Die Kenntnis der Lage der Lymphknoten und des Weges des Lymphabflusses ist sowohl bei Ausbreitungen von Tumormetastasen als auch Entzündungen von großer Bedeutung. Sie erleichtert das Früherkennen von Lymphknotenmetastasen und auch deren möglichen Ursprungsort- oder Organ.

 

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das ist eine abbildung des duenndarms

Bild: “Small Intestine” von philschatz. Lizenz: CC BY 4.0


Entstehung der Lymphe

Durch die Fensterung der Kapillaren und dem Unterschied zwischen onkotischem Druck und Perfusionsdruck gelangt Flüssigkeit aus dem Blut ins Interstitium. 90% dieses Wassers wird wieder zurück ins Gefäßsystem aufgenommen und über die Venolen und im weiteren Verlauf die Venen abtransportiert. Die restlichen 10%, die täglich zwei bis drei Liter ausmachen, werden als Lymphe ins Lymphgefäßsystem aufgenommen.

Lymphgefäßsystem

Im Interstitium beginnen blind mit sogenannten Sacculi die Lymphkapillaren. Sie sind durch Mikrofibrillen am umliegenden Bindegewebe befestigt und werden dadurch gleichzeitig offengehalten. Mit einem Durchmesser von etwa 50µ sind sie zehn Mal so groß wie Blutkapillaren. Sie sind ebenfalls aus Endothelzellen aufgebaut, allerdings fehlt ihnen eine Fenestrierung und eine Basalmembran.

Als nächstgrößere Lymphgefäße folgen die Kollektoren. Die kleinsten von ihnen sammeln die Lymphe aus den Lymphkapillaren und leiten diese auch in die größeren Kollektoren weiter. Sie werden manchmal als Präkollektoren bezeichnet. Sie haben einen Durchmesser von etwa 100µ. Der Wandbau ist zweischichtig: die innere Schicht sind Endothelzellen und longitudinal ausgerichtete, elastische Fasern und die äußere ist aus elsatischem Bindegewebe.

Größere Kollektoren (Durchmesser 150-600µ) haben zwischen diesen beide noch eine Schicht glatter Muskelzellen. Sie sammeln nicht mehr die Lymphe aus dem Gewebe, sondern dienen nur noch dem Transport in größere Lymphgefäße. Inzwischen treten auch Klappen im Lymphgefäßsystem auf. Sie verhindern, analog zu den Venenklappen, ein Rückströmen der Lymphe und gewährleisten einen gerichteten Fluss. Der Bereich zwischen zwei Klappen wird als Lymphangion bezeichnet und dessen Muskelschicht wird von parasympathischen Fasern innerviert. Dadurch sind die Gefäße in der Lage, durch Kontraktion die Lymphe weiter zu befördern.

In das System der Kollektoren integriert sind die Lymphknoten. Die eintretenden Gefäße werden Vasa afferentia, die austretenden Vasa efferentia genannt. Innerhalb eines Lymphknotens durchfließt die Lymphe den Randsinus bzw Marginalsinus, den Intermediärsinus und als letztes den Marksinus, bevor sie in die Vasa efferentia strömt.

Die größten Lymphgefäße sind die Lymphstämme, die Trunci lymphatici. Sie sammeln die Lymphe aus den Kollektoren und leiten sie ins venöse System. Hierzu zählen beispielsweise der Ductus thoracicus, der Ductus thoracicus dexter. Der Ductus thoracicus mündet im linken Venenwinkel zwischen der Vena  jugularis interna und der Vena subclavia, der Ductus thoracicus dexter entsprechend in den rechten Venenwinkel.

Klinische Beispiele zu Störungen des Lymhgefäßsystems

Chylothorax

Als Chylothorax wird ein Austreten von Lymphe in die Pleurahöhle bezeichnet.

Die Ursache ist in den meisten Fällen eine traumabedingte oder spontane Ruptur oder tumoröse Beschädigung des Ductus thoracicus. Auch im Rahmen von Operationen kann dieser verletzt werden.

Als Folge der Verdrängung der Brusteingeweide durch bis zu drei Litern Lymphaustritt pro Tag kommt es zu Dyspnoe und Tachykardie.

Therapeutisch kann zu Beginn abgewartet werden, bis der Ductus verklebt. Sollte eine Besserung nicht erfolgen, muss der Defekt chirurgisch verschlossen werden.

Elephantiasis

Mit Elephantiasis werden abnorme Ansammlungen von Lymphe in Folge eines Lymphstaus in Körperteilen bezeichnet.

Dabei kann zwischen erworbenen und angeborenen Ursachen unterschieden werden.

Eine erworbene Elephantiasis kann als Folge einer Infektion mit Würmern der Arten Wuchereria bancrofti und Brugia malayi auftreten. Dabei gelangen die Würmer nach Übertragung durch Stechmücken ins lymphatische System. Aufgrund ihrer adulten Größe und der Immunreaktion kommt es zu einem Lymphstau, genannt Elephantiasis tropica.

Weiters kann es durch Tumorerkrankungen zum Lymphstau kommen. Dies geschieht entweder direkt durch den Tumor, oder als Folge der Behandlung, wenn Lymphknoten operativ entfernt oder bestrahlt werden.

Als Elephantiasis congenita hereditaria wird das Anschwellen von Körperteilen bei Säuglingen, denen Lymphbahnen fehlen oder nicht ausreichend vorhanden sind, bezeichnet.

Aszites bei Leberzirrhose

Eine Ansammlung pathologischer Mengen von Flüssigkeit im Peritonealraum wird als Aszites bezeichnet.

Bei einer Leberzirrhose führen die Veränderungen des Leberparenchyms einerseits zu einer Versteifung des Gewebes und andererseits zu einer verminderten Funktion der Leber.

Durch die Vernarbung wird der Blutfluss innerhalb Leber gestört und es kommt zum Rückstau in die vorgeschalteten Gefäße, einem erhöhten Druck und schließlich zum Austreten von Wasser aus den Blutgefäßen.

Aufgrund der gestörten Funktion der Leber werden weniger Proteine produziert, die im Interstitium fehlen und das Körperwasser nicht mehr halten können. 

Fettresorption des Darmes in die Lymphe

Im Darm werden Triacylglyceride zu Di- und Monoacylglyceriden aufgespalten und in die Darmzellen aufgenommen. In deren endoplasmatischen Retikulum werden sie erneut zu  Triacylglyceriden synthetisiert. Sie werden dann gemeinsam mit Apolipoproteinen und anderen Lipiden zu sogenannten Chylomikronen verpackt. Diese werden direkt an die Lymphe abgegeben und gelangen unter Umgehung der Leber in den Ductus thoracicus, welcher aufgrund der Fette in der lymphe milchig  erscheint und deswegen auch Milchbrustgang genannt wird. 

Lymphabfluss der Organe des Gastrointestinaltraktes

Ösophagus

Die Lymphabflussgebiete des Ösophagus können in drei Bereiche eingeteilt werden.

Im oberen Drittel geschieht der Abfluss in die Lnn. paratracheales und zu den medialen Knoten der Lnn. supraclaviculares. Diese sind entlang der Nn. Laryngei recurrentes zu finden.

Die Lymphe des mittleren Drittels fließt über die Lnn. mediastinales posteriores, die sich caudal im Anschluss an die Lnn. paratracheales befinden.

Schließlich wird die Lymphe des unteren Drittels zu Lymphknoten des Magens abgeführt, den Lnn. cardiaci und Lnn. gastrici sinistri.

Magen

Ein dichtes, unter der Serosa gelegenes Lymphgefäßnetz leitet die Lymphe des  Magens zu großen und kleinen Kurvatur. Dort befinden sich die meisten der regionären Lymphknoten, weitere sind am Hilus der Milz und entlang des oberen Pankreasrandes  zu finden.

Von dort gelangt die Lymphe über die Lnn. coeliaci zu den Lnn. mesenterici superiores um schließlich, mit der Lymphe des Darmes, den Truncus intestinalis zu erreichen.

Duodenum

An der konkaven Seite der Pars descendens duodeni befinden sich die Lnn. pancreaticoduodenales, welche, wie der Name bereits andeutet, auch für den Lymphabluss des Pankreaskopfes verantwortlich sind. Über die A. gastroduodenalis und die A. pancreaticoduodenalis inferior fließt die Lymphe zu den Lnn. hepatici bzw. den Lnn. mesenterici superiores.

Pankreas

Der Lymphabfluss der Bauchspeicheldrüße geschieht über alle in der Nähe befindlichen Lymphknoten. Am Oberrand befinden sich die Lnn. pancreatici superiores, die gemeinsam mit den Knoten am Milzhilus die Lnn. pancreaticolienales bilden. Rechts davon sind die  Lnn. coeliaci und schließlich die Lnn. hepatici.

Zwischen Pankreas und Duodenum sind die Lnn. pancreaticoduodenales zu finden, die auch Lymphe aus  dem Duodenum übernehmen.

Ein weiterer Abflussweg führt über die an der großen Kurvatur des Magens gelegenen Lnn. gastroepiploici dextri.

Schließlich gelangt am Unterrand des Pankreas die Lymphe zu den Lnn. pancreatici inferiores, welche mit den Lnn, mesenterici superiores zusammenhängen.

Leber

An der Leber kann man tiefe und oberflächliche Lymphgefäße beschreiben.

Die tiefen laufen nach oben entlang der Vv. hepaticae und der Vena cava inferior durch das Zwerchfell zu ihr nahe gelegenen Lymphknoten einerseits, und nach unten über das Lig. hepatoduodenale zu den Lnn. hepatici andererseits.

Die Oberflächlichen Lymphgefäße nehmen ebenfalls mehrere Wege. Die Lymphe der  konvexen Leberfläche folgt den Lymphbahnen im Lig. falciforme hepatis und dem Lig. coronarium sinistrum, durchsetzt das  Zwerchfell und gelangt zu den Lnn. sternales.

Über das  Omentum minus gelangen Lymphgefäße zu den Lnn. cardiaci und Lnn.  gastrici sinistri.

Rechts führen Lymphgefäße über das Lig. hepatorenale die Lymphe zu den Lnn. lumbales.

Milz

Über den Hilus fließt die Lymphe der Milz den Blutgefäßen über das Lig. gastrolienale folgend zu den Lnn. pancreaticolienales und weiter zu den Lnn. coliaci.

Dünndarm

Im Dunndarm beginnen die Lymphgefäße als sogenannte Chylusgefäße, welche sich dann in die Lnn. mesenterici fortsetzen. Diese sind im Mesenterium verteilt und untereinander durch Lymphgefäße verbunden, die den Blutbahnen in Richtung des Mesenterienstiels folgen. Schließlich fließt die Lymphe über den Truncus intestinalis in die Cysterna chyli.

Dickdarm und Rektum

Die Lymphe des Dickdarms zieht über die regionären Lnn. ilieocolici oder die Lnn. colici sinistri, mediales und dextri zu Lymphgefäßen, die den Blutbahnen folgen und je nach Versorgungsgebiet weiter in die Lnn. mesenterici superiores oder inferiores. Zweitere bilden entlang der A. mesenterica inferior und der A. rectalis superior eine Reihe an Lymphknoten, die sich in die Lnn. lumbales fortsetzt.



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