Nach erfolgreichem Absolvieren der Ersten juristischen Prüfung verlangen Körper und Geist erst einmal nach Erholung. Doch schneller als gedacht kommt der Zeitpunkt, in dem man sich Gedanken über das Referendariat machen muss. Man sollte sich deshalb frühzeitig darüber informieren, in welchem Bundesland der zweite Abschnitt der Juristenausbildung am sinnvollsten absolviert werden sollte. Sechs wichtige Kriterien, die bei der Wahl helfen können, werden im Folgenden näher unter die Lupe genommen.
Tipp: Mit unserem Online-Repetitorium zum 2. Staatsexamen können Sie sich bestmöglich, flexibel und kostengünstig auf die zweite juristische Staatsprüfung vorbereiten. Jetzt kostenlos starten.

Anwalt im Büro


1. Kurz nach dem ersten Examen denkt niemand gern an noch bevorstehende Klausuren. Bereits bei der Anzahl der schriftlichen Prüfungen im 2. Staatsexamen unterscheiden sich die Bundesländer jedoch erheblich. Während in Bayern 11 Aufsichtsarbeiten angefertigt werden müssen, liegt die Zahl bei den sonstigen Bundesländern zwischen 7 und 8. Auch in Sachsen, dessen Ausbildungsordnung bislang 9 Klausuren vorsah, müssen ab 2015 nur noch 8 Klausuren geschrieben werden.

2. Interessanter als die bloße Anzahl der Klausuren ist jedoch die Frage, wie die Prüfungsergebnisse in den einzelnen Bundesländern aussehen. Nach einer Statistik des Bundesamts für Justiz erzielten 2012 in Hamburg 35,3 % der geprüften Kandidaten ein vollbefriedigendes zweites Staatsexamen – zusätzliche 9,7 % schlossen sogar mit gut oder sehr gut ab. Auch die Zahlen in Berlin können sich sehen lassen. Hier erreichten 24,2 % das begehrte Prädikat, weitere 3,8 % krönten ihren Vorbereitungsdienst mit der Bewertung gut. Anders sieht es zum Vergleich in Sachsen-Anhalt aus, wo nur 9 % ein vollbefriedigendes und 1,3 % ein gutes Ergebnis erzielten.

Abgesehen von der jeweiligen Anzahl der Prädikatsexamina lohnt sich aber auch ein Blick auf die Durchfallquote. In Nordrhein-Westfalen lag diese 2012 bei 19,6 %, in Baden-Württemberg hingegen nur bei 8,1 %. Auch diese Zahlen können eine wichtige Entscheidungshilfe sein, je nachdem, ob man ein Prädikatsexamen anstrebt oder erst einmal nur bestehen will.

3. Die Entscheidung für das Referendariat in Hamburg oder Berlin scheint sich angesichts der guten Ergebnisse zu lohnen. Zu beachten ist jedoch, dass für eine Einstellung in einigen Bundesländern unter Umständen eine erhebliche Wartezeit in Kauf genommen werden muss. Abhängig von dem Ergebnis in der Ersten juristischen Prüfung und der Frage, wo diese absolviert wurde, betrug die Wartezeit für die im Mai 2014 in Berlin eingestellten Referendare laut Angaben auf der Internetseite des Kammergerichts zwischen 2 und 27 Monaten.

Ein Bonus auf die Wartezeit kann sich aber unter anderem aus einem mindestens sechs Monate lang absolvierten Wehr- oder Ersatzdienst oder beispielsweise einer vorherigen Tätigkeit als Entwicklungshelfer ergeben. Es ist demnach lohnenswert, sich über die einzelnen Voraussetzungen für Bonuspunkte zu informieren, bevor man sich für oder gegen eine Bewerbung in Berlin entscheidet.

Auch in Hamburg müssen die Kandidaten mit teils erheblichen Wartezeiten rechnen, wobei auch hier die individuellen Umstände des Bewerbers zu einer Verbesserung seines Listenplatzes führen können. In anderen Bundesländern, wie beispielsweise Schleswig-Holstein, muss nicht von vornherein mit einer Wartezeit gerechnet werden. Die Frage, ob im konkreten Fall eine Wartezeit besteht, hängt jedoch davon ab, wie viele Kandidaten sich für den jeweiligen Einstellungstermin bewerben und ist damit nicht völlig vorhersehbar.

Unter Umständen spielt die Wartezeit sowieso eine untergeordnete Rolle, wenn man vor dem Antritt des Referendariats noch eine Promotion anfertigen oder einen LL.M. absolvieren will. Dennoch sollte man darauf achten, dass einige Bundesländer eine regelmäßige Rückmeldung des Bewerbers während der Wartezeit voraussetzen und ihn ohne diese von dem Verfahren ausschließen.

4. Je nach finanziellem Background kann auch die in Aussicht stehende Unterhaltsbeihilfe über das Für und Wider einer Bewerbung bei einem bestimmten Land entscheiden. Nur in Thüringen werden Referendare noch als Beamte auf Widerruf eingestellt, in anderen Bundesländern wird ein öffentlich-rechtliches Ausbildungsverhältnis begründet. Die Thüringer Referendare erhalten daher Anwärterbezüge in derzeitiger Höhe von 1274, 91 €. In anderen Bundesländern werden rund 900 bis 1200 € monatlichgezahlt, von denen jedoch unter anderem noch die Sozialversicherungsbeiträge abgezogen werden. Hinzu können unter Umständen noch Familienzuschläge kommen. Urlaubs- und Weihnachtsgeld erhält man als Referendar jedoch nicht.

5. Es lohnt sich auch ein Blick darauf, welche zusätzlichen Ausbildungsangebote für Referendare neben dem klassischen Ablauf des Vorbereitungsdienstes bestehen.So können zum Beispiel während des Referendariats in Berlin Seminare zu dem Themenkomplex Schlüsselqualifikationen besucht werden. Auch Bayern hält für seine Referendare ein umfangreiches Angebot für den Erwerb von Zusatzqualifikationen bereit. Hier kann sich beispielsweise im Bereich Buchführung, Fremdsprachen oder PC-Kenntnisse weitergebildet werden. Die Angebote sind von Land zu Land unterschiedlich und vielfältig. Hier gilt: Informiert euch vorab, in welchem Bundesland Fortbildungsmöglichkeiten zu eurem Interessengebiet angeboten werden.

6. Last but not least: Man sollte auch seine persönlichen Wünsche bei der Auswahl des geeigneten Bundeslandes nicht außer Acht lassen. Das Referendariat ist eine aufregende und bereichernde Zeit, verlangt dem Nachwuchsjuristen aber auch viel Einsatz ab. Das bisherige Umfeld zu verlassen, bereitet manch einem Menschen Unbehagen, während andere einem Neubeginn erwartungsfroh entgegen schauen. Gerade deshalb ist es wichtig, die Frage, wo man sich selbst am wohlsten fühlen würde, ehrlich zu beantworten und in die eigene Entscheidung einzubeziehen. Statistische Werte sollten nicht vom eigenen Bauchgefühl ablenken.

Bei allen Überlegungen und Abwägungen dürfen vor allem die unterschiedlichen Bewerbungsfristen nicht außer Acht gelassen werden. Während die Bewerbungsunterlagen in manchen Bundesländern erst sechs Wochen vor dem gewünschten Einstellungstermin eingegangen sein müssen, erwarten andere, dass sie schon drei Monate vorher vollständig vorliegen. Auch die Einstellungstermine variieren sehr stark. Es ist deshalb unerlässlich, regelmäßig auf den Internetseiten der Justizprüfungsämter vorbeizuschauen und sich selbst über die Bewerbungsfristen, Ausbildungsinhalte und Neuigkeiten zu informieren. Dann dürfte einer spannenden Zeit voller interessanter Erfahrungen nichts mehr entgegen stehen.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *