Mit dem Urheberrecht kommt man beim Surfen im Internet ständig in Kontakt. Doch kaum ein Jurastudent kennt sich wirklich damit aus. Statt sich mit dem angestaubten Urheberrecht zu beschäftigen, lohnt es sich das Pferd von hinten aufzuzäumen. Die Antwort des Web 2.0 auf die Schwächen des Urheberrechts lautet „Creative Commons“. Was sich hinter diesem Begriff verbirgt, erfahren Sie in diesem Guide.
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Bild: “Copyright license choice” von  opensource.com. Lizenz: CC BY-SA 2.0

Bild: “Copyright license choice” von opensource.com. Lizenz: CC BY-SA 2.0


Das aktuelle Urheberrecht

Das aktuelle Urheberrecht von 1965 geht vom Regelfall aus, dass Lizenzen für die Verwertung von urheberrechtlich geschützten Werken individuell zwischen den Parteien verhandelt werden. So sieht § 31 UrhG vor, dass der Urheber anderen Personen das Nutzungsrecht einräumen kann. Das Nutzungsrecht kann als einfaches oder ausschließliches Recht sowie räumlich, zeitlich oder inhaltlich beschränkt eingeräumt werden. Da es eine Vielzahl an Möglichkeiten gibt dieses auszugestalten, werden die daran beteiligten Parteien -zumeist Verleger- ihre hauseigenen Juristen zu Rate ziehen. Das UrhG geht somit vom Leitbild individueller Verhandlungen zwischen relativ großen Unternehmen aus.

Internet: Ständiger Kontakt mit dem Urheberrecht

Durch die Digitalisierung der Medien und das Internet haben sich allerdings auch für Privatpersonen und kleine Unternehmen die Anzahl der Kontakte mit urheberrechtlich geschützten Werken vervielfacht. Manche Künstler möchten gerne unentgeltlich ihre Werke verbreiten, um einen größeren Bekanntheitsgrad zu erlangen. Andere wiederrum sind ideologisch motiviert und geben Bilder frei, um zu mehr kostenlosen Inhalten im Internet beizutragen. Auf der anderen Seite verwenden Nutzer fremde Werke zur Einbindung in Webseiten und sparen sich so mühevolle Arbeit bei der Erstellung von Inhalten.

Das Urheberrecht als Kreativitätsbremse?

In den letzten Jahren ist das Urheberrecht immer mehr in die Kritik der Öffentlichkeit geraten. Es fehlen Antworten auf den massenhaften Kontakt von Privatpersonen und kleinen Unternehmen mit urheberrechtlich geschützten Werken. Einen schnellen Austausch ohne die Beteiligung von Juristen sieht es schlicht nicht vor.

Die „Creative Commons“-Lizenz

Die Antwort auf diese Probleme liefert die „Creative Commons“ (CC)-Lizenz. Diese ist eine vorgefertigte Standardlizenz, die von der gleichnamigen Non-Profit-Organisation veröffentlicht wird. Insgesamt gibt es sechs verschiedene Standard-Lizenzverträge, die –je nach Interessenlage- über die Freigabe urheberrechtlich geschützter Werke bestimmen. Anhand der CC-Symbole und einer leicht verständlichen Lizenzurkunde erkennen Nutzer zu welchen Zwecken die Werke freigegeben sind. Durch einen zweiten Klick gelangt man dann zu dem eigentlichen juristisch ausformulierten Lizenzvertrag.

Welche „Creative Commons“-Lizenzen gibt es?

Es gibt insgesamt sechs mögliche CC-Lizenzen: Die simpelste Form sieht lediglich die Namensnennung des Urhebers (Lizenzgeber) durch den Nutzer des Werkes (Lizenznehmer) vor. Zusätzlich gibt es noch Module, die die Nutzung zu kommerziellen Zwecken oder die Bearbeitung des Werks verbieten. Sofern die Bearbeitung des Werks erlaubt ist, kann festgelegt werden, dass Bearbeitungen unter den gleichen Bedingungen weitergegeben werden müssen.

Was sind die Vorteile der CC-Lizenz?

Wird eine CC-Lizenz verwendet, müssen die Urheber nicht selbst einen passenden Lizenzvertrag erstellen oder Anwälte damit beauftragen. Vielmehr genügt es, einmal mit wenigen Klicks eine Lizenz zu erstellen und der Verbreitung der eigenen Werke zuzusehen. Auf der anderen Seite erkennen die Interessenten auf einen Blick, wozu die Lizenz sie berechtigt und eine Nachfrage beim Urheber erübrigt sich. Dies ermöglicht einen schnellen Austausch von kreativen Werken.

Welche Gefahren bestehen bei der Nutzung von „Creative Commons“?

Für den Nutzer besteht die Gefahr, dass dritten Personen Rechte an dem Werk zustehen. Das wäre beispielsweise der Fall, wenn ein Foto andere Personen als den Lizenzgeber zeigt. Der fotografierten Person steht das Recht am eigenen Bild zu. Dann kann der Lizenzgeber zwar die Rechte an seinem Bild freigeben nicht aber am Motiv. In diesem Fall drohen Schadensersatzforderungen der abgebildeten Person.

Fazit

Beim Surfen im Internet kommt man ständig mit dem Urheberrecht in Kontakt. Immer mehr Werke werden unter der vorgestellten CC-Lizenz veröffentlicht. Insbesondere als Jurist sollte man daher den Hintergrund dieser Regelungen verstehen. Derart praktisches Wissen ist auch der beste Beweis, dass Jura nicht trocken sein muss.

 

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