Die entzündliche Erkrankung des Herzmuskelgewebes, die Myokarditis, resultiert häufig aus Infektionen mit kardiotropen Viren, vor allem Infektionen mit Coxsackie Viren. Der Verlauf der Myokarditis ist im Gegensatz zur Endokarditis meist langsamer und weniger gravierend. Alle prüfungsrelevanten Fakten für klinische Prüfungen und Hammerexamen inklusive IMPP-"Specials" und Tipps zur Myokarditis bieten wir Ihnen im folgenden Artikel.
Dieser Artikel berücksichtigt die Leitlinien, welche auf AWMF einsehbar sind. Die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels vorliegende Leitlinien-Version können Sie einsehen.
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Histopathologie der viralen Myokarditis

Bild: „Histopathologie der viralen Myokarditis“ von KGH. Lizenz: CC BY-SA 3.0


Definition

Die Myokarditis ist eine Entzündung des Herzmuskelgewebes, die akut oder chronisch verlaufen kann. Ist das Perikard mitbetroffen, spricht man auch von einer Perimyokarditis. Funktionelle Einschränkungen durch eine chronische Myokarditis werden unter dem Begriff inflammatorische Kardiomyopathie zusammengefasst.

Herzmuskelzelle

Bild: “Herzmuskelzellen im Längs- und Querschnitt, schematische Darstellung ” von Rollroboter. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Epidemiologie

Coxsackie B4 virus

Bild: “Coxsackie Virus” von Angusmclellan. Lizenz: Public Domain

Bei einer Infektion mit Coxsackie B Viren ist in 4 % der Fälle davon auszugehen, dass das Herz mitbetroffen ist. Bei anderen kardiotropen Viren liegt diese Zahl bei ungefähr 1 % der Fälle. Erleiden junge Erwachsene einen plötzlichen Herztod, ist in etwa 10 % der Fälle in der Autopsie eine Myokarditis vorzufinden.

Ätiologie

Ursachen der Myokarditis

Unterschieden werden eine infektiöse und eine nicht-infektiöse Form. Auslöser der infektiösen Form ist häufig das Cocksackie B-Virus. Auch andere Entero-, Adeno- und Influenza-Viren oder beispielsweise EBV, CMV, HCV oder HIV können zu einer Myokarditis führen. Bakterien sind ebenfalls in der Lage, eine Myokarditis hervorzurufen. Hierzu gehören vor allem Staphylo- und Streptokokken, aber auch Enterokokken und Borrelia burgdorferi. Pilze, Protozoen und Parasiten können ebenfalls Ursache sein.

Auslöser der nicht-infektiösen Myokarditis kommen in seltenen Fällen beispielsweise im Rahmen von chronischen Systemerkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis, Vaskulitiden und Kollagenosen vor. Medikamenten induziert kann es zu der sogenannten Hypersensitivitätsmyokarditis kommen. Die idiopathische Fiedler-Myokarditis oder eine Myokarditis nach Bestrahlung des Mediastinums sind ebenfalls möglich.

Klassifikation

Klassifiziert werden kann die Myokarditis nach ihrem Verlauf oder ihrer Pathogenese. Hinsichtlich des Verlaufs sind die akute und die chronische Myokarditis zu unterscheiden. Nach ihrer Pathogenese müssen die infektiöse Myokarditis, die toxische Myokarditis, die idiopathische Myokarditis und die Autoimmunmyokarditis voneinander abgegrenzt werden.

Pathophysiologie

Virale Myokarditiden

Die Viren schädigen die Myokardzellen initial. Dann kommt es zu einer Immunreaktion, zur Ausheilung der Erkrankung oder zur Destruktion der Myozyten führen kann. Nach anfänglicher Exsudatbildung (serös) und Hypereosinophilie kommt es im Verlauf zu Zellverfall, Zellauflösung und im Endstadium zur Fibrosierung der Herzmuskelzellen: Entwicklung einer dilatativen Kardiomyopathie.

Bakterielle Myokarditiden

Bakterielle Myokarditiden führen zu Mikroabszessen, die reich an Bakterien und Granuloyzten sind.

Symptome und Klinik

In der Regel ist der Beginn und Verlauf langsam und unspezifisch, mit Symptomen wie Fieber, Müdigkeit oder Thoraxschmerz. Im Verlauf (Tage bis Wochen) entwickeln sich dann Zeichen einer Herzinsuffizienz und Rhythmusstörungen sowie Tachykardie. Selten kann der Verlauf fulminant und infarktähnlich sein.

Diagnostik

Anamnese und klinische Untersuchung

  • oft vorangegangener Infekt
  • Auskultation: 3. und 4. Herzton möglich, Insuffizienzzeichen der Segelklappen bei bereites progredienter Herzinsuffizienz

Bildgebende Verfahren

Der Nachweis von Herzdilatation, Funktionsbeeinträchtigungen und Perikarderguss ist mittels Echokardiografie möglich. Das EKG kann unspezifisch verändert sein.

Labordiagnostik bei Myokarditis

In der Anamnese ergibt sich häufig der Hinweis auf einen vorausgegangenen Infekt. Die klinischen Zeichen können mit Laborparametern wie eventuell erhöhter BSG, gestiegenem CRP, Troponin und CK-MB sowie mit bakteriologischer und virologischer Diagnostik via PCR und In-situ-Hybridisierung kombiniert werden. Immunhistochemisch erfolgt der Nachweis von antimyolemmalen oder antisarkolemmalen Antikörpern, AMLA, ASA. Gesichert wird die Diagnose durch den Nachweis des Erregers in einer Myokardbiopsie. Sie sollte jedoch erst bei schweren Verlaufsformen und wenn, dann an verschiedenen Stellen durchgeführt werden, um Stichprobenfehler zu vermeiden.

Pathologie

Histopathologie der viralen Myokarditis

Bild: „Histopathologie der viralen Myokarditis“ von KGH. Lizenz: CC BY-SA 3.0

Bei Virusinfektionen zeigen sich häufig zu Beginn ein seröses Exsudat sowie eine Hypereosinophilie. Später sind die Herzmuskelzellen fibrotisch ersetzt. Bei Infektionen, die auf Bakterien zurückzuführen sind, zeigen sich Mikroabszesse, die granulozyten- und bakterienreich sind.

Differentialdiagnosen

Ähnliche Krankheitsbilder wie Myokarditis

Zu unterscheiden sind die postmyokarditische Herzmuskelerkrankung, die virale Herzmuskelerkrankung sowie eine viruspositive Myokarditis und die entzündliche dilatative Kardiomyopathie (DCM).

Therapie

Symptomatische Therapie

Die Therapie der Myokarditis ist zunächst symptomatisch.

  • Körperliche Schonung
  • Alkoholkarenz
  • Thromboembolieprophylaxe

Kausale Therapie

Darüber hinaus kann der Therapieansatz kausal sein und die auslösende Krankheit, wie beispielsweise eine Diptherie oder Chagas-Krankheit berücksichtigen. Im Rahmen von Studien werden des Weiteren antivirale und immunsuppressive Therapien durchgeführt.

Komplikationen

Zu den Komplikationen der Myokarditis gehören die Herzinsuffizienz und Herzrhythmusstörungen.

Beliebte Prüfungsfragen zur Myokarditis

Die Lösungen befinden sich unterhalb der Quellen.

1. Was ist häufiger Auslöser der infektiösen Myokarditis?

  1. Staphylokokken
  2. Streptokokken
  3. kardiotrope Viren
  4. Pilze
  5. Parasiten

2. Wodurch wird die Diagnose „Myokarditis“ gesichert?

  1. Abnahme von Troponin
  2. Erhöhte BSG
  3. Myokardbiopsie
  4. Bestimmung der CK-MB
  5. EKG-Veränderungen

3. Was gehört am wenigsten zum pathologischen Bild der Myokarditis?

  1. Seröses Exsudat
  2. Hypereosinophilie
  3. Fibrotische Umbauprozesse
  4. Hypertrophierte Myozyten
  5. Bakterienreiche Mikroabzesse

Quellen und Leitlinie zur Myokarditis

Leitlinie Myokarditis (im Kinder- und Jugendalter)  der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ). In: AWMF online (Stand 2013, gültig bis 31.08.2018)

ALLEX Alles fürs Examen Band A – Thieme 2012

Duale Reihe: Innere Medizin, 3. Auflage – Thieme 2013

Herold, Gerd u.a.: Innere Medizin 2014

Myokarditis via DocCheck Flexikon

Richtige Lösungen: 1C, 2C, 3D



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