Die Leber (lateinisch: Iecur, griechisch: Hepar) ist der Generalist unter den Organen – Stoffwechselzentrale, Speicher, Entgiftungs- und Ausscheidungsorgan in einem. Krankheiten wie Leberzirrhose, Hepatitis und Fettleber begegnen dem Mediziner häufig. Deshalb gehören anatomische und biochemische Kenntnisse über die Leber zum Grundwissen eines jeden Medizinstudenten. Lesen Sie hier in einem kompakten Überblick über den Aufbau, die Funktionen und Krankheiten der Leber.

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Leber innen


Lage der Leber

Leber

Bild: “Human Liver” von Suseno.

Die Leber wiegt circa 1,5 Kilogramm und ist sowohl das größte innere Organ als auch die größte Drüse des menschlichen Körpers. Sie liegt zu drei Vierteln im rechten und zu einem Viertel im linken Oberbauch. Somit zieht die Leber von der rechten Regio hypochondriaca über die Regio epigastrica in die linke Regio hypochondriaca.

Sie ist mit der Unterfläche des Zwerchfells verwachsen, weshalb ihre obere Grenze der Höhe der Zwerchfellkuppeln entspricht und ihre Lage atemabhängig ist. Bei tiefer Inspiration mit dem Zwerchfell sinkt die Leber daher nach unten. Die untere Grenze entspricht rechts ungefähr dem Verlauf des Rippenbogens während sie über das Epigastrium leicht schräg aufwärts nach links verläuft.

Äußere Form der Leber

Durch die weiche Konsistenz der Leber passt sich ihre Form den Nachbarorganen an. Man unterscheidet zwei Flächen, die am scharf begrenzten Margo inferior ineinander übergehen: Die Facies diaphragmatica, welche dem Zwerchfell anliegt und somit konvex gewölbt ist und die Facies visceralis, welche den Baucheingeweiden zugewandt und flach ist. An dieser findet sich die Leberpforte (Porta hepatis) mit Ductus hepaticus communis, Vena portae hepatis und Arteria hepatica propria. Der gemeinsame Verlauf dieser drei Strukturen wird als „portale Trias“ bezeichnet.

Makroskopisch ist eine Gliederung der Leber in vier Lappen sichtbar. Auf der Vorderseite, der Facies diaphragmatica, teilt das Ligamentum falciforme die Leber in einen großen Lobus hepatis dexter und einen kleineren Lobus hepatis sinister. Auf der Rückseite, der Facies visceralis, erkennt man zusätzlich den Lobus caudatus und den Lobus quadratus, die durch zwei sagittal verlaufende Einschnitte von den größeren Lappen getrennt werden.

Aufbau der Leber - Vorder- und Rückseite

Mit der quer dazu verlaufenden Porta hepatis erinnern diese Strukturen an ein „H“: Einbuchtungen der Gallenblase (Fossa vesicae biliaris) und der unteren Hohlvene (Sulcus venae cavae inferioris) bilden den rechten (Fissura portalis principalis), die des Mutter- und Venenbandes (Fissura ligamenti teretis und venosi) den linken Schenkel (Fissura umbilicalis). Umhüllt wird das rot-braune Organ von einer derben Bindegewebskapsel (Capsula fibrosa).

Segmente der Leber

Leber BezeichnungenNeben der sichtbaren Gliederung der Leber in die vier genannten Lappen lässt sie sich zudem in acht funktionelle Segmente unterteilen. Funktionell deshalb, da man diese Einteilung von außen nicht sehen kann und die einzelnen Segmente weitestgehend unabhängig voneinander sind. Dies erleichtert bei einer Leberresektion die Entfernung eines Leberanteils. Die Segmente richten sich nach dem gemeinsamen Verlauf der portalen Trias (s.o.).

Durch die Aufteilung der Gefäße in zunächst zwei große Äste entstehen Pars dextra und Pars sinistra, welche durch eine weitere Aufteilung der Gefäßäste schließlich in die acht Segmente zerlegt werden. Hierbei liegen die Segmente I–IV in der Pars sinistra und die Segmente V–VIII in der Pars dextra, wobei dem Segment I der Lobus caudatus entspricht (beliebte Prüfungsfrage!).

Peritonealverhältnisse der Leber

Die Leber liegt intraperitoneal. Überzogen vom Peritoneum, erhält ihre Oberfläche einen spiegelnden Glanz. Ein Teil der Rückseite der Leber jedoch ist bauchfellfrei und erscheint durch die derbe Bindegewebskapsel rau: die Area nuda. Hier ist die Leber mit Zwerchfell und hinterer Bauchwand verwachsen. Auch verlassen an dieser Stelle die Lebervenen (Venae hepaticae) die Leber. Die Umschlagfalte des Peritoneums an der Area nuda bildet das Ligamentum coronarium, welches in die Ligamenta triangularia dextra und sinistra übergeht und die Leber mit dem Zwerchfell verbindet.

Die Leber ist durch zahlreiche Duplikaturen des Bauchfells (=Ligamente) mit der Bauchhöhle verbunden:

  • Ligamentum hepatoduodenale: Enthält den Ductus choledochus (rechts), die Vena portae hepatis (hinten) und die Arteria hepatica propria (vorne links). Zudem bildet es zusammen mit dem Ligamentum hepatogastricum das Omentum minus (Peritonealduplikatur zwischen Leber und kleiner Kurvatur des Magens).
  • Ligamentum falciforme: Liegt zwischen Facies diaphragmatica und Bauchwand, enthält das Ligamentum teres hepatis und geht in die Ligamenta triangularia bzw. in das Ligamentum coronarium über (s.o.).
  • Ligamentum teres hepatis: Entspricht der verödeten Nabelvene (V. umbilicalis).
  • Ligamentum venosum: Entspricht dem verödeten Ductus venosus.
Hierbei ist insbesondere das Ligamentum hepatoduodenale mit seinen Strukturen beliebter Stoff für Prüfungsfragen.

Beziehung der Leber zu Nachbarorganen

Das Zwerchfell trennt die Leber vom rechten Lungenflügel und Herz. Durch ihre weiche Konsistenz kommen an der Facies visceralis charakteristische Eindellungen (Impressionen) zustande:

  • Impressio ösophageale: Am Oberrand des linken Leberlappens durch die Speiseröhre
  • Impressio gastrica: Durch den Magen; anschließend an die Impressio ösophageale nimmt sie fast den gesamten linken Leberlappen ein
  • Impressio colica: Am Unterrand des rechten Leberlappens durch Flexura coli dextra und Colon transversum
  • Impressio duodenalis: Am rechten Leberlappen durch die Pars superior des Duodenums
  • Impressio renalis: In der Mitte des rechten Leberlappens durch den oberen Pol der rechten Niere
  • Impressio suprarenalis: Durch die recht Nebenniere; anschließend an die Impressio renalis
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Mikroskopische Anatomie der Leber

Leber mikroskopisch

Bild: “Human_liver” von Courtesy: Department of Histology, Jagiellonian University Medical College. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Die kleinsten Baueinheiten der Leber sind die Leberläppchen (Lobuli hepatis), die durch dünne Bindegewebsstränge voneinander getrennt werden. An der Stelle, an der mehrere Läppchen aufeinander treffen, entstehen die periportalen Felder, in denen sich die Glisson-Trias (periportale Trias) befindet: Gefäßverzweigungen der Vena portae hepatis, der Arteria hepatica propria und die Gallenwege.

Es lassen sich drei Einheiten der Leber unterscheiden: Das Zentralvenenläppchen, das Portalvenenläppchen und der Leberazinus. Hier ist das Zentralvenenläppchen am klarsten morphologisch definiert, während die anderen beiden Einheiten eher funktionell zu verstehen sind.

Leberläppchen mit ZonierungZentralvenenläppchen in der Leber

Das Zentralvenenläppchen wird auch als klassisches Leberläppchen bezeichnet. In der Mitte des meist sechseckigen Feldes befindet sich die Zentralvene (Vena centralis). Sie leitet das Blut in die Venae hepaticae und diese schließlich in die Vena cava. Die Ecken des Läppchens werden durch die Glisson-Trias (s.o.) markiert. Da diese Gefäße zwischen benachbarten Läppchen liegen, werden sie Arteria und Vena interlobularis, sowie Ductus bilifer interlobularis genannt.

Radiär um die Zentralvene herum verlaufen die Leberzellen (Hepatozyten) und zwischen ihnen die Sinusoide, welche Mischblut aus Arteria und Vena interlobularis von der Peripherie zur Zentralvene leiten (s.u.). Ebenfalls zwischen den Hepatozyten verlaufen kleine Gallengänge (Canaliculi biliferi) Richtung Ductus bilifer interlobularis, die Gallenflüssigkeit entgegengesetzt zum Blutfluss führen.

Im Gegensatz zu den Sinusoiden haben die Canaliculi jedoch keine eigene Wand, sodass bei einem Gallenstau die Gallenflüssigkeit ins Blut gelangen kann, was zu Gelbsucht (Ikterus) führen kann.

Portalvenenläppchen in der Leber

Beim Portalvenenläppchen steht das Gallengangsystem im Vordergrund. Während hier die Zentralvenen die Ecken bilden, bildet das periportale Feld mit seinen Gefäßen das Zentrum des dreieckigen Läppchens. Somit sind drei Zentralvenenläppchen an einem Portalvenenläppchen beteiligt.

Leberazinus

Der Leberazinus hat eine rhombische Form, bei der die Ecken von sich jeweils gegenüber liegenden Zentralvenen und periportalen Feldern gebildet werden. Bei dieser funktionellen Einheit wird die Tatsache berücksichtigt, dass sich das Blut auf seinem Weg von der Peripherie zum Zentrum des Zentralvenenläppchens in seiner Zusammensetzung verändert.

  • Zone 1 (Außenzone): Peripherie des Zentralvenenläppchens, hoher Nährstoff- und Sauerstoffgehalt
  • Zone 2 (Mittelzone): Übergangszone des Zentralvenenläppchens, weniger Nährstoff- und Sauerstoffgehalt
  • Zone 3 (Innenzone): Zentrum des Zentralvenenläppchens, schlechte Nährstoff- und Sauerstoffversorgung, besonders anfällig für Schädigungen

Funktionseinheiten der Leber

Leber Funktionseinheiten

Bild: “Leber Schema” von MarquardtM. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Sinusoide der Leber

Die Sinusoide sind erweiterte Kapillaren zwischen den Hepatozyten. Sie leiten sauerstoffreiches Blut aus den Arteriae interlobulares und nährstoffreiches Blut aus den Venae interlobulares zu den Zentralvenen. Zwischen dem diskontinuierlichen Endothel der Sinusoide und dem Leberparenchym liegt ein schmaler mit Blutplasma gefüllter Spalt, der Disse-Raum.

Hier befinden sich Vitamin A speichernde Sternzellen, die Ito-Zellen genannt werden und bei der Entstehung der Leberzirrhose eine Rolle spielen (s.u.). Den Endothelzellen liegen Makrophagen an, die so genannten Kupffer-Zellen. Sie phagozytieren Partikel und Mikroorganismen. Zudem sind sie am Abbau gealterter Erythrozyten beteiligt, der bei Asplenie noch verstärkt wird. Ebenfalls an den Endothelzellen liegen die Pit-Zellen, welche leberspezifische Lymphozyten darstellen.

Parenchymzellen der Leber

Das Parenchym der Leber wird hauptsächlich von den polyedrischen Hepatozyten gebildet. In ihrem Zytoplasma finden sich aufgrund der vielen Stoffwechselvorgänge zahlreiche Organellen. Die Zellkerne sind groß und polyploid, in machen Zellen können auch zwei Zellkerne vorkommen.

Ein Hepatozyt besitzt einen apikalen Gallenpol (grenzt an Gallenkanälchen) und einen basolateralen Blutpol (grenzt an Sinusoid). Die durch Zusammenlagerung der Hepatozyten gebildeten Epithelzellplatten laufen radiär auf die Zentralvenen zu.

Funktion der Leber

Die Leber als Speicher und Energielieferant

Zu einer der wichtigsten Aufgaben der Leber gehört das Speichern und Bereitstellen von Nährstoffen für die Körperzellen. Die mit der Nahrung aufgenommenen Nährstoffe entsprechen nicht immer den Anforderungen der Zellen, sodass die Leber Stoffe, die im Überfluss vorhanden sind, speichert und einen Mangel durch Bereitstellung der fehlenden Nährstoffe ausgleicht.

Außerdem: Bis zum 7. Schwangerschaftsmonat ist die Leber an der Blutbildung des Fetus beteiligt.

Leber Stoffwechsel

Kohlenhydratstoffwechsel in der Leber

Die Leber reagiert auf Nahrungszufuhr und Nahrungskarenz mit unterschiedlichen Mechanismen und ist somit in die Regelung des Blutzuckerhaushaltes eingebunden. Befindet sich zu viel Glukose im Blut, also nach Nahrungsaufnahme, wird diese von der Leber durch die Freisetzung von Insulin im Pankreas in die Speicherform Glykogen modifiziert und gespeichert. Zudem besitzt die Leber insulinunabhängige Glukosetransporter (GLUT2), über die überschüssige Glukose in die Hepatozyten gelangt.

Bei Nahrungskarenz, also bei Glukosemangel, ist die Leber in der Lage Glykogen mithilfe des Hormons Glukagon wieder in Glukose umzuwandeln und diese ins Blut abzugeben. Die Speicherreserven für Glykogen der Leber sind jedoch begrenzt, in der Regel reichen sie lediglich für 24 Stunden ohne Nahrungsaufnahme.

Sind die Reserven des Glykogens erschöpft und es erfolgt trotz Hungergefühls keine weitere Nahrungsaufnahme, beginnen die Hepatozyten mit der Glukoneogenese mithilfe von glukogenen Aminosäuren. Auch Fruktose und Galaktose können in Glukose transformiert werden.

Eiweißstoffwechsel in der Leber

Die Leber bildet weiterhin wichtige Bestandteile des Eiweißstoffwechsels: Albumin (Aufrechterhaltung des kolloidosmotischen Drucks), Proteine des Komplementsystems (= Akute-Phase-Proteine, Teil der unspezifischen Abwehr) und Gerinnungsfaktoren (Fibrinogen, Prothrombin). Ist die Bildung dieser Eiweißkörper gestört, kommt es infolge von Albuminmangel zu Aszites, bei Akute-Phase-Protein-Mangel zu erhöhter Infektanfälligkeit und beim Mangel an Gerinnungsfaktoren zu unstillbaren Blutungen.

Durch den ständigen Ab- und Umbau von Eiweißen und Aminosäuren entsteht in der Leber Harnstoff als Endprodukt des Aminosäurestoffwechsels, der über das Blut an die Niere abgegeben und mit dem Urin ausgeschieden wird.

Die Leber ist in der Lage, mithilfe von Transaminasen Glutamin herzustellen. Bei diesen Transaminasen handelt es ich um die Glutamat-Oxalacetat-Transaminase (GOT=ASAT=AST) und die Glutamat-Pyruvat-Transaminase (GPT=ALAT=ALT).

Durch Schädigungen oder Erkrankungen der Leber gelangen diese Enzyme vermehrt ins Blut und können mittels Blutentnahme im Blutserum nachgewiesen werden. Ein weiteres wichtiges Enzym im Aminosäurestoffwechsel ist die Gamma-Glutamyl-Tramsferase (GGT), deren Erhöhung als empfindlichster Parameter für Leber- und Gallengangsschädigungen gilt.

Fettstoffwechsel in der Leber

Die Leber kann freie Fette aus dem Blut in die Speicherform der Triglyzeride transformieren und bei Bedarf wieder freisetzen. Werden die Fettreserven zu schnell aufgebraucht – beispielsweise durch Fasten oder beim Diabetes mellitus – entstehen als weitere wichtige Energieträger neben der Glukose die Ketonkörper.

Eine weitere Funktion der Leber im Fettstoffwechsel ist die Bildung der Gallenflüssigkeit, mit deren Hilfe Fette in die Darmzellen aufgenommen werden können. Des Weiteren ist die Leber auch für die Bildung von Cholesterin verantwortlich.

Sie ist außerdem für die Umwandlung des Gallenfarbstoffs Bilirubin von seiner indirekten in die direkte wasserlösliche Form zuständig. Bilirubin fällt beim Abbau der Erythrozyten in der Milz an und ist zunächst wasserunlöslich, weshalb es an Albumin gebunden (=indirektes Bilirubin) die Leber erreicht.

Dort wird es vom Eiweißkörper getrennt und in die Leberzellen aufgenommen. Um das Bilirubin wasserlöslich zu machen, wird es an Glukuronsäure gekoppelt (=direktes Bilirubin) und mit der Galle in den Darm abgegeben.

Außerdem: Die Leber speichert ebenfalls Vitamine wie Vitamin A und B12 sowie Spurenelemente wie Eisen.

Die Leber als Entgifter und Ausscheider

Mithilfe ihres Biotransformationssystems ist die Leber in der Lage toxische körpereigene oder körperfremde Verbindungen zu eliminieren. Hierbei werden die meist lipophilen Substanzen in mehreren Schritten mittels Enzymen modifiziert und wasserlöslich gemacht, sodass sie über die Gallenwege oder die Nieren ausgeschieden werden können. Die Abbauprodukte gelangen nach Resorption im Verdauungstrakt über die Pfortader direkt zur Leber.

First-pass-Effekt: Medikamente, die im großen Kreislauf wirken sollen, können durch das Passieren der Leber inaktiviert werden. Deshalb sind der oralen Gabe die intravenöse, muskuläre, subkutane oder rektale Gabe vorzuziehen.

Eine weitere wichtige Aufgabe der Leber ist der Abbau von Ammoniak (NH3). Dieser fällt bei der bakteriellen Zersetzung von unverdaulichen Bestandteilen im Darm an und wird von der Leber zu Harnstoff abgebaut. Ist die Leber in ihrer Entgiftungsfunktion eingeschränkt und baut Ammoniak nicht ausreichend ab, kann es zu Schäden des ZNS mit hepatischer Enzephalopathie kommen, die im tödlichen Leberkoma enden kann (s.u.).

Mehr Informationen zur Entgiftungsfunktion der Leber finden Sie in einem weiteren Beitrag von uns.

Krankheiten der Leber

Leberzirrhose

Leberzirrose

Bild: “Right Subcostal Incision” von haitham alfalah. Lizenz: CC BY-SA 2.0

Die häufigsten Ursachen für eine Leberzirrhose sind chronischer Alkoholabusus und die Virushepatitiden B und C. Durch den Untergang von Leberzellen kommt es zu einem fibrotischem Umbau der Läppchenstruktur mit Ersatz des Leberparenchyms durch Bindegewebe.

Die Leber beginnt zu schrumpfen und kann ihren ursprünglichen Funktionen nicht mehr nachkommen. Es kommt zu einer Verengung der Vena portae hepatis mit Blutrückstau und portaler Hypertension. Das Blut muss über Umgehungskreisläufe (portokavale Anastomosen) abfließen, was u.a. zu Ösophagusvarizen und einem Caput medusae (Hervortreten der Bauchnabelvenen) führt.

Aszites

Bild: “Aszites” von James Heilman, MD. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Eine weitere Komplikation des Pfortaderhochdruckes ist der Aszites, eine Ansammlung freier Flüssigkeit in der Bauchhöhle. Die Syntheseleistung der Leber nimmt allmählich immer weiter ab, was sich in einer erhöhten Blutungsneigung durch verminderte Bildung von Gerinnungsfaktoren zeigt. Durch die fehlende Entgiftungsfunktion kommt es zur Anreicherung neurotoxischer Substanzen (z.B. Ammoniak) mit folgender hepatischer Enzephalopathie und Coma hepaticum, welches tödlich enden kann. Als lebensrettende Therapie einer fortgeschrittenen Leberzirrhose kommt nur die Lebertransplantation infrage.

Fettleber

Fettleber

Bild: “Vergleich normale Leber – Fettleber” von Hellerhoff. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Die Steatosis hepatis ist durch eine Akkumulation von Triglyceriden in den Hepatozyten gekennzeichnet. Eine grobe Einteilung erfolgt in die nichtalkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD) mit metabolischem Syndrom und Diabetes mellitus Typ 2 als Hauptursachen und die alkoholische Fettlebererkrankung (AFLD).

Während bei einer reinen Fettleber neben der Vergrößerung des Organs in der Regel keine Beschwerden auftreten, kommt es im zweiten Stadium zu einer nichtalkoholischen Fettleberhepatitis (NASH) mit unspezifischen Symptomen wie Übelkeit und Gewichtsverlust.

Auch ein Ikterus, Schmerzen im rechten Oberbauch und Fieber können vor allem bei der alkoholischen Fettleberhepatitis (ASH) auftreten. Im Ultraschall erscheint das Leberparenchym echoreicher, also heller, als das der angrenzenden rechten Niere. Als Therapie kommen Gewichtsnormalisierung, optimale Diabeteseinstellung, Bewegung und strikte Alkoholabstinenz in Betracht. Während Fettleber und Fettleberhepatitis reversibel sind, ist das dritte Stadium, das der mikronodulären Leberzirrhose, irreversibel.

Hepatitis

Eine Hepatitis ist eine Entzündung der Leber, die viele verschiedene Ursachen haben und in Leberversagen oder einer Leberzirrhose (s.o.) enden kann. Am häufigsten ist eine Entzündung der Leber durch Virusinfektionen oder autoimmun bedingt.

Virushepatitiden

Die häufigsten Viren, die zu einer Hepatitis führen, sind die Virustypen A–E. Nur selten sind CMV, EBV und unbekannte Hepatitisviren die auslösenden Viren. Während Hepatitis A und E fäkal-oral (verschmutztes Wasser und Lebensmittel) übertragen werden, erfolgt der Infektionsweg bei Hepatitis B–D parenteral (Blut- und Sexualkontakt).

Klinisch kommt es im zwei bis sieben Tage dauernden Prodromalstadium zu Allgemeinsymptomen wie Fieber, Abgeschlagenheit und Gelenkschmerzen. Auch können Übelkeit und Erbrechen, sowie Schmerzen im rechten Oberbauch auftreten.

Das vier bis acht Wochen dauernde Stadium der hepatischen Organmanifestation kann sowohl anikterisch (ohne Gelbsucht) als auch ikterisch (mit Ikterus der Skleren und der Haut, Juckreiz und Dunkelfärbung des Urins) verlaufen. Die Typen B, C und D können in eine chronische Hepatitis mit der Leberzirrhose als Endstadium übergehen. Die Therapie erfolgt bei Hepatitis A und E symptomatisch, bei den übrigen antiviral. Prophylaktisch kommt eine aktive Immunisierung gegen Hepatitis A und B in Frage.

MERKE: Medizinstudierende sollten sich bereits zu Beginn des Studiums gegen Hepatitis A und B impfen lassen!

Autoimmunhepatitis

Eine Störung des körpereigenen Immunsystems führt dazu, dass sich dieses gegen die Leberzellen richtet und sie zerstört, was mit erheblichen körperlichen Beschwerden verbunden ist. Die eher seltene Erkrankung betrifft vor allem Frauen und ist mit anderen Autoimmunkrankheiten wie Autoimmunthyreoiditis, Vaskulitis oder chronisch entzündlichen Darmerkrankungen assoziiert. Die Patienten müssen sich einer lebenslangen immunsuppressiven Therapie aussetzen, da die Prognose der Autoimmunhepatitis ohne diese schlecht aussehen würde.

Hepatische Enzephalopathie

Die hepatische Enzephalopathie ist eine Komplikation der Leberzirrhose (s.o.). Durch die Insuffizienz der Leber mit folgender mangelnder Entgiftungsfunktion kommt es zur Anreicherung neurotoxischer Stoffe wie Ammoniak, Mercaptan und GABA.

Die Stadien der hepatischen Enzephalopathie reichen vom asymptomatischen Patienten über stärker werdende Schläfrigkeit bis hin zum Leberausfallkoma (Coma hepaticum) mit Foetor hepaticus (Geruch nach roher Leber). Triggerfaktoren können eiweißreiche Kost oder gastrointestinale Blutungen sein, wodurch es zu einer erhöhten Ammoniakbildung im Darm kommt. Das Coma hepaticum endet meist tödlich.

Maligne Lebertumoren

Hepatozelluläres Karzinom

Karzinom, Lobektomie

Bild: “Leber-Lobektomie” von L. Sandonato, C. Cipolla. Lizenz: CC BY 2.0

Das hepatozelluläre Karzinom (HCC, auch Leberzellkarzinom) ist eine der häufigsten Krebserkrankung, von der Männer häufiger als Frauen betroffen sind. Hauptrisiko für die Entstehung eines HCC ist die Leberzirrhose. Auch eine chronische Hepatitis B oder C kann ebenso wie eine durch Alkohol oder Hämochromatose (Eisenspeicherkrankheit) bedingte Zirrhose in ein Leberzellkarzinom übergehen.

Ein weiteres Karzinogen ist das Aflatoxin des Aspergillus flavus, ein v.a. auf Getreide und Nüssen wachsender Pilz. Das HCC wächst entweder solitär, multizentrisch oder diffus infiltrierend. Symptome zeigen sich zunächst unspezifisch, wie zum Beispiel Schmerzen im rechten Oberbauch, Ikterus, Kachexie und Aszites. Eventuell kann ein Tumor tastbar sein. Laborchemisch zeigt sich eine Erhöhung des Tumormakers Alpha-Fetoprotein. Therapie der Wahl ist die Leberteilresektion.

Lebermetastasen

Häufiger als ein hepatozelluläres Karzinom treten Lebermetastasen auf. Sie sind oft multipel und entstehen durch Einschwemmen der Krebszellen über die Vena portae. Deshalb sind es meist Organe des Pfortaderkreislaufes (Magen, Pankreas, Dickdarm, Gallenblase), die zu Lebermetastasen führen.

Sonografisch erscheinen die Metastasen sehr variabel, sie können echoarm oder auch echoreich sein. Bei einzelnen Metastasen ist eine Leberresektion anzustreben, bei ausgedehntem Befund jedoch kommt nur die palliative Therapie in Frage.

Echinokokkose

Echinokokkose

Bild: “CT Liver (May ’06) ” von Lakshmanan PH, Musthafa AM, Suraj K, Ravidran C. Lizenz: CC BY 2.0

Der Hundebandwurm (Echinococcus granulosus) ist die Ursache der zystischen Echinokokkose. Es kommt zur Bildung von großen mit Flüssigkeit gefüllten Zysten im Leberparenchym. Platzen diese, kann es zu lebensbedrohlichen allergischen Reaktionen kommen, da hierbei Fremdeiweiß in die Peritonealhöhle gelangt. Die Therapie besteht in der Entfernung der Zyste.

Der Fuchsbandwurm (Echinococcus alevolaris) führt ebenfalls zur Zystenbildung in der Leber, bildet jedoch viele kleine Zysten anstelle einer großen aus. Diese breiten sich wie ein maligner Tumor aus. Eine Resektion ist nicht in allen Fällen möglich, sodass eine Chemotherapie mit Albendazol durchgeführt werden muss.

Untersuchung der Leber

Die Leber lässt sich auf zahlreiche Art und Weisen untersuchen. Im Folgenden sind einige Methoden aufgezählt:

Perkussion Durch den Unterschied zwischen sonorem Klopfschall der Lunge sowie tympanitischem Klopfschall des Darms zu dem gedämpften Klopfschall der Leber lassen sich obere und untere Lebergrenze darstellen.
Kratzauskultation Man setzt das Stethoskop im Epigastrium auf und kratzt sanft mit dem Finger oder einem Holzspatel parallel zum Rippenbogen von kranial nach kaudal in Abständen von ca. einem Zentimeter. Der Klang des Geräusches ändert sich mit Erreichen der Lebergrenzen.
Palpation Im Liegen und bei tiefer Inspiration. Dadurch gleitet der untere Leberrand nach kaudal. Die linke Hand des Untersuchers liegt unter dem rechten Rippenbogen, die rechte im epigastrischen Winkel. Mit den Findern 2–5 kann so der Unterrand der Leber getastet und ihre Konsistenz (weich oder hart, glatt oder höckerig, scharfer oder stumpfer Rand) beurteilt werden.
Röntgen Die Leber ist strahlendicht und erscheint somit auf dem Röntgenbild hell, wodurch sie gut von der Lunge abzugrenzen ist. Gegen das ebenfalls helle Herz ist sie jedoch nicht abzugrenzen. Zur Beurteilung der Leber eignen sich daher eher die Sonografie oder das Computertomogramm.
Szintigrafie Durch die vielen Stoffwechselvorgänge in der Leber kommt es zur Anreicherung zahlreicher Stoffe, wodurch die Ausdehnung des Organs im Szintigramm sichtbar wird.
Sonografie In tiefer Inspiration lassen sich die Leber und ihre Gefäße sowie die Gallenblase sehr gut beurteilen. Es können unter anderem eine Leberverfettung, Hämangiome, Zysten, Metastasen oder Gallensteine diagnostiziert werden. Die Größenbestimmung erfolgt in der Medioklavikularlinie (MCL) von kranial nach kaudal (max. 14 cm).
Leberpunktion Unter sonografischer Kontrolle wird mit einer langen Hohlnadel durch die Bauchdecke gestochen und eine ca. einen Millimeter dicke Säule des Parenchyms ausgestanzt. Das Gewebe wird daraufhin mikroskopisch untersucht.

Im Lecturio-Lexicon finden Sie  zudem eine Definition der Leber sowie dazugehöiges Videomaterial.

Beliebte Prüfungsfragen zur Leber

Die Lösungen befinden sich unterhalb der Quellenangaben.

1. Welche Impression gibt es nicht an der Leber?

  1. Impressio colica
  2. Impressio suprarenalis
  3. Impressio oesophagea
  4. Impressio jejunalis
  5. Impressio gastrica

2. Was trifft nicht auf das Ligamentum hepatoduodenale zu?

  1. Enthält den Ductus choledochus
  2. Bildet mit dem Ligamentum hepatogastricum das Omentum majus
  3. Enthält die Arteria hepatica propria
  4. In ihm verläuft die Vena portae
  5. Ist Teil des Omentum minus

3. Welche Zellen gibt es nicht in der Leber?

  1. Astrozyten
  2. Kupffer-Zellen
  3. Ito-Zellen
  4. Pit-Zellen
  5. Hepatozyten

4. Welche Aussage zur Untersuchung der Leber trifft zu?

  1. In der Sonografie lässt sich die Leber nicht gut beurteilen.
  2. Die Größenbestimmung der Leber im Ultraschall erfolgt in der vorderen Axillarlinie.
  3. Bei der Leberpunktion wird unter Röntgen-Kontrolle in die Leber eingestochen.
  4. Bei der Kratzauskultation setzt man das Stethoskop in der Regio epigastrica auf.
  5. Die Leber sollte in tiefer Exspiration palpiert werden.

Quellen

Duale Reihe Anatomie, 2. Auflage – Thieme Verlag

Duale Reihe Biochemie, 3. Auflage – Thieme Verlag

Herold, G. und MA. Innere Medizin (2014) – Gerd Herold Verlag

Lippert: Lehrbuch Anatomie, 8. Auflage – Urban & Fischer

Prometheus, Innere Organe, 2. Auflage – Thieme Verlag

Welsch: Lehrbuch Histologie, 3. Auflage – Urban & Fischer

Lösungen zu den Fragen: 1D, 2B, 3A, 4D


 

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