Viele Juristen wollen ihren Lebenslauf mit einem LL.M.-Titel veredeln, da der Master of Laws einen entscheidenden Vorteil im Bewerbungsverfahren bedeuten kann. Zahlreiche Programme bieten dabei vielfältige Spezialisierungsmöglichkeiten. Bei der Entscheidung der Frage, ob Sie ein LL.M.-Studium besser im In- oder im Ausland absolvieren sollten, helfen Ihnen die folgenden fünf Orientierungshilfen.
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1. Zielsetzung

Zunächst sollten Sie sich darüber klar werden, mit welcher Zielsetzung Sie einen LL.M.-Studiengang absolvieren möchten. Sind Sie in erster Linie an einer fachlichen Weiterbildung in einem bestimmten Bereich des deutschen Rechts interessiert, ist unter Umständen ein inländisches Programm für Sie die erste Wahl.

Ein solches bietet sich auch an, wenn Sie später ohnehin in einem juristischen Bereich tätig werden möchten, in dem man, trotz fortschreitender Internationalisierung des Rechts, eher wenig mit grenzüberschreitenden Sachverhalten konfrontiert wird. Zu beachten ist jedoch, dass große, internationale Kanzleien bei der Auswahl geeigneter Bewerber auf Auslandserfahrung ein besonderes Augenmerk legen.

Sofern man den Einstieg in einem solchen Arbeitsumfeld plant, ist der Erwerb des LL.M.-Titels im Ausland von Vorteil. Darüber hinaus versetzt dieser einen in die Lage, den eigenen juristischen Horizont zu erweitern und eine andere Rechtsordnung näher kennenzulernen. Dies kann ein entscheidender Bonus bei der Tätigkeit im grenzüberschreitenden Rechtsverkehr sein.

2. Sprachkenntnisse

Für den LL.M. im Ausland spricht, dass Arbeitgeber ihn als Garant für ausgezeichnete, fachbezogene Fremdsprachkenntnisse bewerten. Dabei sind verhandlungssichere Englischkenntnisse als Einstellungsvoraussetzung mittlerweile Standard, sodass sich ein Aufenthalt im englischsprachigen Ausland diesbezüglich auf jeden Fall lohnt.

Darüber hinaus besteht bei anderen Studienangeboten, wie beispielsweise in Ungarn oder Polen, die Möglichkeit, das Studium auf Deutsch zu absolvieren und zusätzlich Sprachkurse in der Landessprache zu belegen. Mit Kenntnissen in „exotischeren“ Sprachen gerüstet, lassen sich noch echte Nischen auf dem Arbeitsmarkt finden.

Auch wenn es in Deutschland LL.M.-Studiengänge gibt, die fremdsprachige Veranstaltungen anbieten, dürfte der Lerneffekt in Bezug auf den Erwerb von Sprachkenntnisse nicht derselbe sein, wie man ihn durch das Leben in einem anderen Land erzielt. Nur dort ist man gezwungen, sich auch im Alltag in einer anderen Sprache zu verständigen.

3. Zeitlicher Aufwand

Wichtig ist auch die Frage, wie viel Zeit man hat, um den LL.M.-Studiengang zu absolvieren.
Das Studium dauert meist zwischen zwei und vier Semestern. Zusätzlich erfordert ein Auslandsstudium oft ein hohes Maß an organisatorischem Aufwand. Dies beginnt bereits bei den meist sehr aufwändigen Bewerbungsformalitäten und endet bei der Wohnungssuche im jeweiligen Land.

Demgegenüber liegt ein großer Vorteil inländischer LL.M.-Programme in der häufigen Möglichkeit, diese auch berufsbegleitend zu absolvieren. Hierdurch ist man nicht gezwungen, seinen bisherigen beruflichen Werdegang zu unterbrechen, sofern man das Aufbaustudium erst nach der Zweiten juristischen Prüfung absolvieren möchte. An der Fernuniversität Hagen kann man den LL.M. sogar im Fernstudium erwerben. Auch im Ausland gibt es mittlerweile Universitäten, die diese Möglichkeit anbieten.

4. Soft Skills

Der LL.M. kann den Erwerb verschiedener Soft Skills belegen. Ein Vorteil eines Studiums im Ausland ist das Maß an interkultureller Kompetenz, das man hierbei erwirbt. Das Studieren in einem anderen Land ermöglicht es, in eine fremde Kultur einzutauchen. Durch die internationale Ausrichtung zahlreicher ausländischer LL.M.-Studiengänge lernt man außerdem Studierende aus vielen unterschiedlichen Ländern kennen.

Dies ist nicht nur eine bereichernde Erfahrung für die eigene Persönlichkeit, sondern auch eine gute Möglichkeit, sein Karrierenetzwerk grenzüberschreitend auszubauen.Zwar wird man auch bei der Teilnahme an einem deutschen LL.M.-Programm mit internationaler Orientierung häufig mit Studierenden aus anderen Ländern in Kontakt kommen.

Insbesondere wenn der Studienort in der Nähe des bisherigen Wohnortes liegt, gerät man aber schnell in Versuchung, wiederum viel mit deutschsprachigen Studierenden zu unternehmen. Dadurch kann die Chance, gemeinsam mit den Kommilitonen andere Kulturen kennenzulernen, schnell ungenutzt bleiben.

Darüber hinaus bietet der LL.M. nach dem Studium eine gute Möglichkeit, über einen längeren Zeitraum fachbezogene Auslandserfahrung zu sammeln. Gerade Absolventen, die in ihrem Studium noch nicht die Gelegenheit dazu hatten, eröffnet er die Option, diese Erfahrung nachzuholen und über den Tellerrand zu schauen.

Zusätzlich zeugt das Auslandsstudium auch von einer generellen Aufgeschlossenheit des Bewerbers, der für eine wichtige Weiterqualifikation unter Umständen sogar bereit ist, sich an das andere Ende der Welt zu begeben.

Der LL.M. belegt außerdem auch ein gewisses Organisationsgeschick. Dies bezieht sich zum einen auf die aufwändige Vorbereitungsphase eines Auslandsstudiums. Es gilt aber auch in besonderem Maße für inländische Programme, die häufig berufsbegleitend absolviert werden. Hier wird den Studierenden über mehrere Semester ein Spagat zwischen Studium und Berufsleben abverlangt.

5. Kosten

Bei der Wahl des richtigen Studiengangs sind auch die Kosten ein nicht zu unterschätzender Faktor. Insbesondere in den USA kommen sehr hohe Studiengebühren auf die Bewerber zu, die bei mehreren zehntausend Dollar liegen. Im europäischen Ausland fallen die Gebühren meist niedriger aus.

In Deutschland variiert ihre Bandbreite von der Zahlung des üblichen Verwaltungsbeitrages bis hin zu ca. 25 000 €. Es lohnt sich daher, die Kosten der einzelnen Studienangebote einzeln zu recherchieren und sich die Frage zu stellen, ob das Wunschprogramm für einen selbst überhaupt finanzierbar ist.

Dabei sollte man auch die unter Umständen stark erhöhten Lebenshaltungskosten am Zielort in seine Überlegungen einbeziehen. In diesem Zusammenhang ist es unerlässlich, sich so früh wie möglich über finanzielle Fördermöglichkeiten, wie beispielsweise Stipendien, zu informieren.

Fazit

Die Beantwortung der Frage, ob man das LL.M.-Studium im In- oder Ausland absolvieren sollte, hängt von der individuellen beruflichen Zielsetzung des Interessenten ab. Es ist wichtig, sich über diese Zielsetzung klar zu werden und bei der Auswahl eines geeigneten Programms alle Argumente, die für und gegen den jeweiligen Studiengang sprechen, sorgfältig gegeneinander abzuwägen. In Anbetracht der vielfältigen Angebote der Aufbaustudiengänge und ihrer oft sehr hohen Kosten ist dies unerlässlich.

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