Auch dann, wenn sie es geschafft haben, in einem Unternehmen Fuß zu fassen: Eine Karriere bleibt vielen Frauen trotz Kompetenz und Engagement verwehrt. Was bedeutet Karriere? In der hier verwendeten Begrifflichkeit ist damit eine berufliche Weiterentwicklung gemeint, die mit mehr Geld, mehr Macht und mehr Verantwortung verbunden ist. Und mit mehr Arbeit. Es sind wahlweise die Frauen, die Männer, die Strukturen, die Erziehung, die Natur oder andere Gründe, die im Endergebnis dazu führen, dass Frauen in Deutschland sehr viel seltener im höheren mittleren und ausgesprochen selten im oberen Management zu finden sind. Die folgenden Tipps sollen Ihnen dabei helfen, Ihr Ziel dennoch zu erreichen.
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Lagarde

Bild: “0120612_CGD_Lagarde_1179” von PROCenter for Global Development (CGD). Lizenz: CC BY 2.0


Tipp 1: Setzen Sie sich klare Ziele

Ein Mensch, der keine Ziele hat, wird es auch nie zu etwas bringen, davon bin ich überzeugt,

sagt Doris Albiez. Die Frau, die seit über dreißig Jahren in der IT-Branche arbeitet, und hierzulande bei Dell die Positionen des Vice President und General Manager bekleidet, wusste schon früh, dass Sie Karriere machen will.

Je präziser diese formuliert sind, desto besser. Ich habe in meiner Karriere Etappenziele eingeplant […].

Klären Sie also für sich selbst zunächst, was Sie wollen. Wohin. Und warum. Albiez rät außerdem dazu, sich Gedanken darüber zu machen, wer einem helfen kann. Unterstützung, sagt sie, ist wichtig. Man muss nicht alles allein schaffen, auch wenn viele Frauen das immer noch zu glauben scheinen.

Tipp 2: Stehen Sie zu Ihren Stärken

In einer Studie der Colombia Business School zeigte sich, dass Frauen ihre Leistungen durchschnittlich schlechter bewerteten als ihre männlichen Kollegen. Als es im Anschluss darum ging, einen Anführer zu wählen, setzten sich die sich selbst überschätzenden Männer klar durch. Eine McKinsey-Studie zeigte, dass Frauen zwanzig Mal häufiger über ihre Schwächen sprechen, als von ihren Stärken.

Frauen müssen erkennen, dass es oft gar nicht an ihren Qualifikationen liegt, wenn sie bei personellen Entscheidungen auf der Führungsebene nicht bedacht werden. Sondern daran, dass sie selbst nicht an sich glauben.

– Margarete Haase

Die Österreicherin Haase ist Mitglied des Aufsichtsrats der Fraport AG und der Elring Klinger AG, sowie Mitglied des Vorstands bei Deutz, und meint: „Frauen sollten ihre Kompetenzen selbstsicher präsentieren, Förderung sowie Aufstieg einfordern und dürfen sich vor allem nicht scheuen, schwierige Aufgaben anzunehmen. Wenn man mich vor zwei Herausforderungen gestellt hat, habe ich mich grundsätzlich für die schwierigere entschieden. Denn diese bot die wirklich große Chance, sich zu beweisen und sich von der Konkurrenz abzuheben.“

Tipp 3: Nehmen Sie den Konkurrenzkampf an

Christina Virzi von der The Female Factor GmbH sucht als Headhunter für Firmen Topmanagerinnen. Dass Machtspielchen und Taktieren nicht allen Frauen liege, habe viel mit Erziehung zu tun, meint sie. Dass Mädchen zaghafter sind, wenn es um direkte Konkurrenzkämpfe mit Gleichaltrigen geht, belegte eine Studie der Universität Innsbruck.

Die Forscher ließen Kinder Aufgaben lösen, für die sie mit Geld belohnt wurden. Die Möglichkeit, den Betrag durch den Wettbewerb mit Gleichaltrigen zu vermehren, nahmen 40 Prozent der Jungen wahr. Bei den Mädchen jedoch nur schmale 19 Prozent.

Tipp 4: Sprechen Sie die Sprache Ihrer männlichen Kollegen

Peter Modler, seines Zeichens Unternehmensberater, Lehrbeauftragter an der Universität Freiburg und früherer ehrenamtlicher Arbeitsrichter, teilt den Eindruck, dass Frauen nicht angemessen in den Konkurrenzkampf gehen.

Mitarbeiterinnen werden häufig dafür gelobt, über gute Teamfähigkeit und Einfühlungsvermögen zu verfügen. „Und genau deshalb machen sie keine Karriere.“ Modler formuliert es drastisch. „Hierarchien sind den meisten Männern sehr wichtig. Sie kommunizieren vertikal, wie man in der Soziolinguistik sagt. Das kann man schon bei kleinen Jungs beobachten: Wenn man die zusammen spielen lässt, ohne einzugreifen, werden sie sehr schnell untereinander ausmachen, wer wo in der Rangordnung steht. Bei Frauen verläuft die Kommunikation typischerweise auf horizontaler Ebene: Man erzählt sich gegenseitig etwas und verteilt so Informationen egalitär.“
Seine Empfehlung lautet daher: „Klare Statements, kurze Sätze, keine Erklärungen – und bloß nicht charmant lächeln, um den eigenen Worten die Schärfe zu nehmen.“ Modler rät außerdem, den Rang des Vorgesetzten anzuerkennen und den eigenen daneben zu stellen, sowie „in seiner Muttersprache“ mit ihm zu sprechen:

Klare Kante zeigen, nicht in Rechtfertigungen verhaspeln.

Tipp 5: Fordern Sie Beförderungen ein und nutzen Sie Ihre Macht

Ex-Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger sagt: In Deutschland regiert noch immer eine „abgeschottete Männerkaste“ in den Konzernen. Geschlechterforscherin Prof. Christiane Funken hat in sich in einer Studie mit Frauen im Management beschäftigt, und sieht Sattelbergers These bestätigt.

Sie beschreibt ein Phänomen, das Frauen in Top-Positionen häufig betrifft: Sie haben formal eine einflussreiche Stelle, aber keine wirkliche Macht.

Selbst wenn sie es – höchst selten – in den Vorstand oder den Aufsichtsrat geschafft haben, sind sie dort isoliert und letztendlich nur Vorzeigefrauen. Von den eigentlichen Macht- oder Informationskanälen werden sie systematisch ausgeschlossen.

Und: Während männliche Kollegen die eigene Beförderung forderten, warteten die Frauen lieber ab. Frauen verleihen ihrem Wunsch nach einer Beförderung zu wenig Nachdruck, schlussfolgerten die Forscher. Die Frauen werden später befördert, müssen also faktisch mehr leisten, um zum Zuge zu kommen.

Tipp 6: Stellen Sie sich Herausforderungen besser auf vertrautem Gebiet

Von achtzehn Frauen, die in den vergangenen Jahren in den Vorstand eines DAX-Unternehmens einzogen waren, sind acht inzwischen wieder von ihrer Stelle verschwunden. Woher kommt das, von den bisherigen Aspekten abgesehen?

Axa-Managerin Bisanzio meint, ein wichtiger Punkt sei, dass die betreffenden Frauen von einem politischen Amt ins operative Geschäft berufen worden seien.

Es ist dann schwierig, ernst genommen zu werden.

Außerdem sei es wichtig, das Handwerkszeug für den entsprechenden Posten gut gelernt zu haben. Trotzdem gehöre es auch dazu, nach einer Niederlage weiterzumachen.

Hans-Joachim Reck, Hauptgeschäftsführer des Verbandes kommunaler Unternehmen, sieht das ähnlich: In der Wirtschaft habe es keinen Sinn, Frauen aus der Politik oder dem Wissenschaftsbetrieb für Top-Jobs anzuheuern. „Dann sonnen sich die Männer wegen dieser Alibi-Platzierungen nur in den Medien.“

Headhunterin Christina Virzi nennt noch ein weiteres Argument dafür, bei einem neuen Arbeitgeber nicht direkt im oberen Management einzusteigen: Wer sofort in den Vorstand einzieht, der kann keine Ahnung davon haben, wer welche Agenda verfolgt, wer den eigenen Posten auch gerne gehabt hätte und nun am Stuhl sägt, und auch nicht davon, wer mit wem koaliert.

Tipp 7: Vernetzten Sie sich breit und sicher

Doris Albiez hatte über die Jahre hinweg drei Mentoren. Es war ihr stets wichtig, ihr Netzwerk zu pflegen, auch dann, wenn sie keine Unterstützung gebraucht hat. Nur die engen, gefestigten und persönlich gestalteten Beziehungen, die sich über eine lange Zeit hinweg entwickelt haben, sind auch dann belastbar, wenn es um Rat und Hilfestellung geht, so ihre Erfahrung.

Daniela Weber-Rey, früher Partnerin bei Clifford Chance und anschließend weltweite Verantwortliche für Compliance bei der Deutschen Bank, rät dazu, sich nicht nur mit Geschlechtsgenossinnen zu umgeben. Ambitionierte Frauen sollten sich in heterogenen Kreisen bewegen, wenn Sie aufsteigen möchten.

Sie selbst lud Geschäftspartner zu sich nach Hause ein, schuf die Gelegenheiten zum Austausch, wenn sich diese nicht ergaben. Alle aßen gemeinsam mit ihren Kindern zu Abend. Weber-Rey hat gute Erfahrungen damit gemacht, unterschiedliche Menschen an einen Tisch zu bringen. Viele berufliche Freundschaften hätten sich aus den Treffen bei ihr entwickelt, meint die Star-Juristin.

Tipp 8: Geben Sie nicht auf!

Gerade Frauen müssen bereit sein, ihre Komfortzone zu verlassen und Risiken eingehen. Genau das wird im Management erwartet. […] Dazu braucht es Zähigkeit und Durchhaltevermögen. Außerdem ist es wichtig, die eigene Kreativität zu nutzen und neue Ideen einzubringen,

sagt Doris Albiez.

Es geht aber nicht darum, in einer Sackgasse auszuharren. Sich zu entscheiden etwas zu verändern ist etwas anderes, als aufzugeben. Auch Albiez hat sich immer wieder neue Jobs gesucht, wenn sie zu der Erkenntnis gelangte, dass sie feststeckte und sich nichts an der Situation verändern ließ.

Karriere zu machen erfordert Kampfgeist

Spitzenjobs sind kein Spaziergang. Schon gar nicht für Frauen, denn nach wie vor werden es Managerinnen als einzige oder als eine von zwei Frauen im Vorstand besonders schwer haben. Wer Karriere machen will, braucht mehr als Kompetenz und Fleiß. Es gehören Mut, eine dicke Haut, jede Menge Biss und die Bereitschaft, unbequem zu sein und sich mit seinen Verdiensten ins Rampenlicht zu stellen, unabdingbar dazu.

Konsequenz und Härte sind keine Eigenschaften, die Männer einer Frau zuschreiben. […] Ich habe erkannt, dass ich nur zwei Optionen hatte: Entweder ich kapituliere, oder ich entscheide mich, nicht aufzugeben, und nehme den Konkurrenzkampf um Top-Positionen an. […] der Leitsatz „Niemals aufgeben“ wurde zum Credo meines Berufslebens.

– Margarete Haase

Quellen

„Bloß nicht charmant lächeln“ via Süddeutsche Zeitung

Managerinnen kurz vorm Ziel – Sie wollen nach ganz oben via karriere.de
Top-Jobs durch Selbstverteidigung – Wie Frauen sich hoch kämpfen via karriere.de

Das frühe Ende der Karrierefrau via zeit.de

Dell Chefin Doris Albiez: „Ich habe meine Karriere langfristig geplant“ via zeit.de

Gender Differences in Competition Emerge Early in Life via Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit

The Emergence of Male Leadership in Competitive Environments via Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit

Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit via karrierebibel.de

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