Tipp: Keine Lust zu lesen? Dann lernen Sie doch einfach online. Wählen Sie einfach einen oder mehrere Jura-Kurse aus und starten Sie kostenlos.

das ist ein richterhammer

Bild: “Block Gavel” von Douglas Palmer. Lizenz: CC BY 2.0


Wer kennt sie nicht, die Szenen in amerikanischen Gerichtssälen aus den zahlreichen John-Grisham-Verfilmungen? Rhetorisch begabte Anwälte mit mitreisenden Plädoyers und eine strenge Jury. Doch was ist dran am vermeintlichen Fernsehklischee? Und wie unterscheidet sich davon die „typische“ Gerichtsverhandlung in deutschen Gerichtssälen? Ein Vergleich.

Gerichtsverhandlungen in Deutschland – der Strafprozess

Das Strafverfahren in Deutschland lässt sich zunächst einmal in drei Abschnitte teilen:

  • Ermittlungsverfahren
  • Zwischenverfahren
  • Hauptverfahren

Das Ermittlungsverfahren endet mit Anklageerhebung durch den Staatsanwalt, § 170 Abs.1 StPO. Besteht hinreichender Tatverdacht, so wird durch Beschluss des zuständigen Gerichts das Hauptverfahren eröffnet, § 203 StPO. Jetzt beginnt das eigentliche Verfahren vor Gericht.

Vor Gericht gibt es dann drei Parteien: den Richter (oder mehrere Richter), die Staatsanwaltschaft und den Angeklagten (plus einen eventuellen Strafverteidiger).

Die Staatsanwaltschaft

Die Staatsanwaltschaft als „objektivste Behörde der Welt“ vertritt die Anklage. Sie ist dabei den Weisungen der Behördenleitung und des Justizministeriums unterworfen.

Das Entscheidende an der Staatsanwaltschaft im deutschen Rechtssystem ist, dass sie nicht gezwungen ist, gegen den Angeklagten zu plädieren. Sie ist in dem Sinne keine „Gegenpartei“ zur Anklagebank, sondern vielmehr neutrale Partei, sie ermittelt in die eine wie die andere Richtung.

Am Ende des Hauptverfahrens schlägt die Staatsanwaltschaft einen nach ihrer Ansicht nach angemessene Strafrahmen (Geld- oder Freiheitsstrafe) vor, bzw. kann sie auch Freispruch beantragen.

Der Richter

Die Richterbank ist im deutschen Strafverfahren unterschiedlich besetzt. Es gibt die Möglichkeit, dass nur ein Richter als sog. Einzelrichter entscheidet. Weiterhin können auch mehrere Richter gemeinsam als Spruchkörper entscheiden. Im Strafprozess ist das beim Amtsgericht das Schöffengericht und beim Landgericht die Strafkammern.

Der Richter genießt im Gegensatz zum Staatsanwalt verfassungsrechtlich gesicherte Unabhängigkeit (Art.97 GG). Diese richterliche Unabhängigkeit ist ein entscheidendes Merkmal unseres Rechtsstaats und sicherlich auch – wie viele der Bestimmungen im Grundgesetz – als Gegenprogramm zum Nationalsozialismus entstanden.

Die richterliche Unabhängigkeit bedeutet jedoch nicht, dass der Richter ganz nach eigenem Gutdünken entscheiden kann. Vielmehr ist er als Teil der Judikative gem. Art. 20 Abs. 3 GG an Recht und Gesetz gebunden.

Im Strafprozess findet die richterliche Unabhängigkeit besonders in § 261 StPO Ausdruck, welcher die sog. freie richterliche Beweiswürdigung regelt. Dies bedeutet, dass zwar Staatsanwaltschaft und Strafverteidiger im Prozess die Beweise vorbringen, der Richter jedoch grundsätzlich frei entscheidet, ob und wie er diese Beweise würdigt.

Der Strafverteidiger

Der Strafverteidiger vertritt den Angeklagten vor Gericht und hat die Aufgabe, ihn zu beraten und durch das Verfahren zu „führen“. Er muss die prozessualen Rechte seines Mandanten wahren und vor Gericht konsequent durchsetzen.

Er führt für die Anklagebank die Zeugenbefragung durch und bringt Beweise zugunsten des Angeklagten vor. Im Gegensatz zum Staatsanwalt ist der Strafverteidiger also nicht objektive Partei, sondern steht ganz auf Seite des Angeklagten.

Gerichtsverhandlungen in den USA – der Strafprozess

Zunächst einmal lässt sich feststellen dass auch im US-amerikanischen Rechtssystem das Strafverfahren „dreigeteilt“ ist: Es wird unterschieden zwischen dem Ermittlungsverfahren, dem Erkenntnisverfahren und dem Hauptverfahren.

Das Ermittlungsverfahren endet mit Anklageerhebung, und hier zeigt sich schon der Unterschied zu Deutschland: die Anklageerhebung kann nicht nur durch den Staatsanwalt erfolgen, sondern in einigen, besonders scherwiegenden Fällen, auch durch die sog. Grand Jury.

Im Hauptverfahren, dass aus dem Prozess vor Gericht besteht, bestehen zwei Möglichkeiten der Prozessgestaltung: der Angeklagt hat das verfassungsrechtlich geschützte Recht auf einen Geschworenenprozess, d.h. einen Prozess unter Beteiligung einer Jury. Er hat aber auch die Möglichkeit, auf dieses Recht zu verzichten, und den Fall allein von einem Richter entscheiden zu lassen.

Die Staatsanwaltschaft

Die Staatsanwaltschaft in den USA hat prinzipiell erst einmal dieselbe Aufgabe wie die deutsche Staatsanwaltschaft: bei Verstößen gegen die Rechtsordnung zu ermitteln und diese ggf. vor Gericht zu bringen. Im Gegensatz zur deutschen Staatsanwaltschaft als objektive Behörde sehen sich die US-amerikanischen Staatsanwälte als „Diener der Bürger“, die sie vor Straftaten zu beschützen haben.

Dementsprechend anders ist auch die Rolle des Staatsanwalts im Strafprozess. Während der deutsche Staatsanwalt prinzipiell in beide Richtungen ermittelt, ist sein US-amerikanischer Kollege der Gegenpol zum Strafverteidiger und plädiert dementsprechend im Prozess auch ausschließlich gegen den Angeklagten. Er kann zum Beispiel auch nicht auf einen Freispruch plädieren.

Der Richter

Die Rolle des Richters ist abhängig davon, ob ein Richterprozess oder ein Geschworenenprozess stattfindet. Im Richterprozess hat er im Wesentlichen dieselbe Aufgabe wie sein deutscher Kollege: sachlich, unabhängig und verfassungsgemäß über Schuld oder Unschuld des Angeklagten zu entscheiden.

Im Geschworenenprozess ist dies etwas anders. Ist eine Jury beteiligt, so obliegt es allein den Jurymitgliedern, über Schuld oder Unschuld zu entscheiden. Der Richter entscheidet während der Verhandlung lediglich über die Zulassung von Anträgen und erläutert den Geschworenen ihre Pflichten.

Der Richter ist zwar auch im Geschworenenprozess der Vorsitzende, seine Kompetenzen sind aber zum Vergleich mit denen in der deutschen Rechtsordnung deutlich geringer. Seine Hauptaufgabe ist es, über die Einhaltung der prozessualen Regeln von Seiten der Anwälte zu wachen. Er ist an die Juryentscheidung gebunden und kann diese in aller Regel nicht hinterher aufheben.

Die Jury

Die Institution der Jury ist dem (modernen) deutschen Rechtssystem gänzlich fremd. Die Jury besteht in der Regel aus juristischen Laien und wird vom Staatsanwalt und der Anklageseite gemeinsam ausgewählt.

Die Geschworenen sollen möglichst unvoreingenommen sein und sollten deshalb bezüglich des betreffenden Falls weder Vorkenntnisse haben noch in irgendeiner Weise befangen sein. Die Jury wird auch für die Dauer des Prozesses von der Außenwelt isoliert, um jegliche Einflussnahme (durch Angehörige oder Medien) zu verhindern und ein möglichst objektives Urteil zu erreichen.

Da die Jury aus juristischen Laien besteht, haben Staatsanwalt wie Verteidiger ein besonderes Interesse daran, an die „Gefühlswelt“ der Geschworenen zu plädieren und so eine Entscheidung zu ihren Gunsten zu erreichen. Dies erklärt auch, weshalb die Plädoyers, die vor amerikanischen Gerichten gehalten werden, oft emotional aufgeladen und weit weniger sachlich sind, als wir das von deutschen Prozessen gewohnt sind.

Fazit

Das deutsche und das amerikanische System sind auf den zweiten Blick doch unterschiedlicher als man das vermuten möchte. Dementsprechend unterscheiden sich auch die juristischen Ausbildungen an den Universitäten.

Während hierzulande die Gesetzesauslegung und –anwendung den Ausbildungsschwerpunkt darstellt, werden die US-amerikanischen Studenten verstärkt in ihren rhetorischen Fähigkeiten geschult. Eine Möglichkeit, in das amerikanische System hinein zu schnuppern, besteht in Auslandspraktika, der Wahlstation im Referendariat oder im Rahmen eines LL.M.



Die ultimative Vorbereitung für das juristische Staatsexamen

Dieses kostenlose eBook gibt Ihnen einen Überblick über die Möglichkeiten zur Vorbereitung auf Ihr Jura Examen:

Wie funktionierte die perfekte Examensvorbereitung?

Zum Staatsexamen ohne Repetitorium?

Online- versus Präsenzrepetitorien

        EBOOK ANFORDERN        
Nein, danke!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *