Uli Hoeneß war schon vor dem spektakulären Steuerhinterziehungsprozess ein polarisierender Prominenter. Im Trikot der Nationalmannschaft gewann er EM und WM und mit dem FC Bayern scheint er als Spieler und Funktionär sein Leben lang verwoben zu sein. Hier erhalten Jurastudenten einen Überblick über den prominentesten Steuerfall der letzten Jahre.
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Uli Hoeneß

Bild: “Uli Hoeneß 2503l” von Haraldbischoff. Lizenz: CC BY 3.0


Biografie

Ulrich „Uli“ Hoeneß wurde am 5. Januar 1952 in Ulm geboren und gelangte als Fußballspieler, Unternehmer und Fußballfunktionär beim FC Bayern zu Berühmtheit. Als aktiver Fußballspieler wurde Uli Hoeneß 1972 Europameister und 1974 Weltmeister. Auch im Vereinsfußball gewann er viele Titel mit dem FC Bayern.

Nach Ende seiner aktiven Karriere wurde er Unternehmer und etablierte den FC Bayern als Funktionär dauerhaft in der Weltspitze. Dabei ist hervorzuheben, dass der FC Bayern finanziell solide aufgestellt ist und nicht wie andere Vereine dieses Niveaus überschuldet oder von reichen Mäzenen abhängig ist.

Unwirksame Selbstanzeige

Angesichts eines bevorstehenden Medienberichts über seine unversteuerten Spekulationsgeschäfte in der Schweiz entschied sich Hoeneß im Januar 2013 zu einer Selbstanzeige bei Finanzamt. Diese war anscheinend zu hastig verfasst worden. Im Gerichtsurteil lautet es dazu:

„Voraussetzung einer wirksamen Selbstanzeige ist, dass gegenüber der Finanzbehörde zu allen unverjährten Steuerstraftaten in vollem Umfang die unrichtigen Angaben berichtigt und die unvollständigen Angaben ergänzt oder die unterlassenen Angaben nachgeholt werden“

Verurteilung wegen Steuerhinterziehung

Die Richter verurteilten Hoeneß am 13. März 2014 wegen sieben Fällen von tatmehrheitlicher Steuerhinterziehung von insgesamt 28,5 Millionen Euro in den Jahren 2003 bis 2009 zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 3 Jahren und 6 Monaten.

Hoeneß erklärte den Urteilsspruch zu akzeptieren und verzichtete auf eine Revision. Zudem legte er seine Ämter als Präsident und Vorsitzender des Aufsichtsrats des FC Bayern nieder. Im Juni 2014 trat Hoeneß seine Haft in der JVA Landsberg am Lech an.

Details aus der veröffentlichten Urteilsbegründung

Das Urteil des Landgerichts München II wurde erst auf Druck der Öffentlichkeit und Medienvertretern anonymisiert veröffentlicht. Es enthält einige interessante Details in der Causa Hoeneß. So wich das Landgericht bei der Strafzumessung von den vom Bundesgerichtshof in seinem Urteil vom 2.12.2008 entwickelten Maßstäben bei der Strafzumessung bei Steuerhinterziehung ab.

Die einzelnen Steuervergehen summierten sich nämlich auf 9 Jahre und 3 Monate Freiheitsstrafe, sodass die verhängten 3 Jahre und 6 Monate doch als mildes Urteil zu begreifen sind. Gründe für das Abweichen von den üblichen Maßstäben waren für das Gericht „die außerordentlichen Umstände des Einzelfalls“.

Gründe für mildes Urteil

Zugute kam Hoeneß insbesondere, dass er sich mit seiner misslungenen Selbstanzeige steuerstrafrechtlichen Ermittlungen selbst ausgeliefert hat. Angesichts der Tatsache, dass zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Schweiz keine Rechtshilfe in Fällen „einfacher Steuerhinterziehung“ besteht, wären die Ermittlungen ohne die Selbstanzeige von Hoeneß wohl nicht mit vergleichbarem Erfolg durchgeführt worden.

Zudem war Hoeneß von Anfang an geständig, kooperativ und sein Auftreten von erkennbarer Schuldeinsicht und Reue geprägt. Positiv kam dem Verurteilen auch zugute, dass er erstmals strafrechtlich in Erscheinung trat und den Schaden bereits in einem erheblichen Maße wiedergutgemacht hat.

Fazit

Hoeneß bzw. seine Steuerberater haben sich mit ihrer unvollständigen Selbstanzeige zunächst selbst ins Knie geschossen. Aus der nun veröffentlichten Urteilsbegründung wird nun aber klar, dass die umfassende Kooperation vor Gericht ihn vor einer deutlich längeren Strafe bewahrt hat.

Mittlerweile ist Hoeneß schon „Freigänger“ und muss nur nachts im Gefängnis übernachten. Bei guter Führung wird er schon bald wieder die Champions-League von der Tribüne aus verfolgen können.

Auch andere Prominenten waren bereits in spektakuläre Gerichtsprozesse verwickelt. Dazu zählen O.J. Simpson, Michael Jackson und Peter Graf.



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