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Als Damoklesschwert schwebt es von Beginn des Studiums an über den Köpfen der Nachwuchsjuristen: Das Staatsexamen, heutzutage als erste juristische Prüfung bekannt. Doch wie bereitet man sich am besten darauf vor? Ist der Besuch eines Repetitoriums wirklich erforderlich? In diesem Beitrag geben wir Ihnen vier Entscheidungshilfen an die Hand.

Bei der Frage, ob Sie ein Repetitorium besuchen sollten, kommt es in erster Linie auf Ihre persönlichen Vorlieben an. Während manche schon zu Beginn des Studiums wissen, dass sie diese Unterstützung auf jeden Fall in Anspruch nehmen werden, gibt es auch rigorose Rep-Gegner, die die Vorbereitung allein schaffen wollen.

Eines vorab: Beide Varianten sind machbar. Viele Studenten erzielen mit der Examensvorbereitung ohne Rep ausgezeichnete Ergebnisse. Andere erleben erst während des Repetitoriums die große Erleuchtung und möchten diese Erfahrung nicht missen.

Wenn Sie eine Vorbereitung ohne Repetitorium in Erwägung ziehen, sollten Sie sich folgende vier Fragen stellen:

1. Kann ich mich ausreichend disziplinieren?

Wenn Sie sich für die Examensvorbereitung ohne ein Repetitorium entscheiden, sollten Sie sich bewusst sein, dass Sie sich den Stoff selbst einteilen und Ihren eigenen Zeitplan einhalten müssen. Aufgrund der Tatsache, dass Sie die einzige Person sind, die Ihren Lernfortschritt kontrolliert, müssen Sie dazu erheblich mehr Disziplin aufbringen, als wenn Sie sich regelmäßig zu festen Zeiten innerhalb eines Repetitoriums treffen und Ihr Wissen durch die Nachfragen des Repetitors geprüft wird.

Sofern diese Überlegung Sie von einer Examensvorbereitung ohne Repetitorium abhält, sollten Sie die gemeinsame Vorbereitung in einer Lerngruppe erwägen. Dies führt uns bereits zur nächsten Frage:

2. Möchte ich allein oder in einer Gruppe lernen?

Hand auf’s Herz: Sehen Sie sich eher als ein Individualist, dem es am liebsten ist, sich beim Lernen ganz auf sich selbst zu verlassen und niemandem Rechenschaft abzulegen? Dann scheint die Examensvorbereitung ohne Repetitorium grundsätzlich eine geeignete Alternative für Sie zu sein. Oder benötigen Sie den regelmäßigen Austausch mit Leidensgenossen, um sich sicher und gut vorbereitet zu fühlen?

Sofern Sie die zweite Frage mit ja beantworten, legt dies zunächst einmal den Gang zum Repetitor nahe. Dieser ist aber kein Muss. Stattdessen sollten Sie auch die Vorbereitung in einer Lerngruppe als Handlungsoption nicht außer Acht lassen. Idealerweise sollte diese nicht mehr als vier Personen umfassen. Innerhalb der Gruppe können Sie sich zwei bis dreimal pro Woche verabreden und den Stoff anhand eines gemeinsam erarbeiteten Lernplans durchgehen.

Bei der Gestaltung der Treffen sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt: Sie können gemeinsam Fälle lösen, sich gegenseitig abfragen oder Probleme besprechen, die Ihnen während des Lernens untergekommen sind.

Die Vorbereitung in der Lerngruppe hat dabei einige Vorteile im Vergleich zu der „Einzelkämpfermethode“:

  • Durch die Interaktion mit anderen Studierenden können Sie Ihren Lernfortschritt ständig überprüfen und erhalten ein permanentes Feedback.
  • Das Lernen mit anderen kann Ihre Motivation erheblich steigern – schließlich gibt sich niemand gern die Blöße, unvorbereitet beim Gruppentreffen aufzutauchen.
  • In der Gruppe können Sie auch Ihre Befürchtungen hinsichtlich des bevorstehenden Examens besprechen und sehen dabei, dass Sie mit diesen nicht allein dastehen.

Auch gegenüber dem Besuch eines Präsenzrepetitoriums (sei es an der Uni oder privat) hat die Lerngruppe gewisse Vorteile:

  • In der Lerngruppe können Sie nicht in der anonymen Masse der Rep-Besucher untertauchen, wenn Sie einmal unvorbereitet sind. Stattdessen müssen sich hier alle Mitglieder in jeder Sitzung aktiv einbringen.
  • Innerhalb der Lerngruppe kann auf die individuellen Fragen und Probleme jedes Einzelnen eingegangen werden, wohingegen es im Rep oft keine Zeit hierfür gibt.

Sie sollten dabei jedoch beachten, dass eine Lerngruppe nur etwas bringt, wenn alle Mitglieder von ihr profitieren. Dafür sollten Sie sich mit Ihren Mitstreitern gut verstehen. Dennoch ist es fraglich, ob eine Lerngruppe mit Ihrem besten Freund nicht eher kontraproduktiv ist, da die Neuigkeiten des letzten Wochenendes schnell wichtiger erscheinen können als das Verbraucherrecht.

Außerdem sollten Sie vor Beginn klären, welche Erwartungen die einzelnen Gruppenmitglieder an die gemeinsame Vorbereitung haben. Eine erfolgreiche Zusammenarbeit ist schwierig, wenn jemand nur auf vier Punkte lernt, der andere aber ein „Vollbefriedigend“ oder gar ein „Gut“ anstrebt.

3. Wie stelle ich das Material für meine Vorbereitung zusammen?

Der Verzicht auf ein Repetitorium bringt es auch mit sich, dass Ihnen kein festes Kontingent an Fällen und Übersichten zur Verfügung steht, mit dem Sie sich auf die Prüfungen vorbereiten können. Dies kann einerseits gut sein, da die Fülle der Unterlagen, die man im Repetitorium erhält, oft von vornherein erschlagend und demotivierend wirkt.

Demgegenüber erfordert eine eigene Materialzusammenstellung ein höheres Maß an Eigeninitiative. Der Vorteil liegt aber darin, dass Sie sich bereits während der Auswahl der Unterlagen aktiv mit dem Stoff auseinander setzen müssen.

Bei der Erstellung Ihres Lernplans und der zugehörigen Materialsammlung sollten Sie schon einen Überblick haben, was Sie eigentlich für die Klausuren beherrschen müssen. Unverzichtbar ist dabei ein Blick in die Ausbildungs- und Prüfungsordnung, die Ihnen mitteilt, in welchen Rechtsgebieten Sie in Ihrem Bundesland Kenntnisse vorweisen müssen. Auch die Stoffpläne der Repetitorien können Ihnen eine erste Orientierung bieten.

Die Auswahl an Material ist dabei grenzenlos. Ausbildungszeitschriften sowie Lehr- und Fallbücher stehen Ihnen zur Verfügung. Außerdem hindert Sie niemand daran, auch auf Materialien der kommerziellen Repetitoriumsanbieter (z.B. Skripte oder Karteikarten) zurückzugreifen. Achten Sie jedoch darauf, sich nicht zu verzetteln und nicht zu viele unterschiedliche Materialien für ein Rechtsgebiet heranzuziehen, ansonsten verlieren Sie sich in Details.

4. Schaffe ich es, dem Gruppenzwang zu widerstehen?

Sobald Sie gegenüber Ihren Kommilitonen die Idee äußern, das Examen ohne Repetitorium meistern zu wollen, müssen Sie zunächst einmal mit Unverständnis rechnen. Schließlich besucht immer noch der Großteil der Studierenden ein kommerzielles Repetitorium.

Gerade dann, wenn Sie sich während der Vorbereitungsphase in einem Tief befinden, ist es gut möglich, dass Sie in Panik verfallen und glauben, dass Ihre Entscheidung gegen ein Repetitorium falsch war. Um sich für diesen Fall zu wappnen, ist es wichtig, dass Sie von vornherein einen festen Lernplan verfolgen und diesen auch durchziehen. So können Sie sich sicher sein, den examensrelevanten Stoff bis zu den Prüfungen bearbeitet zu haben.

Außerdem gewährleistet die Vorbereitung mit Skripten, Lehrbüchern usw., dass Sie die relevantesten Probleme bei Ihrer Vorbereitung gar nicht übersehen können. Auch diejenigen Studenten, die ein Repetitorium in Anspruch nehmen, sind nicht davor gefeit, im Examen mit einer unbekannten Fallkonstellation konfrontiert zu werden.

Fazit

Wie Sie sehen gibt es bei der Frage, ob Sie auf ein Repetitorium verzichten sollten, einiges zu beachten. Jedes vermeintliche Hindernis kann dabei letztendlich jedoch überwunden werden. Ob das Examen ohne Rep für Sie das Richtige ist, hängt letztendlich von Ihrer Persönlichkeit und Ihren Lernvorlieben ab.

Viele Universitäten bieten mittlerweile auch Hilfestellungen bei der Examensvorbereitung ohne Repetitorium an. So kann man beispielsweise an der FU Berlin einen individuellen Beratungstermin vereinbaren und sich bei der Erstellung eines Lernplans bzw. der Organisation einer privaten Arbeitsgemeinschaft unterstützen lassen.

Nachfolgend haben wir einige Vertiefungshinweise für Sie zusammen gestellt:







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