht jeder hat, gibt Rimmele gerne zu. Was ist das persönliche Erfolgsrezept des 33jährigen?

Meine Einschränkung habe ich angenommen – und ich wachse täglich daran.

Er habe sich immer an Menschen ohne Einschränkungen orientiert, eine Behinderteneinrichtung war nie eine Option. „Wenn sich bei mir Erschöpfung ankündigt, dann besinne ich mich auf das bereits Erreichte. Ich mache mir bewusst, dass ich schon fast angekommen bin und setzte mir kurzfristig erreichbare Ziele.“

Seit vier Jahren feiert Rimmele den Tag seines Unfalls mit einem großen Grillfest als seinen zweiten Geburtstag. „Vor dem Unfall war ich ein anderer. Ich glaube nicht, dass ich mein Leben ohne diesen Einschnitt so positiv gelebt oder einen Weg zu Gott und dem Glauben gefunden hätte.“

In seinem multimedialen Vortrag „Bitte hör nicht auf zu träumen“ berichtete ‚Eventroller‘ Stefan Rimmele von seiner Lebensgeschichte, beschreibt seinen langen Weg zurück ins Leben – und wie er seitdem Vieles meistern konnte, was ihm niemand zugetraut hat. „Probleme sind immer lösbar – und Träume sind da, um gelebt zu werden!“ Zwanzig Jahre nach seinem Unfall kann er sagen: Ich habe es geschafft!

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Ein Gedanke zu „Ein Kämpfer mit Rollstuhl: Stefan Rimmele

  • Maurice

    Toller und Umfangreicher Beitrag!
    Leider kommt es immer noch vor, dass etwa Gehbehinderte an ihr Umfeld zu wenig Ansprüche stellen. Diese hätten oft ganz andere Möglichkeiten, mit ein wenig Aufwand von der „gesunden Seite“ aus. Hoffentlich bleibt das nicht für immer so!
    Danke für diesen Beitrag

    Maurice Motzkau
    http://rollstuhlkaufen24.de/