Tipp: Keine Lust zu lesen? Dann starten Sie doch einfach unseren Online-Beratungskurs zu den unterschiedlichen juristischen Berufen.

Bild: „Municipal Court judges, 2001“ von Seattle Municipal Archives. Lizenz: CC BY 2.0


Mit zunehmender Häufigkeit sieht man hinter den Namen von Volljuristen den Zusatz „LL.M“ stehen. Tatsächlich wird das Absolvieren eines LL.M als Zusatzqualifikation neben oder anstatt der Promotion immer beliebter. Doch was bringt mir das tatsächlich, abgesehen von einem Titel hinter meinem Namen? Eine kritische Betrachtung der Vor-und Nachteile eines LL.M.

Hintergrund

„LL.M“ steht für Master of Laws und stellt demnach ein Aufbaustudium für Rechtswissenschaftler nach Absolvieren des Ersten Staatsexamens dar. Im Gegensatz zum „üblichen“ Bachelor-Master-System ist der Master in Rechtswissenschaften für hiesige Studenten eine reine Zusatzqualifikation, d.h. er ist nicht unmittelbar Teil der deutschen Juristenausbildung. Zudem wird der LL.M von den meisten Studenten im Ausland absolviert, da LL.M-Programme an deutschen Universitäten erst nach und nach in den letzten Jahren eingeführt wurden.

Vorteile des LL.M

Einige der größten Vorteile des LL.M hängen vor allem mit dessen Absolvierung im Ausland zusammen:

  1. Fremdsprache aufpolieren

Ein Jahr an einer ausländischen Universität zu studieren bringt einem in der jeweiligen Fremdsprache (zumeist Englisch) eine Sicherheit und Redegewandtheit, die man so durch kein Lehrbuch erlernt. Gerade wer später in einem international ausgerichteten Umfeld arbeiten möchte – ob in der Großkanzlei, beim Auswärtigen Amt oder in Internationalen Organisationen – hat mit dem LL.M eine großartige Chance, seine Englischkenntnisse zu vertiefen.

  1. Lebenslauf aufpolieren

Ein „LL.M“ sieht nicht nur hinter dem Namen, sondern auch im Lebenslauf gut aus. Insbesondere Großkanzleien sehen den LL.M als „begrüßenswert“ an, auch wenn er offiziell keine zwingende Einstellungsvoraussetzung ist. Denn ein Master of Laws zeugt, sofern er im Ausland absolviert wurde, nicht nur von guten Fremdsprachenkenntnissen, sondern auch davon, dass man den „Blick über den Tellerrand“ gewagt hat.

  1. Kürzer als die Promotion

Ein klarer Vorteil ist zudem die im Vergleich zur Promotion kürzere Dauer des LL.M. Während sich die Promotion als unter Juristen ebenfalls beliebte Zusatzqualifikation schon mal auf 2 – 3 Jahre erstrecken kann (natürlich abhängig von Themengebiet und Umfang der Arbeit), dauern die meisten LL.M-Programme nur 1 Jahr. Gerade wer zwischen dem 1. Staatsexamen und dem Referendariat erst einmal eine Pause einlegen möchte, sollte bei der Frage „Promotion oder LL.M?“ auch die Dauer des jeweiligen Vorhabens mitberücksichtigen. Dabei ist jedoch auch anzumerken, dass die Promotion, im Gegensatz zum LL.M, grundsätzlich auch parallel zum Referendariat möglich ist.

Nachteile des LL.M

  1. Geringer fachlicher Nutzen

So interessant Vorlesungen in „International Human Rights Law“ oder „EU Trade Law“ auch sind – wenn man nicht gerade eine Karriere in Internationalen Organisationen anstrebt, ist ihr fachlicher Nutzen für die spätere berufliche Karriere wohl eher gering. Im Gegensatz dazu beschäftigt man sich bei einer Promotion immerhin mit einer Fragestellung des deutschen Rechts und kann dabei den Schwerpunkt der Arbeit in das Rechtsgebiet legen, in dem man später auch praktizieren möchte.

Zwar bieten einige Universitäten in den USA ihren LL.M Studenten die Möglichkeit an, das „bar exam“ abzulegen, wodurch man in zumindest einem amerikanischen Bundesstaat die Befähigung zum Praktizieren erhält. Doch wenn man ganz ehrlich zu sich selbst ist – wer würde sich nach einem knappen Jahr Vorlesungen in amerikanischem Recht schon zutrauen, in den USA als Anwalt zu praktizieren? Der tatsächliche Nutzen eines solchen „bar exam“ scheint also fragwürdig.

  1. Eine Frage des Geldes

„It’s all about money“. LL.M-Programme im Ausland sind kein sehr preiswertes Vergnügen: Je nach Universität werden um die 40.000 US-Dollar Studiengebühren fällig (bzw. rund 10.000 Pfund an britischen Universitäten). Natürlich bekommt man für diese Studiengebühren exzellente Lehrveranstaltungen bei exzellenten Dozenten geboten, jedoch muss man 40.000 US Dollar eben auch erst mal haben. Für all jene Studenten, die weder zahlungskräftige Eltern noch einen wahnsinnig lukrativen Nebenjob haben, bleiben im Prinzip nur zwei Möglichkeiten: Studienkredit oder Stipendium.

Zu letzterem findet sich eine gute Übersicht beim DAAD. Bei der Bewerbung um ein Stipendium sollte man in jedem Fall mitberücksichtigen, dass das Bewerbungsverfahren einige Zeit in Anspruch nimmt und man sich natürlich gegen eine große Anzahl Mitbewerber durchsetzen muss.

  1. Aufwendige Bewerbungen

Im Vergleich zu den Bewerbungen, die man nach dem Abitur an die Universitäten rausgeschickt hat, um sich für ein Erststudium zu bewerben, sind die Bewerbungen für einen LL.M ungleich aufwendiger. Neben in der Regel zwei Empfehlungsschreiben braucht man in jedem Fall immer noch einen einigermaßen aktuellen TOEFL-Test mit einem guten Ergebnis. Hinzu kommt, dass die Bewerbungsfristen für den Semesterstart im September meist schon im Dezember des Vorjahres enden, man muss also entsprechend vorausschauend planen. Zusätzlich sind noch viele weitere organisatorische Fragen zu klären, wie Finanzierung, Unterkunft, usw.

Fazit

Ein LL.M ist also teuer, aufwendig in der Vorbereitung und von wenig fachlichem Nutzen. Das kann man alles so unterschreiben. Doch sollte man sich nicht nur an diesen rationalen Argumenten festbeißen, wenn man vor der Frage „LL.M, ja oder nein?“ steht. Denn eines ist sicher: Die Erfahrungen, die man in dem Jahr an einer ausländischen Universität mitnimmt, die internationalen Freundschaften, die man knüpft, die Toleranz, das Verständnis für andere Länder und die Selbstständigkeit die man erlernt, wenn man sich auf ein fremdes Land und ein fremdes Bildungssystem einlässt, sind mit keinem Geld aufzuwiegen.






Die ultimative Vorbereitung für das juristische Staatsexamen

Dieses kostenlose eBook gibt Ihnen einen Überblick über die Möglichkeiten zur Vorbereitung auf Ihr Jura Examen:

Wie funktionierte die perfekte Examensvorbereitung?

Zum Staatsexamen ohne Repetitorium?

Online- versus Präsenzrepetitorien

        EBOOK ANFORDERN        
Nein, danke!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *