Das Verfahren gegen Uli Hoeneß wegen Steuerhinterziehung ist noch in aller Munde. Das letzte spektakuläre Steuerstrafverfahren, welches eine ähnliche Aufmerksamkeit erregte, war das Verfahren gegen Peter Graf vor dem Landgericht Mannheim. Dieses hatte Graf 1997 wegen Steuerhinterziehung zu 3 Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Die wichtigsten Fakten zum Steuerfall Graf erfahren Sie hier.
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Bild: “Tennis Court MUGA Surfacing in two tone colour” von Soft Surfaces Ltd. Lizenz: CC BY 2.0


Biografie

Peter Graf wurde 1938 in Mannheim geboren ist am 30. November 2013 in seiner Geburtsstadt an einem Krebsleiden verstorben. Zunächst arbeitete er als Versicherungskaufmann und Gebrauchtwagenhändler, wurde aber als Tennistrainer und Manager seiner Tochter und Tennislegende Steffi Graf selbst zum Prominenten.

Diese begann mit 4 Jahren unter der Ägide ihres Vaters mit dem Tennissport. Schon zwei Jahre später war ihr Vater dermaßen vom sportlichen Talent seiner Tochter überzeugt, dass er sich fortan ausschließlich auf seine Aufgabe als Trainer und Manager seiner Tochter konzentrierte.

Diese bestätigte die hohen Erwartungen, indem sie 1987 erstmals Weltranglistenerste wurde, ein Jahr später den Grand Slam gewann und durch eine Bilderbuchkarriere zur Tennislegende wurde.

Stationen der Steueraffäre

1995 eröffnete die Staatsanwaltschaft Mannheim ein Verfahren gegen Peter und Stefanie Graf wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung. Im Mai 1995 wurde das Haus von Peter und Stefanie Graf von Steuerfahndern und der Staatsanwaltschaft durchsucht und Unterlagen sichergestellt. Am 2. August 1995 wurde Peter Graf wegen des dringenden Tatverdachts der Steuerhinterziehung verhaftet.

Er verblieb bis zur Außervollzugsetzung des Haftbefehls durch das Landgericht Mannheim über ein Jahr in Untersuchungshaft. Schließlich erhob die Staatsanwaltschaft Mannheim im April 1996 Anklage gegen Graf und seinen steuerlichen Berater Joachim Eckardt wegen Steuerhinterziehung in Höhe von 19,6 Millionen Mark.

Der Prozess

Am 5. September 1996 wurde das Hauptverfahren gegen Graf und Eckhardt vor dem Landgericht Mannheim wegen besonders schwerer Steuerhinterziehung eröffnet. Grund sind dubiose Steuersparkonstruktionen, mit deren Hilfe beide die Millionen Steffi Grafs am Fiskus vorbeischleusen wollten.

Am 24. Januar sprach das Gericht sein Verdikt: Peter Graf wurden wegen Steuerhinterziehung in sechs Fällen zu einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren und 9 Monaten verurteilt. Seinen Steuergehilfen Eckardt verurteilt das Gericht zu 2 Jahren und sechs Monaten Freiheitsstrafe.

Das Gericht wich in seinem Urteil von der von der Anklage geforderten Verurteilung wegen eines besonders schweren Falls der Steuerhinterziehung ab. Zugute kamen den Angeklagten, dass:

  • sie nicht vorbestraft waren
  • Graf seine Tochter zehn Jahre in der Tennis-Weltspitze etabliert hat
  • die Finanzbehörden den Grafs zu stark entgegengekommen waren und daher die Ungereimtheiten zunehmen konnten

Rolle von Steffi Graf

Da Peter Graf den Steuerbehörden versicherte, er allein sei für die Finanzgeschäfte seiner Tochter zuständig, gab es keine Beweise für eine Verwicklung von Steffi Graf in die Straftaten.

Sie selbst versicherte ebenfalls von den Steuersparkonstruktionen des Vaters nichts gewusst zu haben. So wurde das Verfahren gegen sie eingestellt und auch im Prozess muss sie auch nicht als Zeugin auftreten.

Politische Dimension der Steueraffäre

Der Steuerfall Graf wurde auch schnell zum Politikum. So wurde 1995 im baden-württembergischen Landtag ein Untersuchungsausschuss eingesetzt, der den Vorwurf der politischen Einflussnahme auf Finanzbehörden überprüfen sollte. Das Ergebnis des Schlussberichts lautete, dass die Familie Graf von den Finanzbehörden bevorzugt behandelt wurde.

Fazit

Nachdem Peter Graf die Hälfte seiner Haftzeit abgesessen hatte, wurde er 1998 vorzeitig aus der Haft entlassen. Er heiratete erneut und arbeitete wieder als Trainer und Berater von Tennisspielerinnen. Steffi Graf ordnete ihre finanziellen Geschäfte neu. Die zu enge familiäre Verstrickung kostete ihren Vater einen Teil seiner Freiheit und Steffi Graf einige Niederlagen.

Für ähnliches mediales Aufsehen sorgten die Gerichtsprozesse von O.J. Simpson, Uli Hoeneß und Michael Jackson.

Quellen



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