Ein Großteil der Jurastudenten arbeitet nach dem Studium und Referendariat als Anwalt.Viele fühlen sich zu Beginn ihrer Berufstätigkeit aber durch den Kanzleialltag überfordert. Um dem entgegenzuwirken, kann man sich schon innerhalb des Schwerpunktstudiums mit den wirklich wichtigen Fragen der anwaltlichen Tätigkeit beschäftigen. Wir erklären Ihnen, welche Möglichkeiten Sie dabei haben.
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Bild: “Ley” von Daniel Lobo. Lizenz: CC BY 2.0


Reicht das Studium als Vorbereitung auf die Praxis?

Zahlreiche Studierende und auch Praktiker empfinden das Jurastudium als zu theoretisch. Natürlich gehört mit dem anschließenden Referendariat auch ein Praxisteil zur juristischen Ausbildung.

Dennoch wünschen sich viele bereits während des Studiums einen detaillierteren Einblick in die anwaltliche Tätigkeit und die Kompetenzen, die hier verlangt werden. Einen solchen kann man in erster Linie durch studienbegleitende Praktika erwerben.

Doch auch zahlreiche Unis sind sich diesem Bedürfnis der Studierenden bewusst und haben mit entsprechenden Schwerpunktangeboten reagiert. Dozenten aus der Praxis erklären hier, worauf es im Berufsalltag ankommt und Veranstaltungen zum Management einer Kanzlei oder zur Vertragsgestaltung schaffen Transparenz im Hinblick auf die Frage, was nach dem Studium eigentlich von einem guten Anwalt erwartet wird.

Möglichkeiten zur Praxisvorbereitung an verschiedenen Universitäten

Nachfolgend erhalten Sie einen Überblick über einige Schwerpunkte der verschiedenen Universitäten, die sich mit derartigen Themen auseinandersetzen:

Köln:

„Rechtspflege und Notariat“ kann man als Schwerpunkt an der Uni Köln wählen. Dieser ist sowohl auf den späteren Berufseinstieg als Richter an ordentlichen Gerichten als auch auf die zukünftige Tätigkeit als Rechtsanwalt oder Notar zugeschnitten.

Hier werden das Prozessrecht, das Familien- und Erbrecht sowie das Insolvenz- und das Zwangsvollstreckungsrecht gelehrt. Auch die freiwillige Gerichtsbarkeit wird behandelt. Daran erkennt man bereits, dass es durchaus Überschneidungen mit dem Pflichtstoff des ersten Examens gibt, die einem hier zugutekommen.

Hannover:

An der Uni Hannover kann der Schwerpunkt „Anwaltliche Rechtsberatung und Anwaltsrecht“ studiert werden. Innerhalb eines Grundmoduls lernt man hier etwas zur allgemeinen Vertragsgestaltung, dem Kanzleimanagement, dem Anwaltsrecht und der allgemeinen Verfahrenslehre.

Anschließend kann man sich im Zivil-, dem Strafrecht oder dem öffentlichen Recht vertiefen. Auch innerhalb dieser Vertiefung steht die anwaltliche Tätigkeit erneut im Vordergrund.

Eine Besonderheit in Hannover ist ferner die Möglichkeit, dass sogenannte ADVO-Zertifikatsstudium neben dem herkömmlichen Jurastudium zu absolvieren. Es bescheinigt den Erwerb wichtiger Kompetenzen, die für den Start in den Anwaltsberuf relevant sind.

Auch hier wird beispielsweise das Kanzleimanagement behandelt. Gemeinsam mit dem Schwerpunktstudium wird man so optimal auf den späteren Arbeitsalltag vorbereitet.

Bonn:

In Bonn kann man den Schwerpunkt „Zivilrechtspflege, Anwaltsberufe und Notariat“ belegen. Wie der Name schon sagt, lernt man hier das gesamte Spektrum der Zivilrechtspflege kennen. Im Übrigen konnten viele Praktiker als Dozenten gewonnen werden, sodass die Veranstaltungen eine starke Nähe zur Praxis bieten.

Leipzig:

An der Uni Leipzig wird der Schwerpunktbereich „Rechtsberatung – Rechtsgestaltung – Rechtsdurchsetzung“ angeboten. Auch hier geht es vornehmlich um das Zivilrecht, das Zivilprozess- sowie das Zwangsvollstreckungsrecht.

Der Blick auf die Materie erfolgt allerdings aus der Sicht des Rechtsanwalts: Aus diesem Grund werden hier die Vertragsgestaltung und die Prozessführung thematisiert. Das Verfahren der Zwangsvollstreckung wird ebenfalls näher behandelt. Dabei werden den Studierenden auch Strategien für die Praxis vermittelt und das Gelernte kann innerhalb von Moot Courts praktisch umgesetzt werden.

Berlin:

Moot Courts erwarten auch die Studierenden im Schwerpunkt „Zivilrechtliche Rechtsgestaltung und Rechtsberatung“ an der HU Berlin. Hier kann man sich im Bereich Verhandlungsmanagement und Mediation weiterbilden. Das Arbeitsrecht, Familien- und Erbrecht werden genauso thematisiert wie das anwaltliche Berufsrecht und die Vertragsgestaltung.

Münster:

In Münster kann man den Schwerpunkt „Rechtsgestaltung und Streitbeilegung“ belegen. Zum Pflichtprogramm zählen hier Veranstaltungen zum anwaltlichen Berufsrecht, zur Rechtsgestaltung, zu Verhandlungsstrategien sowie forensischer Taktik.

Außerdem kann man auch an der Uni Münster eine zweisemestrige Zusatzausbildung im Anwaltsrecht absolvieren, bei deren erfolgreichem Abschluss man ein Zertifikat erhält.

Fazit:

Wer schon früh weiß, dass er gerne als Anwalt tätig werden möchte, sollte sich die genannten Schwerpunkte auf jeden Fall genauer ansehen. Mit den hier erworbenen Kompetenzen kann man sich nach dem zweiten Staatsexamen für potentielle Arbeitgeber interessant machen.

Ein Berufseinsteiger, der in einer Kanzlei anfangen möchte und bereits etwas von den Anforderungen des Kanzleimanagements gehört hat, verschafft sich auf jeden Fall einen Vorteil gegenüber seinen Mitbewerbern. Angesichts der Tatsache, dass ein Großteil der Absolventen später als Rechtsanwalt tätig wird, lohnt sich der Schwerpunkt auch für Studierende, die sich über ihre Berufsziele noch nicht ganz im Klaren sind.

Quellen

Vorstellung der Schwerpunktbereiche via jura.uni-koeln.de

SP 8 Anwaltliche Rechtsberatung und Anwaltsrecht via jura.uni-hannover.de

Schwerpunktbereich 1  „Zivilrechtspflege, Anwaltsberufe und Notariat“ via jura.uni-bonn.de

Schwerpunktbereiche via jura.uni-leipzig.de

Schwerpunkt 3 – Zivilrechtliche Rechtsberatung und Rechtsgestaltung via rewi.hu-berlin.de

Zusatzausbildung Anwaltsrecht via jura.uni-muenster.de

Schwerpunktbereich 5 via jura.uni-muenster.de


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