Der Fall Middelhoff hat in den Medien viel Aufmerksamkeit erregt. Middelhoff, gekommen als Retter der kriselnden Arcandor AG, trug durch seine Verschwendungssucht zur Insolvenz der ehemaligen KarstadtQuelle AG bei. Die Selbstverständlichkeit mit der der frühere Starmanager Middelhoff sich private Luxusausgaben aus der Firmenkasse bezahlen ließ und dies mit abenteuerlichen Erklärungsversuchen vor Gericht rechtfertigte, wurde zum Synonym für die Verschwendungssucht und die Selbstherrlichkeit der Managerkaste. Der Fall Middelhoff ist aufgrund der Verurteilung wegen Untreue gem. § 266 StGB durchaus von Examensrelevanz. Einen Überblick über diesen spektakulären Prozess erhalten Sie hier.
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Bild: “Karstadt kämpft” von Madebyr.de. Lizenz: CC BY 2.0


Thomas Middelhoffs Biografie

Thomas Middelhoff, geboren 1953 in Düsseldorf, studierte an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster Betriebswirtschaftslehre und stieg im Bertelsmann Konzern zu einem Starmanager auf. Als Manager war er insbesondere für die neuen Medien zuständig und profierte vom Hype der New Economy um die Milleniumswende.

Schließlich wechselte er als Manager zur angeschlagenen KarstadtQuelle AG, wo er 2004 Vorsitzender des Aufsichtsrates und ab Mai 2005 Vorstandsvorsitzender wurde. Middelhoff selbst und seine Freunde nannten ihn gerne „BigT“.

Manager bei der Arcandor AG

Als Manager der Karstadt Quelle AG war er für die Sanierung des angeschlagenen Konzerns zuständig. Er setzte die Umbenennung in Arcandor AG durch und spaltete das operative Geschäft zunächst in die Bereiche Kaufhaus, Versandhandel und Tourismus auf. Viel Kritik erntete er für die Entscheidung die Warenhäuser von Karstadt zu verkaufen. Karstadt musste künftig horrende Mieten für die Nutzung der Kaufhäuser zahlen.

Auch seine Spenden an die Universitäten Oxford und Witten/Herdecke in Zeiten, durch welche die Belegschaft schon Kürzungen des Weihnachtsgeldes und Urlaubsgeldes hinnehmen musste, brachten ihm den Vorwurf der Ruhmsucht ein.

Im September 2009, einige Monate nachdem Middelhoff seinen Posten aufgeben hatte, wurde das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Arcandor AG eröffnet.

Untreueprozess vor dem Landgericht Essen

Im Untreueprozess gegen Middelhoff ging es vor allem um (teilweise) privat veranlasste Flüge mit dem Hubschrauber und Charterjets, sowie eine Festschrift für Middelhoffs Freund und Mentor, die sich Middelhoff aus der Firmenkasse des kriselnden Konzerns bezahlen ließ. So habe sich Middelhoff auf Firmenkosten mit dem Helikopter zur Arbeit fliegen lassen, um nicht im Stau zu stehen.

Insgesamt soll er die Firmenkasse mit 800.000 € belastet haben. Middelhoff plädierte auf Freispruch und beteuerte in seinem Schlusswort, er habe sich kein Fehlverhalten vorzuwerfen.

Das Urteil des Landgerichts Essen

Das Landgericht Essen verurteilte Thomas Middelhoff am 14.11.2014 zu drei Jahren Freiheitsstrafe wegen Untreue in 27 Fällen und Steuerhinterziehung. Mit diesem Urteil blieb das Gericht nur geringfügig unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Diese hatte eine Freiheitsstrafe von 3 Jahren und drei Monaten gefordert.

Im Laufe der sechsmonatigen Verhandlung erweckte Middelhoff beim Richter den Eindruck, dass seine Einlassungen „nicht vom Willen des ehrlichen Umgangs, sondern von verteidigungstaktischen Motiven geprägt“ seien und verstrickte sich in zahlreiche „hilflose und abenteuerliche Erklärungsversuche“.

Fazit

Middelhoff wurde noch im Gerichtssaal wegen „Fluchtgefahr“ festgenommen. Denn er hatte dem Gericht den Besitz eines zweiten Reisepasses mit einem Visum für China verschwiegen.

Trotz seiner Haft warten noch eine Reihe unangenehmer Rechtsstreitigkeiten auf Middelhoff. Die Staatsanwaltschaft Bochum hat eine weitere Anklage wegen Untreue bezüglich seines Sponsorings der Universität Oxford in Höhe von 800.000 € eingereicht. Zudem warten noch weitere Gläubiger Middelhoffs mit offenen Millionenforderungen. Ein bisschen Bescheidenheit und Geduld im Stau hätten „Big T“ wohl eine Menge Ärger erspart.



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