Es gibt immer wieder fotografische Herausforderungen, bei denen auch die beste Kamera an ihre Grenzen stößt. So ist es zum Beispiel schwierig, Szenen mit sehr hohen Motivkontrasten aufzunehmen, wie zum Beispiel das Innere von Räumen mit hellem Tageslicht vor den Fenstern. Um ein korrekt belichtetes Bild zu erhalten greifen viele Fotografen zu einem Trick: Sie nehmen HDR-Bilder auf oder montieren Bilder mit unterschiedlichen Belichtungseinstellungen miteinander. Wir verraten Ihnen, wie Sie in wenigen Schritten gute HDR-Fotos schießen und bearbeiten können.
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Bild: “santa cruz de tenerife” von cortto . Lizenz: CC BY 2.0


Um beim Beispiel mit dem Tageslicht vor dem Fenster zu bleiben: Je nachdem, welche Einstellungen der Fotograf wählt, ist entweder der Raum zu dunkel oder das Fenster zu hell. Auch im Freien hat man dieses Problem häufiger, beispielsweise wenn man Objekte im Gegenlicht fotografiert oder der Himmel sehr hell ist. Diese schwierige Belichtungssituation löst man am besten, indem man mehrere Aufnahmen eines Motivs mit verschiedenen Belichtungseinstellungen macht und diese hinterher in der Bildverarbeitung zu einem Hochkontrastbild (High Dynamic Range Image) kombiniert. Adobe Photoshop hat für diese Aufgabe bereits gute Werkzeuge an Board. Für GIMP gibt es dafür das extern entwickelte HDR-Plugin „Exposure Blend“, dass Sie auf der Website des Herstellers unter http://tir.astro.utoledo.edu/jdsmith/code/exposure_blend.php herunterladen können. Andere Bildbearbeitungssoftware, die Sie bei der Erstellung von HDR-Bildern unterstützt, sind zum Beispiel die kostenlosen Programme CinePaint, FDRTools und Luminance HDR.

In wenigen Schritten kommen Sie so zu einem gleichmäßig ausgeleuchteten Bild. Da HDR-Software in der Regel auf ähnliche Weise arbeitet, wie das HDR-Werkzeug von Adobe Photoshop, erklären wir Ihnen die Vorgehensweise an diesem Programm.

1. Bereiten Sie die HDR-Aufnahmen vor

Für ein gelungenes HDR-Bild benötigen Sie eine Belichtungsreihe aus drei bis sieben Aufnahmen mit unterschiedlicher Belichtung. Dafür muss Ihre Kamera manuell einstellbar sein. Außerdem benötigen Sie ein Stativ, damit die Aufnahmen exakt deckungsgleich sind und das Bild nicht verwackelt. Idealerweise benutzen Sie deshalb für die Aufnahme auch einen Fernauslöser. Verändern Sie außerdem die Blende während der Aufnahme der Belichtungsreihe nicht, da ansonsten die Schärfentiefe variiert und die einzelnen Bilder nicht mehr gleich sind.

2. Stellen Sie die Kamera ein und nehmen Sie eine Belichtungsreihe eines Motivs auf

Falls es Ihre Kamera erlaubt, fotografieren Sie die Belichtungsreihe im RAW-Datenformat. So bleiben die meisten Bildinformationen erhalten und die Bearbeitung erfolgt weitgehend verlustfrei.

Wählen Sie einen geringen ISO-Wert, um Bildrauschen zu vermeiden und fokussieren Sie Ihr Motiv am besten manuell, damit der Bildausschnitt immer gleich bleibt.

Stellen Sie an Ihrer Kamera eine Verschlusszeit ein, mit der der dunkle Bildteil gut belichtet ist, sodass alle Details auch in den Schattenbereichen erkennbar sind.

Verändern Sie die Verschlusszeit danach in drei bis sieben Stufen, bis der helle Bildteil optimal belichtet ist und die Details in den Lichtern zu erkennen sind.

Einige Kameras erleichtern Ihnen diese Arbeit mit automatischen Belichtungsreihen. Ob Ihre Kamera diese Funktion besitzt, erfahren Sie im Kamerahandbuch oder auf der Herstellerseite. Verwechseln Sie die automatischen Belichtungsreihen bitte nicht mit der kameraeigenen Funktion „HDR“, denn hierbei nimmt die Kamera drei Bilder nacheinander auf und kombiniert diese sofort. Sie haben dann keinen Einfluss auf das endgültige Ergebnis

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Belichtungsreihe aus fünf Bildern

3. Erstellen Sie ein HDR-Bild aus Ihrer Belichtungsreihe in Adobe Photoshop

Adobe Photoshop hat das Werkzeug „Zu HDR Pro zusammenfügen…“ seit der Version CS2 integriert. Ein sogenanntes „falsches HDR“ wird ebenso mit dem Werkzeug „HDR-Tonung“ aus einem Einzelbild hergestellt, jedoch werden Sie damit zu helle oder zu dunkle Bildbereiche nicht optimal wiederherstellen können.

Öffnen Sie Adobe Photoshop und klicken Sie in der Hauptmenüleiste auf „Datei“, „Automatisieren“ und „Zu HDR Pro zusammenfügen…“.

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HDR-Werkzeug im Hauptmenüpunkt „Datei“ unter „Automatisieren“

Wählen Sie im aufgeklappten Dialogfenster nach einem Mausklick auf „Durchsuchen“ die Bilder Ihrer Belichtungsreihe aus. Markieren Sie anschließend die Checkbox vor „Quellbilder nach Möglichkeit automatisch ausrichten“. Photoshop versucht nun, die Bilder genau übereinanderzulegen. Schließen Sie das Dialogfenster mit einem Klick auf „OK“.

Auswahl der Bilder Ihrer Belichtungsreihe im Dialogfenster „Zu HDR Pro zusammenfügen“

Auswahl der Bilder Ihrer Belichtungsreihe im Dialogfenster „Zu HDR Pro zusammenfügen“

Photoshop verarbeitet die Bilder und öffnet anschließend das Dialogfenster „Zu HDR Pro zusammenfügen“.

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Zweites Dialogfenster enthält die Werkzeuge für die Feineinstellung

Nehmen Sie hier weitere Einstellungen zur Bildoptimierung vor oder nutzen Sie einen der integrierten Bildstile, die Sie in der Aufblendliste hinter „Vorgabe“ finden. Sie können auch eigene Einstellungen für spätere Bearbeitungen speichern, indem Sie das Listensymbol hinter „Vorgabe“ und dann „Vorgabe speichern …“ anklicken.

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Bildstile, bereits von Photoshop bereitgestellt

Aktivieren Sie die Checkbox vor „Geisterbilder entfernen“. Damit werden abweichende Bilddetails angeglichen, beispielsweise Äste von Bäumen, die sich im Wind bewegt haben.

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Minderung von Detailabweichungen durch die Funktion „Geisterbilder entfernen“

Legen Sie anschließend in der Aufblendliste hinter „Modus“ einen Wert für die Bitrate fest, unter der Ihr HDR-Bild gespeichert werden soll. Empfehlenswert ist der 16-Bit-Modus, da dieser die meisten Bildinformationen erhält und die Fotos von vielen Ausgabegeräten dargestellt werden können.

Um automatisierte Belichtungseinstellungen vorzunehmen, wählen Sie aus der Aufblendliste neben den Bit-Einstellungen die Optionen „Histogramm angleichen“, „Belichtung und Gamma“ sowie „Lichterkomprimierung“ aus.

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Öffnen der Aufblendlisten mit verschiedenen Werten durch Klick auf die Pfeile

Falls Sie individuelle Einstellungen bevorzugen, wählen Sie stattdessen den Wert „Lokale Anpassung“. Legen Sie dann über die Schieberegler unter „Leuchtkonturen“ fest, in welcher Stärke Konturen betont werden sollen. Zudem sind der Bildkontrast, die Schärfe und die Belichtung über die Regler unter „Farbton und Detail“ anpassbar.

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Aktivierung der „Lokalen Anpassung“ und Ausführung individueller Einstellungen

Noch feinere Einstellungen für die Tiefen, die Lichter, die Dynamik und die Sättigung nehmen Sie je nach bevorzugter Vorgehensweise unter den Registerkarten „Erweitert“ oder „Gradationskurve“ vor.

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Einstellung der Belichtung in den Tabs „Erweitert“ oder „Gradationskurve“

Wenn Sie mit allen Anpassungen zufrieden sind, beenden Sie den Dialog durch einen Mausklick auf „OK“. Photoshop fügt nun die Bilder Ihrer Belichtungsreihe zu einem Bild zusammen und öffnet dieses anschließend im Arbeitsbereich.

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Öffnen des HDR-Bildes in Photoshop, Weiterbearbeitung möglich

Bei Bedarf können Sie hier Ihr Foto weiter verbessern oder Ihre Arbeit durch Abspeichern des Bildes beenden.

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