In den ersten Semestern hat man als Jurastudent meist noch keine Ahnung davon, was sich hinter den Namen der verschiedenen Schwerpunktbereiche verbirgt. Mit unserer Beitragsserie schaffen wir Abhilfe und zeigen Ihnen, welche Schwerpunktbereiche es gibt und welche Rechtgebiete hier im Einzelnen behandelt werden. Heute erklären wir, was sich hinter der Bezeichnung Bank- und Kapitalmarktrecht verbirgt und wo Sie dieses studieren können.
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Bild: Learning session von Per Gosche. Lizenz: CC BY 2.0


Welche Rechtsgebiete umfassen das Bank- und das Kapitalmarktrecht?

Das Bankrecht umfasst unter anderem  Regelungen aus dem bürgerlichen Recht sowie dem Handelsrecht. Grundsätzlich kann man zwischen dem privaten und dem öffentlichen Bankrecht unterscheiden. Das private Bankrecht bestimmt das Verhältnis zwischen Unternehmen, Organisationen und Privatpersonen auf der einen und der Bank auf der anderen Seite. Das öffentliche Bankrecht betrifft demgegenüber den Betrieb der Banken selbst und beinhaltet hoheitliche Vorschriften, die diese befolgen müssen [Tobias, Bankrecht, S. 2].

Hinsichtlich der Frage, was Kapitalmarktrecht ist, gibt es unterschiedliche Definitionsansätze [s. dazu Buck-Heeb, Kapitalmarktrecht, § 1 Rn. 4]. Es ist jedoch zu großen Teilen aus dem Bankrecht, dem Gesellschaftsrecht und dem Börsenrecht hervorgegangen. Seine Vorschriften dienen vor allem dem Schutz des Kapitalmarktes [Buck-Heeb, Kapitalmarktrecht, § 1 Rn. 3].

Für welche Rechtsgebiete sollte ich mich allgemein interessieren?

Die Veranstaltungen im Bereich Bank- und Kapitalmarktrecht setzen häufig das im Rahmen des Pflichtstudiums erworbene Wissen im Handels- und Gesellschaftsrecht voraus. Außerdem sollte man sich am besten für das Zivil- und das öffentliche Recht interessieren, um hier punkten zu können. Freude an der Beschäftigung mit wirtschaftlichen Zusammenhängen ist jedoch eine ebenso wichtige Voraussetzung, um in diesem Schwerpunktbereich glücklich zu werden.

Wo kann man einen solchen Schwerpunkt belegen?

Schwerpunktbereiche, die sich mit Themen des Bank- und Kapitalmarktrechts befassen, gibt es an zahlreichen Universitäten. Nachfolgend haben wir einige Angebote für Sie zusammengestellt:

Leipzig

An der Uni Leipzig kann der Schwerpunkt „Bank- und Kapitalmarktrecht“ studiert werden. Hier werden die drei Pflichtfächer Kreditgeschäft der Kreditinstitute, Wertpapierrecht und Kapitalmarktrecht gelehrt. Die Wahlpflichtfächer decken demgegenüber an das Bank- und Kapitalmarktrecht angrenzende Rechtsgebiete ab. Hierbei handelt es sich beispielsweise um das internationale Bankrecht, das EU-Wirtschaftsrecht oder das Insolvenzrecht. Auch Bezüge aus dem Straf-, Wirtschafts- und Steuerrecht, die das Bank- und Kapitalmarktrecht betreffen, werden hier behandelt.

Köln

Die Universität Köln bietet den Schwerpunkt „Bank-, Kapitalmarkt- und Versicherungsrecht“ an. Hier gibt es vier Kernbereichsveranstaltungen, die das Bankrecht, das Kapitalmarktrecht, das Versicherungsvertragsrecht und das AGB- und Verbraucherschutzrecht umfassen. Gerade der letztgenannte Bereich enthält dabei zahlreiche Überschneidungen mit dem Pflichtfachstoff – schließlich sollte jeder Jurastudent wissen, wie eine AGB-Kontrolle funktioniert. Daneben existiert ein umfangreicher Wahlbereich, bei dem man sich beispielsweise zwischen Veranstaltungen zur Einführung in den Anwaltsberuf, dem Unternehmenssteuerrecht und der Privatrechtsgeschichte entscheiden kann.

Heidelberg

Interessierte können sich in Heidelberg dem Schwerpunkt „Europäisches und internationales Kapitalmarkt- und Finanzdienstleistungsrecht“ widmen. Eine Besonderheit stellt hierbei die Vernetzung mit der Université de Luxembourg dar. Die Studierenden absolvieren innerhalb des Schwerpunktes zwei Semester in Luxemburg, wo sie aus einer Vielzahl von englisch- und französischsprachigen Angeboten wählen können. So sammelt man ganz nebenbei eine Menge Auslandserfahrung und hat die Gelegenheit, seine Sprachkenntnisse zu verbessern.

Mainz

Studierende an der Universität Mainz können sich im „Gesellschafts- und Kapitalmarktrecht“ vertiefen. Dieser Schwerpunkt wird im Rahmen des sogenannten Kombinationsmodells angeboten. Das bedeutet, dass man sich seinen Schwerpunkt aus zwei verschiedenen Bereichen zusammenstellen kann. Aufgrund dessen ist das Gesellschafts- und Kapitalmarktrecht unter anderem mit dem europäischen und deutschen Kartell- und Wettbewerbsrecht, dem deutschen und europäischen Arbeitsrecht und dem Steuerrecht kombinierbar. Das ermöglicht eine sehr individuelle Zusammenstellung des Schwerpunktbereiches, durch die man seine eigenen Interessen optimal verfolgen kann.

Bonn

„Unternehmen, Kapitalmarkt und Steuern“ heißt der einschlägige Schwerpunkt an der Universität Bonn, der seinerseits wiederum in zwei Teilbereiche aufgeteilt ist: „Unternehmen und Kapitalmarkt“ sowie „Steuern und Bilanzen“. Dabei müssen nicht beide Teilbereiche belegt werden. Genauso kann man sich auch nur auf einen der Themenschwerpunkte konzentrieren. Während in dem Teilbereich „Unternehmen und Kapitalmarkt“ beispielsweise das Kapitalgesellschaftsrecht und das Konzernrecht behandelt werden, steht der Bereich „Steuern und Bilanzen“ ganz im Zeichen des Steuerrechts.

Welche beruflichen Möglichkeiten eröffnet der Schwerpunkt?

Der Schwerpunkt im Banken- und Kapitalmarktrecht lohnt sich besonders für Studenten, die gerne in der Rechtsabteilung einer Bank oder in der Bankenaufsicht tätig werden möchten. Doch auch zukünftige Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer kommen hier auf ihre Kosten. Daneben gibt es zahlreiche Kanzleien, die Expertenwissen in diesen Rechtsgebieten zu schätzen wissen. Auch eine Tätigkeit innerhalb der Finanzverwaltung, an einer Börse oder innerhalb von Verbänden ist möglich.

Fazit

Haben Ihnen die Vorlesungen im Handels- und Gesellschaftsrecht Freude bereitet und sind Sie an wirtschaftlichen Zusammenhängen interessiert, kann der Schwerpunkt im Bank- und Kapitalmarktrecht genau das Richtige für Sie sein. Angesichts der vielfältigen Berufsfelder, die Ihnen nach dem Abschluss Ihres Studiums offen stehen, handelt es sich um einen sehr praxisrelevanten Schwerpunktbereich.

Quellen

Buck-Heeb, Petra: Kapitalmarktrecht, 7. Aufl., Heidelberg [u.a.] 2014

Tobias, Stanislav: Bankrecht schnell erfasst, Berlin [u.a.] 2006

https://www.uni-leipzig.de/bankinstitut/schwerpunkt/

http://www.jura.uni-koeln.de/3662.html?&L=0

https://jura.urz.uni-heidelberg.de/mat/materialien/uni_hd_jura_material_10740.pdf?old

http://www.rewi.uni-mainz.de/studienbuero/427.php#Kombinationsmodell

http://www.jura.uni-bonn.de/index.php?id=1505

 



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