Das Examen ist gut für Sie gelaufen und nun liebäugeln Sie mit einer Promotion? Sie haben aber noch keine Ahnung, was Sie genau erwartet oder wie Sie vorgehen müssen? Nur Mut - wir haben die wichtigsten Fakten für Sie zusammengestellt, um Ihnen einen ersten Überblick über das Thema Doktorarbeit zu verschaffen.
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Susann Städter / photocase.de


Die Voraussetzungen für eine juristische Promotion

Wie in ziemlich vielen Bereichen ist das Prädikatsexamen auch hier wieder ein entscheidender Türöffner. Doch auch wenn Sie die begehrten neun Punkte nicht erreicht haben, müssen Sie noch nicht den Kopf hängen lassen. Die Promotionsordnungen sehen verschiedene Ausnahmeregelungen vor, die Ihnen dennoch das Anfertigen einer Dissertation ermöglichen können.

Oft genügt beispielsweise ein Examen im befriedigenden Bereich und ein Seminar, das mindestens mit der Note „gut“ bewertet wurde. Auch eine vorherige Tätigkeit an einem Lehrstuhl kann Ihnen behilflich sein. Informieren Sie sich in der Promotionsordnung Ihrer Fakultät, um die genauen Voraussetzungen zu erfahren.

Die Qual der Wahl: Nach dem ersten oder dem zweiten Staatsexamen loslegen?

Auch die Frage, wann der richtige Zeitpunkt für eine juristische Promotion ist, bereitet vielen Studenten Kopfzerbrechen. Hierbei müssen Sie verschiedene Aspekte gegeneinander abwägen:

Fest steht, dass Ihr materielles Wissen unmittelbar nach der Ersten Juristischen Prüfung am umfangreichsten ist und es sich daher anbietet, zunächst einmal den Sprung in das Referendariat zu wagen. Für die Promotion nach dem zweiten Staatsexamen spricht außerdem, dass Sie zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich genauer wissen, in welche Richtung es beruflich gehen soll und Sie Ihr Dissertationsthema besser auf Ihre Ziele abstimmen können.

Hingegen ist es durchaus möglich, dass Sie ein Promotionsvorhaben, das Sie für die Zeit nach dem 2. Staatsexamen geplant haben, letztendlich doch nicht in die Tat umsetzen, weil beispielsweise ein attraktives Jobangebot lockt. Außerdem müssen Sie sich in das wissenschaftliche Arbeiten erst wieder hineinfinden.

Die verschiedenen Promotionsarten

In Deutschland kann man einen Doktortitel sowohl durch eine Individualpromotion als auch durch eine strukturierte Promotion erlangen. Im Rahmen der Individualpromotion sucht man sich eine/n Doktorvater/-mutter und schreibt selbstständig an seiner Dissertation. Diese Art der Promotion stellt bislang die Regel dar.

Bei einer strukturierten Promotion ist man dagegen Teil eines Doktorandenprogrammes und wird von mehreren Professoren betreut. Häufig sind diese interdisziplinär ausgerichtet. Sie ähneln den PhD-Programmen in den englischsprachigen Ländern.

Besser intern oder extern promovieren?

Außerdem gibt es die Möglichkeit, intern oder extern zu promovieren. Während man im Rahmen einer internen Promotion am Lehrstuhl seines Doktorvaters angestellt ist, muss man sich bei der externen selbst um seinen Lebensunterhalt kümmern.

Beides hat seine Vor- und Nachteile. Für die interne Promotion spricht grundsätzlich der engere Kontakt zu anderen Promovierenden und seinem Doktorvater. Ein Nachteil ist hingegen, dass man hier oft zeitlich sehr stark eingespannt ist und etwaige Überstunden nicht immer bezahlt werden. Wenn man weniger Zeit zur Verfügung hat, leidet darunter auch die Doktorarbeit. Man muss jedoch dazu sagen, dass es meist nicht in Ihrer Hand liegt, ob Sie intern oder extern promovieren können.

Die Finanzierungsfrage

Es ist außerdem wichtig, sich frühzeitig über die Finanzierung Gedanken zu machen. Dabei ist sowohl eine Anstellung an der Uni als auch eine Beschäftigung in der Wirtschaft ein gangbarer Weg. Nach einer Untersuchung des Statistischen Bundesamtes zu den Promovierenden an deutschen Hochschulen im Wintersemester 2010/11 befanden sich von den 200 400 Doktoranden 165 600 (also 83 %) in einem Beschäftigungsverhältnis. Von diesen waren ihrerseits 126 000 (76 %) an einer Hochschule angestellt, wohingegen weitere 8 % an einer außeruniversitären Forschungseinrichtung und die übrigen 16 % bei anderen Arbeitgebern beschäftigt waren.

Darüber hinaus sollten Sie sich bereits frühzeitig über Stipendien informieren, die möglicherweise für Sie in Frage kommen. Vielleicht ist auch Ihre Familie in der Lage, Sie zumindest teilweise zu unterstützen? Viele Wege führen zum Ziel, doch nur wenn Sie die Finanzierungsfrage geklärt haben, sind Sie hinterher auch in der Lage, sich voll und ganz auf Ihre Dissertation zu konzentrieren.

Wie viel Zeit sollte ich einplanen?

Einige schaffen es tatsächlich, den Traum vom Doktortitel innerhalb von ein bis zwei Jahren wahr werden zu lassen. Das Statistische Bundesamt fand in der bereits erwähnten Erhebung zum Wintersemester 2010/11 jedoch heraus, dass 3 % der Promovierenden bereits vor dem Jahr 2005 mit ihrem Vorhaben begonnen hatten. Im Jahr 2007 und früher waren insgesamt 25 % der Doktoranden gestartet.

Natürlich hängt die Dauer einer Promotion von der Fachrichtung ab. Dennoch sind auch persönliche Umstände, wie die geplante Finanzierung oder familiäre Verpflichtungen, bei der Planung zu berücksichtigen. Versuchen Sie, möglichst realistisch einzuschätzen, wie lang Sie für ihr Vorhaben brauchen werden und berücksichtigen Sie dabei, dass Sie neben einem Job über weitaus weniger Zeit verfügen werden als jemand, der ausschließlich an seiner Dissertation schreibt.

Der Ablauf

Am Anfang steht  die Themenwahl. Diese will gut überlegt sein, schließlich müssen Sie sich über einen sehr langen Zeitraum mit der von Ihnen ausgewählten Fragestellung beschäftigen. Nachdem Sie Ihr Wunschthema sowie einen Doktorvater gefunden und die Finanzierung sichergestellt haben, kann es im Prinzip schon mit dem Verfassen der Dissertation losgehen. Beachten Sie jedoch, dass an manchen Universitäten noch die Zulassung zum Promotionsverfahren beantragt werden muss. Ob dies für Sie zutrifft, erfahren Sie aus der Promotionsordnung.

Nach der Fertigstellung der Dissertation muss noch ein Antrag auf die Eröffnung des Promotionsverfahrens gestellt werden. Anschließend erfolgt die Begutachtung durch einen Erst- und einen Zweitgutachter. Auch eine mündliche Prüfung in Form eines Rigorosums bzw. einer Disputation bleibt Ihnen nicht erspart. Bei der Disputation wird grundsätzlich ein Streitgespräch über die Inhalte der Dissertation geführt. Dagegen können Ihnen während des Rigorosums theoretisch Fragen zur gesamten Rechtswissenschaft gestellt werden.

Danach müssen Sie das sogenannte Imprimatur, also die Druckerlaubnis, einholen. Erst dann kann Ihre Dissertation veröffentlicht werden. Im Anschluss wird Ihnen die Promotionsurkunde ausgehändigt und Sie sind fortan berechtigt, den Doktortitel zu führen.

Fazit

Eine juristische Promotion ist eine tolle Weiterbildungsmöglichkeit, die nicht nur Kandidaten mit Prädikatsexamen offen steht. Bei der Entscheidung für oder gegen ein solches Projekt kann Ihnen auch ein erstes Gespräch mit einem Professor helfen. Scheuen Sie sich nicht, einen Termin zu vereinbaren und werfen Sie so früh wie möglich einen Blick in die für Sie geltende Promotionsordnung.

Quelle
Promovierende in Deutschland via destatis



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