Bei deutschen Studenten steigt der Stress. Prüfungen, Nebenjobs und Praktika lassen wenig Zeit und setzen zu. Deshalb greifen immer mehr Studenten auf einen gefährlichen Trend zurück: Hirndoping durch leistungssteigernde Medikamente.
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Ritalin für Gehirndoping


Lernstress führt zu Gehirndoping

Im Lernstress Foto: Mariesol Fumy/jugendfotos.de

Für die USA gehen verschiedenen Studien von bis zu 25 Prozent der Collegestudenten aus, die schon einmal ein Mittel genommen haben, um sich besser auf Prüfungen vorzubereiten oder ihre Leistungsfähigkeit zu steigern, schreibt Focus Online. Noch sind die Zahlen für Deutschland nicht so alarmierend. Die DAK hat 2009 in einer Untersuchung festgestellt, dass etwa 800.000 Deutsche regelmäßig Präparate nehmen um ihre geistigen Fähigkeiten zu steigern.

Die Bereitschaft zur Einnahme ist da

Auch wenn sich das nicht viel anhört, so gehen Experten davon aus, dass diese Zahl in Zukunft steigen wird. „Hirndoping bei Gesunden, mit Ritalin etwa, dürfte nach unserer Auffassung in den nächsten Jahren zunehmen“, sagt Frank Meiners, Psychologe bei der DAK auf süddeutsche.de. Das liege vor allem daran, dass „die Akzeptanz chemischer Substanzen zur Steuerung von Leistung und Stimmung größer werden dürfte“. In einer Studie der Uni Mainz haben laut Focus Online nur 20 Prozent der Befragten angegeben, dass sie den Missbrauch solcher Medikamente strikt ablehnen. „80 Prozent wären jedoch nicht abgeneigt, wenn das Medikament legal und ohne Nebenwirkungen wäre“, heißt es dort weiter.

Verzerrter Wettbewerb an der Uni und im Beruf

Ritalin für Gehirndoping

Ritalin als Lernturbo Foto: Unfolded/flickr.com

Ritalin ist eigentlich als verschreibungspflichtiges Medikament vor allem für Kinder bekannt, die an einer Aufmerksamkeitsdefizitstörung (ADHS) leiden. Sie sollen dadurch ruhiger und konzentrierter werden. Die Einnahme bei Menschen ohne ADHS äußert sich in einer Steigerung der Leistung und der Konzentration, was den besonderen Reiz für Studenten ausmacht. Klüger macht das Mittel aber nicht. „Der Wirkstoff Methylphenidat drängt alle überflüssigen Hirnaktivitäten zurück. Was bleibt, ist die aufgabenbezogene Aktivität“, erklärt Claus Normann, Oberarzt an der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie der Freiburger Universitätsklinik auf Focus Online.

Auch wenn Ritalin nicht abhängig macht, so liegen die Gefahren für die Gesellschaft auf der Hand. „Ich sehe da überhaupt keinen Unterschied zum Doping im Sport. Es ist unfair und Betrug“, sagt Norman weiter. „Wenn es eines Tages ‚die‘ Pille fürs Gehirn gibt, bleiben die auf der Strecke, die sich verweigern. Wenn sich im Beruf nur noch diejenigen durchsetzen, die etwas einnehmen, entsteht ein Zwang für alle anderen. Das widerspricht dem Selbstbestimmungsrecht.“

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2 Gedanken zu „Gefährliche Pillen: Gehirndoping bei Studenten

  • Lecturio E-Learning

    Es stimmt, wir leben in einer Leistungsgesellschaft, deren harte Bedingungen viele mit einem Burnout bezahlen. Aber ist nicht gerade das ein Zeichen, dass ein Umdenken nötig ist, anstatt durch Gehirndoping den Leistungsdruck noch künstlich zu erhöhen? Vielleicht kann der Einzelne an der gesamtgesellschaftlichen Situation nichts ändern, aber zumindest kann man versuchen auf sich und seine Gesundheit zu achten – und Pillen gegen eine Krankheit zu nehmen, die man gar nicht hat, ist sicher nicht gesund. 

  • Karl

    Was heißt "unfair und Betrug"? Es ist einfach nur dumm von denjenigen die in der heutigen Leistungsgesellschaft nicht die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um leistungsfähig zu sein. 

    Natürlich ist es eine Art Gruppenzwang, aber den gab und gibt es doch schon immer. Wer mithalten will, muss den entsprechenden Preis zahlen: Wenig Freizeit, Statussymbole, etc. Die Hohe Rate an Burnout-Opfern ist doch der beste Beweis, dass sich viele gezwungen sehen, so lange weiter zu ackern, bis zu "kaputt" sind.