Das Staatsexamen ist der Abschluss des Studiums und in keinem Fach von so einer Relevanz wie in der Rechtswissenschaft. Denn hier kommt es maßgeblich auf die Note im Examen an, weniger auf die Noten aus vorangegangenen universitären Prüfungen. Daher ist die optimale Vorbereitung essentiell. Doch wie bereitet man sich optimal vor? Um auf diese Frage eine Antwort zu bekommen, geben wir hier ein paar Entscheidungshilfen.
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Bild: “Klausur RFH Köln #Rfhws09” von berndschmitz. Lizenz: CC BY-SA 2.0


I. Allgemeines

Bei der Frage, ob Sie ein Repetitorium besuchen sollten, kommt es in erster Linie auf Ihre persönlichen Vorlieben an. Während manche schon zu Beginn des Studiums wissen, dass sie diese Unterstützung auf jeden Fall in Anspruch nehmen werden, gibt es auch Repetitoriumsgegner, die die Vorbereitung allein schaffen wollen.

Vorab zur Erleichterung vieler:
Beide Varianten sind machbar!

Viele Studenten erzielen mit der Examensvorbereitung ohne Repetitorium ausgezeichnete Ergebnisse. Andere erleben erst während des Repetitoriums die große Erleuchtung und möchten diese Erfahrung nicht missen.

Wenn eine Vorbereitung ohne Repetitorium in Erwägung gezogen wird, sollten man sich folgende vier Fragen stellen:

1. Kann ich mich ausreichend disziplinieren?

Wenn man sich für die Examensvorbereitung ohne ein Repetitorium entscheidet, sollten man sich bewusst sein, dass man sich den Stoff selbst einteilen und einen eigenen Zeitplan einhalten muss. Aufgrund der Tatsache, dass man die einzige Person ist, die den Lernfortschritt kontrollieren kann, muss man dazu erheblich mehr Disziplin aufbringen, als wenn man sich regelmäßig zu festen Zeiten innerhalb eines Repetitoriums trifft und das Wissen durch die Nachfragen des Repetitors geprüft wird.

2. Möchte ich allein oder in einer Gruppe lernen?

Sehen man sich eher als ein Individualist, dem es am liebsten ist, sich beim Lernen ganz auf sich selbst zu verlassen und niemandem Rechenschaft abzulegen? Dann scheint die Examensvorbereitung ohne Repetitorium grundsätzlich eine geeignete Alternative zu sein. Oder benötigen man den regelmäßigen Austausch mit Leidensgenossen, um sich sicher und gut vorbereitet zu fühlen?
Sofern die zweite Frage mit ja beantwortet wurde, legt dies zunächst einmal den Gang zum Repetitor nahe. Dieser ist aber kein Muss. Stattdessen sollten Sie auch die Vorbereitung in einer Lerngruppe als Handlungsoption nicht außer Acht lassen. Idealerweise sollte diese nicht mehr als vier Personen umfassen. Innerhalb der Gruppe kann man sich zwei bis dreimal pro Woche verabreden und den Stoff anhand eines gemeinsam erarbeiteten Lernplans durchgehen.
Bei der Gestaltung der Treffen sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt: Man kann gemeinsam Fälle lösen, sich gegenseitig abfragen oder Probleme besprechen, die  während des Lernens untergekommen sind.
Die Vorbereitung in der Lerngruppe hat dabei einige Vorteile im Vergleich zu der „Einzelkämpfermethode“:

  • Durch die Interaktion mit anderen Studierenden kann man den Lernfortschritt ständig überprüfen und ein permanentes Feedback erhalten
  • Das Lernen mit anderen kann die Motivation erheblich steigern – schließlich gibt sich niemand gern die Blöße, unvorbereitet beim Gruppentreffen aufzutauchen.
  • In der Gruppe kann man auch Befürchtungen hinsichtlich des bevorstehenden Examens besprechen

Auch gegenüber dem Besuch eines Präsenzrepetitoriums (sei es an der Uni oder privat) hat die Lerngruppe gewisse Vorteile:

  • In der Lerngruppe kann man nicht in der anonymen Masse untertauchen, wenn man einmal unvorbereitet ist. Stattdessen müssen sich hier alle Mitglieder in jeder Sitzung aktiv einbringen.
  • Innerhalb der Lerngruppe kann auf die individuellen Fragen und Probleme jedes Einzelnen eingegangen werden, wohingegen es im Repetitorium oft keine Zeit hierfür gibt.

Beachte: dass eine Lerngruppe nur etwas bringt, wenn alle Mitglieder von ihr profitieren. Dafür sollten man sich mit den Mitstreitern gut verstehen. Dennoch ist es fraglich, ob eine Lerngruppe mit dem besten Freund nicht eher kontraproduktiv ist, da die Neuigkeiten des letzten Wochenendes schnell wichtiger erscheinen können als das Verbraucherrecht.
Außerdem sollte man vor Beginn klären, welche Erwartungen die einzelnen Gruppenmitglieder an die gemeinsame Vorbereitung haben. Eine erfolgreiche Zusammenarbeit ist schwierig, wenn jemand nur auf vier Punkte lernt, der andere aber ein „Vollbefriedigend“ oder gar ein „Gut“ anstrebt.

3. Wie stelle ich das Material für meine Vorbereitung zusammen?

Der Verzicht auf ein Repetitorium bringt es auch mit sich, dass man kein festes Kontingent an Fällen und Übersichten zur Verfügung hat, mit dem man sich auf die Prüfungen vorbereiten kann. Dies kann einerseits gut sein, da die Fülle der Unterlagen, die man im Repetitorium erhält, oft von vornherein erschlagend und demotivierend wirkt.

Demgegenüber erfordert eine eigene Materialzusammenstellung ein höheres Maß an Eigeninitiative. Der Vorteil liegt aber darin, dass man sich bereits während der Auswahl der Unterlagen aktiv mit dem Stoff auseinander setzen muss.

Bei der Erstellung eine Lernplans und der zugehörigen Materialsammlung sollten man schon einen Überblick haben, was man eigentlich für die Klausuren beherrschen muss. Unverzichtbar ist dabei ein Blick in die Ausbildungs- und Prüfungsordnung, die mitteilt, in welchen Rechtsgebieten in deinem Bundesland Kenntnisse vorhanden sein müssen. Auch die Stoffpläne der Repetitorien können eine erste Orientierung bieten.

Die Auswahl an Material ist dabei grenzenlos. Ausbildungszeitschriften sowie Lehr- und Fallbücher stehen zur Verfügung. Außerdem hindert einen niemand daran, auch auf Materialien der kommerziellen Repetitoriumsanbieter (z.B. Skripte oder Karteikarten) zurückzugreifen. Achte jedoch darauf, nicht zu viele unterschiedliche Materialien für ein Rechtsgebiet heranzuziehen, ansonsten verliert man sich schnell in Details.

4. Schaffe ich es, dem Gruppenzwang zu widerstehen?

Sobald man gegenüber Kommilitonen die Idee äußert, das Examen ohne Repetitorium meistern zu wollen, muss man zunächst einmal mit Unverständnis rechnen. Schließlich besucht immer noch der Großteil der Studierenden ein kommerzielles Repetitorium.

Gerade dann, wenn man sich während der Vorbereitungsphase in einem Tief befindet, ist es gut möglich, dass man in Panik verfällt und glaubt, dass die Entscheidung gegen ein Repetitorium falsch war. Um sich für diesen Fall zu wappnen, ist es wichtig, dass man von vornherein einen festen Lernplan verfolgt und diesen auch durchzieht. So kann man sich sicher sein, den examensrelevanten Stoff bis zu den Prüfungen bearbeitet zu haben.
Außerdem gewährleistet die Vorbereitung mit Skripten, Lehrbüchern usw., dass man die relevantesten Probleme bei eigener Vorbereitung gar nicht übersehen kann. Auch diejenigen Studenten, die ein Repetitorium in Anspruch nehmen, sind nicht davor gefeit, im Examen mit einer unbekannten Fallkonstellation konfrontiert zu werden.

II. Fazit

Es gibt bei der Frage, ob man auf ein Repetitorium verzichten sollten, einiges zu beachten. Jedes vermeintliche Hindernis kann dabei letztendlich jedoch überwunden werden. Ob das Examen ohne Rep das Richtige ist, hängt letztendlich von der eigenen Persönlichkeit und den eigenen Lernvorlieben ab.
Viele Universitäten bieten mittlerweile auch Hilfestellungen bei der Examensvorbereitung ohne Repetitorium an.



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