Bild von
Mikael Kristenson
auf Unsplash


Für viele, die eine Ausbildung abgeschlossen haben und bereits fest im Berufsleben stehen, wirkt ein anschließendes Studium verlockend. Ein solches ermöglicht es, das Gelernte zu vertiefen und sich dadurch neue Möglichkeiten sowie Berufschancen zu erschließen. Bewerber mit einem abgeschlossenen Studium können außerdem mit höheren Gehältern rechnen. 

In vielerlei Hinsicht ist ein akademischer Abschluss also attraktiv – insbesondere für Selbstständige. Fachliche Expertise in Verbindung mit einem Abschluss zu besitzen, der dies unterstreicht, ist nämlich eine der Voraussetzungen für Unternehmensgründungen. Menschen lassen sich nur von jemanden führen, der über geballtes Fachwissen in einem bestimmten Bereich verfügt. Dieses erwirbt man in aller Regel im Studium. 

Doch mit welchen Hürden haben Sie – falls Sie ein Studium anstreben – zu rechnen? Welche Möglichkeiten bestehen für Interessierte ohne Abitur und was können Sie tun, wenn Sie bereits abgelehnt wurden? Lohnt es sich, einen Anwalt für eine Studienplatzklage zu beauftragen? Diesen Fragen widmen wir uns in den folgenden Textabschnitten. 

Voraussetzungen für angehende Studierende

Grundsätzlich ist jeder berechtigt zu studieren, der die allgemeine Hochschulreife besitzt – also das Abitur. Falls Sie diese nicht haben, ist das allerdings noch kein Grund, die Flinte ins Korn zu werfen. Es existieren nämlich Studiengänge, welche eine abgeschlossene Ausbildung in Verbindung mit Praxiserfahrung als gleichwertig anerkennen. Die Ausbildung ersetzt in diesem Fall also das Abitur. Auf welche Studiengänge das zutrifft, ist allerdings von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Für Sie kann es hilfreich sein, bei der Agentur für Arbeit oder den diversen Studienratgebern, die es gibt, nachzufragen. 

Welche Studienform ist die Richtige? 

Nachdem Sie sich auf ein passendes Studienfach festgelegt haben, sollten Sie außerdem entscheiden, wie Sie Ihr Studium genau gestalten. Eine wichtige Frage in diesem Zusammenhang ist, ob Sie weiterhin nebenbei arbeiten oder in Vollzeit studieren möchten. 

Für Sie gibt es in diesem Zusammenhang drei Möglichkeiten

Fernstudium 

Sie können sich an einer Fernuniversität einschreiben und so Ihre Studienzeit flexibel einteilen, ohne Seminare oder Vorlesungen besuchen zu müssen. Allerdings ist diese Form des Studiums oft teuer.

Teilzeitstudium

In diesem Fall arbeiten Sie tagsüber und besuchen abends die Kurse an der Universität. Diese Form des Studiums bedeutet eine erhebliche Belastung, da Sie sowohl lernen als auch Ihren Pflichten im Job nachkommen müssen. 

Duales Studium

Duale Studiengänge sind ebenfalls mit erheblicher Belastung verbunden, können aber insbesondere für Studierende mit Berufserfahrung interessant sein. Das berufsintegrierende und das berufsbegleitende duale Studium sind nämlich speziell auf Berufstätige zugeschnitten, die sich weiterbilden möchten. Mehr Informationen zu diesen beiden Varianten finden Sie hier

In diesem Zusammenhang sollten Sie auch nicht versäumen, sich frühzeitig über Finanzierungsmöglichkeiten zu informieren. Falls Ihre Eltern Sie nicht unterstützen können, bietet sich beispielsweise ein staatlicher Bildungskredit in Form von BaföG an. 

Es existieren allerdings ebenfalls Hilfen, die sich nur für Studierende eignen, welche einen Berufsabschluss vorweisen können. Die Hans-Böckler-Stiftung beispielsweise hilft solchen mit speziellen Starthilfen, Stipendien sowie Lernunterstützungsmaßnahmen aus. Diese Förderprogramme richten sich gezielt an angehende Studenten ohne Abitur. 

Was können Sie tun, wenn Ihr Antrag abgelehnt wurde? 

Auch wenn Sie die nötigen Qualifikationen besitzen, Ihr Wunsch-Studienfach gewählt haben und über ausreichende finanzielle Rücklagen verfügen – noch steht nicht fest, dass Sie studieren können.

Da Studienfächer wie beispielsweise BWL extrem gefragt sind, müssen sich Bewerber auf Absagen einstellen. Die deutschen Universitäten verfügen nur über begrenzte Kapazitäten, daher können sie nur eine gewisse Anzahl von Studierenden aufnehmen. Dem Wettbewerb um die besten Universitäten und die beliebtesten Studiengänge sind auch Sie zwangsläufig ausgesetzt. Kriterien, nach denen Hochschulen Bewerber auswählen, sind beispielsweise:

  • Guter Notendurchschnitt des Abschlusszeugnisses
  • Korrekt ausgefüllte Antragsformulare
  • Aussagekräftiges Motivationsschreiben

Je nachdem, wie beliebt Ihr bevorzugter Studiengang ist, desto größer ist entsprechend die Konkurrenz. 

Risiken und Chancen von Studienplatzklagen

Aber welche Schritte können Sie unternehmen, wenn Sie tatsächlich abgewiesen wurden? 

Das kommt in erster Linie auf den Grund an, den die Universität angeführt hat. Dreh- und Angelpunkt einer sogenannten Studienplatzklage ist die Frage nach den Kapazitäten der jeweiligen Hochschule. 

Grundsätzlich können Sie Ihren Studienplatz einklagen. Hat die Universität Ihre Bewerbung abgelehnt, weil sie – nach eigener Aussage – ihre Kapazitäten bereits voll ausreizt, ist die Grundlage dafür vorhanden. 

Ablauf der Klage

Nachdem Sie eine Kanzlei beauftragt haben, beginnt diese damit, Material zu sammeln. Ihr Anwalt versucht konkret, vor Gericht zu beweisen, dass der Universität bei der Kalkulation ihrer Studienplatzkapazitäten Fehler unterlaufen sind. Er sucht also außerkapazitäre Studienplätze, welche in der ursprünglichen Rechnung nicht vorgesehen waren. Wenn die Klage erfolgreich verläuft, beweisen Sie damit, dass die Hochschule ihre Möglichkeiten bei der Vergabe nicht voll ausschöpft.

Im Anschluss können Sie einen der so entstandenen, zusätzlichen Plätze einklagen. 

So weit, so gut. 

Wie bei jeder Art von juristischen Verfahren ist es in diesem Fall wichtig, dass Sie Chancen und Risiken für sich abschätzen können.

Mögliche Kosten

Genauer sollten Sie in diesem Zusammenhang die anfallenden Kosten betrachten. Die Antragstellung sowie das Honorar des Anwalts ergeben zusammen einen Betrag in vierstelliger Höhe. 

Der Antrag allein ist schon recht teuer, die genauen Kosten variieren aber abhängig vom Bundesland:

Streitwert beim Verwaltungsgericht

Hamburg: 3.750 Euro

Bayern; Rheinland-Pfalz; Niedersachsen: 2.500 Euro

Saarland: 1.000 Euro

Restliche Bundesländer: 5.000 Euro

So errechnen Sie also einen ersten Richtwert. 

Es besteht allerdings zusätzlich auch das Risiko, dass Sie den Prozess verlieren. Ein positiver Ausgang ist keinesfalls gesichert. Gelingt es Ihrem Anwalt nicht, nachzuweisen, dass die Universität Fehler gemacht hat, tragen Sie die Kosten für das Verfahren allein. Zusätzlich zahlen Sie die Honorare für die Anwälte der Gegenseite. Eine verpatzte Studienplatzklage kann Sie also buchstäblich teuer zu stehen kommen.

Mit Blick darauf sollten Sie daher die Möglichkeit einer Klage nur in Ihre Pläne einbeziehen, wenn Sie über das nötige Grundkapital verfügen. 

Ob und wann sich eine Klage für Sie lohnt, müssen Sie für sich selbst beantworten. 

Grundsätzlich gibt Ihr Wille den Ausschlag, ein Studium zu beginnen und dies an einer ganz bestimmten Universität zu tun. Je flexibler Sie in ihren Vorstellungen sind, desto leichter fällt es Ihnen auch, Alternativen zu finden. Wenn Sie sich aber einen festen Ablaufplan für Ihre Ausbildung zurechtgelegt haben und keinerlei Abstriche machen wollen, ist eine Klage möglicherweise der richtige Weg für Sie. 

Autorenprofil

Anna Schmidt ist 1968 in Hamburg geboren und aufgewachsen.
Die studierte Politikwissenschaftlerin und Journalistin arbeitet als freischaffende Autorin für mehrere regionale und überregionale Zeitungen. Spezialisiert hat sie sich auf die Themen rund um Globalisierung, Wirtschaftspolitik und Nachhaltigkeitsaspekte in Unternehmensfragen.

Sie haben einen Bildungsgutschein?
Erfolgreiche Online-Weiterbildung inkl. Prüfung & Zertifikat

Themen: Projektmanagement (PRINCE2®, Six Sigma), Bilanzbuchhalter, Online Marketing Manager uvm.
Jetzt mehr erfahren & Beratung anfordern!
Nein, danke!

Schreiben Sie einen Kommentar

Sie wollen einen Kommentar schreiben?
Registrieren Sie sich kostenlos, um Kommentare zu schreiben und viele weitere Funktionen freizuschalten.

Weitere Vorteile Ihres kostenlosen Profils:

  • Uneingeschränkter Zugang zu allen Magazinartikeln
  • Hunderte kostenlose Online-Videos für Beruf, Studium und Freizeit
  • Lecturio App für iOS und Android

Sie sind bereits registriert? Login

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *