Da in Klausuren und bei vielen anderen Leistungsnachweisen im Studium die schriftliche Lösung von unbekannten Rechtsfällen verlangt wird, muss die Methode der Fallbearbeitung als eigener Studienschwerpunkt in das Studium eingeplant werden. Das Erlernen von Fertigkeiten, die mit der Falllösung einhergehen, ist ebenso wichtig wie das Aneignen von Wissen zu den einzelnen Rechtsfeldern. Schließlich kann nur mit einer guten Methode zur Falllösung das Erlernte gut angewendet werden.
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Bild: „Solo exam“ von Xavi. Lizenz: CC BY 2.0


Leisten Sie genug Vorarbeit!

Voraussetzung zur guten Lösung ist das richtige Erfassen des Sachverhaltes. Sobald der Sachverhalt missverstanden wird, können Fehler in der Lösung auftreten. Daher sind zwei Schritte zum Überblicken des Sachverhaltes notwendig: genaues Lesen und Herausfiltern der wesentlichen Geschehnisse. Erst dann die Sachverhaltsfrage lesen und wiederholt den Sachverhalt durcharbeiten. Wenn man sich die Sachverhaltsfrage nicht zuerst durchliest, geht man unvoreingenommen an den Sachverhalt heran, was wiederum ein Gespür für Probleme fördert.

Behalten Sie unbedingt den Überblick!

Wichtig ist es, den Überblick zu behalten. Darin bleiben viele Möglichkeiten offen, diese als Skizze zu verdeutlichen. Wenn mehrere Personen in einem Verhältnis zueinander stehen, bietet sich bei max. 4 Personen ein Schaubild mit Pfeilen an, welches die Ansprüche zueinander verdeutlicht. Ein Schaubild wird der Kreativität des Bearbeiters überlassen. Sobald aber mehrere Ereignisse oder Ansprüche vorliegen, ist es einfacher, chronologisch vorzugehen. Zum Beispiel mehrfacher Eigentumsübergang, Termine, die für den Ablauf von Fristen Bedeutung haben könnten.

Erfassen Sie die Fragestellung voll und ganz!

Fall- oder Klausurfragen lassen sich in zwei Kategorien einteilen: die konkrete Fragestellung, die sofort den Einstieg in die Falllösung ermöglicht oder die offene Fragestellung, die nach der Rechtslage fragt. Die Fragetypen geben häufig einen Hinweis auf die zu lösenden Ansprüche.

Fragetyp 1:

  • X verlangt von Y Zahlung. Zu Recht?
  • Kann X von Y Schadensersatz verlangen?
  • Hat X Anspruch auf Schadensersatz?
  • Wie hat sich X strafbar gemacht?
  • Was kann X gegen die Versagung der Baugenehmigung unternehmen?
  • Ist der Bescheid rechtmäßig?
  • Ist das Gesetz verfassungsgemäß?

Fragetyp 2:

  • Wie ist die Rechtslage?
  • Wie haben sich die Beteiligten strafbar gemacht?
  • Wie ist der Fall strafrechtlich zu beurteilen?
  • X bittet seinen Rechtsanwalt um Rechtsauskunft. Was wird der Rechtsanwalt raten?

Lösen Sie die Fallfrage!

Nachdem die Fallfrage herausgearbeitet wurde, kann die eigentliche Arbeit beginnen: Die Falllösung. Als erstes sollten die Normen herausgefiltert werden, die auf den Sachverhalt passen könnten. Im Zivilrecht sind das Anspruchsgrundlagen, im Strafrecht Straftatbestände und im Öffentlichen Recht Eingriffs- und Befugnisnormen.

Sehen Sie sich den Aufbau der Falllösung an!

Im Zivilrecht wird nach Sachverhaltskomplexen, Personen, Anspruchszielen und Ansprüchen unterschieden. Nicht alle Unterscheidungskriterien sind jedoch für den Sachverhalt relevant. Die Aufteilung nach Sachverhaltskomplexen ist nur sinnvoll, wenn der Sachverhalt sachlich abtretbare Sachverhaltskomplexe enthält.

Im Strafrecht wird nach Personen geordnet. Innerhalb dessen wird chronologisch in Handlungsabschnitte unterteilt, d.h. die Straftatbestände, die am schwerwiegendsten sind, werden zuerst geprüft.

Im Öffentlichen Recht sind verwaltungsverfahrensrechtliche, verwaltungsprozessuale oder verfassungsprozessuale Rechtsbehelfe oder Rechtsmittel zu prüfen. Die Falllösung ist hier in Zulässigkeit und Begründetheit zu gliedern.

Darauf kommt es an: Das Gutachten

Eine juristische Leistung besteht nicht nur darin, das zutreffende Ergebnis zu finden, sondern darin, einen Sachverhalt nach der Gesetzes- und Rechtslage zu begutachten. Das bedeutet, dass die einzelnen Schritte auf dem Weg zum Ergebnis anhand der Ausführungen des Fallbearbeiters nachvollziehbar sein müssen. Ein Gutachten ist daran erkennbar, dass das Ergebnis hergeleitet wird, also alle Überlegungen und Begründungen vor dem Ergebnis stehen.




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