Einige haben sie schon hinter sich, andere noch vor sich: Klausuren zum Bestehen der Zwischenprüfung, der kleinen oder großen Scheine. Viele Studenten lernen dabei nach dem Motto „vier gewinnt“. Trotzdem kennzeichnen sich juristische Klausuren durch hohe Durchfallquoten. Doch woran liegt das? – Ein paar typische Fehler aus eigener Korrekturerfahrung.
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Bild: “Sailors take their advancement exams.” von Official U.S. Navy Page. Lizenz: CC BY 2.0


Fehler Nr.1: Wo bleibt der Gutachtenstil?

Ein Fehler, den Studenten vom ersten Semester bis hin zum Examen immer und immer wieder begehen, ist der, in ihren Klausuren den Gutachtenstil nicht zu verwenden. Obwohl dieser Studenten quasi in der ersten Woche des ersten Semesters beigebracht wird, fällt es Studenten immer wieder schwer, diesen beizubehalten.

Entweder wird die Prüfung ohne Obersatz begonnen, oder die Definitionen fehlen, oder das Herzstück eines jeden Gutachtens, die Subsumtion, wird nicht richtig vorgenommen. Wer die Grundlagen der juristischen Arbeit nicht beherrscht, kann dann dementsprechend auch mit keiner guten Punktzahl rechnen. Deshalb empfiehlt es sich dringend, den vierteiligen Aufbau einzuhalten. Dieser ist nicht nur Grundgerüst des Gutachtens, sondern auch Gedankenstütze und Hilfe, um nicht im „luftleeren Raum“ zu prüfen.

Der vierteilige Aufbau des Gutachtenstils:

Obersatz

Definition

Subsumtion

Ergebnis

Fehler Nr.2: Schlechter Stil, oder: der inflationäre Gebrauch von „fraglich ist“

Die Sprache ist das Handwerkszeug der Juristen. Dementsprechend gehört zu einer guten Klausur auch ein guter sprachlicher Stil. Typischerweise wird in juristischen Gutachten sehr oft der Konjunktiv benutzt. Viele leiten ihre Sätze zudem mit Floskeln wie „Möglicherweise“ , „es stellt sich die Frage“ oder „fraglich ist“ ein. Gerade letzteres wird in Klausuren geradezu inflationär gebraucht.

Doch muss das sein? Ist der konkrete Prüfungspunkt wirklich fraglich? Ein guter Stil zeichnet sich auch dadurch aus, dass man sprachliches Feingefühl offenbart und nicht einfach den Sinngehalt der verwendeten Wörter ignoriert. Deshalb empfiehlt es sich, nur solche Punkte mit „fraglich ist“ oder „problematisch ist“ einzuleiten, die auch wirklich in Frage stehen.

Wird im darauffolgenden Satz kein Problem oder Streit benannt, sollte man auf diese Floskeln lieber verzichten und stattdessen auf „Könnte“ oder „hätte“ ausweichen.

 Fehler Nr.3: Falsche Schwerpunktsetzung

Essentiell für eine gute Klausur ist die richtige Schwerpunktsetzung. Natürlich kann man im Rahmen eines Kaufvertrages in aller Ausführlichkeit über zwei Seiten darstellen, worin das Angebot und worin die Annahme lag, und dass außerdem eine Einigung über die essentialia negotii erfolgte. Doch bevor Sie das tun, fragen sie sich einen Moment- ist das hier jetzt wirklich gefragt?

Solche Ausführungen sind genau genommen zwar nicht falsch, zeigen jedoch, dass der Bearbeiter die Kernpunkte des Sachverhalts nicht erkannt hat. Wenn im Sachverhalt dazu keine Anhaltspunkte sind, braucht es weder lange Ausführungen zum dolus eventualis, noch zu der Frage, ob denn alle Merkmale eines Verwaltungsakts erfüllt sind.

Solche Ausschweifungen kosten in der Klausur nicht nur wertvolle Zeit, sondern hinterher auch wertvolle Punkte.

Fehler Nr.4: Die berühmte „Sachverhaltsquetsche“

Gerade unter Anfangssemestern (aber leider auch unter Examenskandidaten) ist es beliebt, den Sachverhalt etwas umzudichten und abzuändern. Mit dieser Sachverhaltsquetsche versucht der Bearbeiter dann in der Regel, im Gutachten das zu prüfen, was er prüfen möchte, und zu dem Ergebnis zu gelangen, das ihm passt.

Dies ist schlicht und ergreifend falsch. Man muss den Sachverhalt so akzeptieren wie er ist, schließlich hat sich der Klausurersteller etwas dabei gedacht, warum manche Angaben darin auftauchen und andere nicht. Man muss seine Prüfung dem Sachverhalt anpassen und nicht umgekehrt. Vor allem darf man den Sachverhalt nicht blind in ein auswendig gelerntes Schema pressen, sondern muss immer die Umstände des konkreten Einzelfalls im Blick haben.

Und schließlich- Verständnis zeigen

Wichtig für eine gute Klausur ist (neben dem vorhandenen Wissen) zu zeigen, dass man das, was man da zu Papier bringt, auch verstanden hat. Denn auswendig lernen kann prinzipiell jeder.

Wenn man in seinem Gutachten jedoch zum Ausdruck bringt, dass man die Probleme und Meinungsstreitigkeiten mit ihren dahinter stehenden Gründen auch selbst einmal durchdacht hat, und insbesondere Wertungsgesichtspunkte mitberücksichtigt, dann sollten auch mehr drin sein als 4 Punkte.

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