Wer in Deutschland Jura studieren möchte, hat die Qual der Wahl. Insgesamt gibt es 47 staatliche juristische Fakultäten und zwei private. Während wir die Frage, ob für Sie das klassische Jurastudium oder der LL.B. interessanter ist, bereits an anderer Stelle geklärt haben, soll es heute darum gehen, welche sonstigen Kriterien Ihnen bei der Wahl des richtigen Studienortes helfen können.
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Bild: “ University of Washington campus, 1979” von Seattle Municipal Archives . Lizenz: CC BY 2.0


1. Gibt es einen Numerus Clausus (NC)?

Sofern Sie zu den wenigen Abiturienten mit einem 1,0-Durchschnitt gehören, dürfte Ihnen diese Frage kaum Kopfzerbrechen bereiten. Für die große Mehrheit der Schulabgänger ist es jedoch wichtig zu wissen, ob das Jurastudium an einer bestimmten Universität zulassungsbeschränkt ist.

Die Auswahl der Studienbewerber, die zugelassen werden, ergeht bei einer Zulassungsbeschränkung wie folgt: 20 % der Plätze werden anhand der Abiturnote, weitere 20 % werden aufgrund der Wartesemester der Kandidaten vergeben und 60 % können nach einem eigens von der Hochschule festgelegten Verfahren besetzt werden.

Hier ist ein Beispiel für das Zulassungsverfahren im Fach Rechtswissenschaft:
An der HU Berlin wurden zum Wintersemester 2013/2014 400 Studienplätze unter 3390 Bewerbern vergeben. Die Durchschnittsnote desjenigen, der als Letzter zugelassen wurde, lag bei 1,6. Hinsichtlich der Wartesemester hatte der letzte zugelassene Bewerber drei vorzuweisen. Das hochschuleigene Zulassungsverfahren richtete sich zu 90 % nach der Abiturnote und zu 10 % nach einer vorher abgeschlossenen Berufsausbildung. Auch hier lag der Schnitt des letzten zugelassenen Bewerbers bei 1,6.

Dies ist jedoch kein Grund, besorgt zu sein: An zahlreichen Fakultäten bestand in den vergangenen Jahren für den Studiengang Jura keine Zulassungsbeschränkung. Hier mussten sich die Bewerber nur rechtzeitig bewerben und dann einschreiben. Dies ist zum Beispiel an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg oder an der Uni Greifswald der Fall.

Beachten Sie aber, dass dies nur Erfahrungswerte aus der Vergangenheit sind. Ob bei Ihrem Bewerbungsdurchgang eine Zulassungsbeschränkung gegeben ist, kann man nicht mit 100%iger Wahrscheinlichkeit sagen. Es kommt stets darauf an, wie viele freie Plätze die Uni hat und wie viele Bewerbungen für diese eingehen.

Neben dem NC kann die Uni die Zulassung aber auch von anderen Faktoren abhängig machen. So wird etwa an der Bucerius Law School in Hamburg und an der EBS Law School in Wiesbaden ein Aufnahmetest vorausgesetzt.

2. Was sagen die Hochschulrankings?

Sehr hilfreich kann bei der Auswahl des richtigen Studienortes auch der Blick auf Hochschulrankings sein. Das Ausführlichste ist das CHE-Hochschulranking, das auf der Internetseite von ZEIT ONLINE veröffentlicht wird. Hier kann man sich kostenlos anmelden und aus einem Kriterienkatalog auswählen, was einem im Studium wichtig ist.

Anschließend kann man sich in einer Grafik anschauen, welcher Studienort für einen die beste Wahl ist. Dabei kann man sich auch Details zu jeder einzelnen Hochschule ansehen, sowie mehrere Hochschulen auswählen und diese miteinander vergleichen.

In der Kategorie „Studiensituation insgesamt“ im Fach Rechtswissenschaft sind im Ranking 2014/2015 die Unis Bayreuth, Düsseldorf, die Europa-Uni Frankfurt/Oder, Jena, Göttingen, Greifswald, Halle-Wittenberg, Mannheim, Münster, Passau und die Bucerius Law School in der Spitzengruppe gelandet.

Auch auf der Internetseite des juristischen Onlinemagazins Legal Tribune Online findet man ein Hochschulranking, das Auskunft über das Abschneiden der Universitäten im Rahmen der Untersuchungen der Wirtschaftswoche in den Jahren 2009 bis 2012 gibt und daneben das CHE-Ranking von 2011 in die Gesamtbewertung einbezieht. Hier rangiert die Münchener Uni auf Platz 1, Münster auf Platz 2 und Köln auf Platz 3.

Wichtig ist jedoch, dass die Hochschulrankings nicht das einzige Kriterium für die Auswahl des Studienortes sein sollten, da hier meist nur bestimmte Faktoren in die Bewertung einbezogen werden bzw. manche Unis an den Rankings aus verschiedenen Gründen gar nicht erst teilnehmen und hierdurch weniger bemerkt werden.

3. Wie ist die Bibliothek ausgestattet?

Sehr wichtig für ein erfolgreiches Jurastudium ist auch die Bibliotheksausstattung, denn nichts ist anstrengender als die Schlacht von 400 Erstsemestern um zwei aktuelle Lehrbücher oder der mangelhafte Zugang zu Online-Datenbanken.

Auch über die Bibliothekssituation an den verschiedenen Unis gibt das CHE-Ranking Auskunft. In dieser Kategorie haben die Unis Saarbrücken, Passau, Münster, Mannheim, Jena, Halle-Wittenberg, Göttingen, Düsseldorf, Bochum, Bielefeld, Bayreuth, die FU Berlin sowie die Bucerius Law School Spitzenergebnisse erzielt. Wie erwähnt wurden aber einige Universitäten nicht oder nur aufgrund ihrer veröffentlichten Daten einbezogen.

Ansonsten empfiehlt es sich, dass Sie die Bibliothek selbst einmal besuchen, um sich ein Bild von der dortigen Situation zu machen. Sprechen Sie auch mit Studierenden aus höheren Semestern, um herauszufinden, wie diese mit der Ausstattung zufrieden sind.

4. Muss ich Studiengebühren zahlen …

Ein umstrittenes Thema waren in den letzten Jahren allgemeine Studiengebühren, die manche Bundesländer erhoben. Mit dem Beginn des Wintersemesters 2014/15, zu dem auch Niedersachsen die Gebühren abschafft, ist das Erststudium an einer staatlichen Hochschule in allen Bundesländern wieder kostenlos. Es werden lediglich Verwaltungsbeiträge erhoben, die variieren und meistens die Kosten für ein Semesterticket beinhalten. Diese Beiträge liegen im Schnitt zwischen 100 und 250 € pro Semester.

Anders sieht es aber an Privathochschulen aus. An der Bucerius Law School müssen insgesamt Studiengebühren von 48.000 € gezahlt werden, wobei die Hochschule den Studierenden aber verschiedene Finanzierungsmodelle anbietet und sie bei der Erlangung eines Stipendiums unterstützt. Die Wiesbadener EBS Law School erhebt Studiengebühren in Höhe von 3700 € pro Trimester. Auch hier kommt man den Studierenden aber mit Finanzierungsmöglichkeiten und Stipendien entgegen.

5. … und wie hoch sind die Lebenshaltungskosten?

Bevor man sich für einen Studienort entscheidet, sollte man sich auch mit der Frage beschäftigen, wie hoch die Lebenshaltungskosten in der jeweiligen Stadt sind. Die 20. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks hat erwiesen, dass der Durschnitts-Studierende 864 € im Monat zur Verfügung hat. Das kann ausreichend oder auch viel zu wenig sein – je nachdem, in welcher Stadt man studiert.

Sie sollten sich dabei bewusst sein, dass das Leben in einer Großstadt meist preisintensiver als in einer mittelgroßen oder einer Kleinstadt ist. Außerdem sind die Städte im Osten der Republik meist günstiger als etwa Hamburg, München oder Frankfurt am Main. Der „Lebenskostenrechner“ des Studentenportals unicum.de zeigt: Die durchschnittliche Miete in München inklusive Nebenkosten liegt bei 330,36 € im Monat, der Bundesdurchschnitt hingegen bei 263,27 €. In Potsdam sind es beispielsweise nur 245, 92 €.

Fazit

Es gibt einiges zu bedenken, wenn es um die Wahl des richtigen Studienortes geht. Neben den genannten Aspekten sollten Sie aber auch Ihre persönlichen Vorlieben in Ihre Überlegungen einbeziehen: Möchten Sie lieber an einer großen oder kleinen Fakultät studieren? Fühlen Sie sich in einer gemütlichen Stadt mit studentischem Flair oder einer belebten Metropole wohler? Für eine Entscheidung empfiehlt es sich, die Internetauftritte der Universitäten zu studieren und sich bestenfalls auch persönlich vor Ort ein Bild zu machen.

Hier sind die Links zu den Hochschulrankings und zum Lebenskostenrechner:
http://www.ranking.zeit.de/che2014/de/
http://www.lto.de/jura/studium/uni-ranking/
http://www.unicum.de/studienzeit/service/lebenskostenrechner/


 

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