Wenn man sich die Reportagen zu den Studis der 60er und 70er Jahre anschaut, kann man als Student heute schon einmal neidisch werden. Damals wurde noch für Ideale gekämpft, gegen die Elterngeneration rebelliert, die bestehende soziale Ordnung angegriffen, und nebenbei konnte man, so der Eindruck heute, ohne Druck und mit viel Gelassenheit einfach „vor-sich-hin-studieren“. Trotz alledem war einem hinterher ein gut bezahlter Job vom vorher so kritisierten Establishment sicher.

Heute ist dies für viele Studenten ein Traum aus längst vergangenen Zeiten, die sich wohl nicht mehr wiederholen werden. Denn die Realität an deutschen Hochschulen sieht heutzutage, wenn man den zahlreichen Artikeln aus Uni-Magazinen und Zeitschriften Glauben schenkt, ganz anders aus: Es wird berichtet über steigenden Leistungsdruck, Drogen wie Ritalin zur Konzentrationsverbesserung, einem zunehmenden Konkurrenzdruck unter Studenten, zu hoch gesteckten Zielen, zwingender Auslandserfahrung und die große Unsicherheit, wohin einen das Studium heute letztlich bringen mag.

Kein Wunder also, dass der einst für überarbeitete Ärzte und Manager verwendete Begriff ‚Burnout‘ heute auch ein unter Studenten verbreitetes Krankheitsbild widerspiegelt. Zu diesem Thema hat der Uni-Spiegel einen Artikel veröffentlicht, der sich mit den Ursachen und Heilungsmethoden der Krankheit beschäftigt.

Burnout bei Studenten

Das Burnout-Syndrom selbst hat vielfältige Facetten: Die Betroffenen fühlen sich müde, lustlos, sind unmotiviert und verfallen mitunter in depressionsartige Zustände. Dabei trifft es vornehmlich Studenten, die ihre Ansprüche an sich selbst nicht erfüllen können. Die Zahl der Studenten, die aus diesem Grund psychologische Beratung an der Uni in Anspruch nehmen, ist in den letzten vier Jahren um ein Viertel gestiegen. Ebenso ist das Angebot an Seminaren zur Bewältigung von Stress und Prüfungsangst kontinuierlich gewachsen. Doch können Seminare und Vorträge das Problem wirklich lösen? Schlussendlich rät jeder Psychologe oder Berater zu mehr „Entschleunigung“ im Studienalltag: Denn der scheinbar unbegrenzten Anzahl an Angeboten und Möglichkeiten, seine Noten und seinen Lebenslauf aufzubessern, steht doch nur eine begrenzte Menge an verfügbarer Zeit gegenüber.

Was sagt ihr zum Thema Burnout im Studium? Ist der Leistungsdruck von außen zu hoch, oder ist das Problem hausgemacht, weil die eigenen Erwartungen zu hoch geschraubt werden? Meint ihr, dass E-Learning-Plattformen wie Lecturio durch die zeitliche und örtliche Flexibilität dazu beitragen können, den Studienalltag wieder angenehmer zu gestalten? Wir sind gespannt auf eure Meinungen zu diesem aktuellen Thema.

 

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2 Gedanken zu „Burnout schon im Studium – Was tun?

  • Lecturio E-Learning

    Danke für dieses wirklich interessante Kommentar. Es ist auch sehr bemerkenswert, dass du deinen Weg – mit deinem Tempo und deinen Ansprüchen – selbst gefunden hast. Hattest du auch Kontakt zu Menschen, denen das vielleicht nicht gelungen ist?

  • Gast

    Als ehemaliger Betroffener kann ich sagen, dass es tatsächlich die unrealistische Einschätzung der eigenen Möglichkeiten ist, die zu dem enormen Stress führen. In einer Stunde 30 Seiten im Lehrbuch zu schaffen, würde eben auch bedeuten pro Seite 2 Minuten zu haben, was schon dann illusorisch ist, wenn man auch nur eine (!) Fundstelle nachlesen will. Hinzu kommt der doch schon enorme Anforderungskatalog mancher (nicht aller, aber eben der "klassischen" Haupstudienfächer, wie Jura, BWL, Medizin) Studienfächer. Die von den Fakultäten ausgegebenen Studienpläne sehen keinen Raum/Zeit für Scheitern, Durchfallen, Aus-Zeiten und Krankheiten, auch wenn in letzterem Fall Freisemester genommen werden können, aber eben nicht für die 6-wöchige schwere Bronchitis mit Rückfällen, sonder nur in Fällen wie Koma, schwere psychische Leiden, verstorbene Angehörige etc.
    Wenn man dann noch betrachtet, was auf begehrten Stellenausschreibungen steht, bekommt man schnell den Eindruck, dass es in der Bundesrepublik Jobs nur noch für hochbegabte Alleskönner gibt, die all die Sprachen, Titel, Auslandserfahrung, herausragende Examina und überdurchschnittliches gesellschaftliches Engagement vorweisen könnten und das natürlich in unterdurchschnittlicher Studiendauer.
    Dem habe ich abgesagt, in meinem Tempo studiert, die Schwerpunkte gesetzt, die mich interessiert haben, trotz hoher Semesterzahl im Ausland gewesen, nicht-juristische Praktika gemacht. Nach zweistelliger Verweildauer habe ich es dann durch mein überdurchschnittliches Schwerpunkt-Ergebnis zur begehrten Prädikats-Erste Prüfung geschafft. Und werde mich demnächst als Doktorand wieder mit dem beschäftigen, was mich interessiert.