Frauen im Beruf – das ist heute zum Glück längst Normalität. Vorbei die Zeiten, in denen jede Ehefrau die Erlaubnis ihres Mannes brauchte, um einen Job anzunehmen. Doch trotz weit fortgeschrittener Emanzipation gibt es immer noch ein großes Streitthema in der Gleichberechtigungsdebatte: Das Gehalt. Denn das hat sich, trotz steigender Qualifikation vieler weiblicher Arbeitnehmer, noch nicht angepasst. Woran das liegt und welche Gehaltsunterschiede je nach Branche zu erwarten sind, lesen Sie im Folgenden.
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Bild: „Female munitions worker“ von BiblioArchives. Lizenz: CC BY 2.0


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Mögliche Ursachen für ungleiche Bezahlung

Als Gründe für die fortwährende Benachteiligung der Frauen in Sachen Gehalt werden ganz verschiedene Faktoren genannt.

1. Bescheidenheit

Frauen fragen, statistisch gesehen, seltener nach einer Gehaltserhöhung. In Verhandlungen sind sie weniger fordernd. Auch neigen sie tendenziell dazu, ihre eigenen Erfolge kleinzureden oder als Teamergebnis auszugeben. Das erschwert es ihnen häufig, ihr Gesuch nach mehr Lohn vor dem Chef zu rechtfertigen.

2. präferierte Berufe

Noch immer ist es so, dass in den gutbezahlten Branchen (Technik/Naturwissenschaften) vor allem Männer arbeiten und in den tendenziell schlechter bezahlten Feldern (Pädagogik, Pflege etc.) vorrangig Frauen beschäftigt sind. Dies liegt unter anderem daran, dass Frauen eher noch als Männer nach Berufen suchen, die sich gut mit einer eventuellen Familienplanung vereinbaren lassen.

3. Führungspositionen

Diese werden viel häufiger von Männern bekleidet als von Frauen. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Von der Familienplanung, die weiterhin vielen Frauen bei der Verfolgung einer eigenen Karriere im Wege steht, über die bereits erwähnte Bescheidenheit bis hin zu verdeckter oder gar offener Diskriminierung weiblicher Angestellter sind allerlei Faktoren denkbar.

4. Auszeiten, Familiengründung etc.

Es sind immer noch hauptsächlich die Frauen, denen berufliche Nachteile aus der Familiengründung entstehen. So fallen sie im Schnitt viel länger aus als der Familienvater und steigen häufig nach Geburt der Kinder auf Teilzeitbasis wieder ein. Diese ist jedoch in vielen Fällen eine berufliche Sackgasse, da nicht nur die Bezahlung oft geringer ist, sondern auch die übertragene Verantwortung sowie die Aufstiegschancen. Deshalb führen Lohnunterschiede auf lange Sicht oft auch zu immensen Unterschieden in der späteren Rentenzahlung.

Durchschnittliche Höhe des Gehaltsunterschieds

Im Englischen wird die Lücke zwischen den Gehältern männlicher und weiblicher Angestellter unter dem Begriff „gender pay gap“ gefasst. Dieser wird in regelmäßigen Abständen von der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) erfasst: Mit 16,4% Gehaltsunterschied im Jahr 2012 ist Deutschland hiernach einer der europäische Spitzenreiter der Ungleichbehandlung, der internationale Durchschnitt lag 2011 bei 14,8% Differenz.

Derlei Angaben werden durch das Statische Bundesamt gestützt. Dieses ermittelte für das Jahr 2013 einen durchschnittlichen Bruttostundenlohn von 15,56 Euro gegenüber 19,84 Euro. Werte, die bereits das vierte Jahr in Folge nahezu unverändert blieben. Diese Zahl wird gemeinhin als „unbereinigter Lohnunterschied“ bezeichnet; unbereinigt deshalb, weil bestimmte determinierende Faktoren (Alter, Berufswahl etc.) noch nicht herausgerechnet sind.

Löst man diese jedoch auf und betrachtet Frauen sowie Männer, die etwa gleich alt sind, dieselbe Ausbildung genossen haben und eine vergleichbare Position bekleiden, so ergibt sich trotzdem noch eine Differenz von 7%. Diese wird als „bereinigter Lohnunterschied“ bezeichnet und gibt an, wie hoch der diskriminierungsbedingte Anteil der Ungleichbezahlung ist.

Weniger Unterschiede bei jüngerer Altersgruppe

Weil solche Zahlen jedoch oft abstrakte Kenngrößen bleiben, errechnet das Frauennetzwerk Business and Professional Women (BPW) Germany jedes Jahr den Equal Pay Day: Den Tag im Jahr also, an welchem die Durchschnittsfrau den Lohnunterschied zum Durchschnittsmann aus dem letzten Jahr aufgeholt haben wird. 2014 fiel dieser auf den 21. März.

Im Schnitt brauchen Frauen also 14,4 Monate, um dasselbe Geld zu verdienen wie ihre männlichen Kollegen in 12. Rechnet man dies auf eine Lebensarbeitszeit hoch, kommen horrende Summen zusammen.

Allerdings scheint es auch Fortschritte zu geben, was die Anpassung der Gehälter angeht. Dies zeigt sich, wenn man die Lohnunterschiede nach Altersgruppen spezifiziert. So verdienen Frauen zwischen 25 und 30 Jahren rund 13% weniger als ihre männlichen Kollegen, zwischen 36 und 40 Jahren etwa 19%, zwischen 51 und 55 Jahren um die 21% und in der Altersgruppe von 61 bis 65 Jahren schließlich 28%.

Konkrete Lohnunterschiede

In der folgenden Tabelle haben wir Ihnen die durchschnittlichen Differenzen in der Bezahlung nach diversen Berufen und Berufsgruppen zusammengetragen. Die Zahlen bezeichnen dabei das Bruttomonatsgehalt ohne Sonderzuschüsse in Euro. Ausführliche Informationen bietet die Internetplattform lohnspiegel.de, die nicht nur aktuelle Gehälter, sondern auch spannende Hintergrundinformationen veröffentlicht.

Berufe Männer Frauen Differenz in %
Zahntechniker/in 3.055 2.242 -27
Koch/ Köchin 2.090 1.648 -21
Fillialleiter/in 3.034 2.555 -16
Architekt/in 3.457 2.981 -14
Physiotherapeut/in 2.259 1.976 -13
Einzelhandelskaufmann/ -frau 2.546 2.309 -9
Sozialpädagoge/in 3.030 2.830 -7
Jurist/in 4.799 4.577 -5
Informatiker/in 4.062 4.191 3

Frauen erhalten seltener Sonderzahlungen

Allerdings sind es laut Angaben des WSI (Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut der Hans Böckler-Stiftung) nicht allein die reinen Bruttogehaltszahlungen, an denen sich Lohnunterschiede manifestieren. Auch gemessen an den jährlichen Sonderzahlungen sind Umfragen zufolge Frauen weiterhin deutlich benachteiligt. 51% der weiblichen Angestellten erhielten ein einmaliges Weihnachtsgeld, im Gegensatz zu 57% der männlichen Kollegen.

Noch deutlicher treten die Unterschiede bei Urlaubsgeld und Gewinnbeteiligung zutage: 50% zu 38% und 50% zu 10% sind als Differenzen signifikant. Auch in Bezug auf Weiterbildungen werden Frauen weiterhin (finanziell) benachteiligt: Nur 43% im Gegensatz zu 48% der Männer gaben an, im letzten Jahr eine betrieblich finanzierte Weiterbildung erhalten zu haben.

All diese Angaben zeigen, dass eine monetäre Gleichbehandlung von Frauen und Männern in der Realität der Berufswelt noch immer nicht gegeben ist. Während es einige Punkte gibt, an denen Frauen selbst tätig werden können (Berufswahl, Bescheidenheit bei Gehaltserhöhungen etc.) können andere Faktoren allein durch geschickte politische Maßnahmen beseitigt werden.



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